neu

à la maison…

Liebe Blogleser,

heute vor 3 Wochen bin ich wieder in Deutschland gelandet.  Ein Jahr nachdem ich mich auf nach Afrika gemacht hatte, um in Abidjan in einem Strassenkinderprojekt zu arbeiten.

Nachdem ich am Freitag dem 27.Juli meinen Abschied mit Attiéke, Aloko, Passionsfruchtsaft und Hühnchen im Foyer mit allen Kindern und Erziehern gefeiert habe(Bilder in der Galerie), fuhr ich für meine letzten Tage mit 120 Strassenkindern ins Zeltlager nach Azuretti, etwa 25km von Abidjan entfernt. Unter Palmen campten wir dort für etwa eine Woche. Leider musste ich das Camp zur Halbzeit verlassen, um meine Koffer in Koumassi zu packen und mein Flugzeug nach Hause zu nehmen.

Nach Verspätungen und einem verpassten Flug in Paris, kam ich endlich um 14:15Uhr, mit 6 Stunden Verspätung in Düsseldorf an und wurde herzlich von meiner Familie und Freunden empfangen.

Bisher kam ich noch nicht wirklich dazu, mich Zuhause einzuleben. Die Wohnungssuche in meiner neuen Stadt, sowie der Weltjugendtag in Barcelona und Madrid kamen bisher dazwischen.

Auch in den nächsten Tagen geht es wieder auf Reisen. Ich fahre, wie jedes Jahr, ins Messdienerzeltlager.

Mein Volontariat endet aber offiziell erst mit dem Endseminar, bei dem ich meine 24 Mitvolontäre Mitte September treffen werde. Diese Reflektionswoche wird mit Sicherheit nochmal ein Highlight in diesem Jahr werden.

Bevor es jedoch zum Seminar nach Erfurt geht, möchte ich, gemeinsam mit meinem guten Freund René Pfortje, der ein Jahr in Swasiland verbracht hat, einen kurzweiligen Erzählabend im Buirer Pfarrzentrum in der Kirchenstraße veranstalten. Er findet statt am 7.9.2011 um 19 Uhr.

Alle Blogleser, Spender und Afrikainteressierte sind ganz herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei!

Abschließen will Ich noch DANKE sagen an alle, die meinen Blog aufmerksam verfolgt haben und mich immer wieder bestärkt und unterstützt haben.

Bis bald

Christian

PS: Unter dem Unterpunkt „Rundmails“ findet sich auch die 7. und letzte Rundmail, die ich am 3.August vom Flughafen in Abidjan verschickt habe. In dieser Mail fasse ich mein Jahr und meine Eindrücke zusammen…

PPS: Bilder des durch die Spenden finanzierten Umbaus, finden sich in der Galerie!

Geschrieben von Christian Davepon am 25. August 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Auf geht’s in die letzte Woche

Als ich am 2. September 2010 hier in Abidjan angekommen bin, dachte ich mir, dass so ein Jahr lang werden kann und lebten mit der Gewissheit, dass ich noch 336 Tage Afrika vor mir haben werde, in den Tag hinein, ohne groß zu zählen oder Strichlisten zu führen. Nur mein Kalender verriet mir alle paar Wochen, wer Geburtstag hat … so habe ich, glaube ich, kaum einen Geburtstag vergessen.

Als Weihnachten kam, fragte ich mich, wo die vergangenen 4 Monate abgeblieben sind… Während des Zwischenseminars im Februar schielte ich auf die Halbzeit und beruhigte mich durch den einfachen Vergleich, dass ich im bei einem Fussballspiel jetzt gerade einmal in Minute 45 befinde.

Als ich dann aus meinem „Exil“ in Togo wieder nach Abidjan kam, hatte ich immer noch die Gewissheit über 10 Wochen, also etwa ein Viertel meiner Zeit vor mir zu haben. Das beruhigte zu diesem Zeitpunkt, angesichts der Aufgaben und Herausforderungen, die noch bevorstanden, sehr. Und jetzt?

Jetzt habe noch eine lächerliche Woche vor mir und bekomme allmählich richtigen Bammel vor der Rückkehr. Die Baustelle wird zum großen Teil fertig sein, wenn ich meinen Flieger nach Hause nehme. Das ist es nicht, was mich beunruhigt. Auch die Tatsache, dass ich nicht einmal das Camp mit den Kids beenden kann, stört mich zwar sehr, ist aber nicht der Grund für dieses merkwürdige Gefühl. Es ist vielmehr das Zurücklassen der Kinder, der Freunde, der Kommunität, des Projektes, der Provinz der Salesianer und auch der Stadt Abidjan und dieses Landes.

Es hört sich zwar komisch an, weil ich gerade einmal ein knappes Jahr, also 11 Monate und ein paar Tage, hier gelebt habe (davon abzuziehen sind auch noch die Tage in Togo, beim Zwischenseminar und im Urlaub). Trotzdem fühle ich mich unglaublich verwurzelt in dem was ich hier mache…

Am Freitag werde ich offiziell im Foyer verabschiedet. Wir feiern also meinen Abschied. Ich bin schon sehr gespannt. Am Samstag lade ich die Erzieher zu einem Bier ein und am Sonntag geht’s zur Vortour auf unseren Zeltplatz in der Nähe von Gr. Bassam. Das Zeltlager werde ich bis zur Hälfte, also bis zum Mittwoch mitmachen… an diesem 3.8.2011 werde ich mich von den Kindern verabschieden und nach Abidjan fahre, meinen Koffer zu Ende packen, ein letztes Mal die Kinder des Viertels, wie jeden Samstag-, Sonntag- und Mittwochnachmittag, bespaßen und dann abends meinen Flug nach Paris (von wo aus es am Morgen des 4. nach Düsseldorf geht) … Heute wirkt das alles noch sehr unwirklich…

Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Die „fête“ will gut vorbereitet werden und das Zeltlager auch. Zudem kommt noch die Baustelle. In der Galerie befinden sich einige Bilder, die den aktuellen Stand der Bauarbeiten dokumentieren.

Dort sieht man, dass im Duschraum, nur noch Kleinigkeiten -also die Stromversorgung und sowie die Wasserversorgung – zu machen sind. Im Pissoir fehlt ebenfalls nur der Wasseranschluss; der Schlafsaal, sowie der Essensraum warten noch auf die Moskitonetze und die Fensterläden; dem Schrank im Schlafsaal fehlen noch Böden und kleinen Türen; das gesamte Haus wird außerdem noch gestrichen werden. Die Mittel dazu sind mittlerweile auch angekommen.

