Ein halbes Jahr ganz anders – Und auf geht’s in die zweite Halbzeit

Seit unserer Rueckkehr aus Goa und Mumbai wird es langsam richtig warm im suedindischen Ajjanahalli. Die Mangobaeume auf unserer Farm sind schon seit Januar am bluehen und inzwischen kann man die ersten kleinen Fruechte sehen. Unserer Jungs, vor allem die 10. Klasse, bereitet sich seit mehreren Wochen auf das alles entscheidende Abschlussexamen vor. Dieses ist fuer die 10er sehr wichtig zu bestehen, da es noetig ist fuer alle weiteren Ausbildungsschritte. Seit Ende letzten Jahres ist auch ein ehemaliger Junge wieder bei uns, der letztes Jahr durch die Abschlusspruefung durchgefallen ist und es dieses Jahr zum zweiten Mal probiert. Dafuer muss er im Moment nicht nochmal zur Schule gehen sondern lernt hier bei uns im Projekt. Ausserdem findet seit Samstag in Indien, Bangladesh und Sri Lanka die Cricketweltmeisterschaft statt und das ganze Land ist im WM-Fieber (das erste Spiel am Samstag hat Indien schon fuer sich entschiedenJ).
Vielleicht liegt es daran, dass ich hier in Indien nicht anhand der Jahreszeiten Sommer, Herbst, Winter und Fruehling den Verlauf des Jahres realisiere. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass jeden Tag so viel passiert, ich immer neues erlebe, morgens aufstehe und nicht weiss, was der Tag bringen wird; ob wieder ein Ferientag ist und die Jungs gar nicht zur Schule gehen oder ob wieder ein neues Fest ansteht fuer das wir unsere Band buehnentauglich machen muessen. Wuerde ich es nicht jeden Tag auf dem Kalender sehen, wuerde ich also wohl selbst am allerwenigsten glauben, dass ich zusammen mit Miriam schon ein halbes Jahr in Indien bin. Wir haben unseren nichtvorhandenen Kulturschock ueberwunden, uns vielen so unterschiedlichen Aufgaben des Nichtalltags gestellt und gemeinsam wichtige Erfahrungen gemacht. An einiges haben wir uns inzwischen gewoehnt, an so vieles andere wollen wir uns nie gewoehnen. Da sind vor allem natuerlich die schoenen Erlebnisse mit unseren Kinder zu nennen, die man einfach nie vergessen moechte, aber auch Dinge, die mich nachdenklich machen. Allein schon ueber dieses Land Indien moechte ich nie aufhoeren, mich zu wundern.
Eines der besonderen Erlebnisse der letzten Woche war, dass wir zum ersten Mal die Schuljungs mit zur Middle- und Highschool nach Ajjanahalli bringen konnten. Oft haben die Jungs uns und wir unseren Direktor schon gefragt, worauf wir aber immer Absagen kassieren mussten; doch dann ist am Freitag auch fuer uns endlich der Schulgong ertoent. Auf dem 15minuetigen Weg nach Ajjanahalli sieht man die Armut direkt nebenan in Indiens Doerfern: In kleinen Huetten leben die Menschen dort gemeinsam mit ihren Tieren in ganz einfachen Verhaeltnissen. Dennoch oder gerade deswegen haben sie eine strahlende Lebensfreude und so werden wir mit einem freundlichen „Namaskara!“ stets von den Dorfbewohnern auf einen Chai in ihr Haus eingeladen…
Daher gibt es auch fuer die naechsten 6 Monate viel neues zu erleben und vor allem zu lernen…
Und so starten Miriam und ich mit neuer Energie in die zweite Halbzeit unserer Meisterschaft!

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JAI HO! – eine kleine Reise durch ein paar der unendlich vielen Gesichter des Incredible India

Weihnachten unter indischem Himmel – Silvester am Strand in Goa – Zwischenseminar – Mumbai. Seit einiger Zeit bin ich nun wieder zurueck bei unseren Kindern in Ajjanahalli. 2 ½ Wochen lang bin ich ein kleines bisschen durch Indien gereist und durfte dabei wieder feststellen: Indien ist so vielseitig, so bunt, so chaotisch, so schrecklich -/und schoen, so faszinierend, so unbegreiflich; Incredible India eben. Ausserdem habe ich bei meiner Reise ein neues Hobby entdeckt: Das Zugfahren durch den indischen Subkontinent: In der Sleeperclass (die billigste Klasse, die aber fast alle Inder waehlen) liegt man ueber Nacht auf Pritschen mit 8 Leuten in offenen Abteilen, tagsueber sitzt man an den Tueren, die immer offen sind, faehrt durch die wunderschoene Landschaft (es sei denn, es liegt mal wieder Muell in der Natur), laesst die Welt an sich vorbeiziehen und vergisst dabei die Zeit. Und dann hoert man immer wieder: „Chai, Chai!“ (der indische Tee; ein heisses und oft wuerziges Getraenk mit Milch, der immer und ueberall in Indien verkauft wird).

Unser Zwischenseminar hatten wir in Goa, dem an der Westkueste Indiens gelegenen Bundesstaat, der bekannt ist fuer seine Traumstaende und wohl eher lateinamerikanisches Flair als indischen Trubel aufweist. Hier haben wir wieder ein ganz anderes Indien erlebt: Die Strassen sind einigermassen sauber (es gibt dort sogar Muelleimer!!), man hoert keine Bollywoodmusik im Bus (fuer die musikalische Unterhaltung bei langen Fahrten haben wir dann gesorgt;-)), man trifft wahnsinnig viele Touristen (was uns echt genervt hat, da diese stets knappbekleidet aufzufinden waren und kein bisschen Ruecksicht auf die indische Kultur genommen haben – wir sind eben alle schon mehr oder weniger „indisch“ geworden) . Silvester haben wir am Strand gefeiert, haben die Tage ueber Ausfluege gemacht, die Don Bosco Projekte in Goa besucht, die ein oder anderen thematischen und hochinteressanten Gespraeche gefuehrt, den Sonnenuntergang am Meer angesehen und uns gefreut, alle wiederzusehen und Zeit miteinander zu verbringen. Das war wohl am schoensten…


DAS IST GOA!!!


unsere Truppe an Silvester


Unter diesem Wasserfall sind wir geschwommen:)

Anschliessend haben Miriam und ich Elias und Jonas besucht, die in Mumbai im Shelter Don Bosco Volontaere sind. Mumbai hat mich nochmal auf eine ganz andere Art und Weise fasziniert: Allein die Vorstellung, dass dort 17,5 Mio. Menschen (jeden Tag kommen mehrere Tausend hinzu) zwischen Bollywood und dem groessten Slum Asiens leben, ist unvorstellbar. 55% der Bevoelkerung Mumbais lebt in Elendsvierteln. Viel staerker als in Bangalore sieht man Kinder, die betteln anstelle zur Schule zu gehen. Dennoch hat diese Stadt ein ganz besonderes Flair, das man schon bemerkt, sobald man auf die Strasse geht und sich in das Gewirr aus stroemenden Menschenmassen, ueberfuellten Zuegen, hupenden Taxen und stickigen Abgasen stuerzt; mittendrin in „Slumdog Millionair“. Das Projekt „Shelter Don Bosco“ in Mumbai haben wir fuer einen Abend auch besucht. Von Elias und Jonas weiss ich, dass die Salesianer dort sehr gute Arbeit leisten. Die meisten Kinder, die dort leben, wurden von Streetworkern am Bahnhof aufgelesen. Aus allen Staedten und Doerfern Indiens kommen sie in der Megastadt Mumbai an – ganz allein und dass nur, weil sie gehoert haben, dass Mumbai eine reiche Stadt ist (was fuer indische Verhaeltnisse auch stimmt, allerdings sind die Disparitaeten zwischen Arm und Reich in Mumbai so gross, wie an keinem anderen Ort Indiens). Ueber Don Bosco Padrino kann man eine Patenschaft fuer dieses Projekt in Mumbai uebernehmen und somit gleich 60 Kinder auf einmal unterstuetzen.


Die Promenade des Marine Drive: Hier lassen abends zum Sonnenuntergang Hunderte von Indern ihre Fuesse ueberm Arabischen Meer baumeln. Man trifft so viele verschiedene Menschen und kommt mit ihnen ins Gespraech… Hinten koennt ihr den beruehmten Chowpatty Beach sehen.


Chhatrapati Shivaji Terminus, der Bahnhof aus Slumdog Millionaire und der schoenste, den ich je gesehen habe. Heute ist er der betriebsamste Bahnhof Asiens. 2,5 Mio. Menschen bevoelkern ihn taeglich.

