Rundmails

Rundmail Nr.1,

geschrieben am 1.September 2010:

Liebe Freunde,

morgen geht es endlich los. Ich werde Deutschland verlassen und ziemlich genau ein Jahr in Abidjan sein. Die letzten Tage waren geprägt von Abschiedsszenen. Ob im Zeltlager im Emsland, bei dem ich nochmal den richtigen deutschen Sommer erleben durfte, oder Zuhause in Buir. Überall trifft man Menschen, die einem alles Gute fürs kommende Jahr, Gesundheit und eine glückliche Zeit wünschen. Nicht selten läuft auch eine Träne die Wangen hinunter. Abschied nehmen ist wirklich nicht leicht, das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung sagen.

Ich verlasse meine Familie, meine Freunde, Bekannte und auch meine Ministranten. Sozusagen mein gesamtes soziales Umfeld. Doch all das habe ich mir ausgesucht und ich stehe auch völlig hinter meinem Entschluss. Ich möchte in einer anderen Kultur leben, die Sprache erlernen und neue Landschaften erkunden. Ich möchte in diesem Jahr so vieles lernen; mehr als in der Schule und der Universität zusammen. Ich will fürs Leben lernen…An dieser Stelle wirken meine Aussagen sicherlich pathetisch. Doch genau so fühle ich gerade.

Was mich in Abidjan erwartet weiß ich glücklicherweise recht genau. Dank meiner Vorgänger Simon, Benedikt und Markus habe ich schon viel über das Projekt, das Land und die Leute erfahren. Heute fühle ich mich gut vorbereitet. Ich habe alles eingepackt, was mir empfohlen wurde. Ich habe mich impfen lassen und meinen Blog eingerichtet. Jetzt kann es endlich losgehen.

Ich kann es trotz aller Wehmut und den Tränen kaum erwarten in den Flieger zu steigen und dieses neue Kapitel meines Lebens zu beginnen.

Ich werde euch und Ihnen allen, denen ich diese Mail schreibe über das Jahr einige wenige Emails schreiben: Nach einer Woche in Abidjan, zu Weihnachten, zur Halbzeit, zu Ostern und kurz vor meiner Heimreise. Wer mehr von mir und meinem Dienst erfahren möchte, kann gerne regelmäßig auf meinen Blog (www.strassenkinder.de/christianinabidjan) klicken und/oder per Mail Kontakt aufnehmen. Ich freue mich über jede Nachricht von Zuhause. Es gibt außerdem die Möglichkeit mit Outlook oder anderen Programmen den Blog als RSS-Feed zu abonnieren. Weitere Infos dazu gibt’s auf dem Blog.

Bevor es dann wirklich losgeht möchte ich diese Email aber noch dazu nutzen um mich noch bei allen Menschen zu bedanken, die mich in den letzten Jahren begleitet, gefördert und gefordert haben. Sie alle haben einen Anteil daran, dass ich diesen recht ungewöhnlichen Weg nun gehe.

Alles Gute und bis nächstes Jahr!

Euer Christian

PS: Mit mir zusammen wurden noch 25 andere junge Menschen von den Salesianer in die Welt entsendet. Ihre Blogs finden sich unter www.strassenkinder.de! Klickt euch ruhig mal durch diese interessante Seite. Es lohnt sich;)

Rundmail Nr.2,

geschrieben am 16.09.2010:

Liebe Freunde,

14 Tage Afrika! Das sind 14 Tage mit der Sonne aufstehen und schon schweißgebadet den Weg zum Badezimmer suchen. Es sind auch 14 Tage in denen man die merkwürdigsten Gerüche aufnimmt und sich fragt, oder doch besser nicht fragt, wo dieser oder jener Geruch seinen Ursprung hat. 14 Tage Afrika, das bedeutet auch jeden Tag einen Tablette Malarone gegen Malaria und aus dem gleichen Grund lange Kleidung am Abend, trotz 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. 14 Tage Afrika bedeutet für mich auch das tägliche Rosenkranzbeten mit den Jungs vor einer Marienstatue. Vor allem bedeuten 14 Tage Afrika aber im Positiven Neues erleben und das an jedem Tag. Neue Gesichter, neue Wörter, neues Essen, neue Verhaltensweisen; Es sind grundsätzlich neue Erfahrungen, die ich hier machen darf. Dafür bin ich schon jetzt dankbar.

Welche Erfahrungen das bisher waren, könnt ihr euch leicht auf meinem Blog unter www.strassenkinder.de/christianinabidjan anschauen. In dieser Mail möchte ich lieber Grundsätzliches erklären. Ich will von meiner Arbeit, meinem Tagesablauf und meinen Aufgaben berichten. Ich möchte die Probleme aufzeigen und meinen Umgang mit denselben beschreiben:

Seit Montag sind die Ferien in der Elfenbeinküste zu Ende. Das bedeutet auf einen Schlag eine große Veränderung im Tagesablauf der Kinder und auch dem meinigen.

Die Nacht ist für mich um 5.40Uhr beendet. Danach wecke ich die Jungs hier (sie sind zwischen 12-18 Jahren). Diese putzen und kehren ihr Zuhause danach selbständig und bereiten ihr Frühstück vor, bevor geduscht wird. Bei diesem Prozedere muss ich nur kontrollierend dabei sein und nur selten eingreifen. Nach dem Frühstück macht sich ein großer Teil der Kinder auf in die Schule.