Meine ehemalige Schule, das GaW in Düren, hat nämlich einen Teil des Erlöses des Schulfestes für mein Projekt gespendet. Insgesamt sind es etwa 1800 Euro, die nach Abidjan überwiesen werden. Ich freue mich riesig und bin froh, dass wir die Baustelle mit diesem Geld komplett beenden können! Vielen Dank an den Schulleiter Wilhelm Gödde, die verantwortlichen Lehrer und alle GaWler, ob Schüler oder Elternteil, die das Schulfest organisiert, durchgeführt oder besucht haben.

Auf geht’s in die letzte Woche!

PS: Ich weise noch auf den untenstehenden Artikel hin. Er beschreibt meinen kurzen Besuch im Flüchtlingslager von Duékoué…

Geschrieben von Christian Davepon am 27. Juli 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Duékoué

Diese Stadt kennt seit Ende März 2011 (28.-30.) nicht nur jeder Ivorer, sondern auch alle, die sich in diesen Tagen mit Nachrichten aus aller Welt beschäftigt haben. In diesem Zeitraum hat es ein blutiges Massaker gegeben, bei dem etwa 800 Menschen der Ethnie Guéré ermordet wurden, vornehmlich junge Männer. Insgesamt sind seit Dezember 2010 etwa 2800 Menschen in diesem Konflikt zwischen mehreren Ethnien ums Leben gekommen.

Auch in den Jahren 2002 und 2004 gab es blutige Auseinandersetzungen zwischen den Guéré auf der einen Seite und den Dioula, Baoulé und Yacouba auf der anderen.

Aus Angst suchten, wie schon 2002 und 2004, schon im Dezember die ersten Flüchtlinge Unterschlupf in der Mission Catholique in Duékoué. Von anfänglich 1000-3000 Flüchtlinge stieg die Anzahl Ende März auf unglaubliche 30000 Flüchtlinge an.

Die Salesianern, die die Mission Catholique seit über 20 Jahren führen,  waren über das Jahr verteilt häufiger zu Kurzbesuchen in Abidjan und luden mich natürlich immer wieder ein, mir die dortige Realität anzuschauen. Weil ich auf der einen Seite die Einladung nicht ausschlagen wollte und auch unbedingt diesen Ort, das Camp und deren Bewohner kennenlernen wollte, entschloss ich mich letzten Samstag den folgenden Sonntag nach Duékoué aufzubrechen und dort 1 ganzen Tag und 2 Nächte zu verbringen.

Am letzten Sonntag, 23. Juli, verließ ich gegen 8 Uhr den Busbahnhof in Adjamé/Abidjan. Nach einer Panne (wenn ich reise, geht immer etwas schief!) und unzähligen Kontrollen der Fahrzeugpapiere durch FRCI (neue ivorische Armee), Polizei und Gendarmerie kam ich pünktlich zum Abendgebet der Kommunität um 19 Uhr in Duékoué an. Bevor ich die Kapelle betreten konnte, musste ich mich erst von einem vor der Tür stationierten Blauhelmsoldaten durch das Labyrinth von Zelten zum Haus der Kommunität führen lassen. Auch wenn es schon dunkel war, sah man ganz genau die Kochtöpfe auf offenem Feuer, die Menschen, die darum herum saßen und die unzähligen Zelte und selbstgebauten Unterschlüpfe. Außer dieser visuellen Eindrücke, viel mir vor allem der Lärmpegel auf.

Später im Gebet erlaubte mir dieser Lärmpegel, der an einen Jahrmarkt ohne Musik und Lachen erinnerte, nicht, mich zu konzentrieren… Es war irgendwie ein sehr bedrückender Lärmpegel… es fällt mir schwer diese Situation mit Wörtern zu beschreiben. Zumindest war es  ein für mich  bleibender Moment.

Nach dem Abendessen habe ich mir dann Teile des Camps mit einem der Salesianer angeschaut.

Am nächsten Morgen bin ich alleine und in Ruhe  einige Stunden durch das Camp gelaufen. Ich habe mit mich mit einigen der Flüchtlinge unterhalten und ihnen erklärt, was ich in der Elfenbeinküste mache. Erstaunlicherweise habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Niemand fühlte sich, soweit ich das bemerken konnte, durch meine Kamera bedrängt. Die Wut der Campbewohner richtete sich ausschließlich auf eine lokale NGO, die die Essensausgabe koordiniert. Viele fühlten sich benachteiligt und beschwerten sich lautstark vor dem Büro des Pfarrers, das aufgrund seiner Lage, zur Basis der Organisation umfunktioniert wurde.

In der Galerie habe ich einige meiner unzähligen Fotos hochgeladen und beschreibe den Großteil mit einigen Worten. Dort erfährt man auch mehr über Hintergründe und die Geschichte dieses lange andauernden Konflikts.

Heute bin ich dann, zum ersten Mal seit langem ohne Panne gegen 15:30Uhr im Foyer eingetroffen. Meine letzte Reise hier an der Elfenbeinküste (sieht man vom Camp in der nächsten Woche ab) war zwar die kürzeste, aber in jedem Fall die lehrreichste…

Geschrieben von Christian Davepon am 27. Juli 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Endlich geht’s los!

Nach einer halben Ewigkeit, haben wir in der vergangenen Woche endlich mit den geplanten Bauarbeiten, die durch Ihre großzügigen Spenden erst möglich geworden sind,  begonnen.

Die Kinder haben mit vollem Eifer erste kleine Mauern eingerissen, ihren alten Schrank zerstört und ihre Betten demontiert. Danach kamen der Fliesenleger, die Maurer, der Schweißer, sowie der Sanitärfachmann. Gearbeitet wird an mehreren kleinen Baustellen gleichzeitig.

An erster Stelle steht die Dusche. Dort wurde im Grunde alles, was man dort bisher fand, eingerissen. Der aktuelle Stand ist, dass der Sanitärfachmann in mühsamer Kleinarbeit den Betonboden mit Hammer und Meißel aufschlägt, sowie neue Rohre für die neuen Toiletten und für den Duschabfluss legt. In der nächsten Woche werden Fußboden und Wand gefließt und Wasserleitungen verlegt.

Neben der Dusche wird derzeit außerdem eine alte, bisher ungenutzte Dusche in ein großes Pissoir verwandelt.

An 2. Stelle der Schlafsaal. Nachdem die Kinder ihn Anfang der Woche von allem befreit haben, was bisher darin stand, ist der Boden bereits komplett gefliest. In den nächsten Tagen werden dort Fenster und Türen ausgetauscht bzw. modifiziert.

Ziel des Ganzen ist vor allem der Kampf gegen Moskitos und eine allgemeine Verbesserung der Licht und Luftverhältnisse im Schlafsaal. Bisher war es nur schwer möglich die Gerüche von Urin und Schweiß komplett aus dem Raum zu bekommen.