In Mumbai waren wir auch das erste Mal in einem indischen Kino. Ein bisschen Kino musste in der Hauptstadt des Films einfach sein (jaehrlich gibt es naemlich mehr als 900 neue Bollywoodfilme, dagegen sieht also sogar Hollywood klein aus). Mit unseren 2 super Gastgebern und Beschuetzern (Frauen sollten in Indien naemlich nicht allein ins Kino gehen), haben wir uns auch in das groesste Imax-Kino der Welt getraut. Ausserdem habe ich in Mumbai das erste Mal seit fast 5 Monaten wieder einen Foen gesehen; Miri und ich waren naemlich beim Frisoer;-) Auch das musste einfach mal wieder sein…
Manchmal, wenn ich in Bangalore bin oder irgendwo anders in Indien, denke ich: „Oh mein Gott, wo bin ich hier eigentlich gelandet?“ Indien ist so anders und manchmal auch so schrecklich (die Armut auf der Strasse, der Dreck und die Kuehe, die im Muell wuehlen… In allem, was man sieht, kann man aber auch etwas Faszinierendes und Spannendes entdecken (in den unendlich vielen Religionen z.B., die die Inder ueberall zum Ausdruck bringen). Ganz besonders toll an diesem Land finde ich aber die Hilfsbereitschaft: Egal wo wir sind, ueberall werden wir angesprochen und alle wollen uns wirklich (und wirklich meine ich wirklich so) weiterhelfen. So auch bei unserer ersten kleinen Reise: Es fing schon bei der Fahrt von Ajjanahalli nach Bangalore an. Normalerweise nehmen wir immer den Bus. Fr. Siju wollte uns dann aber doch lieber begleiten und so fuhren wir mit dem Jeep in die Stadt. Da wir noch etwas Aufenthalt in Bangalore hatten, wurden wir zunaechst einmal bei Bosco Mané abgeliefert (einem Don Bosco Projekt in Bangalore, in dem die Kinder sind, die direkt von der Strasse kommen und nach ein paar Monaten unter anderem an uns weitergegeben werden). Von dort aus wurden wir zwei Streetworkern von Don Bosco ueberreicht, die am Majestic (dem Hauptbahnhof in Bangalore) arbeiten und dort die Strassenkinder aufsuchen, die mit dem Zug in Bangalore ankommen oder sich einfach taeglich dort aufhalten. Station Nr. 3 war der Zug. Ohne unsere 2 netten Begleiter haetten wir wohl nie den richtigen Zug, geschweige denn unseren Platz gefunden (jetzt sind wir aber uebrigens Profis im indischen Zugfahren!). Jedenfalls hatten wir natuerlich gleich die gesamte Aufmerksamkeit unseres Abteils und allen wurde mitgeteilt, wo wir aussteigen muessen… Ich koennte noch bis zum Rest unserer Reise so weiterberichten; von Menschen, die einfach hilfsbereit sind.
Nun bin ich also wieder zurueck in meinem Nicht-Alltag in Ajjanahalli (Von Oli&Maurits stammt der Spruch: „Alltag ist, wenn man sich damit abgefunden hat, dass es keinen Alltag gibt!“). Am 30. und 31. Januar haben wir das Don Boscos Feast gefeiert. Und nicht nur wir – alle Don Bosco Einrichtungen der Welt feiern den Geburtstag von Don Bosco mit einem grossen Fest. Vor einem Jahr hatte ich somit auch mein erstes Vorbereitungsseminar beim Don Bosco Forum in Bonn. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie viel mich seitdem damit verbindet.
Diesmal haben wir unserer Band ein Bosco-Lied beigebracht, dass Wolfgang Anna-Lena Mozart und Miriam John selbst komponiert haben. Mit den Kleinsten haben wir einen Tanz auf „Oh ich will jetzt gleich Koenig sein“ aus dem Musical „Der Koenig der Loewen“ eingeuebt und Magic durfte natuerlich auch wieder nicht fehlen. Das hoert sich alles jetzt sehr schoen und spannend an (ist es ja auch), fordert uns aber auch jeden Tag aufs Neue heraus und ist nicht immer leicht. Am Ende kann ich aber doch immer wieder sagen: Die Muehe hat sich gelohnt!! Wenn man die Kids auf der Buehne sieht, weiss man, wofuer man diese „Arbeit“ macht!! Und so konnten wir uns bei dem ganzen Spass und der Freude der Jungs auch von vielen harten Kritikern hohe Lobworte zum Dance der Centerboys, der Band und zu Magic anhoeren. Ein Gast war vor 2 Wochen schonmal zu Besuch in Ajjanahalli und hat uns bei der Bandpractice zugeschaut. Er meinte, dass er ueber die Entwicklung nur staunen koenne und hat uns gleich zu sich eingeladen. Auch ueber die Frage einiger Gaeste, ob wir denn aus Afrika kaemen oder ob die Geschichte des Koenigs der Loewen in Deutschland spielt, konnten wir dann doch voller Freude schmunzeln.
Am Donnerstag machen Miri und ich uns auf den Weg zu unserem 2. Zwischenseminar, dass von BREADS aus in Bangalore stattfindet. Diesmal treffen wir die Volontaere aus den USA, Tschechien, UK, Deutschland…, die in den Don Bosco Projekten in Suedindien sind.
Bis dahin alles Gute,
eure Anna

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Dezembertraeume unter indischem Himmel

…zwischen Tempeln und Moscheen, bei Bollywoodgesaengen und rund 7000km weiter Entfernung von der Familie. Ob man hier wirklich Weihnachtsgefuehle entwickeln kann, haben Miriam und ich uns die letzten Wochen schon oefters gefragt.
Jetzt, am 3.Advent kann ich ganz klar sagen, dass man hier mit unseren Jungen auf eine ganz andere Art und Weise Weihnachtsgefuehle entwickeln kann. Die Jungs freuen sich schon sehr auf Christmas und die Kleinen fragen jeden Tag, wann es denn so weit ist. Die Adventszeit begann damit, dass wir einen riesigen Adventskranz aus unseren Bambusstoecken gebunden haben, der jetzt den Essenssaal der Kinder schmueckt. Jeden Mittwoch- und Sonntagabend, wenn wir mit den Jungs essen, brennen die Kerzen (und manchmal auch der ganze Kranz…).

