… und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt wie es war.

Liebe Leser! Seit drei Wochen bin ich nun wieder im schönen Heimatland und fand bisher nicht die Zeit oder wohl eher einfach nicht den Nerv, ja die richtigen Worte, darüber zu schreiben, dass meine Zeit in Argentinien jetzt vorbei ist. Das Wiedersehen am Frankfurter Flughafen mit Familie und Freunden war so schön und überwältigend! :) Es ist schön, wieder in Deutschland zu sein, im Heimatstädtchen ist alles gleichgeblieben, und doch fühlt man sich irgendwie anders, sieht die Dinge mit anderen Augen. Aber jetzt mal von vorne, zum Abschied in Villa Regina.

Am Sonntag den 31. Juli, also zwei Tage vor meiner Abreise aus Villa Regina, wurde im Projekt eine große Abschiedsfeier veranstaltet. Frieda und ich hatten ein zwanzigminütige musikunterlegte Diashow mit den schönsten Bildern der Kinder vorbereitet, bei der auch schon die ersten Tränchen vergossen wurden. Für die anschließende Messe, die Padre Rubén hielt,  hieß es dann noch mal zusammenreißen. Nach der Messe gab Hühnchen, Brot und Pizza zum Mittagessen und anschließend Torte. Das Zentrum war so überfüllt, dass wir die Tischtennisplatte zum Tisch umfunktionieren mussten. Aber es sind alle satt geworden, was die Hauptsache war. Vor dem Nachtisch haben Frieda und ich eine kleine feine Rede gehalten und unser Abschiedsgeschenk überreicht: eine große Fotocollage als Dankeschön an die Zeit in Villa Regina. Ebenso haben wir Geschenke von den Kindern bekommen, vorallem wunderschöne Briefe.
Zwei Tage später, also am Dienstag den 2. August um 18 Uhr musste ich mich dann von den Kindern verabschieden. Weder ich, noch die Kinder haben es zu dem Zeitpunkt glaube ich so richtig realisiert, dass wir uns jetzt erstmal nicht mehr sehen werden. Klar wurde es mir erst, als ich allein im Reisebus Richtung Buenos Aires saß und mir noch mal all die Abschiedsbriefchen durchgelesen habe. Da wurde mir dann bewusst, dass es einfach unglaublich schade ist, dass das Projekt dieses Jahr keine Freiwilligen-Nachfolger bekommt. Das Projekt lebt vom Engagement der Freiwilligen, für die Kinder ist es wichtig, weil wir nicht die typischen Autoritätspersonen sind sondern mehr so wie große Schwestern auch mal zum Quatsch machen und ausgelassen sein da sind. Aber so ist es nun mal dieses Jahr und man muss es akzeptieren.

In Buenos Aires angekommen hatte ich dann noch einen Tag Zeit, an dem ich noch ein paar Mitbringsel und den coolsten Mate-Becher überhaupt gekauft habe. Am Flughafen wurde mir dann schon ein wenig mulmig zumute, und als dann der Flieger endgültig vom argentinischen Boden abgehoben war, kamen mal wieder ein paar Tränchen. Weil ich nicht weiß, wann ich wieder argentinischen Boden unter den Füßen haben werde, weil ich gemerkt habe, dass dieses Jahr in Argentinien einfach genau richtig gewesen ist. Und dann kamen die Tränchen der Dankbarkeit, für ein so wundervolles Jahr  mit all seinen schönen, anstrengenden, lustigen, traurigen, bereichernden Seiten. Ich bin einfach zu sehr am Wasser gebaut, sorry ;)

Das größte Dankeschön geht hier somit an Wolfgang und Jens von meiner Entsendeorganisation Don Bosco Volunteers, die mich großartig auf meinen Freiwilligendienst vorbereitet haben, bei Fragen und Problemen immer geholfen haben und uns ein wunderbares Zwischenseminar organisiert haben… Dankeschön!!!