Der kleine Rest, circa 12 Kinder, bleibt Zuhause. Diese Kinder werden von meinen beiden Kollegen und mir in 3 verschieden Leistungsgruppen alphabetisiert. Dieses Wort klingt sperrig, beschreibt aber genau das, was wir machen. Wir unterrichten die grundsätzlichsten Dinge einer Sprache, in unserem Fall Französisch. Vom Alphabet, über das Lesen lernen, bis hin zu grammatischen Fragen, erlernen sie hier das Rüstzeug für einen späteren Einstieg in die staatlichen Schulen. Durch diesen Privatunterricht in den kleinen Gruppen, wird den älteren Schülern der Einstieg in eine der unteren Klassen einer öffentlichen Schule, mit den deutlich jüngeren Mitschülern, erspart.

Dieser Unterricht dauert von 8-11 Uhr. Danach werden die Kinder auf kreative Art und Weise beschäftigt. Um 12 Uhr kommt dann die große Gruppe aus der Schule, duscht sich (das wird hier aus Transpirationsgründen vor jedem Essen gemacht) und hält beinahe 2 Stunden Siesta. In diesen 2 Stunden, meiner einzigen täglichen Freizeit, entstand beispielsweise diese Email.

Nach der Siesta geht’s für die Schulkinder in die Schule und für den Rest zum „Privatunterricht.“ Gegen 17:30 Uhr wird dann geduscht, um von 18.00-20.00Uhr nochmals Hausaufgabenbetreuung und sonstigen leistungsentsprechenden Unterricht in 3 Gruppen, gewaschen genießen zu können. Um 20:30 Uhr gibt’s dann Abendessen, vornehmlich  Reis mit wechselnden Soßen. Der Rosenkranz oder eine Abendmeditation beschließen dann ab 21:00 Uhr den Tag. Gewöhnlich liegen um 22:00Uhr alle Kinder in ihren Betten und schlafen selig bis ich sie am nächsten Morgen wieder wecken darf.

So viel zum Tagesablauf!

Zu Land und Leuten kann ich bisher, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, nur Positives berichten. Dank der Tatsache, dass Benedikt die 1.Woche hier war, war ich schnell mit den örtlichen Nahverkehrsmitteln (Worro-Worro, sie fahren den ganzen Tag ihre Route und man fragt den Fahrer einfach, ob das geplante Ziel auf ihrer Route liegt oder nicht) vertraut und kann schon alleine für 30 Cent durchs ganze Viertel fahren, bzw. mich fahren lassen. Das diese Autos, vornehmlich Toyota Corollas aus den 80er, in Deutschland schon seit Jahren keinen Tüv mehr bekommen hätten und wahrscheinlich grade deshalb hier fahren, kann ich froh und glücklich berichten, weil das Taxifahren derzeit einen riesen Spaß macht. Sorgen muss man sich übrigens nicht machen: Die Autos fahren nicht mehr so schnell und die Straße lässt das aufgrund der Schlaglöcher auch gar nicht zu.

Meine bisherigen Ausflüge, immerhin 2, waren beide interessant und wiederholenswert. Mit der Großstadt und den damit verbundenen Vorzügen und Nachteilen habe ich mich schon arrangiert. Man kann sagen, dass ich mich wirklich wohlfühle in dieser Stadt, in der Kommunität, im Projekt und auch mit und unter den Kindern. Nachzulesen wäre auch das alles auf meinem Blog.

Natürlich ist es für ein Fazit viel zu früh. Fest zu halten ist aber, dass die Ansprüche generell sinken. Im Umgang und im Unterricht mit den Kindern freut man sich über die kleinsten Erfolge und auch man selbst merkt, dass man mit wenig gut auskommen kann. Man arbeitet außerdem stets an der Sprache, an seinem eigenen Auftreten, dem Verhalten gegenüber den Kindern und vor allem an der Ruhe. Nicht selten könnte man von Provokationen erzürnt in Gewalt ausbrechen.

Die Kinder möchten wissen, wie weit sie gehen und was sie sich leisten können. Doch genau da sehe ich die Herausforderung; Anders zu reagieren, als es von dem einen oder anderen Kind gewollt ist. Das habe ich so in schwacher Form auch schon in Buir erlebt. Bisher verstehe ich noch nicht genau, wie ein Kind, das ohne Bildung, ohne Zuhause und ohne Perspektive ist, ein solch teilweise arrogantes Verhalten und eine enorme Beratungsresistenz an den Tag legen kann. Worauf bildet es sich etwas ein? Leistung kann es zumindest nicht sein. Herkunft und Reichtum fallen auch heraus. Ich werde es herausfinden und auf meinem Blog posten.

Insgesamt wird sich hier in der nächsten Zeit noch Einiges tun. Im Projekt stehen noch Veränderungen an. Da mein neuer Chef, ein togolesischer Salesianer, noch nach mir gekommen ist, beginnt er jetzt mit der Umstrukturierung und den Neuigkeiten.

Im Land wird hoffentlich auch noch viel passieren. Am 31.Oktober sind die ersten Wahlen seit Ewigkeiten. Wie diese Ausgehen und was sie für Folgen für die Ivorer, die Sicherheit und die Entwicklung des Landes hat, kann niemand voraussehen. In jedem Fall wird es spannend!

Ich bin persönlich sehr überrascht, dass bisher so viele Interessierte in meinen Blog schauen. Das bestätigt mich und meine Arbeit. Auch die persönlichen Emails, die ich alle gerne beantworte, erfreuen mich immer wieder.

Auf diesem Weg werde ich mich erst kurz vor Weihnachten wieder melden. Ich hoffe, dass Ihr bis dahin noch das eine oder andere Mal auf www.strassenkinder.de/christianinabidjan schaut und so meine Erlebnisse weiter verfolgt. Ich werde versuchen mich dort alle 14 Tage schriftlich zu melden…

Viele Grüße aus Abidjan

Christian

Rundmail Nr. 3

geschrieben am 28.11.2010:

Liebe Familie, liebe Freunde, Förderer, Bekannte, Weggefährten und andere Interessierte,

heute ist exakt mein 88.Tag hier an der Elfenbeinküste und ich melde mich früher als gedacht mit einer Rundmail. Zu den Gründen dafür komme ich später.