Unser Adventskranz mit Adventskalender fuer die Jungs 5 Stunden bevor er den ersten Brand erfahren hat und fast abgefackelt waere – aber Feuerwehrfrau Anna-Lena-Aunty hat ihn gerettet;-) Er ist ein bisschen indisch, ein bisschen deutsch: Indisch, weil er so bunt ist (die goldenen Tannenbaumkerzen waren die einzigen, die wir in ganz Bangalore auftreiben konnten) – deutsch, weil die „Bonbons“ mit den Namenszetteln aus unseren alten Klopapierrollen bestehen;-) Und Klopapier ist bekanntlich ja so un-indisch wie Bollywood in Deutschland!
Jeden Morgen vor dem Fruehstueck wird ein Bonbon fuer den jeweiligen Tag gezogen und die Jungen, deren Namen darin enthalten sind, bekommen ein Geschenk. Alle sind jedes Mal total gespannt und klatschen, wenn gezogen wird. Besonders schoen ist es, dass einige Jungs ihren Platz gewechselt haben um beim Essen unter dem Kranz zu sitzen, dass man mit Wachsmalern, Wasserfarbe, Glitzerstiften oder Waschschwaemmen sogar den Grossen eine riesige Freude bereiten kann und dann sieht, was sie tolles daraus basteln… Narashima z.B.hat sein T-shirt mit Glitzerfarbe und den Namen seiner Freunde aufgepeppt:-D.
Auch wenn es wie immer viel zu tun und vorzubereiten gibt, kommt man hier in Ajjanahalli also wirklich in Weihnachtsstimmung. Unserer Band bringen wir zur Zeit Weihnachtslieder bei und fuer den naechsten Ferientag haben wir uns die Plaetzchen-Back-Aktion-ohne-Backofen vorgenommen (Schokocrossies brauchen den zum Glueck nicht;-)).
Die Kinder aus den umliegenden Doerfern haben schon Weihnachtspost mit selbstgemalten Bildern an ihre Paten in aller Welt geschickt. Diese Patenschaft laeuft auch ueber Don Bosco, denn es gibt naemlich die Padrino-Patenschaft, mit der man die Kinder in den Don Bosco Einrichtungen und den dazugehoerigen Orten langfristig unterstuetzen und eine Patenschaft uebernehmen kann. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Einzelpatenschaft, sondern – viel besser wie ich finde – um die Patenschaft ueber ein ganzes Projekt oder Dorf. Das hat zum Vorteil, dass von dem Geld nicht nur ein Kind auf eine besondere Schule geschickt wird, sondern beispielsweise erst einmal eine Schule gebaut wird, die dann sehr viele Kinder besuchen koennen und von der auch die nachfolgenden Generationen etwas haben. Eine allgemeine Patenschaft aendert also wirklich etwas an der Situation vor Ort. Ausserdem wird kein Kind „bevorzugt“ und von seiner Familie und seinem gewohnten Lebensraum herausgerissen.
Dies sind alles spannende Erfahrungen, die ich hier sammeln darf. Und neben all dem lerne ich grad uebrigens Motorrad fahren! Fr. Siju bringt es mir bei und es macht echt Spass! In Indien faehrt fast jeder Moped oder Motorrad (ist auch einfacher zum Ueberholen und schnellem Fahren, wobei die Inder sich da ja eh nie einschraenken lassen:-P).
Heute machen Miri und ich uns einen entspannten Tag in Bangalore. Auf gehts zu unseren Lieblingscafes, in denen man seinen Chocodonut mit Besteck und bei westlicher Musik serviert bekommt:-P Das geniessen wir immer sehr und ist auch wieder dringend noetig…
Zum Abschluss hier noch ein Weihnachtsgedanke, vergleichbar mit dem Good Night Talk, wie er jeden Abend in allen Don Bosco Einrichtungen auf der ganzen Welt gehalten wird:
Seit 3 Wochen melde ich mich endlich wieder aus dem Internet. Das liegt zum Einen daran, dass wir letzte Woche unseren Arbeitsmontag hatten, da wir vorletzte Woche fuer 2 Tage in Bangalore waren. In dieser Zeit war das Internet allerdings nicht so ganz auf unserer Seite, da wir frueh morgens den Bus um 5.45 Uhr nach Bangalore verpasst haben – so ziemlich unsere einzige Moeglichkeit um in die Zivilisation zu kommen. Nach wie vielen Stunden der naechste kommt, weiss man nie ganz genau und selbst dieser wuerde nur bis zum Viertel der Strecke fahren, so dass wir dann in einer kleinen Stadt namens Magadi feststeckten. Das Bloede war, dass wir frueh genug an der Strasse standen und der Bus nur an uns vorbeigefahren ist, weil wir zu frueh die Taschenlampe ausgemacht haben und der Fahrer das wohl als falsches Zeichen gedeutet hat. Anstatt sich tiefschwarz zu aergern und verzweifelt auf der Strasse rumzurennen, entschlossen wir uns, cool zu bleiben und einfach zu warten bis ein anderer Bus oder eine Rikscha vorbeikommt, entweder schonmal bis Magadi oder in die umgekehrte Richtung nach Ramanagaram, von wo aus es aber wahrscheinlich leichter ist, einen Bus bis Bangalore zu bekommen. Auch das lerne ich in Indien: Man muss nicht immer alles so ernst nehmen und von kleinen Strapazen geht die Welt nicht unter. Verpasst man seinen Bus, macht man sich eben einen ruhigen Morgen am Strassenrand und fruehstueckt Kekse (so wie wir;-))
Beobachtet doch mal den Alltag an einem Bahnhof in Deutschland: Sobald von der DB die Durchsage kommt, dass der Zug auch nur 5 Minuten Verspaetung hat, sehen alle gleich auf die Uhr und scheinen auf einmal total gestresst… Wir haben jedenfalls auf den naechsten Bus gewartet, der tatsaechlich schon nach 2 Stunden und sogar nach Magadi, also Richtung Bangalore kam! Und jetzt das Allerbeste: Wir waren noch keine 2 Minuten im Bus, da kam und der Bus nach Ramanagaram entgegen. Wir hatten also noch Glueck, da wir sonst in die andere Richtung gefahren waeren. Sowas muss man auch mal sehen und sich darueber freuen!
Weihnachtsgedanke Nr. 2: Mein Rueckflugdatum steht inzwischen auch! Am 7.August 2011 bin ich wieder in Deutschland:-)

Und hier trage ich zum ersten Mal einen Sari: Eine Lehrerin hat uns ueberredet, an Weihnachten einen zu tragen und ihn sich von ihr naehen zu lassen. Letzte Woche hat sie uns dann mal spontan nach dem Mittagessen in ihre Saris verpackt. Auch wenn ich nicht mich darin sehe, war es ganz cool, mal einen zu tragen…

Da ich diesen Artikel letzte Woche vorgeschrieben habe, aber nicht mehr auf meinen Blog stellen konnte, gibt es diese Woche gleich zwei… Hier also der neue von dieser Woche:

Santa Claus, Sari, Christmette um Mitternacht, viel Programm und eine 100koepfige Gemeinschaft
… das ist es, wovon ich jetzt schon weiss, dass es mich dieses Jahr an Weihnachten erwarten wird (aber es kommt ja so oder so immer alles anders als man denkt). Und obwohl nicht alles davon relevant fuer mich ist (z.B. der Sari und vor allem Santa Claus), sehe ich Weihnachten mit Spannung und Hoffnung entgegen.
Die Vorbereitungen fuer das grosse Weihnachtsfest laufen weiterhin in vollem Gange… Wir haben neue Zauberlehrlinge bekommen und unsere „alten“ Zauberschueler helfen uns fleissig beim unterrichten, so dass der „Magic Circle in Don Bosco Ajjanahalli“ immer groesser wird! An Weihnachten werden sie dann „Chocolate backen“ und deutsche Bonbons an alle Jungs verteilen.
Das Haus ist geschmueckt mit einem riesigen weissen Stern auf der Terrasse, der die Nacht ueber leuchtet. Die Dancehall ist knallbunt, aber langsam gewoehnt man sich dran und findet sogar Gefallen an dem indischen Kitsch. Am schoensten ist aber wohl unsere grosse Krippe im Innenhof, die mit Schulbaenken und Tischen gebaut wurde und einen grossen Sternenhimmel aus dem Wundermaterial Bambus hat.
Wir werden Heiligabend um 9 Uhr mit dem Programm beginnen. Natuerlich haben sich die Jungs die ganzen letzten Tage wieder Tanz und Theater ausgedacht. Um halb 12 feiern wir dann alle zusammen die Weihnachtsmesse in der Dancehall, zu der die Kinder schon ihre neue Kleidung tragen werden, die von den Spendengeldern geschenkt wird.
Heute melde ich mich voraussichtlich das letzte Mal in diesem Jahr. Kurz nach Weihnachten, am 28.12. machen Miriam und ich uns auf die Reise in den an der Westkueste Indiens gelegenen Bundesstaat Goa; dort findet unser Zwischenseminar statt zu dem alle deutschen Don Bosco Voluntaere in Indien und ausserdem Hannah und Saskia von Madagaskar, sowie Thomas aus Kambodscha kommen werden. Wir freuen uns sehr darauf mit euch ins neue Jahr zu starten und werden sicherlich mit viel Energie und neuen Ideen nach Ajjanahalli zurueckkehren! Und so kann ich es fast selbst kaum glauben, dass ich heute schon vier Monate in Indien bin…
Euch allen wuensche ich ein froehliches Weihnachtsfest und alles Gute fuer das neue Jahr! Es ist schoen, dass ihr Interesse an meiner Arbeit und meinen Erlebnissen hier habt.
Christmas schubaschaeagalu!



das Campfire


Waesche waschen

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3 Monate Indien….

3 Monate Indien… Schon mehr als 1/4 meines Freiwilligendienstes ist vergangen. 3 Monate, die wie im Fluge vergangen sind: Schon wieder war eine Woche rum und ich konnte einen Brief aus meiner Geschenkbox oeffnen; schon wieder war ein Monat rum und ich konnte meinen Kalender umblaettern; schon wieder war Sonntag und ich habe im Schneidersitz eine Kannadamesse mitgefeiert…
Naechste Woche machen Miriam und ich schon unseren vierten zweitaegigen Kurztrip nach Bangalore und die Vorfreude auf unser Zwischenseminar in Goa steigt immer mehr!

