Der 2. Sonntag und mein erster Schultag
Was muss so ein Sonntag haben, um als perfekt zu gelten? Seit letztem Sonntag kenne ich die Zutaten:
Ein Frühstück mit Baguette, Marmelade und Obst, anschließend ein afrikanischer Gottesdienst (diesmal übrigens nur 2,5 Stunden lang) und ein Ausflug ins Grüne. Zusätzlich dann noch live den Lieblingsverein im Radio siegen hören und Telefonaten mit den Liebsten Zuhause.
So wird ein normaler Sonntag zu einem perfekten!
An dieser Stelle könnte ich näher auf das Frühstück eingehen. Das lasse ich aber, weil es doch gar nicht mal allzu spannend ist. Zur Hl. Messe in der Paroisse lässt sich außer der Dauer noch hinzufügen, dass die Taufe von 25 Kindern in die Liturgie eingebunden war. In Deutschland wäre eine solche Anzahl von Täuflingen völlig undenkbar. Hier werden sie jedoch regelmäßig gefeiert, auch mit jugendlichen oder erwachsenen Täuflingen.
Im Anschluss an den Gottesdienst bin ich dann mit Kam, einem Studenten der morgens und abends im Foyer hilft, in den Parc du Banco gefahren. Dieser Nationalpark liegt zwischen den Stadtteilen Adjame und Yupougon und bietet ein Zuhause für Schimpansen, Warane und alle möglichen Vogelarten. So wurde er zumindest im Reiseführer angepriesen.
Nach der 20minütigen Taxifahrt für umgerechnet EUR 3,50 kamen wir am Eingang des Parks an und fanden 5 Angestellte vor, die rund um das Eingangsgebäude lagen und pausierten. Als wir sie fragten, ob wir in den Park könnten, zeigten sie mürrisch auf die Preisliste, die auf eine Mauer gepinselt war. Ungläubig schaute ich darauf und musste erkennen, dass ich als
Europäer, egal ob Student oder Volontär, CFA 5000, also EUR 7,50 zahlen sollte und mein Begleiter, als ivorischer Student nur CFA 500. Dafür hatte ich natürlich kein Verständnis und so verhandelten wir. Am Ende kamen wir beide zusammen für CFA 4000 in den Park. Immer noch unverhältnismäßig viel, aberakzeptabel. Immerhin fast 2 Euro gespart;)
Es geht mir dabei jedoch nicht um die 2 Euro, sondern ums Prinzip. Ich bin kein Tourist, sondern jemand, der sich hier für ein Jahr für die benachteiligten ivorischen Kinder engagiert.
Im Park liefen wir dann einige Stunden umher und besuchte ein kleines Museum mitten im Wald. Wir konnten zwar keine Schimpansen und Warane, dafür aber Schmetterlinge beobachten. Wie es sich für einen Regenwald gehört, regnete es dann auch wie aus Eimern und wir machten uns auf den Rückweg. Das Beste an diesem Ausflug waren jedoch weniger die Schmetterlinge oder die riesigen tropischen Bäume, sondern vielmehr die Luft. Nach 10 Tagen in Abidjan, wo es grundsätzlich nach verbranntem Müll, Fäkalien oder sonstigen Abgasen riecht, war die reine Luft im Park sehr erholsam.
Zurück in Koumassi konnte ich dann im WDR2 Livestream den Sieg des 1.FC Köln hören und mit Zuhause telefonieren. Was will man noch mehr?
Am Montag war dann nach 3 Monaten Ferien wieder Schulbeginn. Ich könnte mich jetzt an dieser Stelle über das ivorische Schulsystem auslassen. Doch lass ich das aus Zeitgründen einfach sein. Nur so viel: Alle Schulkinder gehen nur Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags zur Schule, haben 3
Monate Sommerferien, Weihnachtsferien, Osterferien und an unzähligen religiösen Feiertagen zusätzlich frei. Jetzt in der ersten Woche beginnen sie, damit die Umstellung nicht zu groß ist, mit 2 Stunden am Morgen. Die Klassengrößen liegen zwischen 40 und 50 Kindern und Schulgebühren werden auch noch verlangt. Wer fragt sich da ernsthaft noch, warum die Analphabetenrate so hoch ist?
Abends wird dann hier im Foyer noch Nachhilfeunterricht in den verschiedenen Niveaus gegeben.
Gestern habe ich mit allen zusammen gerechnet und gelesen. Was dann in den kommenden Woche zu meinen täglichen Unterrichtstunden wird, weiß ich noch nicht ganz sicher. Ich werde es an dieser Stelle aber dann berichten. Was jedoch festzustellen ist: Die Kinder wollen zur Schule gehen. Ihnen ist klar, dass sie ohne Bildung nie ein anderes Leben führen können. Diese Grundmotivation erleichtert die Arbeit natürlich. Arbeit liegt jedoch noch reichlich vor den anderen Erziehern und auch vor mir, denn auch wenn einige schon in der 4., 5. Oder 6. Klasse sind, sind die Lücken unübersehbar…
Ein Beispiel: Mein ivorischer Namensvetter, 17 Jahre alt, besucht die 5. Klasse und freut sich über jedes Wort, das er ohne Fehler lesen kann.







Hallo,
können Sie mir sagen, wie hoch in etwa die Schulgebühren in Cote
d Ivoire sind? Ich lese überall, das die Schulen dort kostenlos sind.
(Das schreibt Wikipedia, und alle anderen scheinen dort abzuschreiben.)
Hallo Chrissi
was mich noch interessieren würde, wie oft du denn dieses tolle vielseitige Putzgerät benutzt.
Ich hoffe dir geht es gut
Viele Grüße
Magda