Strassenkinderreport Teil 17: Guatemala

Thema des 17. Teils unserer Reihe Strassenkinderreport ist das mittelamerikanische Land Guatemala.

Guatemala, in Zentralamerika gelegen, ist gepraegt durch sein kulturreiches und eng bevoalkertes Hochland und seine tiefer gelegene Hauptstadt Guatemala-Stadt, in der 2,5 Millionen Menschen, ein Fuenftel der gesamtem Bevoalkerung, lebt.

59,4% der Bevoalkerung sind indigen, 80% leben in Armut. 40% sind Analphabeten. Neben den Europaeern und der gemischt-europaeischen Bevoalkerung stellt die indigene Gruppe die groasste Ethnie des Landes dar.

In Guatemala leben angeblich 6000 Strassenkinder. Die meisten sind Opfer des lang anhaltenden Buergerkrieges (1960-1996). Sie leiden unter Vertreibung, Verwaisung und Armut. Die jugendlichen Obdachlosen leben und arbeiten auf den Strassen. Dort schliessen sie sich den gewalttaetigen Maras (Jugendbanden) an, denen die guatemaltekische Regierung und die Polizei nicht Herr wird.

Neben den Strassenkindern arbeiten zwei Millionen Kinder und Jugendliche auf den Strassen, um sich und ihre Familien zu unterstuetzen. Kinderhandel und Kinderprostitution sind ein florierendes Geschaeft, denen vor allem die Maedchen im Norden des Landes zum Opfer fallen.

Strassenkinder in Guatemala
Zahlen und Fakten

In Guatemala leben nach offiziellen Angeben rund 6000 Kinder ausschliesslich auf der Strasse. Hinzu kommen Tausende, die dort mit verschiedenen Gelegenheitsjobs tagsueber ihr Geld verdienen, nachts aber in ihre Favelas (Elendsviertel) am Rande der Staedte zurueckkehren. Hauptgruende fuer das Verlassen der Familien sind Armut, innerfamiliaere Gewalt und kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch sexuelle uebergriffe durch Verwandte oder Nachbarn, Misshandlung und Isolierung, Verstossung von der Familie und fruehe Schwangerschaften oft als Folge sexuellen Missbrauchs. Drogenkonsum und Missbrauch sowie Ausbeutung durch Drogenbanden sind weitere Ursachen. Von allen guatemaltekischen Kindern leben bis zu 80% am Existenzminimum, sie muessen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, wenn sie nicht verhungern wollen.

Das Leben auf der Strasse wird schnell vom Drogenkonsum beeinflusst. Kinder schnueffeln Klebstoff, um den Hunger nicht zu spueren und um die Kaelte zu ertragen. Auf der Strasse leiden die Kinder oft unter Mangelerscheinungen. Um zu ueberleben, sind sie gezwungen, sich zu prostituieren oder zu stehlen.
Neben der Sorge, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern und der taeglichen Gewalt auf der Strasse zu entgehen, leben Strassenkinder in staendiger Angst, der von privaten Sicherheitsdiensten durchgefuehrten ?Strassen-Saeuberung” zum Opfer zu fallen. Ihnen gibt man die Schuld an der Unsicherheit in den Staedten und an der steigenden Kriminalitaet. Da Gewalt gegen Strassenkinder und ihre Ermordung selten rechtlich verfolgt werden, sind Strassenkinder trotz ihrer verbrieften Rechte schutzlos. Die Haupttodesursache auf der Strasse ist, erschossen oder erstochen zu werden.

Landflucht
Um der Armut und der Perspektivlosigkeit zu entrinnen, suchen seit einigen Jahren immer mehr Jungen und Maedchen im fruehen Jugendalter ihr Glueck in der Hauptstadt des Landes, in Guatemala-Stadt. Oft werden sie schon als Kleinkinder von ihren Eltern mit auf die grossen Muellhalden genommen, um dort nach wieder verwertbarem Material zu suchen, das sie verkaufen und damit etwas Geld verdienen. Fuer die Schule bleibt keine Zeit. Man schaetzt, dass in Guatemala zwei Millionen Kinder erwerbstaetig sind. In Guatemala-Stadt und den anderen grossen Staedten des Landes haben Jugendliche der Strasse kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz und ein humanes Leben.

Kinderarbeit, Kinderhandel, Kinderprostitution

Kinderarbeit
Es gibt ungefaehr 800.000 bis 2 Millionen arbeitende Kinder in Guatemala. 520.000 sind im Alter von fuenf bis vierzehn Jahren, das entspricht 16 Prozent der Kinder dieser Altersklasse. 21 Prozent der Jungen und 11 Prozent der Maedchen muessen arbeiten, 63 Prozent in der Landwirtschaft, 14 Prozent in der Industrie und 23 Prozent in der Dienstleistungsbranche. Ein Grossteil der Kinder arbeitet fuer die eigene Familie (69 Prozent der Jungen und 67 Prozent der Maedchen). Eine kleinere Gruppe sind Tageloehner (Jungen: 12 Prozent, Maedchen: 17 Prozent) und Lohnarbeiter (Jungen: 11 Prozent, Maedchen: 8 Prozent). Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betraegt 35 Stunden bei den Maedchen und 33 Stunden bei den Jungen. Am hoechsten ist der Anteil der arbeitenden Kinder unter der indigenen Bevoelkerung Guatemalas. Fast zwei Drittel aller arbeitenden Kinder (62,8 Prozent) sind im landwirtschaftlichen Sektor, beispielsweise bei der Kaffee- und Brokkoli- Ernte, beschaeftigt. Andere arbeiten als Hausangestellte, Muellsammler und Schuhputzer. Kinder tragen schwere Lasten oder klopfen und zerkleinern Steine und Felsbrocken in Steinbruechen. Guatemala ist bis heute ein Ziel- und Durchgangsland des Kinderhandels und der Kinderprostitution.

Kinderhandel
In Guatemala ist Adoptionen laengst nicht mehr nur ein Mittel, um verlassenen oder verwaisten Kindern ein Heim zu bieten, sondern ein lukrativer Handel. Kinder sind zum Exportgut in Richtung USA und Europa geworden. Viele Eltern handeln aus Verzweiflung und in der Hoffung, ihren Kindern mit der Freigabe zur Adoption eine bessere Zukunft zu gewaehrleisten. Durch den “Pacto de San Jos?? oder die “Convenci?n Americana sobre los Derechos Humanos” von 1978-1990 wurden zum ersten Mal in Guatemala die Kinderrechte gesetzlich verankert.

Kinderprostitution
An der Grenze zwischen Guatemala und Mexiko sind sexuelle Ausbeutung Minderjaehriger und Kinderprostitution weit verbreitet. Von den 15.000 Kindern und Jugendlichen, die davon betroffen sind, sind 95 Prozent Maedchen. In die Hauptstadt von Guatemala hat die ?Casa Alianza? mehr als 2.000 jugendliche Opfer sexueller Ausbeutung identifiziert.

Der Text und die Bilder wurden uns freundlicherweise zur Verfuegung gestellt von http://www.strassenkinderreport.de

Du willst noch mehr ueber die Situation von Strassenkindern in Guatemala erfahren? Dann klick hier und informiere dich direkt auf der Homepage des Strassenkinderreports!

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