Nach 3 Monaten Indien kann ich aber auch sagen, dass ich viel erlebt habe und interessante Erfahrungen, vor allem mit unseren Kindern und ihrer Entwicklung, gemacht habe. Von Karthik und Ulass habe ich ja schon berichtet. Ich koennte viele solcher Beispiele nennen und von Jungs erzaehlen, zu denen ich nach 3 Monaten schon einen ganz anderen Bezug habe. Ich schliesse langsam Kinder ins Herz, die mich anfangs noch mehr oder weniger “auf die Palme” gebracht haben. Wenn ich im Umgang mit jedem einzelnen daran denke, dass er entweder von der Strasse kommt, in seiner Familie Probleme hatte oder niemals das Gefuehl hatte, von jemandem gemocht zu werden, faellt mir das “Ins-Herz-Schliessen” aber auch sehr viel leichter. Und dann merke ich die Veraenderung in seiner Entwicklung…

Nach 3 Monaten Indien weiss ich aber auch, dass ich so vieles noch nicht verstanden habe: Das Land mit seiner eigenartigen Kultur, die Menschen in ihrer Lebensweise und dass ich noch Zeit brauche um die Jungs wirklich kennen zu lernen und zu verstehen. Ob ich Indien jemals ueberhaupt verstehen werde, weiss ich noch nicht…

Die “Arbeit” hier in Don Bosco Yuvakara Grama ist fuer mich sehr abwechslungsreich und fordert mich jeden Tag aufs Neue: Egal ob Englisch- oder Computerclass, Medizin geben, Bandpractice, Magicpractice, die Work (von eimerweise Erde auf dem Kopf transportieren bis zu Chilischoten im Garten pfluecken), die Kreativangebote, Waschen helfen und dann die vielen Sportspiele und Freizeitbeschaeftigungen…
Und immer wieder macht man dabei spannende Erfahrungen:
Madhu, ein Achtklaessler, hat mich schon waehrend des Camps immer gefragt, ob ich ihm zaubern beibringe und hat sich sogar selber Tricks ausgedacht. Er war in der Magicpractice soo gut und hat so viele seiner kreativen Ideen mit in den Trick eingebaut, den ich ihm gezeigt habe. Beim Children’s Day haben ihn dann alle gelobt! Er war wirklich super! (Gute Fotos vom Children’s Day gibts naechste Woche von Bangalore aus.)
Unsere Band hat ihre Sache auch wirklich gut gemacht! An diesem Tag haben uns nicht nur 90, sondern gleich rund 450 Kinder “Aunty” gerufen. Eine besondere Ueberraschung fuer Miriam und mich war auch, dass Fr. Josef und Fr. Anthony aus Bangalore extra gekommen sind um uns zu besuchen und sich unsere Zaubershow anzuschauen.

Heute ist unser freier Tag. Miri hat Geburtstag und spendiert den Jungs heute Abend Eis. Darueber freuen sie sich immer am meisten… Wir ueberlegen im Moment auch mit den Fathers, was wir den Jungs von den Spendengeldern am besten zu Weihnachten schenken koennen. Oft schenken Volontaere etwas Nuetzliches wie Kleidung. Wir haben aber auch schon an etwas fuer die Freizeit, z.B. einem Schwungtuch gedacht. Fuer das neue Jahr wollen wir evtl. auch ein Grossprojekt in Angriff nehmen: Seit 3 Monaten ist naemlich auch kein Geld fuer die Milch mehr da, die die Jungs frueher noch in ihren Tee bekommen haben…

Zum Abschluss moechte ich euch noch sagen, dass ihr auch immer gerne in Miriams Blog reinschauen koennt (www.strassenkinder.de/miriinindien). Abgesehen von heute ergaenzen wir uns immer nahezu perfekt. Obwohl wir unsere Artikel unabhaengig voneinander geschrieben haben, spiegeln sie nach 3 gemeinsamen Monaten Indien doch aehnliche Empfindungen wider.

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Ein paar kleine Eindrücke…

So heute gibts ein paar erste Fotos, weitere folgen hoffentlich bald…
Die Fotos zeigen:

- die Aussicht aus meinem Zimmerfenster
- Impressionen von unserem Ausflug während des Dasara- Camps
- einige der Jungs beim Lesen
- Impressionen vom DIWALI-Fest (dem Lichterfest)

Viele Grüße an euch alle

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Dipawali Schubaschaeagalu

Computer Class mit den Jüngsten


Viele Gruesse und HAPPY DIWALI sende ich euch aus dem Land, in dem am letzten Wochenende ueberall das Fest der Lichter gefeiert wurde.
Diwali – DAS indische Festival schlechthin (die Inder lieben es, Feste zu feiern und finden immer einen Anlass dazu), das sogar euch im fernen Deutschland bekannt sein wird.
Diwali ist ein hinduistisches Fest, das aber fuer ganz Indien eine etwa aehnliche Bedeutung hat, wie fuer uns Neujahr (deshalb auch Raketen und Feuerwerk). Natuerlich haben auch wir bei Don Bosco Diwali gefeiert und das nicht nur, weil die meisten unserer Kinder Hindus sind. Hier werden, wie Miriam und ich schon oefters geschrieben haben, alle Religionen miteinander verbunden. Diwali ist auch fuer die Christen in Indien ein grosses Fest, da auch Jesus Christus das Licht der Welt ist. So unterschiedlich sind unsere Vorstellungen also gar nicht…

Nun aber wieder zurueck zu unserem “Alltag” in Ajjanahalli, der, obwohl die Ferien vorbei sind, die Schule wieder angefangen hat und unsere Kaninchen wie immer fleissig Junge werfen, niemals einkehrt.
Wir werden von einem schulfreien Tag nach dem anderen verfolgt, da die Inder ja so gerne Feste feiern und den Kindern frei geben (Geburtstag unseres Bundesstaates Karnataka, Lehrertag, Diwali…). Fuer uns heisst so ein Ferientag also von 5.40am bis 10.00pm auf den Beinen sein durch Work (wir mussten erstmal alle davon ueberzeugen, dass auch wir in der Mittagshitze 1 1/2 Stunden eimerweise Erde auf dem Kopf transportieren koennen), Games und zur Zeit vor allem durch intensive Proben.
Das naechste Highlight steht naemlich schon in den Startloechern:
Der Children’s Day am naechsten Sonntag, zu dem 500 Kinder aus den umliegenden Doerfern bei uns erwartet werden. Die Jungs haben jeden Tag um die 6 Stunden Dancepractice (und wir helfen etwas mit). Unsere Hauptvorbereitung liegt aber zum Einen in unserer Bandpractice (so dass wir taeglich mit 31 Jungs ueber unser Fussballfeld marschieren). Zum Anderen haben Miriam unseren Magic Circle eroeffnet und einige der Jungs werden am Sonntag als meine Nachfolger auf der Buehne stehen;-)
Als wir unsere erste Uebungsstunde hatten, haben Miriam und ich alles sehr geheim gemacht und Spannung erzeugt, indem wir den Jungs erzaehlt haben, dass sie keinem etwas verraten duerfen, wenn sie Mitglied im Magic Circle sind und die Zaubertricks ein Geheimnis unter uns Magiern sind. Daraufhin hat Naveen, ein lustiger Zehntklaessler, der 1 1/2 Koepfe kleiner ist als ich, mir die Hand gereicht, woraufhin alle ihre Hand oben drauf gelegt haben und wir einen richtigen Zaubererschwur abgelegt haben… war schon echt super witzig!

Vor ein paar Tagen haben wir 2 neue Brothers bekommen, die gerade erst ihr College abgeschlossen haben und fuer 2 Wochen hier in Ajjanahalli Erfahrungen sammeln. Sie sind sehr nett und haben einen super Draht zu unseren Kindern; so wie Salesianer eben sein muessen. Ausserdem hatten wir 3 Tage Besuch von Sandra, einer ehemaligen deutschen Volontaerin, die vor 5 Jahren Aunty in Ajjanahalli war.
Wie gesagt: Alltag ist mir hier ein Fremdwort und auch das Wetter passt sich daran an: Das wechselt naemlich taeglich von angenehmen Temperaturen ueber heisse Sonnentage und regenueberfluteten Stunden zu kalten Naechten (das ist es manchmal echt bloed, dass man hier nur Flip Flops traegt).

Dann gibt es aber auch Situationen, die einen traurig oder zumindest sehr nachdenklich machen:
Ich habe ja schon einmal von dem fuenfzehnjaehrigen Anil erzaehlt, der zu den Centerboys gehoert, also von uns im Projekt unterrichtet wird und noch nie eine Schule besucht hat. Nach den Ferien sollte er in die achte Klasse der Highschool in Ajjanahalli kommen.
Waehrend des Camps wurden bei uns auf dem Weg zur Terrasse Drogen gefunden. Einige Jungs fielen sofort in die engere Auswahl, da sie direkt von der Strasse kommen und schon oefters abgehauen sind – so auch Anil. Als ich dann einen Sonntagabend gesehen hab, wie er von der Terasse kam, hab ich mich schon gewundert, wo doch alle Jungs DVD gesehen haben. Fr. Siju hat beim Gute-Nacht-Gedanken dann von den Drogen erzaehlt und dass wir wissen, von wem sie sind. Daraufhin ist Anil aus Panik dann zum 3.Mal vom Projekt abgehauen – einen Tag bevor er das erste Mal eine richtige Schule besuchen sollte. Seine Eltern wollten ihn nicht mehr und haben ihn zurueck nach Don Bosco geschickt. Hier wurde er aber nicht mehr aufgenommen, weil er genuegend Chancen hatte. Das hat mich schon zunaechst wuetend gemacht. Andererseits kann ich es natuerlich auch verstehen, da die Kinder lernen muessen, sich an Regeln zu halten – etwas, das sie auf der Strasse nie erfahren haben und an das sie sich erstmal gewoehnen muessen. Deshalb suchen viele Projektkinder auch den Weg zurueck, denn die Strasse bedeutet fuer sie Freiheit, auch wenn diese Freiheit ohne Perspektive ist.