Wir befinden uns derzeit in einer Ausnahmesituation an der Elfenbeinküste. Heute am 28.11.2010 findet der 2 Wahlgang der „Presidentielle 2010“ statt. Angetreten sind Allasane Ouattara und Laurent Gbagbo, zwei sehr erfahrene Politiker, die sich schon seit Jahren politisch bekämpfen. Sie haben im ersten Wahlgang am 31.10.2010 die meisten Stimmen bekommen und messen sich jetzt nochmals. Der Wahlkampf wurde in der letzten Woche sehr aggressiv geführt und zeigt nur zu deutlich auf, dass dieses Land tief gespalten ist zwischen Nord (Ouattara) und Süd (Gbagbo). Auf meinem Blog befindet sich ein Artikel, der die Komplexität der innenpolitischen Situation versucht zu erklären. Wer sich dafür interessiert, kann sich ja mal auf meinem Blog www.strassenkinder.de/christianinabidjan umsehen.

Ich habe mich insgesamt schon recht gut an das Leben hier gewohnt und sehe mein Zimmer als mein Zuhause, auf das ich mich auch immer wieder freue. Ich verstehe schon fast jeden, der mit mir sprechen will und muss nur bei jenen, die besonders schnell und undeutlich sprechen, nachfragen. Das erleichtert nicht nur die Arbeit, sondern auch das Leben in diesem interessanten Land im Westen von Afrika. Das Leben hier gestaltet sich übrigens sehr stressfrei.

Ein Beispiel:

Wenn man zum Markt will, dann geht man auf die Straße, streckt einfach mal die Hand aus, und wartet bis ein grünes Taxi anhält. Dem Fahrer vermittel man, dass man zum Marché will und sagt den Preis, den man gewillt ist zu zahlen. Dieser bewegt sich um die 30 Cent. Der Fahrer bringt einen dann in Richtung Marché und man sagt ihm, sobald man will, dass man aussteigen will. Er hält sofort an und lässt einen aussteigen. Sehr praktisch das Ganze. Man flaniert dann über den Markt und schaut sich die gefälschten Adiletten an  und entscheidet sich spontan sie kaufen. Also fragt man, wieviel der Verkäufer für dieses Paar Schuhe haben will. Er sagt dann meistens einen unrealistisch hohen Preis, den man dann beginnt runterzuhandeln. Als Faustregel gilt, dass er zwei Drittel des Preises drauflegt. Wenn er also 4,50€ will, dann sagt man überzeugt 1,50€ und wartet auf eine Reaktion. Wenn er nicht einverstanden ist, dann täuscht man an zu gehen. Das zieht meistens und man bekommt die Ware zum gewünschten Preis. Mit den Schuhen geht man dann wieder zur Straße, streckt die Hand aus, wartet bis ein Taxi anhält und fährt für 30Cent wieder nach Hause…kinderleicht…und spannend ist das Taxifahren auch noch. Man betrachtet den Verkehr und fragt sich, wo denn jetzt der nächste Unfall passiert. Bisher habe ich nur einen gesehen…es scheint wirklich meistens gut zu gehen, dieses unorganisierte Herumfahren von überwiegend alten Schrottkisten aus Japan.

Jetzt aber weg vom Vergnügen, hin zur Arbeit:

In meinem Projekt läuft derzeit alles wie geschmiert. Mit den Kindern komme ich „meistens“ gut zurecht und auch in der Gemeinschaft der Salesianer gibt es keine Probleme. Die Arbeitstage sind lang und daher auch hart, lassen sich aber mit einer ordentlichen Dosis Schlaf, auch gerne in der Mittagspause, gut kompensieren. Mittlerweile habe ich auch ganz gut herausbekommen, wie man es schafft, ohne schwitzen zu schlafen. Es kommt da auf die richtige Ventilatorstellung und die passende Leistungsstufe, sowie auf die Lage des Betttuchs an. Nachts und tagsüber muss man das übrigens jeweils neu anpassen… Wenn man nämlich nicht genau aufpasst, dann hat man am nächsten Tag Halsschmerzen, weil der Ventilator zu stark oder zu direkt auf einen gerichtet war und das Betttuch falsch lag! Also ein wirklich komplexes Problem, das ich da jeden Tag bearbeite. Da hat mans in Deutschland schon leichter: Fenster zu, dicke Decke, Wärmflasche und ja nur den Kopf herausschauen lassen!

„Nein“ ich will nicht tauschen;) Ich bin froh, dass ich hier bin und mich mit komplexen Problemen herumschlagen darf.

Jetzt wieder zurück zum Foyer, wo es natürlich auch immer mal wieder Probleme zu lösen gibt:

Derzeit befinden sich 56 Kinder in unseren beiden Foyers. 37 im Foyer Magone und 19 im Foyer Maman Marguerite. Seit September waren im Foyer Maman Marguerite 58 Kinder von denen jetzt 23 im Foyer Magone wohnen, 19 sind noch dort und die restlichen 16 sind abgehauen und zurück auf die Straße gegangen. Statistisch gesehen gehen also 5 Kinder pro Monat wieder zurück auf die Straße… Dieses Tatsache macht mir am meisten zu schaffen. Warum zieht es diese Kinder immer wieder dorthin zurück? Natürlich ist es für sie irgendwie spannend, befreiend und immer wieder aufregend auf der Straße zu leben, doch ist die Perspektive denkbar schlecht… Daran denken diese Kinder nicht und auch wenn man es ihnen 1000 Mal erzählt, erklärt und anschaulich versucht zu vermitteln, denken sie gerade mal bis morgen früh…wenn überhaupt; Sie schauen keinen Tag weiter in die Zukunft. Allmählich habe ich mich aber an dieses „Gegen die Wand sprechen“ gewöhnt und nehme es so hin. Aufgeben werde ich es aber nicht, weil irgendwann vielleicht einer versteht, was ich ihm sage…

Wenn sie aus einer anderen Motivation bleiben, dann werden sie schon in einigen Monaten vielleicht aber auch erst in wenigen Jahren feststellen, dass ihnen die Zeit bei uns etwas gebracht hat. Davon bekäme ich dann wohl wahrscheinlich eher nichts mit…. Es sei denn mein Nachnachfolger berichtet es mir.