Ein riesiges Dankeschön geht auch an alle Leser meines Blogs sowie an all die Menschen, die mich während dieses Jahres mit ihrem Interesse, Nachrichten aus der Heimat und lieben Worten unterstützt haben :)

Dies war der letzte Artikel in diesem Blog… ich hoffe ich konnte euch mit meinen Blogartikeln einen kleinen Eindruck von meinem Freiwilligendienst in Argentinien übermitteln und ich hoffe es hat euch gefallen!
DANKE

Eure Claudia

vor der diashow abschiedsmesse in der messe fotocollage immer diese torten!! tischtennisplattenessen verzaubert vom akkordeon :) letzter nachmittag - noch ma schnell ganz viele fotos machen mit der senio diese drei wunderbaren brüder! am terminal mit pinky lächeln wir unser grinsekatzenlächeln abschied am bus <3

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Sagt mal alle “Whiiiisky” !

Da ich in letzter Zeit ein bisschen schreibfaul geworden bin, dachte ich mir, nutze ich das heute mal überaus hervorragende Internet und lade ein paar Fotos hoch! Einfach auf die Bilder klicken, dann erscheinen die Titel… viel Spaß! mädelsabend im zentrum yamila die mathe null und ich beim teig kneten cristian die fußballjungs nach dem sieg miguelito froh und munter meine liebe ceciliaaa melina und nelson und die stolze mutti ;) wuuuhu gonzalo <3 nena, angelas hund ausflug nach chimpay padre piero empfing uns in chimpay. man beachte die schlas mit den initialen des zentrums: JBP gruppenbild, fehlen aber noch etliche. es durften nur 17 kinder mit nach chimpay, der bus hat nämlcih nur 17 plätze daniela morgens mit den kleinen einfach zucker


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Von wilden Kerlen und wilden Hühnern

Das Fußballteam „Jesús Buen Pastor“ hat am Sonntag sein erstes Liga-Spiel gewonnen! Ein wenig verschüchtert vom Testspiel am vergangenen Sonntag, welches die Jungs mit 5:0 verloren hatten, waren sie natürlich total aufgeregt. Schließlich ging es nun zum ersten Mal so richtig um die Wurst. Wie das hier in Argentinien so ist, wurde erst eine halbe Stunde später angepfiffen als geplant und die Jungs wurden somit immer aufgeregter. Am Spielfeldrand hat sich jedoch ein Grüppchen versammelt um die Mannschaft lautstark anzufeuern, und angestachelt durch unsere Rufe haben die Jungs im Laufe des Spiels immer mehr Selbstvertrauen gefunden. Wir waren übrigens die einzigen, die wie die Deppen angefeuert haben. Die anderen Mannschaften hatten irgendwie nicht so begeisterte Fans. Nächstes Spiel nehmen wir noch ein paar Trommeln mit, des wird a Gaudi! Durch einen blöden Zusammenstoß mit unserem Top-Torwart José-Luis (das ist der Top-Schüler, s. ältere Blog-Einträge), bei dem die gegnerische Mannschaft einen Elfmeter rausgehauen hat, stand es dann zur Halbzeit 1:0 für die Anderen. Nach einer kleinen Pause haben die Jungs dann aber noch mal alles gegeben, unser Torwart hat spitzenmäßig gehalten und am Ende stand es 3:1! Juhu! Ein richtig guter Auftakt. Ab jetzt heißt es nun jeden Sonntag ab auf den Fußballplatz und Anfeuern!

So viel zu den Jungs. Nun zu den Mädels! Da die Mädchen  sich immer beschweren, dass für die Jungs so oft Jugendtreffen gemacht werden und für sie nie, haben wir am Freitagabend ein Treffen für unsere Mädchen veranstaltet. Es sollte ein schöner, lustiger Abend werden, und das ist auch gut gelungen. Erst haben die Mädels getanzt, sie denken sich nämlich gerade einen neuen Tanz aus. Schön mit viel Hüfte und sexysexy und so, ist klar… wo die diese Schritte herhaben! Egal, sieht lustig aus bei 12jährigen Mädchen… Im Anschluss haben wir schön „Plötzlich Prinzessin“ geschaut, währenddessen Pizza gegessen, zum Ende des Films haben diese Hühner dann noch eine Kissenschlacht veranstaltet und waren übel aufgedreht. Zum Runterkommen gabs dann als Nachtisch noch lecker Eis und wir haben alle noch ein paar warme Worte gewechselt. Ein sehr schöner Abend!

