Straßenkinder in Sierra Leone

Rund 1500 Straßenkinder gibt es in Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Sierra Leone. Die meisten von ihnen sind Jungen, die von Zuhause weg laufen, weil sie von ihren Stiefmüttern schlecht behandelt worden sind. Ein Mann hat in Sierra Leone meist viele Frauen.  Die Stiefmütter  behandeln die Kinder der anderen Frauen häufig viel schlechter als ihre eigenen Kinder. Wenn die Situation für die Kinder allzu schlimm wird, entscheiden sie sich häufig dazu wegzulaufen. Auf den Straßen von Freetown versuchen sie, ihr Glück zu finden.

Die meisten Straßenkinder kommen aus den ländlichen Regionen, aus Bo und Kono, manchmal sind sie erst 8 oder 9 Jahre alt. Autos oder LKWs nehmen sie mit nach Freetown. Dort angekommen, schließen sie sich anderen Gruppen oder Banden von Straßenkindern an. In den Gruppen herrscht eine strenge Hierarchie, wer neu ist, muss sich seinen Rang erst erkämpfen – meist mit Gewalt.

Um zu überleben, versuchen die Jungen mit Arbeit in Restaurants, Schleppdiensten, dem Verkauf von Bonbons oder Wasser Geld zu verdienen. Auch Diebstähle sind an der Tagesordnung. Werden sie beim klauen erwischt, drohen ihnen harte Schläge vom Bestohlenen. Viele Straßenkinder nehmen daher vor dem Diebstahl schon Schmerztabletten, damit sie, falls sie erwischt werden, die Schläge nicht spüren. Auch das Schnüffeln von Klebstoff und das Rauchen von Marihuana sind unter den Straßenkindern weit verbreitet. Damit versuchen sie, ihre Lage erträglicher zu machen – auf Kosten ihrer Gesundheit.

Nachts schlafen die Straßenkinder auf dem Markt unter den Verkaufstischen, oder aber im Geschäftsviertel unter den Vordächern der Geschäfte. Es ist meist ein unruhiger Schlaf – zu groß ist die Angst, von der Polizei aufgegriffen oder von anderen überfallen zu werden. Immer wieder kommt es auch zu sexuellen Übergriffen. Vergewaltigungen haben in Sierra Leone nach dem Bürgerkrieg (1991 – 2002) massiv zugenommen.

Glück haben die Straßenkinder, die von den Sozialarbeitern von Don Bosco Fambul eine neue Chance bekommen. Don Bosco Fambul ist die einzige Organisation in Sierra Leone, die direkt für und mit Straßenkindern arbeitet. Wenn ein Straßenkind bereit ist, wieder das Gespräch mit seiner Familie zu suchen und sich mit ihr auszusöhnen, kann es an dem zehn-monatigen Rehaprogramm von Don Bosco Fambul teilnehmen. Dort bereiten sich die Kinder auf das erneute Zusammenleben mit ihren Familien vor, lernen wie man mit Konflikten umgeht und gehen erstmals wieder zur Schule.

Auch die Traumaverarbeitung ist ein wichtiger Aspekt der Rehabilitation. So werden beispielsweise traumatische Erfahrungen mit der Polizei aufgearbeitet. Immer wieder werden Straßenkinder von der Polizei eingesperrt oder geschlagen. Don Bosco Fambul organisiert ein Treffen der Straßenkinder mit Polizisten, und die Kinder erzählen von ihren Erlebnissen. So will Don Bosco Fambul zur Gewissensbildung bei der Polizei beitragen und den Kindern helfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten.

Nach den 10 Monaten bei Don Bosco Fambul gehen die Kinder zurück in ihre Familie. Die Sozialarbeiter kommen noch regelmäßig vorbei, um bei Problemen zu helfen und zu vermitteln. So trägt Don Bosco Fambul dazu bei, dass einige Straßenkinder in Sierra Leone wieder zurück zu ihrer Familie kommen und ihr Leben auf der Straße hinter sich lassen können.

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