Dann kann ich aber auch wieder ueber die positive Entwicklung eines Kindes erzaehlen:
Ulass ist vorletzte Woche zu uns gekommen und war vorher fuer kurze Zeit in dem “Brueckenprojekt” Bosco in Bangalore. Er muss um die 7 Jahre alt sein und ist somit jetzt der Juengste im Projekt. Da er zu den Centerboys gehoert, durften Miriam und ich auch schon unsere Erfahrungen mit ihm sammeln… Wir haben Fr. George nicht gefragt, aber wir vermuten, dass auch er direkt von der Strasse kommen muss, da er in seinem ganzen Leben wohl noch nie auf jemanden hoeren musste. Er hat anfangs nur Quatsch gemacht und fuer kein Geld der Welt das getan, was man von ihm erwartet hat, sondern immer nur allen nachgesprochen. Nach den ersten paar Tagen hat Fr. Siju sich dann besonders viel Zeit fuer ihn genommen und ihm besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Langsam lebt er sich ein. Am Samstag hat er den ganzen Nachmittag ueber Blumen fuer mich gepflueckt – ich hab mich richtig geehrt gefuehlt. Mitlerweile kann ich ihn sogar schon an der Hand nehmen und er geht mit mir mit. Das sind Dinge, die fuer Aussenstehende vielleicht gar nicht besonders klingen, aber seine Entwicklung sieht man jeden Tag. Seitdem mag ich ihn total:-)
Jetzt sind Miriam und ich wieder auf unserem monatlichen Kurztrip in Bangalore. Wir haben uns wieder viel vorgenommen und unsere Zugtickets fuer unser Zwischenseminar in Goa, an dem alle deutschen Don Bosco Volontaere in Indien und aus unserer Truppe sogar Thomas in Kambodscha und vielleicht sogar Saskia und Hannah in Madagaskar teilnehmen. Wir treffen uns schon ein paar Tage vorher und feiern gemeinsam Silvester am Strand:-) Danach haben Miriam und ich geplant, ein paar Tage Mumbai dranzuhaengen. Dort sind auch 2 aus unserer Vorbereitungsgruppe und die Zugstrecke von Goa nach Mumbai soll die schoenste Indiens sein. Ich bin gespannt, jetzt gibts aber erstmal ein paar Fotos von unseren Kindern in Ajjanahalli:

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“Lasst uns mit Interesse lernen und danach zusammen Spass haben!”

… so aehnlich wurde mir der Refrain unseres Campsongs uebersetzt und das trifft zumindest auch auf die Absicht unseres Dasara Camps 2010 zu, das wir letzte Woche Montag ganz im Sinne der Commonwealthgames feierlich eroeffnet haben.
Im Moment sind ja fast 3 Wochen Schulferien. Einige unserer Kinder haben noch Familie oder Verwandte, bei denen sie die Ferien verbringen. Es ist echt unglaublich, wie sehr die Kinder sich freuen, Besuch zu bekommen und erst Recht, wenn sie von ihrer Familie fuer die Ferien abgeholt werden. Noch von Weitem, kurz bevor sie in den Bus Richtung “House” eingestiegen sind, wurde uns freudestrahlend “Aunty, Aunty, bis bald!” zugerufen.
Dann gibt es aber auch die Kinder, die nicht die Moeglichkeit haben, nach Hause zu fahren. Viele unserer Jungs haben niemanden – keine Eltern oder entfernteste Verwandte und keine Heimat.
Harish zum Beispiel ist über die Regierung in Bangalore ins Don Bosco Projekt gekommen. Alles, was er über seine Herkunft weiss ist, dass er von Mysore (nach Bangalore die zweitgroesste Stadt Karnatakas) zum Market nach Bangalore gebracht wurde. Das ist es, was er sagt, wenn man ihn nach seiner Vergangenheit fragt. Vorher hat sich eine Frau, vermutlich seine Schwester, um ihn gekuemmert. Da viele der Kinder hier aber keinen richtigen Nachnamen haben (bzw. ist der Nachname der Anfangsbuchstabe des Vaters) ist es schwer, Verwandte ausfindig zu machen.
Harish geht in die 7. Klasse der Middleschool in Ajjanahalli. Ich schaetze ihn aber schon auf 15; er wird im Projekt auch als Subsenior eingestuft (es gibt Subjunior-Junior-Subsenior und Senior). Er ist also auch einer der vielen, die ihr Geburtsdatum nicht kennen…
Harish gehoert zu den Jungs, die eher im Mittelpunkt stehen und beliebter sind. Er ist gut im Volleyball und hat schon an unserem zweiten Tag versucht, mir Kricket beizubringen… Ich merke aber auch, dass er sehr viel Zuneigung sucht. Er ist zum Beispiel staendig in der Naehe von Fr. Siju und fasst ihn am Arm. Vor ein paar Tagen ist er abends zur Medicine gekommen, da er eine grosse Eiterblase am Fuss hatte (die typische Verletzung unserer Jungs). Nachdem ich ihn dann behandelt habe, hat er so gluecklich und fasziniert gesagt, dass es total weh tat, als ich seinen Fuss das erste Mal angefasst habe. Wenn ich die Wunde jetzt beruehre, wuerde ihm ueberhaupt nichts wehtun. Fuer solche schoenen Worte drueckt man doch gerne Blasen mit Literweise Eiter und Blut aus;-)
Im Camp ist Harish Kapitaen von einer der vier Gruppen, die ueber die Wochen hin Punkte sammeln muessen, womit wir auch wieder beim Thema sind:
Punkte gibt es hier fuer alle moeglichen Disziplinen: Wir machen jede Menge Sport und Spiele, Ausfluege… Es gibt aber auch Punkte fuer die Morningjobs, Puenktlichkeit im Unterricht, Sauberkeit usw.
Der Tag faengt eine halbe Stunde spaeter als sonst an (naemlich erst um halb 7!!). Nach dem Waschen, dem Morgengebet und einer halben Stunde Study treffen wir uns alle draussen auf dem Gelaende und es gibt Coaching. Neben dem Volleyball und Basketballtraining sind Coach Miriam-Aunty und Coach Anna-Aunty damit beschaeftigt, den kleinen Subjuniors und auch einigen Juniors das Fussballspielen beizubringen (Anmerkung von Fr. Siju: Lernt ihr denn jetzt auch Fussballspielen?) …
Nach 10 Uhr finden die normalen Classes statt. In dieser Zeit unterrichten wir die Subjuniors in Englisch – keine leichte Aufgabe, wenn man 15 wilden Jungs in engen Klassenzimmern in einer fuer sie unverstaendlichen Sprache etwas beibringen moechte. Aber auch hier darf ich von meinem ersten richtig guten Erfolgserlebnis berichten:
Karthik ist ein Junge, der im Projekt eher unbeliebt ist. Staendig wird er gehaenselt, weil er sich nicht waescht und stinkt. Es ist sehr schwer, an ihn heranzukommen, da er immer das Gegenteil von dem macht, was man ihm sagt. Im Unterricht passiert es staendig, dass die anderen Jungs ihn provozieren und er so sehr ausrastet, dass er wild durch die Klasse rennt, um sich schlaegt, weint und schreit und dabei voller Aggressionen ist. Bei der Feldarbeit, bei der wir bei den Kleinen mithelfen, ist mir aufgefallen, dass er staendig fragt: “Super, Aunty?” Er fragt also staendig, ob er gute Arbeit macht. So war es auch Samstagmorgen bei den Morningjobs. Ich bin an ihm vorbeigelaufen und er hat wieder gefragt: “Super, Aunty?” Daraufhin hab ich ihn gelobt und ihm versucht zu erklaeren, dass er auch super lernen kann und auch super ruhig sein kann und hab ihn schliesslich gefragt, ob wir das fuer die Class heute mal ausprobieren wollen. Und siehe da: Er war der Erste, der im Klassenzimmer SASS, er war wahnsinnig ruhig und lieb und hat sogar gut mitgearbeitet. Als ich ihn nach der Stunde gelobt habe, war er so gluecklich und das war auch fuer mich ein schoenes Gefuehl. Irgendwie sehe ich ihn seitdem auch mit anderen Augen…