Abgesehen von der Arbeit mit den Kindern, geht es in beiden Foyers derzeit darum, die Häuser zu verbessern und umzugestalten. Das ist eine spannende Aufgabe. Mit Michel, meinem Erzieherkollegen werde ich bis zum Weihnachtsfest die komplette Fassade von Maman Marguerite neu gestalten und anstreichen. Bisher weist dort noch nichts daraufhin, was hinter den Mauern geschieht. Der Passant erkennt nur, dass es ein Haus der Salesianer ist und Maman Marguerite heißt. Abgesehen davon hat dieses Haus auch einfach einen neuen Anstrich nötig.

Im Maman Marguerite habe ich außerdem die letzten Wochen damit verbracht, zwei Räume im oberen Geschoss, die bisher ungenutzt waren, auszuräumen. Ich habe Tische und Bänke organisiert  und so zwei Klassenräume für die Kinder geschaffen. In den Räumen standen noch Betten, die aus der Zeit stammen, als das Haus ein Gästehaus der Salesianer war. Diese mussten dann mühsam auseinandergebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Diese Aktion habe ich dann mit 2 Blasen an den Händen bezahlt, die vom ganzen Geschraube mit rostigen Schrauben herrühren.   Jetzt müssen die Kinder endlich nicht mehr in dem Essens-, Fernseh- und Spielraum auch noch lernen…ein großer Vorteil wie ich finde. Also hat sich auch mein körperliches Leiden gelohnt;)

Apropos bezahlen; Jetzt komme ich zu dem Punkt, warum ich mich doch schon jetzt, zum 1.Advent, per Rundmail melde:

Seit ich hier bin, habe ich mir das alles hier genau angeschaut und mich ein bisschen an den afrikanischen Standard, die afrikanische Sauberkeit und Ordnung gewöhnt. An das Foyer Maman Marguerite kann man sich aber nicht gewöhnen, weil es einfach zu viele Dinge gibt, die stören. Das Haus war eben früher einmal ein Gästehaus und ist nicht als Foyer für Strassenkinder konzipiert. Da aber kein anderes Gebäude zur Verfügung steht, muss es so genutzt werden und das möglichst Beste daraus gemacht werden.

Als  Erstes fällt jedem, der dieses Haus betritt, auf, dass es einen unbefestigten Innenhof  aus Sand und Boden gibt, um den ein betonierter Rundgang verläuft. Früher konnte man im Innenhof Pflanzen betrachten, heute trocknen die Kinder dort ihre Wäsche. Da sie dauernd durch den Hof gehen, schleppen sie den Dreck durch das ganze Haus. Dadurch ist es unmöglich dasselbe sauber zu halten. Egal wie oft man kehrt oder putzt, nach wenigen Stunden sieht es wieder aus wie vorher.

Daher möchte ich am liebsten den ganzen Innenhof fliesen lassen. Das wäre schon eine Verbesserung um 100%. Zudem müssen die Duschen grundsaniert werden. Nähere Beschreibung zu diesen Problemen und wage Kostenvoranschläge findet ihr unter www.strassenkinder.de/christianinabidjan/spenden/

Außerdem befinden sich auf dieser Seite meines Blogs noch weitere Ideen, die ich habe und gerne umsetzen würde.

Um möglichst viele Ideen zu realisieren, fehlt mir jedoch das nötige Kleingeld. Ich würde mich daher sehr darüber freuen, wenn der Eine oder Andere den Kindern hier ein Weihnachtsgeschenk in Form einer kleinen oder auch größeren Spende machen würde.  Zu den Modalitäten finden sich auf oben genannter Internetadresse weitere Informationen. Außerdem habe ich eine Kontonummer als Datei an diese Mail angehängt. Don Bosco gibt im Übrigen auch Spendenquittungen aus, sobald die Spende eingegangen ist.

Egal wie viel Geld zusammen kommt; ich werde alles, was mit dem Betrag möglich ist, machen, um den Kindern im Foyer Maman Marguerite ihr Zuhause zu verschönern. Im Anschluss werde ich natürlich anhand von Bildern zeigen, wie und wo die Spenden investiert wurden.

Ich hoffe, dass viele von euch mein Projekt unterstützen und wünsche eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

Alles Gute aus Abidjan

Christian Davepon

Rundmail Nr. 4

geschrieben am 25.12.2010:

Liebe Familie, Freunde, Bekannte und Förderer,

Frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr habt dieses Fest der Menschlichkeit, Liebe und Freude gut gefeiert und seit in allen Belangen auf eure Kosten gekommen.

Für mich kann ich sagen, dass ich mein erstes Weihnachten, das ich nicht im heimischen Buir gefeiert habe, schon beinah hinter mir ist. Ich kann auch sagen, dass ich trotz anfänglicher Skepsis und auch Angst vor allzu großer Wehmut, ein tolles Weihnachtsfest mit den Kindern hier in den beiden Foyers gefeiert habe.