An 3. Stelle steht der Hof. Dieser wird zum Einen vergrößert, in dem eine ehemaliges WC eingerissen wird und diverse kleine Mäuerchen dem Großen und Ganzen weichen, zum anderen wird er mit Beton gefüllt und anschließend komplett gefliest.

An 4. Stelle steht die Wasserversorgung. Die beinhaltet einen neuen 1000l Tank, sowie Wasserleitungen ins Pissoir, die Dusche und die Küche.

In diesen Tagen bin ich jeden Tag beinahe ausschließlich auf der Baustelle und schaue den Handwerkern bei der Arbeit zu, erkläre und korrigiere, damit auch alles so wird, wie es besprochen war.

In der Galerie befinden sich einige Bilder der Baustelle…Ich hoffe, man erkennt bereits eine positive Entwicklung. Falls noch Geld übrig sein sollte, sollen so viele Räume wie möglich einen neuen Anstrich bekommen.

In jedem Fall bin ich unglaublich froh, dass wir trotz der Schwierigkeiten der Krise, meiner Zeit in Togo und diversen kleineren Problemen mit den Handwerkern vor Ort jetzt endlich begonnen haben. Ende nächster Woche schon werden die Arbeiten beendet sein. Ich freue mich schon sehr auf das Ergebnis!

Ende nächster Woche bedeutet mit anderen Worten: 2 Wochen vor meinem Abflug. Auch wenn ich eigentlich genug Zeit hatte, mich auf die schnell verrinnende Zeit vorzubereiten, geht es derzeit doch ein bisschen zu schnell. Allmählich entwickelt sich eine Art Angst vor dem Abschied…

Mein Abschied feiere ich übrigens im Zeltlager des Foyers in Azzureti, in der Nähe von Bassam. Dort werden wir mit 2 weiteren abidjaner Strassenkinderfoyers und etwa 120 Kindern paradiesisch gelegen zwischen Lagune und Atlantik, unter Palmen campen…  Ich bin schon sehr gespannt.

Bis bald

Christian

Geschrieben von Christian Davepon am 15. Juli 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Stippvisite in Korhogo und Taxischieben um Mitternacht

Bevor ich zum Aktuellen komme, wäre vielleicht noch ein Nachtrag zum 19.6.2011 fällig. An diesem Tag wurde Robert, einer der langjährigen Besucher des Foyers in der Pfarrei St. Francois D’Assise in Koumassi feierlich nach 3 Jähriger Vorbereitung getauft. Außerdem empfing er seine erste Hl. Kommunion. Als Bewohner des Foyers sind wir, also die Kinder, aber auch die Erzieher und Salesianer ja irgendwie seine Familie. Und so feierten wir als große Familie, gemeinsam mit etwa 60 Kindern und etwa 20 Freunden, die er eingeladen hatten, im Foyer Magone.

Das Foyer zeigte sich von seiner besten Seite, die Kinder zogen ihr neuestes Hemd an und gegessen wurde, wie es sich für afrikanische Verhältnisse gehört, ordentlich. Einige Kinder hatten sogar so übertrieben, dass sie noch am Montag danach vor Bauchschmerzen nicht ihr Bett verlassen haben…

So ist das eben, wenn man vor Futterneid alles in sich hinein schiebt und dabei die Größe seines Magens völlig überschätzt. Als Erzieher muss man da garnicht mehr viel sagen. Die Kinder lernen da selbst aus ihren Fehler, hoffentlich!

Jetzt aber zu dem Aktuellen, dem sich auch die Überschrift widmet.

Letzten Montag habe ich von der Reise des Provinzials und des Provinzökonomen von Abidjan nach Korhogo profitiert. So bin ich zum ersten Mal wirklich aus Abidjan herausgekommen und habe den Norden des Landes erkunden dürfen.

Da die Salesianer auch in Korhogo präsent bin, bezog ich dort für 3 Nächte ein Zimmer, besuchte ihr Kolleg und unterrichtete dort ein bisschen Deutsche Geschichte von wegen „wir Deutschen sind nicht alle wie Hitler“ und „Hitler war nicht gut, auch wenn er Franzosen umgebracht hat.” Ich bestieg außerdem den Stadtberg „Mont Korhogo“ und schaute mir das Gefängnis, also die Villa, in der der ehemalige Präsident Gbagbo festgehalten werden soll, von außen an. Zum Spaß und Sightseeing fuhr ich mit dem Moped durch diese Stadt, die mich vom Verkehr und vom Lebensstil ein bisschen an Kara in Togo erinnert hat. Einen Besuch auf dem Markt durfte natürlich auch nicht fehlen. Ansonsten unterhielt ich mich sehr gut mit der dortigen Salesianerkommunität und aß regionale Gerichte…

Also wirklich eine sehr lohnenswerte Tour, die ich schon ewig geplant hatte, die aber aufgrund der Krise nicht zu realisieren war.

Erwähnenswert war vor allem die Rückfahrt. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich bisher schon 2 Mal gezwungener Maßen Nächte irgendwo, nur nicht am Ziel meiner Reise, verbracht habe. Einmal musste ich im Februar in Grand Bassam schlafen, weil in Abidjan Ausgangssperre herrschte, ein anderes Mal kam ich aufgrund mehrerer Pannen in Aflao nicht über die Ghanaisch-Togolesische Grenze und war gezwungen ein Hotel für die Nacht zu suchen.

Dieses Mal, also gestern Abend, bin ich haarscharf an einer Nacht im Bus vorbeigeschrammt.

Gestern, Donnertag, 30.6.2011, fuhr ich schon um 7 Uhr mit dem Salesianerstagiaire Augustin zum Bahnhof in Korhogo. Das Ticket für den Bus hatte ich schon tags zuvor gekauft. Gegen 8:30Uhr fuhren wir in Korhogo los. Das erste was ich meinen Sitznachbarn auf der anderen Seite des Gangs, einen Augenoptiker, fragte, war, ob er die Buslinie kennt und ob er jemals eine Panne erlebt habe. Er erwiderte „Non, jamais“ ! Ich freute mich und presste mich zufrieden in meinen Sitz, neben meine sehr stämmige Sitznachbarin und war sicher gegen 16Uhr, vielleicht 16:30Uhr in Adjamé, dem großen Busbahnhof anzukommen.

Schon nach 2 Stunden aber, hielten wir das erste Mal an; Wasser tropfte aus dem Motorraum. Weil aber weit und breit keine Werkstatt in der Nähe war, setzten wir die Fahrt bis nach Katiola fort. Dort fanden wir einen Mechaniker, der ein Loch in einem Hydraulikrohr feststellte und es provisorisch flickte. Das Ganze kostete uns etwa 2 Stunden. So kamen wir nach wenigen Kontrollen gegen 18:15Uhr in Abidjan, also besser gesagt in Yopougon, der westlichsten Kommune Abidjans an. Eigentlich wäre es von dort aus ein Leichtes gewesen nach Adjamé zu kommen, wäre da nicht die Autobahn zwischen Adjamé und Yopougon, die bei Regen nicht zu passieren ist, weil völlig unter Wasser stehend. Gestern regnete es, typisch für die Regenzeit, den ganzen Tag!