Eroeffnet wurde unser Camp ausserdem mit einem Wassernotstand, wie ich ihn bis jetzt noch nicht erlebt habe: Wir hatten 4 1/2 Tage lang kein Wasser, da unsere Pumpmaschine kaputt war. Fuer diesen Ernstfall haben wir ja normalerweis mehrer Tanks unter der Erde, deren Wasser aber schnell aufgebraucht war. Das hiess fuer uns 4 Tage lang Wasser in Kanistern holen, das aus der Erde gepumpt wurde (wenn Strom da war), eimerweis eWasservorraete im Bad haben, das Klo mit dem Eimer spulen, nicht putzen und Waesche waschen koennen und beim Duschen sparen sparen sparen…
Im Vergleich zu den Jugns hatten wir es dabei noch recht luxurioes. Die hatten naemlich feste Tageszeiten, zu denen sie fuer ihre Beduerfnisse in den Wald gegangen sind… Das witzige ist, dass sie das ganze Problem echt mit Humor genommen haben und so kam es, dass Miriam und ich uns wohl am meisten gefreut haben, als nach 4 1/2 Tagen endlich wieder Wasser aus dem Hahn kam…
Nun aber wieder zurueck zum Camp:
Nachdem die 4 Gruppen zur Eroeffnung von draussen vor dem Haus in die Dancehall einmarschiert sind (ich habe die Drums gespielt und musste den Jungs marschieren, gerade stehen und Taktgefuehl beibringen – da kam doch gleich meine Leidenschaft zum Schuetzenfest zum Ausdruck;-P) hat jeder ein neues Heft und einen neuen Stift bekommen, worueber sich alle Jungs so gefreut haben (wie viele Kinder wuerden sich in Deutschland ueber ein solches Geschenk so sehr freuen?).
Neben den normalen Englisch- und Matheclasses gab es vormittags auch immer eine Stunde General-Knowledge-Class in der Dancehall, in der jeweils einer vom Staff-Team fuer alle Jungen zusammen ihr Allgemeinwissen aufgefrischt hat. In der Freizit hab ich mit meinen Zaubertricks begonnen. Wie erwartet hat das natuerlich alle angelockt und ich wurde seitdem von einigen magic-Anna-Aunty genannt. Ein witziges Erlebnis war hier zum Beispiel, dass ich am selben Tag mit 2 Jungs Uno gespielt habe, die beiden kleinen Racker sich um eine Karte gestritten haben, worauf diese mittendurch gerissen wurde… Manjunatha, ein aelterer Junge, hat mir die Karte dann wie selbstverstaendlich zum “Reparieren, also Wieder-Heile-Zaubern gegeben, was zur Folge hatte, dass ich anschliessend nicht nur die Karte, sondern auch zerbrochene Linale und leere Kugelschreiber in die Hand gedrueckt bekommen hab.
Fuer den Nachmittag im Camp wurde immer in kreatives Programm angeboten. Zweimal haben auch Miriam und ich das Programm vorbereitet und da alle schon auf der Zauberschiene gefahren sind und damit gerechnet haben, dass wir eine Zaubershow starten, blieb uns ja Wohl oder Uebel nichts anderes uebrig… Da es hier aber natuerlich um die Jungs und nicht um uns geht und sie zum Einsatz kommen sollen, hatte Miriam die gute Idee zu einer Zaubercompetition. Wir haben alle in der Zauberschule begruesst, mit einem Trick angefangen und verschiedene Faehigkeitn genannt, die ein Zauberer vorweisen koennen muss, wie z.B. Koerpergefuehl, Teamgeist, Reaktionsvermoegen, Vertrauen in seine Assistenten usw. und uns dazu verschiedene Spiele ausgedacht. Die letzte Huerde bestand darin, den Schluessel zur Zauberschule zu finden, der in Form von Karamellbonbons versteckt war.
Dann gab es im Camp auch Programmpunkt, die den ganzen Tag ueber liefen, was immer etwas ganz einmaliges und spannendes fuer die Jungs war. So durften wir z.B. das erste Mal eine indische Schatzsuche miterleben, die im indischen Freibad endete… Hier gibt es naemlich einen kleinen See, in dem die Jungs ab und zu mal baden duerfen.
Der schoenste Ausflug war aber wohl letzte Woche Mittwoch, als unsere Kinder endlich mal eine “weite Reise” machen durften. Es ging naemlich nach Chitradurga, mit dem Bus etwa 4 1/2 Stunden entfernt. Viele der Kinder konnten die Nacht vorher nicht schlafen, weil sie so aufgeregt waren… Um 5Uhr morgens sind wir aufgestanden und wurden von einem kitschigen indischen Bus abgeholt. Wir waren fuer diesen Tag die Picnic-Krankenschwestern und mussten neben unserem eigenen Kram auch haufenweise Kotztueten, Reisetabletten und die uebliche Medicine-Ausruestung mitnehmen.
Die Jungs waren so gut drauf und haben so getan als wuerden sie uns auf der Fahrt Chai, Kaffee, Mais und Eis servieren. In Chitradurga angekommen, haben wir verschiedene Zwischenstops gemacht und so immer etwas gesehen… Wir waren in einer Hoehle (ob hinduistisch oder buddhistisch ist man sich nicht einig), in einem kleinen Zoo und zu Besuch bei Don Bosco Chitradurga, einem grossen Don Bosco Projekt mit Grund-, Mittel und Highschool sowie einem College. Auf der Rueckfahrt von 7 bis halb 12 haben wir im Dunkeln auf dem Mumbai-Bangalore-Highway im Bus Disko gefeiert und getanzt.
Die Abende im Camp bestanden immer aus bestimmten Competitions wie Theater spielen, Pantomime, singen, verkleiden, tanzen, das vorher in den 4 Gruppen eingeuebt wurde.
Ein weiteres HighLIGHT war das Campfire am letzten Abend, das zu einem Feriencamp in Don Bosco Ajjanahalli immer dazugehoert. Wer jetzt an ein Lagerfeuer vor dem Haus, Gitarrenmusik, Lieder wie “Die Affen rasen durch den Wald”, dicke Wolldecken und Stockbrot denkt, hat sich gehoerig getaeuscht. Hier laeuft das naemlich etwas anders ab:
Nachdem wir schon am Nachmittag das Holz auf einen der Berge hinterm Haus getragen haben, von dem aus man auf das ganze Projektgelaende schauen kann, ging es nach dem Abendessen im Dunkeln auf dem Sportplatz los:
Die Jungs haben in ihren Gruppen, die alle verschiedene Staemme dargestellt haben, etwas eingeuebt und sich dementsprechend verkleidet mit Blaettern und Kriegsbemalung – sah alles richtig gut aus. Danach sind wir den Berg hochgewandert, waehrenddessen die Staemme ihre Schlachtrufe zum Besten gegeben haben. Oben angekommen, sind sie ums Feuer getanzt und haben Theater gespielt. Es ist echt interessant zu sehen, wie kreativ unsere Kinder sind und wie sehr sie aufbluehen und aus sich herauskommen, wenn sie tanzen, singen, spielen koennen.
Bei der Abschlussrunde am Freitag haben sie nochmal alles, was sie ueber die Camptage gelernt und eingeuebt haben, praesentiert. Ausserdem wurde natuerlich die Siegergruppe gekuehrt. Als Preis gab es jeweils fuer die 3. und 4. Sieger einen Stift. Der 2. Preis war Seife und eine Zahnbuerste und der 1. Preis bestand aus Seife und einem Waschschwamm. Ausgeklungen ist das Camp abends mit den alternativen Nightgames: Volleyball mit 2 Baellen, Basketball mit einem Tischtennisball und menschlichen Koerben. Man merkt hier wirklich sehr deutlich, dass in einer Don Bosco Einrichtung ueber Sport versucht wird, viel zu erreichen.

Jetzt ist das Camp zu Ende und die Schule faengt am Mittwoch wieder an. Gestern sind die Jungs, die ueber die Ferien bei ihrer Familie waren, zurueckgekommen. Viele haben uns wieder von Weitem zugerufen, obwohl beim Abschied der Eltern auch die ein oder andere Traene floss. Im Gegenzug hatten wir aber auch Besuch von 2 ehemaligen Jungen. Imran ist taubstumm und war noch bis letztes Jahr in Ajjanahalli. Jetzt geht er in Mysore auf eine Foerderschule in die 10. Klasse. Ich fand es faszinierend, wie gut unsere Kinder und alle hier sich mit ihm verstaendigen konnten und das ganz ohne Hemmungen. Ich hab ueber die Ferien also nicht nur mehr Kannada, sondern auch mehr Gebaerdensprache gelernt… Abends haben wir dann auch mal Charly Chaplin anstelle von einem indischen Kitschfilm geschaut, worueber sich nicht nur Imran gefreut hat;-P

Heute sind Miriam und ich wieder im Internet und ich lade endlich mal wieder einen Artikel hoch, der sich ueber die 3 Wochen ganz schoen zusammengestaut hat. Nachdem das erste Sechstel geschafft ist, geht es uns immer noch ganz gut. Gesundheitlich gab es noch keine schwerwiegenden Komplikationen und auch sonst haben wir uns gut eingelebt, obwohl die letzten Tage recht anstrengend waren und nicht immer alles leicht faellt. Jedes Kind benoetigt eine eigene “Gebrauchsanweisung”, aber auch hier trifft der Spruch von Don Bosco zu:
“Diese Kinder sind wie Edelsteine, die unbeachtet auf der Strasse liegen. Wenn man sie aufhebt, fangen sie an zu glaenzen.”