Es war anders und auch anders gut. Vor allem war es einzigartig. Wahrscheinlich werde ich kein Weihnachten mit Strassenkindern auf dem afrikanischen Kontinent feiern.

Auf meinem Blog habe ich die letzten beiden Tage ein bisschen genauer skizziert. Schaut einfach mal nach unter www.strassenkinder.de/christianinabidjan . In meinem letzten Blog gibt’s übrigens auch ein Weihnachtsvideo zu sehen… es lohnt sich, wie ich finde!

Ein letzter Aufruf außerdem für meine Spendenaktion: www.strassenkinder.de/christianinabidjan/spenden

Ich wünsche euch allen noch einen tollen 2. Weihnachtstag und dann am Ende der Woche einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011. Auf das es ein gutes Jahr wird…für uns alle!

Euer Christian in Abidjan

PS: Die Schneemeldungen aus Deutschland verfolge ich übrigens sehr wehmütig. 1. Weiße Weihnacht seit Jahren und ich schwitze in Kurzarmhemd, mit Jeans und Flipflops in der Christmetten irgendwo in Afrika…unfairL Erfreut euch lieber am Schnee statt zu fluchen…wer weiß, wie lange Frau Holle noch Schnee ins Flachland fallen lässt!

PPS: Ich weiß, dass in der letzten Woche viele Nachrichten aus der Elfenbeinküste in Deutschland wahr genommen werden. Die Tatsache, dass die deutsche Botschaft den deutschen Staatsbürgern an der Elfenbeinküste die Ausreise ans Herz legt ist auch korrekt. Diese Aufforderung hat den Hintergrund, dass man nicht weiß, wie sich die Situation hier entwickelt. Eine friedliche Lösung scheint aber außer Reichweite. Wenn es Ausschreitungen gibt, dann richtet sich die Gewalt jedoch nicht gegen Weiße, sondern gegen die jeweilig andere Anhängerschaft eines Präsidenten.

Sorge aus der Heimat ist also nicht nötig. Ich reflektiere meine Situation außerdem mit 2 spanischen Salesianern, die im Grunde das gleiche Problem haben und die die Situation aufgrund ihrer Afrika-Erfahrungen gut einschätzen können.

Also: Ich bin hier zur Zeit wirklich sicher!

Rundmail Nr. 5

geschrieben am 10.03.2011:

Liebe Freunde,

eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt, genau 190 Tage nach meinem Abflug keine Rundmail schreiben. Die Aktualität verlangt es jedoch, wie ich finde.

Jetzt, wo die Krise der Elfenbeinküste wieder ein bisschen aus dem Schatten der Konflikte in Nordafrika treten konnte, befinde ich mich schon seit mehr als einer Woche nicht mehr in Abidjan. Am Sonntag, dem 27.2.2011, habe ich morgens früh den Bus in Richtung ghanaische Grenze genommen, habe Ghana komplett durchquert und bin am 28.2.2011 in Lomé, der Hauptstadt von Togo, angekommen.

Die Lage an der Elfenbeinküste ist sehr gespannt. Viele Experten rechnen mit einem Bürgerkrieg und täglich hört man von Toten in Abidjan und anderen ivorischen Städten.

Als ich am 20.Februar, nach meinem Zwischenseminar und meiner anschließenden Reise (Bericht dazu auf meinem Blog), in Abidjan ankam, war die Lage noch erträglich. Im Laufe der Woche wurden jedoch die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien, auch in meinem Stadtviertel, häufiger und heftiger. Außerdem wurde die Wahrscheinlichkeit, aufgrund der Bankenschließungen, Opfer eines Überfalls zu werden,  immer größer. So entschloss ich mich, nach Gesprächen mit den Salesianern in Abidjan und auch dem Provinzial dazu, das Land zu verlassen.

Unter dem folgenden Link findet ihr einen Artikel, der die Situation in meinem Land sehr gut schildert:

http://www.sueddeutsche.de/politik/blutiger-machtkampf-an-der-elfenbeinkueste-die-pfadfinder-des-boesen-1.1068808

Viele Aspekte dieses Artikels sind sehr gut getroffen. Die Wertigkeit des Lebens ist übrigens ein Punkt, den man, denke ich, als Europäer nur schwer nachvollziehen kann. Viele Ivorer sagen, dass Revolutionen eben Tote fordern…

Glücklicherweise muss ich meinen Dienst aufgrund meiner Ausreise nicht abbrechen, sondern kann ihn in gleicher Funktion in einem Strassenkinderfoyer in Kara, im Norden Togos, vorübergehend fortführen.

Seit vergangenem Freitag bin ich nun hier in Kara und lerne neue Menschen, ein neues Projekt, ja ein neues Land kennen. Das Projekt ist weitläufiger und größer als das in Abidjan. Es gibt ein Ausbildungszentrum, eine Collège, ein Foyer inkl. Erstempfang, ein Foyer für Mädchen und eine Baracke am Marché. Dazu gibt es noch die Pfarrei mit ihrer sich im Bau befindenden Basilika.

Das Foyer,  in dem ich meine Arbeit aufgenommen habe, ist etwa 10 min mit dem Auto vom Haus der Kommunität entfernt. Mit dem Roller, dem Hauptverkehrsmittel hier, geht es schneller. Da mein Chef das Autofahren nicht mag und der Jungsalesianer seinen Führerschein noch nicht hat, wusel ich mich mit dem Pick-Up des Foyers durch den Kleinstadtverkehr Karas; Ein Riesenspaß, nachdem ich Fahrpraxis in meinem ersten Halbjahr sehr vermisst habe und in Swaziland und Mosambik wieder auf den Geschmack gekommen bin.