Nach ewigem Hin und Her überredeten wir den Busfahrer nicht, wie er vorgeschlagen hatte, bis zum Ende des Regens zu warten, sondern die einzige (! ) Ausweichstrecke über Anyama, die nördlichste Kommune Abidjans, nach Adjamé zu gelangen.

Also fuhren wir in unserem Bus, der sagenhaften 75 Menschen, auf einer Etage in 5 Reihen Platz bot, nach Anyama. In Anyama war ich bisher noch nie. Ich glaube auch nicht, dass ich nochmals dorthin fahren werden. Diese Kommune liegt in einer etwas hügeligen Gegend. Die Straßen sind jedoch nicht geteert und so verwandeln sie sich in eine Art Straße mit vielen reißenden Bächen, die diese völllig ausspülen und häufig zu ordentlichen Kratern in derselben führen. An dieser Stelle muss man sich jetzt vorstellen, dass alle Menschen, die aus den südlichen und zentralen Kommunen Abidjans nach Yopougon (über 1 Millionen Einwohner) wollten oder Yopougon in Richtung „Restabidjan“ verließen, exakt diesen einen Feldweg aus Matsche, Wasser, Kratern und Bächen, wählten.

Wir standen also im Stau… und das mehrere Stunde… gegen 22:30Uhr, also nach über 3 Stunden „stop and go“, wobei „stop“ dem „go“ eindeutig überlegen war, parkte unser Bus an einer Tankstelle und wollte nicht mehr weiterfahren. Wir sollten also die Nacht im Bus verbringen…

Daraufhin suchten ich und einige Passagiere, die wie ich, nicht allzu wild auf eine Nacht im tropfenden (das Dach war nicht ganz dicht) feuchten und vollbesetzten Bus waren, Taxis, die genug Mut hatten, dem Feldweg weiter zu folgen.

Nach ewiger Suche fanden wir schließlich einen Taxifahrer, der 3 Mitpassagiere und mich für unverschämte 15 Euro an die Busstation von Abobo (Abobo liegt zwischen Anyama und Adjamé) bringen wollten. Er brauchte nicht weniger als 2 Stunden für die paar Kilometer. Noch dazu war unser Taxi nicht das Beste, weil dessen Motor das eine oder andere Mal ausging und nur durch Anschieben wieder ansprang. Die 2 männlichen Mitpassagiere und ich stiegen dann also immer wieder aus und schoben die Karre im strömenden Regen an… Was für eine Erfahrung: Taxischieben in Abidjan um Mitternacht…

Von Abobo nahmen wir ein weiteres Taxi, das uns nach Hause brachte und dessen Kosten wir uns teilen konnten.

Um 1:15Uhr in der Nacht kam ich dann endlich im Foyer an, über 17 Stunden nach dem Start in Korhogo! Eine Reise, die ich wohl nicht mehr vergessen werde…

In der Galerie gibt es Bilder aus Korhogo, von Roberts Taufe und von „Espace Ami des Enfants,“ dem Projekt für die Kinder des Quartiers, das mir eine 7 Tage Woche beschert…

Bis bald …

Geschrieben von Christian Davepon am 1. Juli 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

16. Juni = journée de l’enfant africain

In Soweto, dem berüchtigten Township nahe Johannesburg in Südafrika, wurde 1976 eine Demonstration schwarzer Schüler gewaltsam aufgelöst. Dabei starben unzählige Kinder. Jahre danach, 1991, rief zuerst Südafrika, dann auch die afrikanische Union den Tag der afrikanischen Kinder am 16.Juni ins Leben.

Seit 20 Jahren wird dieser nun auf dem ganzen Kontinent mit verschiedenen Veranstaltungen rund um das Thema „Kinder und ihre Rechte“ gefeiert.

In Abidjan wurde die Feier gestern auch begangen. Das Ministerium für Familien, Frauen und Kinder hatte gemeinsam mit Unicef, Save the Children, Children of Africa und dem „Forum des ONG“ (ein Netzwerk von verschiedenen Organisationen, z.B. Don Bosco , die sich mit gefährdeten Kindern beschäftigen) Kinder aus sämtlichen Foyers und Jugendzentren Abidjans nach Koumassi geladen. Auch wir waren eingeladen und fuhren mit allen Kindern, die morgens am Alphabetisierungsunterricht teilnehmen, sowie einigen Mädchen aus dem Mädchenfoyer der Salesianischen Schwestern, ins Tagungszentrum unseres Bistums Gr. Bassam, Mathieu Ray, in den Süden Koumassis.

Die etwa 600 Kinder, die der Einladung gefolgt waren, diskutierten zu Kinderrechte, spielten miteinander, sangen und tanzten. Anschließend gab es noch einige Reden vom Bürgermeister von Koumassi, dem Präsidenten des „Forum des ONG“ und dem höchsten Repräsentanten von Unicef an der Elfenbeinküste. Der absolute Höhepunkt für die Kinder, abgesehen vom Essen und den Geschenken, war dann sicherlich der Auftritt von Madame, la première Dame, Dominique Ouattara, der 1st Lady der Elfenbeinküste.

Sie war mit einer ihrem Rang würdigen Kolonne von Militär- und Polizeifahrzeugen gekommen, stieg aus ihrem schicken Mercedes und blieb sagenhafte 3,5 Stunden, verfolgte das Programm, schüttelte Hände und ließ sich fotografieren. Zum Abschluss hielt sie noch eine kurze Rede, aß mit den anderen geladen Gäste und verließ die Veranstaltung, die auch von der von ihr gegründeten Organisation „Children of Africa“ organsiert wurde.

Wenn sie sich bei den Bildern fragen, wer denn jetzt die erste Dame des Landes ist, will ich euch eine kleine Hilfestellung geben. Sucht nicht nach einer dunkelhäutigen Frau, sondern nach einer Weißen in grünem Kostüm.

Dominique Ouattara ist nämlich eine in Algerien geborene Französin. Sie ist mit Immobiliengeschäften derartig reich geworden, dass sie ihrem Mann, dem ehemaligen IWF Direktor und jetzigem Präsidenten Allasane Ouattara, die Wahlkampagne spendiert hat. Getraut wurde die beiden, munkelt man,  in den 90iger Jahre in Paris, von einem gewissen Nicholas Sarkozy, damals noch Bürgermeister eines Nobelvororts von Paris.