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Die Spiele sind eroeffnet

Gestern Abend um 19Uhr wurden die diesjaehrigen Commonwealthgames in New-Delhi eroeffnet. Wir sassen mit allen Kindern, dem Staff, den Fathers und Brothers in unserer Hall vor dem Fernseher und haben die Eroeffnung gesehen: Sehr beeindruckend und sehr international!
Und auch fuer uns heisst es bald: Noch mehr Games Games und wieder Games. Am Donnerstag fangen naemlich die 2 1/2woechigen Schulferien an. In dieser Zeit findet das sogenannte Camp statt. Wir machen viele Ausfluege durch das wunderschoene Bangalore Rural, kochen draussen (auch eine gute Gelegenheit fuer Miriams Pfadfinderideen), geben morgens Englisch- und Matheunterricht und alternativ Computer-, Gesundheit&Hygieneclasses, es gibt Tanz-, Kreativ-, Gesang-, Quizangebote (heute habe ich mir ein Quizbuch ueber die Commonwealthgames gekauft, da ich finde, dass man die gut als Anlass nehmen kann – dann lernen die Jungs auch etwas ueber die indische Geschichte. Gestern Abend haben sie naemlich alle auf die deutsche Nationalflagge gewartet…:-P) und die Band, Zauber und Jonglierangebote sind natuerlich auch mit dabei…]

Jetzt sind wir nach unserer Shoppingtour durch Bangalore wieder bei BREADS im Internet angekommen und haben sogar die beiden Jungs aus Sueddeutschland persoenlich kennen gelernt, die fuer ein Jahr in Hospet sind. Es ist echt schoen und witzig, sich auszutauschen.
Wenn alles klappt, lade ich nach dem Essen die Fotos hoch.
Jetzt gibt es erstmal Supper Supper…

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Eine Woche voller…

…1. Geburtstage: In der vergangenen Woche sind gleich 5 Kinder (Manikanta K., Akshay G., Dharma, Thayappa und Ravikumar – eine kleine Namenswiederholung;-)) morgens beim Waschen auf mich zugekommen und haben mir erzaehlt, dass sie heute Geburtstag haben. Miriam und ich haben natuerlich gleich fuer jeden gesungen… Ob dieser Tag ihr wirklicher Geburtstag ist, wissen wir aber alle gar nicht. Viele der Jungs haben nie Kontakt zu ihren Eltern gehabt und es hat nie jemanden interessiert, wann sie geboren sind. Im Projekt wird dann oft der Tag als Geburtstag genommen, an dem sie eingeschult wurden oder zu Don Bosco gekommen sind oder sie haben einfach keinen. Am witzigsten ist das bei Dharma: Er feiert gleich vier- oder fuenfmal im Jahr Geburtstag! Dass in der letzten Woche so viele “Geburtstag” hatten, koennte aber auch an Punkt 2 liegen:

…2. neuer Ideen: Wir haben uns naemlich u.a. ueberlegt, ab jetzt den Geburtstag jedes Kindes im Projekt ein wenig zu feiern, oder zumindest zu erwaehnen. Sonntags, wenn die Spassspiele dran sind, kommen nochmal alle Geburtstagskinder der vergangenen Woche in die Mitte und wir singen und machen eine Rakete…

Ausserdem wollen wir Bewusstsein fuer Gesundheit und Hygiene schaffen: Die Verhaeltnisse sind bei den Jungs naemlich sehr duerftig. Jeden Tag gibt es zwar das “Bad”, allerdings laeuft das hier etwas anders ab: Die meisten Kinder haben gar keine eigene Seife und waschen sich nur mit Wasser. Die Waesche wird draussen auf den Steinen gewaschen (was vielleicht durchaus okay ist), allerdings wissen gerade die Kleinen nicht, damit umzugehen und kriegen ihre Kleidung nicht richtig sauber. Letzte Woche gab es gleich zweimal morgens kein Wasser und die Jungs mussten unten an den Tank, in dem der Wasservorrat ist. Die Kleinen konnten ihren Eimer gar nicht hoch ins Bad tragen und haben sich deshalb draussen gewaschen.

Gestern haben wir mit der Band practice angefangen bzw. die Band hat sich uns vorgestellt. Die Jungs haben sich wahnsinnig darueber gefreut, dass wir die Band practice weiterfuehren wollen und als der Musikraum von Brother Albert geoeffnet wurde, haben sie sofort ihre Instrumente (Floeten, Schellen, Trompeten, Rasseln…) rausgeholt und gleich drauflos getroetet. Sie konnten es also kaum erwarten, endlich wieder loszulegen… Die “Band” ist aber eher vergleichbar mit einem Musikverein, da sie auch marschieren usw. ueben. Wenn diejenigen von euch, die sich in diesem Bereich etwas auskennen, mir gute Vorschlaege schicken koennen, waere ich sehr dankbar!
Im Bereich Musik gibt es bestimmt auf jeden Fall auch gute Moeglichkeiten fuer eine finanzielle Unterstuetzung, da unsere Jungs es lieben zu tanzen und Musik zu machen! Wobei die Hilfe hier aber ueberall benoetigt wird (Essen, Hygiene, Schulmaterialien,…). Wir werden das Thema erst mit Fr. George besprechen, da er am besten darueber Bescheid weiss, was die Kinder benoetigen und dann gebe ich die Informationen weiter. Vielen vielen Dank fuer eure Nachfrage!!
Am Donnerstag haben wir nachmittags wieder die Creativity uebernommen. Damit wir nicht viel erklaeren mussten und alle sofort loslegen konnten, haben wir Limbo getanzt und ihr glaubt nicht, wie gut so etwas simples schon ankommt: Die Jungs haben einen wahnsinnigen Ehrgeiz und strengen sich total an. Der Gewinner wurde jedes Mal von allen bejubelt. Man stelle sich das ungefaehr so wie bei einem Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor, der im WM-Finale ein Tor schiesst und sich alle auf ihn stuerzen. Zumindest haben mich die Jungs sehr stark daran erinnert…

…3. neuer Ueberraschungen: Wir konnten endlich den zweiten Schrank in unserem Zimmer oeffnen, desssen Schluessel vor unserer Ankunft verloren gegangen ist. Zum Vorschein kamen ganz viele gute Unterrichts- und Bastelmaterialien, Buecher usw. von Ursula, Tina und anderen vorherigen Volontaeren in Ajjanahalli. Das bringt uns auf jeden Fall um einiges weiter! Die Materialien sind hier naemlich dringend notwendig. Wenn wir in der Klasse der Centerboys sind, fehlen Stifte, Hefte usw. und es gibt Streit um den einen oder die zwei Stifte, die durch die Bankreihen gehen. Deshalb ist es gut, dass wir die Sachen bei uns verstauen koennen, so dass nichts verloren geht…

Zu den Ueberraschungen noch eine kleine Anekdote, von der wir noch nicht so ganz wissen, ob wir darueber lachen oder uns Sorgen machen sollen: Wenn wir den Muell rausbringen, werden wir meistens von einem Jungen abgefangen, der uns die Muelltuete aus der Hand nimmt. Als Fr. George das mal mitbekommen hat, hat er uns sofort gesagt, dass das nicht so eine gute Idee sei, da die Jungs sonst unseren Muell durchsuchen wuerden. Als ich dann nachschauen wollte, ob Vignesh den Muell auch “ordnungsgemaess” (ist hier bis jetzt nicht moeglich – ueber die Muelltrennung und vor allem -entsorgung muessen wir uns auch mal Gedanken machen) entsorgt hat, hab ich mich schon gewundert, als Sanjay und Velu Muruga mir mit jeweils Klopapierrollen als Fernglas entgegengekommen sind. Gestern haben wir dann gesehen, dass die alten Ausgaben vom Dom, die ich vom Bistum immer zugeschickt bekomme, auf dem Zeitungstisch am Haupteingang liegen (urspruenglich waren sie mit im Muell)… Das fanden wir echt etwas unheimlich… Das Gute an der ganzen Sache ist aber wenigstens, dass wir etwas neues fuer Punkt 2 haben: Auf die Zeitungen aus dem “Fernen Deutschland” haben sich naemlich alle Jungs gestuerzt und so wird der Dom sogar nach unserem Lesen noch nuetzlich;-)

…4. neuer Eindruecke: In meinem letzten Eintrag vor einer Woche habe ich ja geschrieben, dass langsam alles etwas vertrauter wird. Die Menschen im Bus kennen uns teilweise schon oder wollen uns kennen lernen. Wenn wir in der Naehe von Ajjanahalli in den Bus steigen, hoeren wir schon immer “Don Bosco, Don Bosco” von ueberallher. Die Menschen wissen also schon, wo wir wohnen… Als wir letzten Montag von Ramanagaram zurueckgefahren sind, hat uns eine Maedchenschulklasse im Bus die ganze Fahrt ueber mit Fragen geloechert und uns nach dem Aussteigen noch die ganze Zeit hinterhergewunken. Wenn wir irgendwo entlanggehen, kommen die Leute auf uns zu, fragen nach unseren Namen, wo wir herkommen usw. Gestern hat Nikhil aus unserem Projekt Besuch von seiner Familie bekommen und sie wollten sofort ein Foto mit uns machen. Sie sind alle sehr freundlich und interessiert, allerdings ist es auch ein komisches Gefuehl, als “Attraktion” zu gelten und es ist schwer einzuschaetzen, wie oberflaechlich das Interesse ist.

