Duékoué

Diese Stadt kennt seit Ende März 2011 (28.-30.) nicht nur jeder Ivorer, sondern auch alle, die sich in diesen Tagen mit Nachrichten aus aller Welt beschäftigt haben. In diesem Zeitraum hat es ein blutiges Massaker gegeben, bei dem etwa 800 Menschen der Ethnie Guéré ermordet wurden, vornehmlich junge Männer. Insgesamt sind seit Dezember 2010 etwa 2800 Menschen in diesem Konflikt zwischen mehreren Ethnien ums Leben gekommen.

Auch in den Jahren 2002 und 2004 gab es blutige Auseinandersetzungen zwischen den Guéré auf der einen Seite und den Dioula, Baoulé und Yacouba auf der anderen.

Aus Angst suchten, wie schon 2002 und 2004, schon im Dezember die ersten Flüchtlinge Unterschlupf in der Mission Catholique in Duékoué. Von anfänglich 1000-3000 Flüchtlinge stieg die Anzahl Ende März auf unglaubliche 30000 Flüchtlinge an.

Die Salesianern, die die Mission Catholique seit über 20 Jahren führen,  waren über das Jahr verteilt häufiger zu Kurzbesuchen in Abidjan und luden mich natürlich immer wieder ein, mir die dortige Realität anzuschauen. Weil ich auf der einen Seite die Einladung nicht ausschlagen wollte und auch unbedingt diesen Ort, das Camp und deren Bewohner kennenlernen wollte, entschloss ich mich letzten Samstag den folgenden Sonntag nach Duékoué aufzubrechen und dort 1 ganzen Tag und 2 Nächte zu verbringen.

Am letzten Sonntag, 23. Juli, verließ ich gegen 8 Uhr den Busbahnhof in Adjamé/Abidjan. Nach einer Panne (wenn ich reise, geht immer etwas schief!) und unzähligen Kontrollen der Fahrzeugpapiere durch FRCI (neue ivorische Armee), Polizei und Gendarmerie kam ich pünktlich zum Abendgebet der Kommunität um 19 Uhr in Duékoué an. Bevor ich die Kapelle betreten konnte, musste ich mich erst von einem vor der Tür stationierten Blauhelmsoldaten durch das Labyrinth von Zelten zum Haus der Kommunität führen lassen. Auch wenn es schon dunkel war, sah man ganz genau die Kochtöpfe auf offenem Feuer, die Menschen, die darum herum saßen und die unzähligen Zelte und selbstgebauten Unterschlüpfe. Außer dieser visuellen Eindrücke, viel mir vor allem der Lärmpegel auf.

Später im Gebet erlaubte mir dieser Lärmpegel, der an einen Jahrmarkt ohne Musik und Lachen erinnerte, nicht, mich zu konzentrieren… Es war irgendwie ein sehr bedrückender Lärmpegel… es fällt mir schwer diese Situation mit Wörtern zu beschreiben. Zumindest war es  ein für mich  bleibender Moment.

Nach dem Abendessen habe ich mir dann Teile des Camps mit einem der Salesianer angeschaut.

Am nächsten Morgen bin ich alleine und in Ruhe  einige Stunden durch das Camp gelaufen. Ich habe mit mich mit einigen der Flüchtlinge unterhalten und ihnen erklärt, was ich in der Elfenbeinküste mache. Erstaunlicherweise habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Niemand fühlte sich, soweit ich das bemerken konnte, durch meine Kamera bedrängt. Die Wut der Campbewohner richtete sich ausschließlich auf eine lokale NGO, die die Essensausgabe koordiniert. Viele fühlten sich benachteiligt und beschwerten sich lautstark vor dem Büro des Pfarrers, das aufgrund seiner Lage, zur Basis der Organisation umfunktioniert wurde.

In der Galerie habe ich einige meiner unzähligen Fotos hochgeladen und beschreibe den Großteil mit einigen Worten. Dort erfährt man auch mehr über Hintergründe und die Geschichte dieses lange andauernden Konflikts.

Heute bin ich dann, zum ersten Mal seit langem ohne Panne gegen 15:30Uhr im Foyer eingetroffen. Meine letzte Reise hier an der Elfenbeinküste (sieht man vom Camp in der nächsten Woche ab) war zwar die kürzeste, aber in jedem Fall die lehrreichste…

Christian Davepon 27. Juli 2011 Allgemein Keine Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

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