Soviel zu den franco-ivorischen Beziehungen…

Ansonsten geht’s mir prima hier. Die Umbauten haben leider noch nicht begonnen, doch auch ohne diese gibt es genug zu tun. Die Aktion für die Kinder des Viertels, die zur Verarbeitung der Kriegserlebnisse gestartet wurde, ist angelaufen.

Letzten Samstag war ich dazu an der Grundschule in Koumassi. Dort waren wir aber mit denen uns zur Verfügung gestellten Spielen für 150 Kindern etwas überfordert. Über 1500 Kinder liefen auf dem Schulhof herum und wollten spielen. Als diese etwas ungeduldig wurden, packte mir ein kleiner Junge ins Haar, berührte meine weiße Haut und entfernte sich glücklich wieder von mir. Die anderen Kinder wollten plötzlich diese Erfahrung auch machen und taten es ihm gleich. So entwickelte sich eine riesige Traube von Kindern um mich herum, die alle nur das eine Ziel hatten „den Weißen berühren, egal ob Haut oder Haar“. Das ich dazu nicht allzu viel Lust hatte, verstanden sie nicht und so lief ich nach einigen Minuten in der Traube fort… Gejagt von unzähligen schreienden Kinder floh ich also über den Schulhof. Es hatte ein bisschen was von Räuber und Gendarm, wenn man auf einem freien Feld spielt und der einzige Räuber ist. Dementsprechend war ich schon nach wenigen Sekunden gestellt und ergab mich der Menge. Glücklicherweise kamen mir nach einer gefühlten Ewigkeit mein Chef und unser Psychologen zu Hilfe und befreiten mich aus dieser ernsten Lage, inmitten der Kinder ;)

Seit diesem Samstag bin ich in Koumassi bekannt wie ein bunter Hund. Beinah jedes Kind, dem ich begegne, ruft meinen Namen oder auch einfach nur „le blanc“ also „der Weiße“ über die Straße. An diese Bekanntheit muss ich mich jetzt erst mal gewöhnen.

Bis bald

Christian

Geschrieben von Christian Davepon am 17. Juni 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Zurück in Abidjan

Seit einer Woche bin ich jetzt schon wieder in Abidjan. Wie im letzten Blog angekündigt, habe ich, nachdem ich von der Provinz und der Gemeinschaft in Abidjan grünes Licht bekommen hatte, relativ zügig meine Sachen gepackt und mich nach und nach von den Menschen, mit denen ich 2 sehr gute und erfahrungsreiche Monate in Togo erleben durfte, verabschiedet.

Diese Abschiedstour war schon einmal ein Vorgeschmack auf das, was mir in Abidjan dann im August bevorsteht. Auch wenn ich letztlich nur etwas mehr als 2 Monate in Kara gelebt und gearbeitet habe, habe ich doch eine recht intensive Verbindung zu der Gemeinschaft und vor allem zu den Kindern aufgebaut. Dementsprechend fiel mir der Abschied dann auch nicht so leicht.

Um den Jungs den Abschied ein bisschen zu erleichtern, feierten wir einfach; Es gab Süßigkeiten und Saft; es wurde getanzt und gesungen. Zum Abschluss zeigte ich ihnen noch eine Auswahl von Bildern, die ich von ihnen geschossen hatte. Wir hatten wirklich eine Menge Spaß.

Am Sonntag, 15.5.2011, bin ich dann nach Lomé gefahren. Nach Klärung des Visums für Ghana, bestieg ich am 17. abends einen Van, der mich über Nacht zur westlichsten Stadt Ghanas, Elubo, der Stadt vor der Elfenbeinküste, brachte.

Mittwochs mittags kam ich so schon in Abidjan an und wurde wie gewohnt herzlich im Foyer empfangen. Für mich selber war es ein weiteres Mal wie nach „Hause“ kommen. Es war beinahe als wäre ich nicht weg gewesen.

Natürlich hatte ich vor der Rückkehr einige Bedenken, was die Sicherheit angeht. Diese haben sich doch recht schnell in Luft aufgelöst. Die Stadt ist beinahe wie vor meiner Ausreise, hat sich aber in einigen Punkten sogar leicht im Positiven verändert.

Der Müll ist an vielen Orten entfernt worden, ausgebrannte Autos oder LKW habe ich keine mehr zu Gesicht bekommen und selbst die Straßen werden mittlerweile regelmäßig von Frauengruppen gekehrt (mit einem handelsüblichen Besen). Es scheint fast so, als wolle man jetzt endlich wieder in einen Alltag finden.

Diese Eindrücke kommen zugebenermaßen aus Koumassi, einer der Hochburgen des mittlerweile vereidigten, allgemein anerkannten und vor allem einzigen Präsidenten der Elfenbeinküste Allasane Ouattara. Hier laufen die Menschen auch in seinen Wahlshirts herum und feierten bei der Vereidigung in der letzten Woche ein großes Fest, bei dem die eine oder andere Ziege, die die Krisenzeit noch unbeschadet überlebt hatte, dran glauben musste und öffentlich und feierlich am Straßenrand geschlachtet und anschließend verzehrt wurde.

Für diese Menschen ist mit Ouattara als Präsident jetzt natürlich ein Traum wahr geworden, den die Franzosen mit ihrer FORCE LICORNE erst möglich gemacht haben. Das ist eigentlich auch der Hauptgrund, warum ich hier absolut sicher bin. Alle Menschen denken, ich sei Franzose, nur weil ich ein paar Wörter Französisch sprechen kann und weiß bin…

Naja. Soviel zu der aktuellen Situation.

Die Kinder in Abidjan haben dir Krise übrigens gut überstanden. Es gab zwar Nächte, in denen sie vor lauter Gefechten in anderen Stadtteilen nicht schlafen konnten und Tage, an denen das Wasser knapp war; letztlich ist aber alles im Vergleich relativ glimpflich abgelaufen, zumindest in Koumassi.

Trotzdem wird in den nächsten Wochen ein 3 monatiges Projekt gestartet, das die Kinder zum Reden und zum Verarbeiten ihrer Erlebnisse bringen soll. Hauptsächlich sollen die Kinder dieses Ziel über Spaß am Spiel und in der Gruppe, beobachtet und animiert von Psychologen, Erziehern und Freiwilligen, erreichen.

Außerdem steht der von ihren Spenden finanzierte Umbau jetzt an. Die Kostenvoranschläge wurden bereits eingereicht. Jetzt geht es noch um Kleinigkeiten; Dann kann es endlich losgehen.

Zusätzlich gibt es ein weiteres kleines Projekt was in dieser Woche begonnen wurde. Dabei geht es um die Alphabetisierung der Kinder, die hier in der Umgebung in Autowerkstätten arbeiten. Sie haben teilweise überhaupt keine schulische Bildung erfahren und arbeiten seit ihrem 7 oder 8 Lebensjahr. Durch unsere die Intensivalphabetisierung in Kleingruppen 3 Stunden am Morgen sollen sie im Bestfall auf einen Schulbesuch vorbereitet werden. Am Nachmittag arbeiten sie übrigens weiter in den Werkstätten.