Da im Moment die heisse Examenszeit fuer alle Middle- und Highschoolschueler ist und es danach Ferien gibt, werden wir schon naechste Woche Montag und Dienstag wieder in Bangalore sein und danach die Woche durcharbeiten. In Bangalore habe ich dann genug Zeit um viele Fotos hochzuladen:-)

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…und einmal mittenrein ins eiskalte Wasser

…im wahrsten Sinne des Wortes:-P Jetzt bin ich schon einen Monat in Indien. Wir haben schon ein paar kleine Huerden ueberwunden, mit denen wir erstmal klar kommen mussten (die Registrierung, das Zurechtfinden in Bangalore, Probleme mit unserer Visacard und unseren Simkarten – ich hab jetzt eine neue Handynummer und alle, die letzte Woche eine indische Handynummer von mir bekommen haben, duerfen diese getrost vergessen. Es gibt seit ein paar Tagen eine neue.)… und dann haben mich die Magenprobleme doch noch eingeholt, obwohl ich ja gedacht habe, ich wuerde drumherum kommen. Wie es sich fuer eine richtige Volontaerin gehoert, ging es mir vorletzte Nacht ziemlich uebel, aber das war gestern gegen Mittag zum Glueck schon wieder vorbei.
Jetzt faengt die Zeit hier vielleicht erst richtig an: Obwohl ich im Moment zwar noch nicht sagen kann, dass die Zeit wie im Flug vergeht, merke ich doch, dass ganz ganz langsam alles etwas vertrauter wird. Die Menschen hier, die Busfahrten nach Bangalore und wieder zurueck nach Ajjanahalli, der Tagesablauf usw. Mit dem Staff-Team (die Lehrer, Koeche, Farmer und andere Mitarbeiter) kommen wir immer mehr ins Gespraech und wir merken, wie nett sie alle sind. Auch die aelteren Jungs, die nicht immer Aunty, Aunty-rufend auf uns zustroemen, lernen wir besser kennen.
Hier wird ganz haeufig ein Don Bosco Lied auf Kannada gesungen und Vinu-Joseph, ein Neuntklaessler, hat mir den Text extra in englische Laute umgeschrieben, so dass ich jetzt zumindest den Refrain mitsingen kann;-)
Und weil ich das letzte Woche schon versprochen hab, gibts hier einige Bilder und meinen Stundenplan:

5.45 Aufstehen
6.00 Frühsport draussen die Jungs werden mit Musik geweckt, anschliessend Frühsport draußen (joggen übers Gelände, Morgengymnastik)
6.15 Waschen Wir helfen bei den Kleinen mit, dass alles klappt
6.30 Morning Prayer Morgengebet/singen
6.45–7.30 Study Die Jungs lernen still für sich, machen Aufgaben und Übungen…
7.05 Messe fuer die Salesianer und Volontaere
(Sonntags 7.30 Messe auf Kannada einige der Jungs sind Christen und nehmen an der Messe teil)
7.30 Morning Jobs die Jungs machen das Haus sauber: fegen, putzen, Müll rausbringen, „Rasen mähen“ mit der Hand, …
8.00 Frühstück
8.45 Study
9.15 Assembly für die Middle- und Highschoolschüler Draußen stehen sie in Reih und Glied, singen die Hymne von Karnataka und werden zur Schule verabschiedet – an einiges muss man sich eben noch gewöhnen
9.30 Staff Meeting In dieser Zeit betreuen wir die Centerboys, die hier im Projekt in sogenannte „Brückenschulen“ gehen. Wir machen Spiele, singen, malen, sie zeigen uns ihre Aufgaben, …
Ab dem nächsten Jahr sollen sie auch auf die Middleschool von Ajjanahalli gehen

10:00 Assembly für die Centerboys, anschließend Unterricht … und wir haben (noch) Freizeit;-); Sonntags uebernehmen wir allerdings schon die Class und unterrichten Englisch
11.20-11.40 Unterrichtspause
13.00 Mittagessen
14.00 Montags: Singingclass
Dienstags: Wäsche waschen (und auch für uns heißt es jetzt: Vorbei die Zeit mit Rei in der Tube im Waschbecken; jetzt wird auf den Steinen draußen geschrubbt)
Mittwochs: Ausflug
Donnerstags: Creativity (alles außer Schule)
Samstags: Work (Feldarbeit&Co)
Sonntags: Bücherei
In Zukunft werden wir in dieser Zeit auch ab und zu Englischunterricht geben
16:30 Die Schoolboys kommen aus der Schule (Mo-Fr, Sa um 12)
16:45 Tee
anschließend: Games: Fußball, Volleyball, Basketball
(wir haben hier zwei große Fußballplätze, zwei Volleyball- und ein Basketballfeld)
17:30 Bad …auch für uns, da man hier ganz schön oft ins Schwitzen kommt; sonntags helfen wir bei den Kleinen mit
18:00 Study
19:15 Computerclass an allen möglichen Abenden geben wir Computerunterricht für die Middle- und Highschoolschüler (später vielleicht auch für die Centerboys). Jeden Abend ist eine der insgesamt 8 Gruppen dran und die Jungs (und wir) haben immer viel Freude dran
Donnerstags 19:30 Gebet
Samstags 19:00 Kino
20:00 Abendessen Mittwochs essen die Salesianer (und die Volontäre auch Sonntags und wann immer wir wollen) mit den Jungs zusammen, d.h. in langen Reihen auf dem Boden und im Schneidersitz.
Wenn wir reinkommen, wird immer ganz laut geklatscht und wir werden auf einen (oder 20) Plaetze mitgenommen.
Ich finde es aber immer total schön mit allen zu essen, auch wenn es nicht ganz so bequem ist und es immer das gleiche gibt

20:30 Medizin Kleine Wunden werden abends im Medizinraum behandelt; wir geben Pflaster, verbinden, desinfizieren und geben Vitamintabletten an kleine Jungs, die irgendwas vortäuschen und nur eine Streicheleinheit brauchen;-)
Mittwochs: Disko Ich habe noch nie 90 Jungs, einen Father (der andere ist ja im Moment verletzt) und 2 Aunties;-) so tanzen sehen… die Inder haben die Musik einfach im Blut und die Jungs tanzen super gern und gut
Samstags: Kino Wir sehen irgendeinen Film auf Kannada, den wir nicht verstehen… (aber die indischen Filme, die ich bis jetzt bei Don Bosco oder im Bus nach Bangalore gesehen habe, sind alle schrecklich)
Sonntags: Mitmachspiele …sind teilweise auch in Teams, die über ein Jahr Punkte sammeln müssen (gibt es vier von)
21:00(bei Programm später) Abendgebet/Gute-Nacht-Gedanke
In jeder Don Bosco Einrichtung wird der Tag mit einem guten Gedanken abgeschlossen
Anschließend: Freiwillige Study
meistens 22:00 Nachtruhe …wieder mit Musik

Vor allem am Wochenende und an Feiertagen sieht das Programm anders aus (ich hab versucht, alles etwas zusammenzuquetschen): Die Jungs haben mehr Freizeit, da Samstags nur bis 12Uhr und Sonntags gar keine Schule ist (was für uns weniger oder gar keine Freizeit bedeutet). In dieser Zeit wird z.B. auch die Feldarbeit gemacht, es wird draußen lesen geübt, die Bücherei ist geöffnet…
In unserem ganzen Jahr hier wird sich der Stundenplan jedoch noch verändern, da wir uns selber auch Programmpunkte überlegen werden. Was in Zukunft auf jeden Fall geplant ist, ist z.B. die Band-Practice, die wir uebernehmen werden (es wird also Zeit, dass meine Querfloete wiederauftaucht), ein Outdoor-Klassenzimmer, damit in freier Natur gelernt werden kann und ein Outdoor-Gebetsraum, da es im Haus selber durch die offenen Räume sehr hellhörig ist.

okay das mit dem bildern dauert doch etwas zu lang, da meine zeit hier im internet grad sehr begrenzt ist. ich melde mich wieder in einer woche!! bis dahin:-)

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