Mein Zimmer, Neues aus dem Foyer und nur ein bisschen Politik;)

An dieser Stelle möchte ich mich jetzt mal, nach mehr als 2 Monaten an der Elfenbeinküste, bei all denen Bedanken, die mir per Email und als Kommentare zu meinen Artikeln, ein Echo geben. Es tut gut zu wissen, dass man einen in der Heimat nicht vergisst und Interesse für meinen Freiwilligendienst besteht. Ich freue mich auch in Zukunft über jede Nachricht, jeden Kommentar und will natürlich auch auf jeden Beitrag, früher oder später, antworten.

In einer Mail fragte ein guter Bekannter, dass er immer noch nicht wisse, wie ich denn jetzt hier lebe und da fiel es mir auf. Ich habe ja noch gar nicht die Zeit gefunden Bilder meiner ersten eigenen „Wohnung“, also meines kleinen, beschaulichen Zimmers, hochzuladen.

Also habe ich in der letzten Woche meine Kamera ausgepackt und kurzentschlossen drauf los fotografiert um einen möglichst authentischen Eindruck meines Zimmers wiederzugeben.

In der folgenden Galerie kann man alle Fotos anklicken. Zu den jeweiligen Fotos habe ich kurze Kommentare geschrieben, die dann erscheinen. Ich hoffe, dass man sich so ungefähr vorstellen kann, wie ich so lebe.

Im Foyer gibt es derzeit eine Menge zu tun. In den Artikeln zur Wahl ist die Hauptsache, mein Freiwilligendienst, ein bisschen in den Hintergrund geraten. Das wird sich natürlich wieder ändern;)

In der vergangenen Woche waren mal wieder Ferien. Zu Allerheiligen nimmt man sich hier erst einmal eine Woche frei. Die armen Schulkinder haben ja auch in den bisherigen 4 Wochen Schule genug gearbeitet und hatten auch nur 3 weitere Feiertage (einen übrigens zur Einstimmung auf die Wahlen am vorletzten Freitag). Ferien der Kinder bedeuten für mich viel Arbeit. 56 Kinder in 2 Foyers müssen von mir und 2 weiteren Erziehern beschäftigt werden und das den ganzen Tag. Der Frere, also mein Chef, fällt aus, weil er genügend Arbeit im Büro hat und deshalb kaum Zeit findet. Aber ich will nicht klagen… es macht ja Spaß, zumindest meistens;)

Mein Französisch entwickelt sich langsam aber sicher und so kann ich auch schon auf Französisch eine gewisse Autorität ausstrahlen. Natürlich tanzt einem der Eine oder Andere noch auf der Nase herum, doch konnte ich in letzter Zeit gut damit arrangieren und bin in der Lage cool zu bleiben und ja keine Reaktion auf eine Provokation folgen zu lassen. Es kann mich quasi kaum etwas aus Ruhe bringen. Im Unterschied zu den Kindern. Vor allem im Maman Marguerite, dem Erstempfang für die Kinder, die unmittelbar von der Straße kommen (derzeit 19), ist dieses Problem allgegenwärtig. Sie provozieren sich gegenseitig, laufend, pausenlos und reagiert wird immer darauf, meistens mit handfesten Auseinandersetzungen, die in der Regel in Tränen, Beulen (blaue Flecken kann man auf dunkler Haut nicht erkennen) oder Wunden enden. So werde ich dann zum Seelentröster, Krankenpfleger und auch schon mal zum Polizisten, der die Übeltäter an die Hand nimmt und vor die Tür setzt, bis sie sich beruhigt haben…

Was die Gewalttätigkeit betrifft habe ich so etwas bisher noch nicht erlebt. Dazu muss ich sagen, dass ich mich in einem entsprechenden Umfeld auch noch nicht bewegt habe. In meinem bisherigen gutbürgerlichen Umfeld in Kerpen-Buir findet man diesen Umgang zum Glück (noch) nicht…Gewalt gehört zu dem Leben der meisten Kinder hier einfach dazu. Gewalt ist die einzige Möglichkeit sich auf der Straße Respekt und in seiner Clique Ansehen zu erarbeiten. Eine andere Sprache gibt’s einfach nicht… Meine Aufgabe besteht jetzt darin, ihren Horizont insofern zu erweitern, dass sie einen anderen Weg zur Kommunikation finden. Keine leichte Aufgabe…

Die Wahlen sind jetzt doch auf den 21.11 verschoben, weil jemandem aufgefallen ist, dass ein 2. Wahlgang nach 4 Wochen Pause nicht mit der Konstitution der Elfenbeinküste zu vereinbaren ist.

Bis bald…

Christian Davepon 8. November 2010 Allgemein Ein Kommentar Trackback URI Kommentare RSS

Ein Kommentar zu “Mein Zimmer, Neues aus dem Foyer und nur ein bisschen Politik;)”

  1. Theoam 15. November 2010 um 17:34 Link zum Kommentar

    Lieber Christian,
    du erhälst einige Informationen aus Düren und Umgebung:

    1. Der FC Köln hat nicht gut gespielt und 4:0 gegen Gladbach verloren.
    2. Am Freitag hat ein ukrainischer Schulchor aus einem Gymnasium aus Kiew folkloristische Tänze vorgeführt.
    3. Die Messdiener haben sich bei der 150 Jahre Festmesse des Kirchenchores sehr gut und zahlreich dargestellt. Anwesende Priester Dr. Hatscher, H. Neuhöfer, H. Holländer, H. Moers.
    4. Der Kommers des Kirchenchores in der Aula war sehr gut besucht und sehr gut moderiert.
    5. Die Festmesse am Sonntag war ebenfalls von vielen Messdienern gut gestaltet.

    Übrigens wenn du die MITeinander Nachrichten über Mail empfangen kannst, weisst du über alles sehr gut bescheid.

    Viele Grüße
    Theo L.

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