Die tägliche Arbeit geht natürlich derweil weiter. Derzeit wohnen 55 Kinder in den beiden Foyers. Im April hat diese Zahl mit teilweise über 65 Kindern einen absoluten Höchststand überschritten. Langweilig wird mir aber auch mit 55 Kindern nicht!

Erschreckend stelle ich übrigens in diesen Tagen fest, dass ich nur noch 2 Monaten von meiner „endgültigen“ Abreise aus Abidjan entfernt bin. Auch wenn ich mich eigentlich dann irgendwann auch wieder auf Zuhause freue, fühle ich mich gerade so wohl, dass ich an Deutschland noch nicht denken will…

Bis bald

Christian

Eine Neuigkeit in meinem Blog ist übrigens die Galerie, die sich in der oberen Leiste befindet!

Geschrieben von Christian Davepon am 27. Mai 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

38 Stunden in Porto Novo

Am letzten Dienstag hatte ich die Gelegenheit mit dem hiesigen Ökonom nach Benin zu fahren. Er hatte Erledigungen für das salesianische Ausbildungszentrum in Kara im Süden Benins zu machen und so ergab sich für mich die einmalige Möglichkeit mir die Projekte in Cotonou und vor allem in Porto Novo anzuschauen. Außer einer Panne kurz vor Porto Novo lässt sich von der Hinfahrt eigentlich garnicht so viel erzählen. Am ehesten ist noch der außergewöhnlich gute Zustand der Straßen in Benin zu erwähnen. Ansonsten merkt man nicht so große Unterschiede zwischen Togo und Benin.

Porto Novo ist das Idealprojekt der Salesianer für Strassenkinder in Westafrika. Die Projekte in Abidjan und Kara sollen sich in den kommenden Jahren, was Aufbau und Struktur angeht, in die Richtung des Projektes in Porto Novo entwickeln.

Es ist nicht nur das größte, sondern auch das am weitesten entwickelte, komplexeste und schickeste. Ja! Strassenkinderprojekte können auch schick sein. Die Kinder selber nennen ihr Foyer daher auch untereinander Hotel. Sie schlafen dort in 6er Zimmern, nicht wie in Kara oder Abidjan üblich, in 15er oder 20er Schlafsälen. Es gibt ziemlich viele Angestellte und Volontäre, die sich um die Kinder kümmern; Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen. Das Haus ist immer sauber, es gibt einen Hof mit Garten und eine schöne Kapelle. Es hinterlässt irgendwie schon ein Art „Hotelgefühl“, wobei ich das überhaupt nicht schlimm finde. Die Kinder halten ihr Haus ja auch selber sauber und erledigen alle Arbeiten, die rund um das Haus anstehen.

Für den einfachen Besucher, wie mich, stellt sich dieses Hotelgefühl dann aber spätestens ab, wenn morgens um 5:15 Uhr die Kinder lautstark aufstehen und ihre vorschulischen Arbeiten zu verrichten haben. Das findet man in Kara und auch in Abidjan nicht anders vor. In den 38 Stunden (von Dienstagnachmittag bis Donnerstagmorgens) habe ich beinahe das komplette Projekt besichtigen können.

An einem Beispiel erkläre versuche ich an dieser Stelle die verschiedenen Zweige des Projekts zu erklären:

Nehmen wir einen üblichen Westafrikanischen Namen: Koffi!

Koffi ist von Zuhause abgehauen und schlägt sich seitdem auf dem Markt in Cotonou durch. Dort trifft er auf einen der beiden Erzieher der dortigen Don Bosco Baracke, die gezielt diese Kinder in ihre Baracke einlädt. Dort bastelt er, spielt er und nimmt an Alphabetisierungsmaßnahmen teil. Nach kurzer Zeit spricht er mit einem Mitarbeiter über seine Situation und seine Probleme. Der Erzieher bringt ihn daraufhin in den Erstempfang der Salesianer in Porto Novo. Dort stößt er auf eine Gruppe von über 40 anderen Kindern, die über die Barackenstruktur dort angekommen sind.

Koffi hätte auch auf dem Marché in Porto Novo oder auch auf dem Transitmarché in Seme, an der Nigerianischen Grenze, auf Erzieher der Salesianer stoßen können.

Im Erstempfang durchläuft Koffi dann innerhalb eines Jahres die dortigen 3 Etappen, die ihn in Sachen Stabilität (=er fühlt sich wohl und haut nicht ab) und Alphabetisierung auf ein gewisses bzw. ausreichendes Niveau für den nächsten Schritt bringt.

Der nächste Schritt ist der Transfer ins Foyer (das „Hotel“) , von wo er anschließend die Schule besucht. Hier ist der Tagesablauf sehr strikt und durchstrukturiert. Wenn er sich in der Schule gut einbringt und gute Leistungen zeigt, bleibt er in diesem Projekt bis zu seinem Abitur, vorausgesetzt er wird vorher nicht wieder in seine Familie reintegriert.

Die Gespräche dazu und der Kontakt mit den Familien wird schon während der Barackenzeit, aller spätestens aber im Erstempfang aufgebaut. Im Bestfall reißt dieser zu keinem Zeitpunkt ab.

Für Diejenigen, die eher praktisch begabt sind besteht im Centre Don Bosco die Möglichkeit zur Ausbildung zum Schreiner, Mechaniker oder Schweißer. Eine andere Möglichkeit kann auch die Farm in Sakete, etwa 30min Autofahrt von Porto Novo entfernt, bieten. Dort können sich die Jugendlichen zu Landwirten ausbilden lassen. Für Koffi gibt es also einige Möglichkeiten.

Zusätzlich bietet das Projekt noch eine Vormittagsschule, bei der Kinder, deren Eltern sie auf den Markt zum Verkaufen von Kleinprodukten schicken, die Möglichkeit zum Schulbesuch bekommen. Den Nachmittag verbringen diese Kinder, nach Elternwille, auf der Straße zum Geldverdienen. Dieser Kompromiss der Vormittagsschule verhindert zumindest das Leben als Analphabet und eröffnet eine Perspektive für die Zukunft.

In meinen 38 Stunden in Porto Novo habe ich neben dem Hauptfoyer auch den Erstempfang, die Baracken in Porto Novo und Seme und die Farm in Sakete besucht.

