Viele Straßenkinder aus Mbuji-Mayi in der Provinz der Demokratischen Republik Kongo versuchen, auf den Zug nach Lubumbashi aufzuspringen. In dieser großen Stadt hoffen sie Arbeit zu finden.
Der Zug ist für für viele Straßenkinder in Mbuji-Mayi die einzige Möglichkeit, in die ca. 1 000 km entfernte Stadt Lubumbashi zu gelangen. Doch warum nehmen die Kinder solch das Wagnis auf sich, in eine unbekannte, weit entfernte Stadt zu ziehen?
Zum einen ist die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Mbuji-Mayi ist viel problematischer im Vergleich mit anderen Städten in der Demokratischen Republik Kongo. Es ist leichter auf den Straßen von Lubumbashi zu überleben als in Mbuji-Mayi. Lubumbashi ist die Hauptstadt der rohstoffreichen Provinz Katanga, Zentrum der Kupferherstellung und Abbaugebiet von Kobalt und Zink. In Mbuji-Mayi dagegen sind viel weniger Industrien und deswegen weniger Geld im Umlauf. So verdienen zum Beispiel die Kinder, die Schuhe putzen, in Mbuji-Mayi viel weniger als in Lubumbashi. In Lubumbashi kommt ein Junge mit ca. 10 $ nach Hause, in Mbuji-Mayi können die Jungen von so viel Geld nur träumen.
Des Weiteren hat die Lokalregierung von Mbuji-Mayi eines Tages drastische Maßnahmen ergriffen und die Straßenbewohner vertrieben, wobei einige Kinder getötet wurden. Deshalb trauen sich die Kinder und Jugendlichen nicht mehr herumzulungern. Außerdem werden sie in der Provinz als „Hexenkinder“ wahrgenommen.
Ein weiterer Grund für die Kinder nach Lubumbashi zu gehen ist, dass man sich dort um sie kümmert. In Lubumbashi gibt es Einrichtungen für Straßenkinder, so sind zum Beispiel auch die Salesianer Don Boscos dort aktiv und betreiben ein Netz von Zufluchtsstätten und Bildungsprogrammen für Straßenkinder. Aus diesen Gründen ist der Zug, der zwischen Mbuji-Mayi und Lubumbashi verkehrt, für viele Kinder die Chance, in ein besseres Leben zu fahren.
Doch auch in Lubumbashi verschlechtert sich die Situation für Straßenkinder zunehmend. Seit einem Jahr übt die Regierung immer mehr Druck aus – ihr Slogan ist „Lubumbashi, saubere Stadt“. Das heißt ohne Dreck, ohne Straßenhändler und ohne Straßenkinder. Deshalb wird auch die Arbeit der Salesianer nicht gerne gesehen, da diese Straßenkinder anzieht – eine Zufluchtsstätte wurde bereits geschlossen. Ab und zu machen die Militärs Razzien und bringen die Kinder in staatliche Zentren. Doch dort gibt es keine angepassten Erziehungsprogramme und die Kinder laufen bald wieder davon und landen erneut auf der Straße.
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