Im Foyer und Erstempfang wohnen derzeit 53 Kinder. Wenn man sich jetzt fragt, warum es in einer kleinen Stadt wie Kara(50000 Einwohner ) Strassenkinder gibt, will ich die Antwort geben. Hier im Norden Togos spielt der Aberglaube und animistische Religionen eine wichtige Rolle.

Verhaltensauffällige Kinder oder auch einfach welche, die ungewöhnlich aussehen oder chronische Krankheiten haben, werden als „sorcier“, also Hexer, bezeichnet und aus den Familien verbannt. Diese Art von Strassenkindern gibt es in Abidjan (5%-10%)auch, doch sind es bei Weitem nicht die 90%-95% der Strassenkinder wie in Kara.

Die Arbeit mit den Kindern ist ähnlich wie in Abidjan. Morgens und nachmittags unterrichte ich. Nach dem Nachmittagsunterricht spiele oder bastel ich mit den Jungs. Wenn ich will, bleibe ich danach zum Essen, betreue sie bei ihrem selbständigen Lernen und schlafe im Foyer. Das ist mir überlassen… Im Vergleich zur Arbeit in Abidjan eine ungewohnte Freiheit, die ich dort jedoch nie vermisst habe.

Derzeit lerne ich fleißig die Namen meiner neuen Schützlinge. Das ist eine richtige Herausforderung bei exotischen Namen wie Essohanom, Mazabalo, Essodina oder Fousséni. Diese Reihe könnte ich problemlos weiterführen ohne einen typisch französischen Namen zu nennen.

Trotz diesen Neuerungen lässt sich das alles jedoch ziemlich gut aushalten. Ich wünsche mir jedoch sehr, dass ich ziemlich bald in „mein“ Foyer Magone zurückkehren kann. Bis dahin nehme ich diese Erfahrung, in die ich aufgrund der Umstände geraten bin, als solche mit und mache das Beste daraus. Bisher kann ich sagen, dass es eine tolle Erfahrung ist, die mein Jahr in Afrika nochmals an Eindrücken und Erlebnissen bereichert.

Bei politisch stabiler Lage gäbe es in Abidjan jetzt eine Menge zu tun. Neben dem Alltag, wären vor allem die baulichen Veränderungen im Maman Marguerite an der Reihe. In meinem Blog habe ich vor Wochen den damaligen Spendenstand von 3487,07€ verkündet. In der Zwischenzeit hat sich dieser Betrag nochmal beträchtlich verändert: Derzeit befinden sich unglaubliche 4952,07 € auf dem Salesianerkonto in Deutschland.

Für diese Spenden möchte ich mich ganz herzlich bei allen Gönnern bedanken. Ich werde von der Verwendung natürlich berichten, sobald ich es kann. Ob das in 3 Wochen oder 3 Monaten sein wird, kann ich nicht sagen…

Ich hoffe, dass Ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und schöne Karnevalstage verbracht habt. Vor allem die letzten Tage waren für mich als Rheinländer nicht ganz so leicht. In Gedanken war ich doch das eine oder andere Mal versunken in einem kölschen Stimmungslied oder sah mich gewohnt in Uniform im Rosenmontagszug in Köln mitgehen…Naja… ein Gedanke der aufbaut: In 358 Tagen ist Weiberfastnacht 2012;)

Für alle, die sich für das Wetter in Kara interessieren: Ich bin natürlich im wärmsten Monat hier angekommen und kann sagen, dass es hauptsächlich warm und trocken ist. Am Tag steigt die Temperatur problemlos bis 35°C oder gar 40°C an. Glücklicherweise kühlt es nachts etwas ab. Meine Zimmertemperatur bekomme ich trotzdem nicht unter 32°C. Man gewöhnt sich an alles;)

Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Fastenzeit und ein wunderbaren Frühling, der in den nächsten Wochen in Deutschland ja Einzug halten sollte.

Bis bald

Aus Kara

Euer Christian

Rundmail Nr. 6

geschrieben am 27.5.2011:

Liebe Familie, Freunde und Bekannte,

ein „BON MOMENT“ ist vorbei!

Als ich am 28.Februar 2011 in Lomé ankam, wusste ich noch nicht ganz genau, was mich erwarten sollte. Ich verlängerte mein Visum, schaute mir die Stadt ein bisschen an und fuhr am Freitag 4.3.2011 nach Kara, meinem neuen Zuhause auf unbestimmte Zeit.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, wie lange ich nun in Kara bleiben „musste“ oder „durfte.“ Von den anfänglichen 2-4 Wochen war aber schon nach kurzer Zeit keine Rede mehr und man sprach jetzt von einem „Bon Moment“ (einem undefinierten Zeitraum). Meine mitgebrachte Kleidung war eindeutig zu knapp bemessen und wurde von mir mit traditioneller Kleidung vervollständigt. Ich richtete mich auch häuslich ein und wurde so auch recht schnell heimisch.

Ich lernte die Kinder erst beim Namen kennen, später auch intensiver und versuchte mir ihre Geschichten zu merken, um besser mit ihnen arbeiten zu können. Ich lernte viele nette Menschen kennen, machte bleibende Erfahrungen in Dörfern, irgendwo im Busch und erfreute mich an einer Freiheit, die ich so nicht gewohnt war.

In Kara kann man sich als Weißer frei bewegen. Als Deutscher ist man aufgrund der historischen Beziehung sogar herzlich willkommen und genießt höchste Anerkennung, vor allem aufgrund der alten Brücke in Kara, die von den Deutschen Kolonialherren vor über 100 Jahren gebaut wurde und immer noch mehr oder weniger steht!

Auch in der Salesianergemeinschaft wurde ich schnell aufgenommen und gut integriert…

Kurz und knapp kann man also sagen, dass ich mich in Kara rundum wohl gefühlt habe!

