Stippvisite in Korhogo und Taxischieben um Mitternacht
Bevor ich zum Aktuellen komme, wäre vielleicht noch ein Nachtrag zum 19.6.2011 fällig. An diesem Tag wurde Robert, einer der langjährigen Besucher des Foyers in der Pfarrei St. Francois D’Assise in Koumassi feierlich nach 3 Jähriger Vorbereitung getauft. Außerdem empfing er seine erste Hl. Kommunion. Als Bewohner des Foyers sind wir, also die Kinder, aber auch die Erzieher und Salesianer ja irgendwie seine Familie. Und so feierten wir als große Familie, gemeinsam mit etwa 60 Kindern und etwa 20 Freunden, die er eingeladen hatten, im Foyer Magone.
Das Foyer zeigte sich von seiner besten Seite, die Kinder zogen ihr neuestes Hemd an und gegessen wurde, wie es sich für afrikanische Verhältnisse gehört, ordentlich. Einige Kinder hatten sogar so übertrieben, dass sie noch am Montag danach vor Bauchschmerzen nicht ihr Bett verlassen haben…
So ist das eben, wenn man vor Futterneid alles in sich hinein schiebt und dabei die Größe seines Magens völlig überschätzt. Als Erzieher muss man da garnicht mehr viel sagen. Die Kinder lernen da selbst aus ihren Fehler, hoffentlich!
Jetzt aber zu dem Aktuellen, dem sich auch die Überschrift widmet.
Letzten Montag habe ich von der Reise des Provinzials und des Provinzökonomen von Abidjan nach Korhogo profitiert. So bin ich zum ersten Mal wirklich aus Abidjan herausgekommen und habe den Norden des Landes erkunden dürfen.
Da die Salesianer auch in Korhogo präsent bin, bezog ich dort für 3 Nächte ein Zimmer, besuchte ihr Kolleg und unterrichtete dort ein bisschen Deutsche Geschichte von wegen „wir Deutschen sind nicht alle wie Hitler“ und „Hitler war nicht gut, auch wenn er Franzosen umgebracht hat.” Ich bestieg außerdem den Stadtberg „Mont Korhogo“ und schaute mir das Gefängnis, also die Villa, in der der ehemalige Präsident Gbagbo festgehalten werden soll, von außen an. Zum Spaß und Sightseeing fuhr ich mit dem Moped durch diese Stadt, die mich vom Verkehr und vom Lebensstil ein bisschen an Kara in Togo erinnert hat. Einen Besuch auf dem Markt durfte natürlich auch nicht fehlen. Ansonsten unterhielt ich mich sehr gut mit der dortigen Salesianerkommunität und aß regionale Gerichte…
Also wirklich eine sehr lohnenswerte Tour, die ich schon ewig geplant hatte, die aber aufgrund der Krise nicht zu realisieren war.
Erwähnenswert war vor allem die Rückfahrt. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich bisher schon 2 Mal gezwungener Maßen Nächte irgendwo, nur nicht am Ziel meiner Reise, verbracht habe. Einmal musste ich im Februar in Grand Bassam schlafen, weil in Abidjan Ausgangssperre herrschte, ein anderes Mal kam ich aufgrund mehrerer Pannen in Aflao nicht über die Ghanaisch-Togolesische Grenze und war gezwungen ein Hotel für die Nacht zu suchen.
Dieses Mal, also gestern Abend, bin ich haarscharf an einer Nacht im Bus vorbeigeschrammt.
Gestern, Donnertag, 30.6.2011, fuhr ich schon um 7 Uhr mit dem Salesianerstagiaire Augustin zum Bahnhof in Korhogo. Das Ticket für den Bus hatte ich schon tags zuvor gekauft. Gegen 8:30Uhr fuhren wir in Korhogo los. Das erste was ich meinen Sitznachbarn auf der anderen Seite des Gangs, einen Augenoptiker, fragte, war, ob er die Buslinie kennt und ob er jemals eine Panne erlebt habe. Er erwiderte „Non, jamais“ ! Ich freute mich und presste mich zufrieden in meinen Sitz, neben meine sehr stämmige Sitznachbarin und war sicher gegen 16Uhr, vielleicht 16:30Uhr in Adjamé, dem großen Busbahnhof anzukommen.