Ich habe versucht trotz der eiligen Besichtigungstour das eine oder andere Foto zu schiessen:

Auf der Rückfahrt besuchten wir noch ein Krankenhaus in der Kleinstadt Zagnanado mehr als 100 Kilometer nördlich von Porto Novo. Dort führen Franziskanerinnen ein Krankenhaus, das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Eine der älteren Schwestern führte uns durch das Krankenhaus. Wir grüßten die Kranken; Vom Frühchen (natürlich ohne Brutkasten bei 35°C Außentemperatur), über Kinder, Erwachsenen und alte Menschen. Erstaunlicherweise grüßten alle (außer die Frühchen und ein Kleinkind, das bei meinem Anblick anfing zu schreien) sehr fröhlich zurück, egal wie krank sie waren.

Für mich war es das erste Mal, dass ich in einer solch ländlichen Gegend ein Krankenhaus besucht habe. Die Schwestern dort leisten wirklich beeindruckende Arbeit unter widrigen Umständen.

Vor der Abfahrt bemerkten wir dann einen erneuten Reifenschaden, der unseren Zeitplan noch ein bisschen beeinflusste, sodass wir erst nach 18Uhr in Kara ankamen.

Auch wenn ich beinahe so lange im Auto saß, wie ich in Porto Novo war, war dieser Kurztrip ein sehr lohnender!

Bald schon werde ich wieder auf Reisen gehen. Nach 10 Wochen Exil in Kara, werde ich mich Mitte des Monats wieder auf den Rückweg nach Abidjan machen…

Bis bald!

Noch einmal aus Togo

Christian

Geschrieben von Christian Davepon am 4. Mai 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Frohe Ostern!

Frohe Ostern, liebe Freunde! Ich hoffe, ihr habt das Fest gut überstanden und vor lauter Hasen und Eiern auch den Sinn dieses Ereignisses nicht vergessen.

Zum Vergessen des Sinns, hatte ich hier in Kara keinen Anlass. Der Brauch der Hasen und Eier hat es nicht bis in den Norden der ehemaligen Deutschen Kolonie geschafft. Ich muss aber sagen, dass ich das überhaupt nicht als störend empfunden habe. Meine heimatlichen Brauchtümer habe ich dann aber doch nicht ganz verdrängen können und so bastelte ich mit den Kindern Ostereier.

Diese Ostereier waren jedoch ein bisschen anders, als man, also die Kinder aus Unwissenheit natürlich nicht, gewohnt ist. Als Grundlage haben wir keine gewöhnlichen Eier benutzt, sondern Mangos. Das schien mir besser an die Umgebung angepasst und wurde von den Kindern, denke ich, ebenso begeistert umgesetzt. Mangos gibt es hier übrigens derzeit wie Sand am Meer…

Die Feierlichkeiten in der Paroisse St. Jean Bosco waren nicht wirklich anders, als ich sie bisher gewohnt war. Sie waren nur wärmer, länger, in einer anderen Sprache und gewürzt mit Stromausfällen. Außerdem kann ich sagen, dass ich noch nie eine Karwoche mit einer annähernd so großen Gemeinde gefeiert habe. In der Osternacht tummelten sich (soweit ich das schätzen kann) mit Sicherheit 2000 Menschen auf dem Vorplatz der Paroisse. Dazu kommt noch die angeborene Fröhlichkeit und Musikalität der Afrikaner, die aus der Messe dann beinahe eine Party machte…  Da konnte ich dann auch nicht wiederstehen und passte mich den rhythmischen Bewegungen meiner Sitznachbarn an!

Am Ostermontag erreichte dann das Osterfest für die Kinder einen weiteren Höhepunkt. Über 800 von ihnen, darunter auch meine Schützlinge, kamen im Projekt der Salesianischen Schwestern zusammen und feierten Ostern mit Spielen und einer Olympiade bei der es aller Hand zu gewinnen gab.

Die folgenden Bilder zeigen Eindrücke der Ostertage und einen beeindruckenden Ausflug, den ich in der vergangenen Woche gemacht habe.

Letzte Woche fuhr ich in das Dorf Bébéda, etwa 40min Autominuten von Kara entfernt. Die spanischen Volontärin Patricia, die hier neben den typischen Salesianerprojekten (Foyer, Lycée, Paroisse) auch die Dorfentwicklung betreut, hatte ich mich kurzfristig gefragt, ob ich mit zu einer Brunneneinweihungsfeier möchte.  Für mich war das natürlich die Gelegenheit in eines der unzähligen Dörfer in der Umgebung von Kara zu kommen und ich sagte zu.

Natürlich wurden wir, angekommen im Dorf, von dem Dorfobersten und den Ältesten empfangen. Nach einer kurzen Begrüßung wanderten wir gemeinsam zum Brunnen. Dort erwarteten uns schon die Frauen des Dorfes, tanzend und mit traditionellem Gesang. Damit das Wasser auch ewig im Brunnen bleibt und dieser nicht austrocknet, schlachtete der Zeremonienmeister des Dorfes ein Huhn, dessen Kehle nur angeschlitzt wurde und  das daher noch wild in unsere Richtung und schließlich gegen unsere Beine sprang. Wie wir später erfuhren ein Zeichen dafür, dass wir willkommen sind. Na dann…

Die Prozession entfernte sich danach vom Brunnen in Richtung des Hauses des Dorfobersten. Unter einem Mangobaum nahm dann die Fete seinen Lauf. Kurze Reden auf Kabyè, mit anschließender Übersetzung ins Französische, wechselten sich mit Animationen der Frauen des Dorfes an. Natürlich saßen wir nicht nur herum und schauten zu, sondern folgten auch den Einladungen zum Tanz.

Nachdem ich mich mehrfach zur Freude der Frauen ihre Tänze imitiert und mich in ihre Gruppe integriert hatte, schaute ich mich um und stellte fest, dass ich das einzige tanzende männliche Wesen war und mich doch einige Augenpaare fragend beobachteten. Das verstand ich als Appell mich genauso wie die anderen Männer hinzusetzen. Da saß ich nun irgendwo in der Pampa, unter einem Mangobaum und wurde, neben dem Dorfobersten sitzend, beinahe wie der König von Togo behandelt…

Nach dieser Session unter dem Mangobaum ging es zum Essen in die Hütte des Dorfobersten. Es gab Fufu (gestampfte Igname) mit einer scharfen Soße, Fleisch und Palmwein. Patricia und ich saßen mit dem „Chef du Village“ am Tisch. Gegessen wurde natürlich mit der rechten Hand (das bin ich übrigens mittlerweile gewöhnt; die Linke benutzt man für andere Dinge, die die Hygiene betreffen ;-) ). Nach dem Essen und einer Unterhaltung über die Unterschiede von Deutschland und Togo (Bei euch gibt es keine Mangos und auch keine Igname? Was esst ihr denn dann?) ging es wieder unter den Mangobaum, wo derweil die Frauen unter sich gegessen hatten. Geschlechtertrennung ist scheinbar auf dem Dorf noch sehr ausgeprägt.