Anfang Mai hat mich dann mein Chef aus Abidjan angerufen. Er erzählte mir von der entspannte Situation in Abidjan und dass die Kinder jeden Tag fragen würde, wann ihr Volontär denn wieder nach Hause kommt. Und dann fragte er mich, wann ich denn wieder nach Hause kommen wolle…

Ich sagte so schnell wie möglich und der „Bon Moment“ fand ziemlich plötzlich ein Ende!

Am 15.Mai profitierte ich von einem Termin, den die spanischen Mitarbeiterin in Lomé hatte und begleitete sie. Ich wohnte für 2 Nächte in der Salesianerpfarrei Maria Auxiliadora in Lomés Stadtteil Gbenyedzi, beantragte ein Transitvisum für Ghana und übertrat am 17. gegen 17 Uhr die Grenze Lomé/Aflao.  Kurz darauf bestieg ich einen Van, der mich über Nacht nach Elubo, der Ghanaisch-Ivorischen Grenzstadt, brachte. Schon um 5 Uhr morgens, nach 9 Kontrollen der ghanaischen Polizei und gefühlten eineinhalb Stunden Schlaf, kam ich am Ziel an, wartete bis die Grenze öffnete, übertrat diese -die mir mittlerweile gut bekannt ist (immerhin war ich dort zum vierten Mal)- und wartete nur noch auf meinen Chef.  Er holte mich nach kurzer Wartezeit mit seinem „Mission Catholique-Auto“ ab und ersparte mir so die unzähligen Kontrollen auf dem Weg nach Abidjan.

In Abidjan war alles wie immer. Anzeichen von einem Krieg sind kaum noch zu sehen. Der Müll ist zwar immer noch überall, ausgebrannte Autos oder LKW habe ich aber keine mehr gesehen.

Im Foyer war es, wie bei meiner Rückkehr vom Zwischenseminar, eine wahre Freude! Ein Kind erblickte das Auto, schrie einmal „ Christian arrive“ und alle Kinder kamen auf mich zugestürmt, nahmen mir mein Gepäck ab sprangen um mich und auf mir herum… Ich war wirklich Zuhause!

Man habe ich diese Kinder vermisst.

Die Kinder in Kara waren ohne Zweifel super und der Abschied fiel mir auch nicht leicht; eine Bindung wie zu meinen Schützlingen in Abidjan konnte aber in den 2 Monaten jedoch nicht entstehen!  Dass ich irgendwann aber nochmal nach Kara und das Foyer besuchen will, ist für mich klar… ich habe es ihnen außerdem versprochen!

Hier in Abidjan bin jetzt also schon seit einer Woche. Weil eine Erzieherin kürzlich Mutter geworden ist, ist die chronisch unterbesetzte Equipe des Foyers zusätzlich dezimiert. Dazu kommt noch, dass das Geld der Spendenaktion mittlerweile in Abidjan angekommen ist (Ich bedanke mich nochmals bei sagenhaften EUR 5504, 07 !!!) und wir derzeit Kostenvoranschläge einholen und möglichst bald anfangen wollen. Es gibt also alle Hände voll zu tun…

Und ich muss sagen, dass ich wirklich glücklich bin, wieder hier zu sein. Mein Zimmer, mein Bett, die hupenden Taxis, die nur nachts für einige Stunden schweigen, das nächtliche Aufstehen, um nach dem Rechten zu sehen, die nicht wegzubekommenen Augenringe oder auch einfach die kulinarischen Spezialitäten im Süden der Elfenbeinküste… Das alles hat gefehlt und ich freue mich sehr auf die kommenden 2 Monate, in denen ich das alles noch haben darf.

2 Monate…?

So ein Jahr ist wirklich kurz… Man sagt es zwar immer, doch glauben kann ich es erst jetzt!

Ich wünsche euch allen schöne Sommermonate!

Bis bald

Christian

PS: Schaut ruhig immer wieder auf meinen Blog unter www.strassenkinder.de/christianinabidjan … wenn es die Zeit zulässt, werde ich weiter regelmäßig schreiben! Außerdem finden sich unter dem Menüpunkt Galerie unzählige Fotos zum Anschauen.

Rundmail Nr.7,

geschrieben am 3.8.2011 vom Flughafen in Abidjan:

Liebe Freunde,

ich schreibe diese Mail an Tag 336 meiner Zeit in Afrika, der gleichzeitig auch mein letzter ist.  Ich befinde mich gerade am Flughafen in Abidjan und warte auf meinen verspäteten Flug nach Paris.

Beinahe ein ganzes Jahr ist es her, dass ich mich von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet habe und in Abidjan gelandet bin.

Ein Jahr. Ein Jahr voller Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen:

Am 2. September kam ich an der Elfenbeinküste an. Die Anfangszeit war geprägt vom Kennenlernen der Kinder und der näheren Umgebung, sowie vom Ausbau des französischen Wortschatzes. Jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken

.

Im Oktober wurde gewählt. Da niemand die absolute Mehrheit erreichte, gab es einen 2. Wahlgang am 28.November, bei dem Allasane Ouattara den Amtsinhaber Laurent Gbagbo herausforderte. In der Folge gab es Ausschreitungen in Abidjan. Auch in Koumassi, unmittelbar vor dem Foyer wurden Reifen verbrannt. Die Elfenbeinküste sollte von da an mehrere  Monate 2 Präsidenten haben, denn beide ließen sich vereidigen und stellten ihre Kabinette vor…

Weihnachten hatte sich die Lage wieder so entspannt, dass das Weihnachtsfest im Foyer relativ normal gefeiert werden konnte. Auch Silvester gab es keine Probleme mit der Sicherheit.  Auch wenn die Spannungen in einigen Abidjaner Stadtteilen im Januar heftiger wurden und man einen Ausbruch der Gewalt erwartete, blieb ich nach Rücksprache mit der Gemeinschaft in Koumassi.