Schon nach 2 Stunden aber, hielten wir das erste Mal an; Wasser tropfte aus dem Motorraum. Weil aber weit und breit keine Werkstatt in der Nähe war, setzten wir die Fahrt bis nach Katiola fort. Dort fanden wir einen Mechaniker, der ein Loch in einem Hydraulikrohr feststellte und es provisorisch flickte. Das Ganze kostete uns etwa 2 Stunden. So kamen wir nach wenigen Kontrollen gegen 18:15Uhr in Abidjan, also besser gesagt in Yopougon, der westlichsten Kommune Abidjans an. Eigentlich wäre es von dort aus ein Leichtes gewesen nach Adjamé zu kommen, wäre da nicht die Autobahn zwischen Adjamé und Yopougon, die bei Regen nicht zu passieren ist, weil völlig unter Wasser stehend. Gestern regnete es, typisch für die Regenzeit, den ganzen Tag!
Nach ewigem Hin und Her überredeten wir den Busfahrer nicht, wie er vorgeschlagen hatte, bis zum Ende des Regens zu warten, sondern die einzige (! ) Ausweichstrecke über Anyama, die nördlichste Kommune Abidjans, nach Adjamé zu gelangen.
Also fuhren wir in unserem Bus, der sagenhaften 75 Menschen, auf einer Etage in 5 Reihen Platz bot, nach Anyama. In Anyama war ich bisher noch nie. Ich glaube auch nicht, dass ich nochmals dorthin fahren werden. Diese Kommune liegt in einer etwas hügeligen Gegend. Die Straßen sind jedoch nicht geteert und so verwandeln sie sich in eine Art Straße mit vielen reißenden Bächen, die diese völllig ausspülen und häufig zu ordentlichen Kratern in derselben führen. An dieser Stelle muss man sich jetzt vorstellen, dass alle Menschen, die aus den südlichen und zentralen Kommunen Abidjans nach Yopougon (über 1 Millionen Einwohner) wollten oder Yopougon in Richtung „Restabidjan“ verließen, exakt diesen einen Feldweg aus Matsche, Wasser, Kratern und Bächen, wählten.
Wir standen also im Stau… und das mehrere Stunde… gegen 22:30Uhr, also nach über 3 Stunden „stop and go“, wobei „stop“ dem „go“ eindeutig überlegen war, parkte unser Bus an einer Tankstelle und wollte nicht mehr weiterfahren. Wir sollten also die Nacht im Bus verbringen…
Daraufhin suchten ich und einige Passagiere, die wie ich, nicht allzu wild auf eine Nacht im tropfenden (das Dach war nicht ganz dicht) feuchten und vollbesetzten Bus waren, Taxis, die genug Mut hatten, dem Feldweg weiter zu folgen.
Nach ewiger Suche fanden wir schließlich einen Taxifahrer, der 3 Mitpassagiere und mich für unverschämte 15 Euro an die Busstation von Abobo (Abobo liegt zwischen Anyama und Adjamé) bringen wollten. Er brauchte nicht weniger als 2 Stunden für die paar Kilometer. Noch dazu war unser Taxi nicht das Beste, weil dessen Motor das eine oder andere Mal ausging und nur durch Anschieben wieder ansprang. Die 2 männlichen Mitpassagiere und ich stiegen dann also immer wieder aus und schoben die Karre im strömenden Regen an… Was für eine Erfahrung: Taxischieben in Abidjan um Mitternacht…
Von Abobo nahmen wir ein weiteres Taxi, das uns nach Hause brachte und dessen Kosten wir uns teilen konnten.
Um 1:15Uhr in der Nacht kam ich dann endlich im Foyer an, über 17 Stunden nach dem Start in Korhogo! Eine Reise, die ich wohl nicht mehr vergessen werde…
In der Galerie gibt es Bilder aus Korhogo, von Roberts Taufe und von „Espace Ami des Enfants,“ dem Projekt für die Kinder des Quartiers, das mir eine 7 Tage Woche beschert…
Bis bald …

