Unter dem Mangobaum wurde dann wieder zum Ausklang getanzt, gedankt und gesungen. Nach 5 Stunden auf dem Dorf ging es zurück nach Kara. Die Frauen waren übrigens bis zum Schluss, trotz 40°C, nicht müde; Kein Wunder! Der neue Brunnen, von spanischen Geldern finanziert und von Don Bosco umgesetzt, erspart den Frauen des Dorfes einen 4 stündigen morgendlichen Marsch zum Wasserholen… Dass da die Freude groß ist und keine Müdigkeit aufkommt, kann man sich gut vorstellen.

Geschrieben von Christian Davepon am 25. April 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Kinderwallfahrt nach ABOUDA und ein Ausflug ohne Ziel

Am gestrigen Samstag gab es ein Highlight in der Pfarrei St. Jean Bosco in Kara. Der alljährige Pilgermarsch nach Abouda stand an und etwa 400 Kinder, darunter auch ein Großteil der Kinder des Foyers, waren dabei.

Morgens um 9 Uhr ging es zu Fuß in Kleingruppen, mit individuellem Betreuer, los. Auf dem Weg gab es inhaltliche Inputs, es wurde gebetet und gesungen. Ich war auch dabei, jedoch nicht zu Fuß, sondern im Auto, mit Kamera und dem Mittagessen für meine 45 Schützlinge.

Abouda ist ein Dorf, etwa 5 Kilometer von der Pfarrei St. Jean Bosco entfernt und ist eine von 3 Stationsgemeinde in denen Salesianer den Messdienst übernehmen.

Gegen 11 Uhr feierten die Kinder mit 2 Salesianern, einem Spanier und einem Inder, die Hl. Messe, picknickten danach ausgiebig und feierten danach ein kleines Fest mit Süßigkeiten und Musik. Anschließend marschierten die Kinder wieder zurück in die Pfarrei. Insgesamt also ein erfolgreicher und toller Tag für die jungen Pilger.

Ich wäre natürlich gerne zu Fuß mit den Kindern gegangen, muss aber sagen, dass es sicherlich die bessere Entscheidung war, den Autodienst zu übernehmen. Bei etwa 40 Grad und keiner Wolke am Himmel muss man sich als jemand, der solche Temperaturen nicht gewohnt ist, dann auch mal zurückhalten können;)

In der letzten Woche habe ich mir außerdem den Montag freigenommen um nach Ghana zu Reisen. Der Hauptgrund für diese Reise war mein Visum für Ghana, das noch bis zum 5. April gültig war und mit 75 Euro ein recht teures war. Also entschied ich, für das gezahlte Geld noch einmal einige Stunden auf ghanaischem Boden zu verbringen. Ghana ist nur etwa 80 Km weit von Kara entfernt und daher als Tagestour leicht zu erreichen. Ich suchte mir als Ziel Yendi aus, weil es die nächstgrößere Stadt ist und eigentlich leicht zu erreichen gewesen wäre und es dort auch einige Interessante Dinge zu sehen gäbe…eigentlich!

Nachdem ich nur etwa 90min auf mein erstes Taxi nach Kabou warten musste und anschließend mit einem Motorradtaxi zur Grenze fuhr, war ich schon recht früh, gegen 9:30 Uhr, in der Grenzstadt Natchamba. Grenzstadt wäre vielleicht ein bisschen übertrieben. Es handelt sich dabei eher um wenige Strohhütten, die in Sichtweite der Sandpiste liegen und eine, die an der Straße liegt. Vor dieser Hütte saßen 2 Männer in Badeshorts und T-Shirt. Ich: Ich würde gern rüber nach Ghana; Der Eine: Hast du deinen Pass? Ich: Ja, in meiner Hosentasche! Hast du den Stempel? Er: Wenn du deinen Pass in der Hosentasche hast, dann hab ich meinen Stempel auch in meiner Hosentasche…

Recht unkompliziert gab er mir also den Ausreisestempel. Anschließend fuhr ich auf einem Fahrradgepäckträger durch 500m Niemandsland und kam an der ghanaischen Grenzstation an. Dort erwarteten mich in grün gekleidete, Handymusik hörende, Grenzbeamte, die mir ähnlich unkompliziert meinen Einreisestempel gaben und mich nach meinem Ziel fragten. Als ich ihnen mitteilte, dass ich nach Yendi wolle, erklärten sie mir, dass es mit der Rückkehr am gleichen Tag schwierig werden könnte und ich stand also da, irgendwo an der Grenze zwischen Togo und Ghana, im absoluten Niemandsland mit einem gerade zerstörten Ausflugsplan…

Anstatt jedoch den Heimweg anzutreten, fuhr ich nach Zamzugou, etwa 40km entfernt von der Grenze. Dort verbrachte ich einige Stunden, trank etwas, lief planlos herum und fuhr wieder zurück.

In Tatale, dem letzten Ort vor der togolesischen Grenze hatte ich das Glück einen Bus anzutreffen, der auf genau einen Mitfahrer wartete und ich nutzte die Gelegenheit, die mir einen umsteiglosen Heimweg nach Kara bot. Bevor wir aber wieder zur Grenze fuhren, holten wir noch einen Schwerkranken im Krankenhaus ab, der nicht mal mehr gehen konnte. In Deutschland würde man ihn wahrscheinlich nur im Krankenwagen transportieren. Hier steckt man ihn in einen Minibus, der im Übrigen der kaputteste war, mit dem ich bisher gefahren bin (er wurde, glaube ich nur vom Dachgepäckträger, der mit den Achsen verbunden ist, zusammengehalten;) ) und bringt ihn ins chinesische Krankenhaus nach Kara…

Vor dem Sonnenuntergang kam ich wieder in Kara an, völlig zufrieden und glücklich. Wieso zufrieden? Sich fragen sich wahrscheinlich, warum ich ihnen diesen Ausflug überhaupt so detailliert schildere…

Ganz klar! Dieser Ausflug war ein toller Ausflug, auch wenn ich überhaupt nichts Besonderes erlebt habe. Eigentlich habe ich nur Afrika erlebt: Wenn man auf Sandpisten mit einem Motorrad durch die Landschaft fährt, Ziegen, Schafe, Schweine, Hühner und andere Tiere über die Straße laufen sieht, man gefühlte drei Meter am Innenhof einer Familie vorbeifährt und ihnen in den Topf gucken kann oder einem Kinder am Straßenrand zuwinken; Wenn Grenzbeamte derart lässig ihre Stempel verteilen oder man bei jedem Schlagloch im Minibus mit dem endgültigen Ende des Fahrzeugs rechnet, dann ist das für mich einfach nur ein tolles und bleibendes Erlebnis…

Geschrieben von Christian Davepon am 10. April 2011 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

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