Monatsarchiv für August 2010

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Ein erstes Mal Aguablanca

Ein Tag nachdem wir richtig angekommen sind, sind Jana und ich am Freitag zusammen mit Reyna das erste mal mit in die Schule gefahren. In dem Viertel, indem wir wohnen, sind die Straßen weitestgehend in Ordnung. Aber sobald wir uns dem Viertel Aguablanca mehr und mehr genähert haben, wurden die Straßen immer schlechter. Außerdem liegt überall Müll, sogar im Fluss. Die Häuser werden immer schlechter, manche sehen richtig einsturzgefährdet aus. Auf den Straßen fahren viele Mopets, Fahrräder, Busetas, Autos und manche spannen vor ihren Karren ein Pferd. Der Verkehr ist einfach nur schrecklich, weil hier werden keine Straßenregeln beachtet werden. Ich sitze immer nur auf dem Rücksitz ohne Anschnallgurt und halte die Luft an, wenn es wieder mal eng wird. Es ist einfach sehr gewöhnungsbedürftig.

Ich kann meine Gefühle, die ich hatte, als ich das erste mal in der Schule war, nicht richtig in Worte fassen. Ich war einfach überwältigt die Schule nicht nur auf Fotos zu sehen, sondern selbst dort sein zu dürfen. Ich habe mich richtig gefreut alle persönlich kennen zu lernen.

Die Schule ist viel kleiner als ich es mir vorgestellt habe, die Klassenräume sind klein, die Tafeln und Stühle sind abgenutzt. Aber es herrscht dort unheimlich herzliche und offene Atmosphäre; die Schüler und Lehrer sind ebenso. Erstmal haben uns die Kinder etwas beäugt, aber dann kamen sie auf uns zu gelaufen, haben uns ausgefragt wer wir sind, wo wir herkommen und ob wir mit unseren Vorgängern Lukas und Gundula aus Deutschland verwandt sind. Manche Kinder sind auch einfach auf uns zu gelaufen und haben uns umarmt.

Mir ist sofort positiv aufgefallen, dass die Kinder selbstverständlicherweise ihre Teller vom Essen abgespült haben und ihre Klassenräume geputzt haben. In Deutschland wäre das unvorstellbar! Außerdem kümmern sich die älteren Schüler (vielleicht Klasse 10 und 11) fürsorglich um die jüngeren Schüler (besonders Grundschulalter). Sie nehmen die Kleinen an der Hand, flechten ihnen die Haare und fragen nach wie es ihnen geht.

Durch den ersten Tag ist mir ist bewusst geworden, dass die Arbeit in Herborn für die Schule in Aguablanca unverzichtbar ist!

Schulalltag

Um pünkltich in die Schule zu kommen, müssen wir jeden Morgen um 5 Uhr 45 (!) aufstehen. Ich weiß nicht, ob ich in Deutschland für Schule jemals so früh aufgestanden bin. Aber daran muss ich mich wohl oder übel gewöhnen.

Um 7 Uhr müssen alle Schüler da sein. Der Schulalltag beginnt mit einer kleinen Andacht, da es eine katholische Schule ist. Anschließend folgen 2 Stunden Unterricht. Nach den ersten beiden Stunden gibt es für alle Kinder Frühstück. Es gibt Kakao in Plastikbeuteln, etwas Süßes und Brot. Danach folgt eine weitere Stunde Schule und große Pause. In der großen Pause toben sich die Kinder sich richtig aus, dann ist es auf dem Schulhof immer sehr laut. Nach der Pause sind wieder 2 Stunden Unterricht und anschließend gibt es Mittagessen. Danach haben die höheren Klassen noch Unterricht, manche Schüler bleiben auch noch da, um zum Beispiel Violine zu spielen.

2. Tag Aguablanca

Montag sind wir erst mit in die Vorklasse gegangen. Zunächst haben uns die Kinder nach allem Möglichen ausgefragt. Indem wir den Kindern beim Schreiben lernen geholfen haben, haben wir die Lehrerin unterstützt. Teilweise hat es gereicht einfach nur das Wort zu buchstabieren. Ich habe in meinem Liliput Wörterbuch Deutsch- Spanisch die Wörter nachgeschlagen, damit ich sie richtig buchstabieren konnte.

Dabei habe ich sehr schnell meine Grenzen der spanischen Sprache bemerkt, weil die kleineren Kinder sehr schnell und leise reden. Wenn ich nachfrage, sagen sie immer den Satz mit den gleichen Wörtern, die ich nicht kenne. Bei den Lehrern oder älteren Schüler ist es für mich einfacher, weil sie beim Wiederholen andere Wörter benutzen und versuchen es eher zu beschreiben. Aber ich bin noch sehr zuversichtlich Spanisch gut zu lernen, weil die Kinder zu mir gesagt haben, dass Lukas es am Anfang genauso ging und sie ihm die Sprache Stück für Stück beigebracht haben. Im Unterricht lerne ich im Moment mit den Kleinen Vokabeln. Heute habe ich die Namen der Farben in der 1. Klasse wiederholt, denn die Kinder sollten etwas bunt malen und ich habe dann nach den Namen gefragt.

Außerdem habe ich im Englischunterricht der Klassen 5 und 8 gemerkt, dass ich sehr viel Spanisch denke. Wir sollten uns selbst vorstellen, zur Veranschaulichung haben wir Bilder von Schnee und unserem Zuhause gezeigt. Dabei sind mir die einfachsten Vokabeln im ersten Moment nicht mehr auf Englisch eingefallen – sondern nur noch auf Spanisch. Außerdem haben wir beide beim Sprechen gemerkt, dass wir z.b. statt „and“ immer „y“ oder statt „I like“, „me gusta“ gesagt haben. Ich hoffe, dass das wieder anders wird, wenn ich englische Filme gucke oder englische Bücher lese.

