Karneval mal anders

Schnelle Tänze zu rhythmisch klangvoller Musik

Ein vier Meter hoher, feuerspeiender Drache, von vier Leuten mühsam getragen, das war für mich selbst der Höhepunkt des Karnevalsumzugs von Jacmel. Fünf Stunden stand ich am Sonntagnachmittag in Haitis südlicher Hafenstadt mitten in der Sonne, dicht gedrängt zwischen tausenden jubelnden Zuschauern, um einmal Fasching bei 30 Grad mitzuerleben. Grandios war es – und so ganz anders als in Deutschland.

Mit den Jugendlichen aus dem Internat von Gressier und Pater Lamarck SDB bin ich am späten Samstagnachmittag in Richtung Jacmel aufgebrochen. Eine Woche vor dem großen Fest in der Hauptstadt Port-au-Prince sollte hier – so las es sich in meinem Reiseführer – der schönste und traditionsreichste Karnevalsumzug der Karibik stattfinden. Nur rund 50 Kilometer liegt Jacmel von Gressier entfernt. Doch verbindet beide

Mit Père Lamarck SDB und drei Jugendlichen war ich in Jacmel

Städte keine schnurgerade Straße, sondern ein kurvenreicher, steiler Pass über die 1.000 Meter hohen Gipfel des Imatong-Gebirges. Zudem wurde es bereits dunkel, als wir die letzten Berge noch nicht überquert hatten. Straßenbeleuchtung und reflektierende Begrenzungsschilder natürlich Fehlanzeige. Dazu der Verkehr, wilde Überholmanöver auf enger Spur, wo plötzliche 90-Grad-Kurven und Felsen den Gegenverkehr immer wieder verdeckten.

Trotz allem, um 19 Uhr waren wir in Jacmel ohne Zwischenfälle angekommen. Schnelle rhythmische Karnevalsmusik, überfüllte Straßen und ein Verkehrschaos begrüßten uns. Wir übernachteten bei den salesianischen Schwestern, die ein Schulzentrum in der Küstenstadt leiten. Gute Kontakte haben die Salesianerinnen, denn sie konnten uns noch Eintrittskarten für eine der Tribünen am Straßenrand besorgen.
Jedoch genutzt hatte ich meinen reservierten Platz am nächsten Tag kaum. Als wir oben standen, wurde mir schnell klar: Hier kann ich zwar die bunt geschmückte Straße schön überblicken, doch bin ich ebenso zu weit weg vom Geschehen, um gute Fotos zu machen. Also entschieden wir, lieber schwitzend und fürchtend vor einem Sonnenbrand unten in der Menge zu stehen.

Weit über drei Stunden dauerte der bunte Karnevalsumzug

Und es hatte sich gelohnt: Zwar mussten wir zwei Stunden warten, bis die ersten Tanzgruppen an uns vorbeizogen und ich hatte mich fast geschämt, dass ich vorher so Druck gemacht hatte, dass wir ja pünktlich zum Umzug kommen. Doch diese vielen Masken aus Pappmaché und die Kostüme entschädigten uns ganz und gar für die lange, ungewisse Wartezeit. Dieser Karneval zeigte mir, wie viel Kreativität und Detailfreude in den Haitianern steckt. Sicherlich monatelang haben die Bewohner von Jacmel an ihren Kostümen genäht und gebastelt wie auch Tänze einstudiert.

Einen Karnevalsprinzen hat Jacmel nicht, dafür mehrere Königspaare

Die Ergebnisse dieser mühevollen Arbeit, waren tanzende Dinosaurier, furchteinflößende Teufelsgestalten, fantasievolle Engel mit Löwenköpfen und bunte Vogelkostüme mit einer Flügelspannweite von mehr als drei Metern. Bei Letzteren musste ich echt aufpassen, dass ich nicht auf offener Straße von ihren Flügeln erschlagen werde.

Unterschiede zum deutschen Karneval gibt es natürlich zuhauf: Es ist nicht so militärisch angehaucht, die Musik ist eine andere, die Tänzerinnen bewegen sich mit einer unglaublichen Wendigkeit und Schnelligkeit über die Straßen und es ist einfach viel farbenfroher. Dazu die mystischen Gestalten, die so typisch sind für den haitianischen Karneval: Gruselige vielköpfige Urzeitgestalten, riesige Totenkopfmasken und vorbeiziehende Skelettgruppen. In Acht nehmen mussten wir uns auch vor einem Mann, der mit zwei meterlangen Schlangen um seinen Hals durch die Straße marschierte.

Gruselige Urzeitgestalten sind fester Bestandteil des Karnevals in Haiti

“Jacmel Alaaf” hatte jedoch niemand gerufen und Bonbons (Kamelle!) wurden auch nicht geworfen. Zudem gibt es auch keinen Karnevalsprinzen. Dafür zogen aber mehrere Königspaare in traditionellen Gewändern und Bastkostüme durch die Straßen. Selbst Kleopatra hatte ich gesehen. Alle Tanzgruppen, Masken und Figuren konnte ich leider nicht bestaunen: Um 17 Uhr mussten wir wieder nach Gressier aufbrechen, um noch vor Sonnenuntergang die Berge passiert zu haben. Um diese Uhrzeit, nach mehr als drei Stunden Umzug, war das farbenfrohe Treiben jedoch noch lange nicht zu seinem Schluss gekommen. Noch einige Gruppen passierten mit viel lauter Musik die jubelnden Zuschauer, bis schließlich abends die große Party in den Diskos und auf den Straßen begann.

Bis Aschermittwoch geht der Trubel in Haiti noch weiter und dann beginnt auch hier die Fastenzeit.

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Eine Antwort auf Karneval mal anders

  1. Helmut Harwardt sagt:

    Hallöchen Markus.
    Haben heute mit Deinen Eltern gesprochen.
    Wir hoffen Dir geht es gut, Deine Berichte werden gern lesen.

    Lass`mal was von Dir persönlich hören.
    mfg. Helmut

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