Am 1. Februar machte ich mich auf nach Accra/Ghana, um weiter nach Johannesburg/Südafrika zum Zwischenseminar zu reisen. Ich verbrachte einige sehr ergiebige Tage mit den anderen in Afrika eingesetzten Don Bosco Volontären und blieb noch einige Tage in der Gegend. Ich besuchte Don Bosco Projekte in Swasiland und Mosambik und verbrachte etwa eine Woche wirklichen Urlaub in Mosambik, bevor es über Johannesburg zurück nach Accra ging. Dort blieb ich noch 2 Tage und verließ Ghanas Hauptstadt am 21.2.2011. Aufgrund von unglücklichen Wartezeiten, einer Ausganssperre in Abidjan und einer anschließenden Nacht in Bassam, vor den Toren Abidjans, kam ich am Morgen des 22.2. wieder im Foyer an.

Aufgrund der Situation, die sich während meiner Abwesenheit wieder verschärft hatte, blieb ich nur für eine Woche. Der Provinzial schickte mich nach Kara, in den Norden Togos.

Am 28.Februar verließ ich Abidjan und kam nach einer unfreiwilligen Übernachtung an der ghanaisch-togolesischen Grenze am Morgen des 1.März in Lomé an. Nach einigen Tagen in Togos Hauptstadt, an denen ich meine Visaangelegenheiten klärte und mir Lomé ein bisschen ansah, fuhr ich nach Kara.

In Kara verbrachte ich etwa 10 Wochen. Zurückblickend war es eine sehr lehrreiche und interessante Erfahrung. Ich konnte so ein anderes Land, eine andere Kultur und andere Menschen kennenlernen. Außerdem lernte ich die Arbeit in einem anderen

Strassenkinderfoyer kennen

Am 16.Mai verließ ich Kara in Richtung Lomé und 2 Tage später Lomé in Richtung Abidjan. Am 21.Mai kam ich in Abidjan an und war unglaublich froh all die Menschen, die ich zurückgelassen hatte, wieder zu sehen.

Der Juni brach an und verging in Windes Eile… auch der Juli fühlte sich unglaublich kurz an! Wichtige Stationen im Juni und Juli waren die Festivitäten rund um den „Tag des afrikanischen Kindes“ am 16. Juni, sowie meine Ausflüge nach Korhogo und Duékoué im Juli. Nebenbei lief noch die Baustelle im Erstempfang Maman Marguerite, die durch ihre Spenden ermöglicht wurden. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Spendern bedanken. Insgesamt kamen etwa 7500 Euro zusammen. Darunter sind 1800 Euro vom Wirteltorgymnasium in Düren, meiner ehemaligen Schule, die einen Teil des Erlöses des diesjährigen  Schulfestes für den Umbau spendeten. Diese Spende hat mich besonders gefreut. Vielen Dank!

Die finalen Tage meines Jahres in Afrika habe ich übrigens nicht in Abidjan verbracht. Das Zeltlager mehrerer Strassenkinderfoyers Abidjans findet seit dem 1. und noch bis zum 5.8 in Azuretti, einem Dorf am Strand in der Nähe von Grand Bassam statt. Heute gegen Mittag bin ich dort abgereist, um der Kommunität auf Wiedersehen sagen zu können, meine restlichen Habseligkeiten in den Koffern zu verstauen und noch ein letztes Mal „Espace Ami Des Enfants“ im Village durchzuführen.

Und jetzt sitze ich hier in der Anonymität eines Flughafens und kann es irgendwie kaum fassen. Mir gehen unglaublich viele Dinge durch den Kopf. Auf der einen Seite ist da der etwas unwirkliche Abschied von den Kindern, die ich so liebgewonnen habe, von der Gemeinschaft der Salesianer und von meinen Freunden, die ich hier kennenlernen durfte. Auf der anderen Seite denke ich an das, was mich Zuhause in Deutschland erwartet und freue mich irgendwie sehr darauf.  Doch ist das alles noch so weit weg… gedanklich zumindest… Naja. Während des Fluges werde ich sicherlich noch genügend Zeit haben, diese Gedanken zu ordnen.

Morgen werde ich gegen Mittag in Düsseldorf landen. Damit geht ein Jahr zu Ende, auf das ich mich lange vorbereitet habe und das ich unglaublich genossen habe. Ich habe viele neue Erfahrungen machen dürfen und habe mich –so denke ich- auch in vielen Dingen und Ansichten verändert.  Auf meinem Weg habe ich zahlreiche Nachrichten und Kommentare aus der Heimat zu meiner Arbeit und zu meinen Erlebnisse erhalten, die mich immer wieder bestärkt und gefreut haben.

Auch wenn ich versucht habe in meinem Blog unter www.strassenkinder.de/christianinabidjan so viel wie möglich zu beschreiben und zu erklären, spiegelt der Blog bei Weitem nicht ein komplettes Jahr mit seinen Erlebnissen wieder.

Am Mittwoch, 7.September um 19 Uhr möchte ich daher, gemeinsam mit meinem guten Freund René Pfortje, der ein Jahr in Swaziland verbracht hat, von unserem Freiwilligendienst und von vielen Eindrücken in unseren Einsatzländern im Rahmen eines kurzweiligen Erzählabends berichten. Der Erzählabend findet statt im Pfarrzentrum Kerpen-Buir (Kirchenstraße). Ihr seid herzlich eingeladen.

Das (vorerst) letzte Mal aus Abidjan

Christian

Christian Davepon 17. September 2010 Keine Kommentare Trackback URI Comments RSS

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