Afrika ist eine Menge…nur nicht sauber;) Eindrücke nach einem Monat an der Elfenbeinküste
Wir schreiben den 1.Oktober 2010. Schon seit ziemlich genau einem Monat bin ich nun hier in Abidjan an der Elfenbeinküste. Ich habe mich, so schätze ich das derzeit ein, schon ganz gut an die neue Umgebung und Kultur gewöhnt. Das Leben in Deutschland fehlt mir derzeit kaum. Ich bekomme hier jedoch auch nicht allzu viel von der Heimat mit, weil ich einfach nicht den Drang dazu habe, meine Zeit am Computer mit der Suche nach Nachrichten zu verbringen. Dass es mir, als alter Nachrichtenjunkie, einmal so gehen würde, hätte ich nie vermutet. Jetzt ist es so und es fühlt sich sogar gut an.
Die Tage hier vergehen wie im Flug. Das hat mit der Fülle meiner Aktionen und mit dem strengterminierten Tagesablauf zu tun. Wenn ich um 5.40Uhr am Morgen einen Ausgang aus meinem Moskitonetz suche, fängt jedes Mal aufs Neue ein anstrengender Tag an, der erst gegen 22:30Uhr ein Ende findet. Nach solchen Tagen schläft man nachts natürlich gut. Es sei denn, es ist Regenzeit, wie derzeit, und die Regentropfen schlagen unaufhörlich auf den gefliesten Hof unterhalb meines Zimmers und gegen die Lamellen meines sogenannten Fensters(ohne Glas dafür mit Moskitonetz), das eher einen Sonnenschutz darstellt.
Die Folge: Es ist so laut, dass ein ausgeruhter Schlaf kaum bis gar nicht möglich ist. In der letzten Woche gab es sogar eine Nacht, in der es von 2Uhr nachts bis 11Uhr am Morgen stramm durchgeregnet hat. Nach so einer Nacht fällt das Aufstehen natürlich doppelt schwer.
Ein anderer Grund für Schlafmangel sind die Wachhunde des Nachbarn. Er hat eine Autowerkstatt gegenüber und 2 Hunde die auf die herumstehenden Autos aufpassen sollen. Ihr Problem ist nur, dass sie (die Hunde) Nachts immer mal wieder in einen unglaublich lautstarken Streit miteinander verfallen, der sich aufgrund des Halls im Hof anhört, als würde er direkt vor meinem Bett ausgetragen werden.
Tierlieb bin ich ja…aber da hört der Spaß dann auf. Apropos Tiere:
Von denen habe ich hier einige gesehen. Einige Ratten von ordentlicher
Größe laufen, angelockt durch die Gerüche der Mahlzeiten, regelmäßig über den Hof und durch die Küche. Beim Gang zum Maison Provinciale sieht man sie auch über die Straße laufen und in einer der Karnivoren (so nennt man hier das „Abwassersystem“ ) verschwinden. Dort finden sie alles was sie brauchen. Müll und Essensreste gibt es dort zur Genüge. Die Tatsache, dass alles schmutzig ist führt dann auch dazu, dass sich Menschen (aus deutscher Sicht -> hier regt es nämlich niemanden auf) wie Tiere verhalten und ihre „Geschäfte“ einfach am Straßenrand verrichten. Wenn der Taxifahrer einmal muss, dann fährt er rechts ran, steigt aus, erledigt seine Notdurft und fährt einfach wieder weiter. Häufig sitzt dann auch noch ein Gast hinten drin. So ist das eben hier in Afrika…
Der Naturschutzsupergau kommt aber erst noch.
Das Abwasser, das sich noch halbwegs ungehindert von Müll und Verstopfung in einigen Karnivoren seinen Weg bahnen kann, fließt ungefiltert in die Lagune, etwa 100 Meter entfernt von meinem Schlafzimmer. Seit der Krise (ca.8 Jahren) wird diese Lagune auch nicht mehr von einem französischen Boot gereinigt und dümpelt als Drecks und Eckelbrühe vor sich hin. Da regt sich in Deutschland doch bitte noch mal jemand über einen Kaugummi auf dem Gehweg auf;)
Spaß beiseite. Die Problematik ist alles andere als lustig. Direkt an dieser Lagune wohnen tausende von Menschen, für die die Lagune die einzige Quelle für Wasser ist …Dieser Problematik werde ich später noch einen Blogeintrag widmen.