Ich bin jetzt auf die kommende Zeit gespannt. Nächste Woche werden wir in die Schule „Segrada Familia“ gehen, in der Schwester Julia ebenfalls Schulleiterin ist, da in Aguablanca 2 Wochen Ferien sind. Dort werden wir am Spanischunterricht teilnehmen. Außerdem wollen Jana und ich Buseta fahren lernen, vielleicht etwas von der Stadt sehen und uns mit Natalia und ihrer Familie treffen. In 2 ½ Wochen werden Jana und ich dann richtig in den Schulalltag einsteigen.

Ich hoffe es geht euch allen im kalten Deutschland gut – bis demnächst!
Klara

Geschrieben von Lisa und Rabea am 26. August 2010 | Abgelegt unter Archiv | Kommentare deaktiviert

Angekommen

Jana

Nach einer 24-stündigen Reise sind wir gut in Cali angekommen. Klaras Koffer war zwar kurzzeitig nicht da, wurde aber mit dem nächsten Flugzeug gebracht. Was ein Glück.
Ein Schritt aus dem Flughafen, und schon schlägt einem die Wärme und die ganze Feuchtigkeit ins Gesicht.
Auf der Autofahrt zu unserem Schlafplatz (es war zu spät um noch in unsere Wohnung zu fahren, also haben wir bei Reyna übernachtet) konnte man sofort sehen, was die Nacht hier für eine Bedeutung hat: An den Straßenrändern liegen sehr viele obdachlose Menschen, zugedeckt mit Plastiktüten; ein junges Mädchen, vielleicht 16 Jahre alt, geht an zwischen den Autoschlangen hindurch und bettelt um Essen, dabei zeigt sie ihren runden Bauch. Sie ist vielleicht im fünften oder sechsten Monat schwanger. Jedesmal bekomme ich Gänsehaut.
Manchmal halten wir nicht an roten Ampeln, zu groß sei die Gefahr, wir könnten überfallen werden, sagt uns Reyna.

Der erste Tag

…ist vorüber. Auch wenn wir die Zeitumstellung noch nicht ganz überwunden haben, so sind wir doch ziemlich froh, dass wir nun zur Schlafenszeit auch ordentlich müde sind.
Gegen Mittag haben wir dann endlich unsere Wohnung bezogen. Sie befindet sich im dritten Stock und ist sehr hell, sehr groß und für kolumbianische Verhältnisse sehr komfortabel.
Wir haben einen kleinen Balkon und der Flur liegt halb im Freien, in einer kleinen Küchenzeile könnten wir uns theoretisch etwas zu Essen kochen, aber es gibt noch keine Streichhölzer um den Herd anzumachen. So ernähren wir uns zur Zeit von Ananas, Mangos und Papayas.
Und es gibt kein warmes Wasser, aber das ist hier eigentlich so üblich.

Abends

Nun liege ich in meinem Bett, das uralte, aber große Fenster weit geöffnet. Wenn ich hinaussehe, ist Klaras Zimmer direkt gegenüber, aber ich sehe ebenso die riesige Wellblechlandschaft, die sich vor mir erstreckt und bis zu den Bergen reicht. Dort, wo die meisten Lichter brennen, ist Siloé, ein ähnliches Viertel wie Aguablanca. Man erkennt es an einem blinkenden, großen Stern, der zugleich Wahrzeichen und Warnung ist. Auf dem nächsten Berg ist der Christo Rey, der in etwa das gleiche darstellt wie der in Rio de Janeiro. Die Luft ist stickig, feucht und warm. Zum Glück ist es ein wenig windig. Aber es riecht verbrannt.
Ich höre schnelle, laute und unaufhörliche Werbung im Fernsehen von draußen, eine unglaublich penetrante, sich wiederholende und komischerweise orientalisch klingende Oboe, die entfernte Musik einer Disco, Sirenen, weinende Kinder, das Rauschen der vorbeifahrenden Autos und Motorräder, das Klappern von Absatzschuhen. Und das alles gleichzeitig.

Buenos Días!

Milch zum Anrühren, Ameisen im Brot, eine Kakerlake in der Dusche, dafür aber keinen einzigen Mückenstich! Spätestens jetzt ist mir wieder klar geworden, dass das Leben in den Tropen einfach komplett anders ist.
Heute morgen wurden wir abgeholt und sind zur Schule gefahren. Es ist jedesmal wieder erstaunlich, wie klein sie doch ist. Als wir den Schulhof betreten, macht eine kleine Schülergruppe gerade eine Tanzaufführung. Es ist Sporttag und auf dem benachbarten Platz spielt die vierte gegen die fünfte Klasse das Fußballfinale. Kurz darauf sind wir in der ersten Klasse, wo die Kinder uns ganz lieb begrüßen und sofort in ganz schnellem und schwer verständlichen Spanisch Löcher in den Bauch fragen:
Wo haben wir Deutsch gelernt? Was heißt „sapo“ auf Deutsch? Nun stellt sich nur noch die Frage, wen oder was sie als Kröte bezeichnen wollen…
Bereits jetzt kann ich sagen: Ich liebe diese Kinder. Sie schließen einen so schnell ins Herz, dass sie es einem wirklich unmöglich machen, sie nicht auch gern zu haben. Heute kam ein kleines Mädchen auf mich zu, umarmt mich- und geht wieder zurück in ihren Klassenraum.
Ich habe das Gefühl, das wird ein tolles, tolles Jahr …

Geschrieben von Lisa und Rabea am 21. August 2010 | Abgelegt unter Archiv | Kommentare deaktiviert

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