Das Wasser, das den Weg nicht in die Lagune findet. Bleibt gestaut in den Karnivoren und verdunstet langsam. Was diese Mischung dann für einen Dunst abgibt, kann, aber muss man sich an dieser Stelle nicht vorstellen…
Interessant finde ich, dass mich dieser Schmutz kaum noch stört. Es ist hier eben so und ich kann mich bisher gut damit arrangieren. In Afrika mit
deutschen Maßstäbe herumzulaufen ist außerdem völlig unangebracht. Man regt sich nur unnötig auf. Ob das die staatlichen Strukturen, das Schulsystem, der Verkehr, der Naturschutz oder die Arbeit des Schlossers ist. Alles ist nicht von langer Dauer und selten von guter Qualität. Nachhaltigkeit ist eben ein Fremdwort. Aber hätte ich in ein Land mit den oben verneinten Eigenschaften gewollt, säße ich nicht hier, sondern wäre in Europa geblieben.
Zum Glück arbeite ich im Projekt mit einem Togolesen zusammen und der denkt ziemlich deutsch. Ob das mit der togolesischen Vergangenheit als deutsche Kolonie zu tun hat, mag ich nicht beurteilen. Die Arbeit erleichtert diese Denkweise jedoch in jedem Fall.
Noch eine kurze Info: In der obersten Zeile befindet sich die neue Rubrik „Don Bosco in Abidjan.“ Dort beschreibe ich die Projekte der Salesianer hier in Abidjan.










Hallo lieber Christian!


)
Erst einmal vielen Dank für die tollen Eindrücke die Du uns Lesern hier vermittelst. Es ist sehr interessant, was Du dort tust, erlebst und wie Du es aufnimmst.Ih verfolge Deinen Blog mit reger Aufmerksamkeit.
Es ist einfach toll dass du Du Deinen Freiwilligendienst regelrecht selbstlos in Afrika verbringst und ich wünsche Dir, dass Du noch viele schöne Erfahrungen machst die Dich prägen!
Pass gut auf Dich auf, bleib gesund und so wie ich Dich kenne, wirst Du auch aus negativen Eindrücken und Erlebnissen eine für Dich positive Prägung erfahren. Lass es Dir gut gehen und genieße die zeit da, auch wen Sie anstrengend ist. Weiterhin hoffe ich dass Dein soziales Engagement Früchte trägt und deine Arbeit zur Genüge geschätzt wird. Die vielen glücklichen Gesichter der Kinder die Du uns allerdings in Form von Fotos präsentierst, zeigen dass Du Deinen Job sehr gut machst.
Schreib weiterhin fleißig(ich gebe Herr Paulun recht, Dein Deutsch lässt nicht zu wünschen übrig
Herzliche Grüße aus dem heute auch mal sonnigen Deutschland, die Berlinfahrt Ende Oktober wird ohne Dich sicher ein wenig langweiliger sein.
:-*
Diana
Hallo Christian,
ich finde es gut und richtig, dass Du Deine Erlebnisse und Eindrücke in Abidjan nicht streng durch die deutsche Brille siehst. Jedes Land ist anders, und das nicht ohne Grund. Wer sind wir, uns darüber zu erheben, nur weil der Zufall es wollte, dass wir in Westeuropa geboren wurden?
Ich mache es jedenfalls wie Du: nicht ständig mit Deutschland vergleichen. Offen sein. Kritisch bleiben. Die Höflichkeit nicht vergessen.
Hast Du in Treichville schon die Wand gesehen, auf die jemand mit der Hand geschrieben hat: “Toi pisser, nous frapper”?
Meiner Erfahrung nach gefällt es auch vielen Ivorern nicht, dass es um sie herum stinkt. Als ich im Juli mit meiner Familie im Abidjan Urlaub gemacht habe, lernte ich eine Französin kennen, die zum ersten Mal in der Elfenbeinküste und wegen des Drecks total entsetzt war. Mit der Zeit gewöhnt man sich tatsächlich daran.
Alles Gute weiterhin für Dich und Deine Arbeit.
Christin aus Hamburg