Ich muss jetzt auch mal von einem neuen Projekt berichten: das Barrio El Sauce macht jetzt  Radio! Da Pinky früher schon Radio gemacht hat und somit Erfahrung damit hat, haben wir letzte Woche einen Radio-Workshop im Zentrum gestartet für alle ab der 6. Klasse, die Lust haben. Die Kinder lernen, welche Verantwortung man beim Radio-Machen hat, wie ein Radio funktioniert, werden mit unserer Hilfe Programme schreiben, Moderieren lernen, Musik aussuchen usw. Wenn alles gut läuft, gehen wir ab Juli auf Sendung! DonBoscoFM wird unser Radio heißen und es wird ein wichtiges Kommunikationsmedium in der ganzen Stadt werden, das ist sicher. Damit die Leute mal wissen, was im Zentrum so alles gemacht wird und dass die Kinder und Jugendlichen aus dem Viertel El Sauce wie gesagt auch mehr draufhaben als nur Steine zu werfen… Verdammt noch mal!

Zum Steinewerfen muss ich leider sagen, dass es eine richtig miese Angewohnheit von den Kindern hier ist und sie es schon von klein auf mitbekommen. Die Kleinsten sehen das von den Großen und dann fängt ein Sechsjähriger auch schon mal an, mit Steinen zu werfen. Wir haben da so einen speziellen Fall im Zentrum, ein leicht authistischer Junge der zwar auf eine spezielle Schule geht, den Rest des Tages jedoch auf den Straßen des Barrios rumlungert und so natürlich besonders gut im Steinewerfen ist. Er kommt jetzt jedoch regelmäßig ins Zentrum, es scheint ihm zu gefallen – ist ja natürlich auch besser als auf der Straße rumzuschlawinern. Ich glaube mittlerweile er hat ein wenig geschnallt, dass man nicht mit Steinen wirft, so oft wie wir ihm das jetzt schon erklärt haben.

Seit ca. 2 Wochen kommen außerdem die siebenjährige Joana und ihr achtjähriger Bruder Cristian jeden Morgen ins Zentrum. Sie wohnen nicht weit vom Zentrum entfernt und gehen in die erste Klasse. Andrés hat sie vormittags immer vor ihrem Haus rumspielen sehen und sie eingeladen, ins Zentrum zu kommen. Die beiden kommen somit jetzt jeden Vormittag und bringen im Bestfall ihre Schulhefte mit den Hausaufgaben mit. Sie machen leider immer das Gegenteil von dem was man ihnen sagt und kennen keine Grenzen. Sie tun sich richtig schwer, mit den anderen Kindern normal und ohne zu Streiten auszukommen. Cristian wiederholt die erste Klasse und ich habe selten einen Jungen gesehen, der mit 8 Jahren schon so fertig und resigniert aussieht. Er hat überhaupt kein Selbstvertrauen, hat so viel Wut und Agressivität in sich und äußert das dann natürlich auch. Er wirkt wie ein wilder, auf sich selbst gestellter junger, verlassener Hund. Prügelt sich grundlos vor dem Haus mit einem kleineren Jungen, wird von dessen großer Schwester verprügelt und schmeißt ihr dann noch ein paar Steine hinterher. Er hat immer so einen traurigen, wütenden Blick in den Augen. Von den anderen Kindern des Viertels wird er geärgert, weil er dreckig und ungekämmt rumläuft und er tut mir einfach so Leid. Zur familiären Situation: die -natürlich- junge Mutter hat insgesamt drei Kinder, alle drei von einem anderen Vater und ist: Prostituierte. Jawoll. Die gute Frau hat keinerlei Verantwortungsbewusstsein, so passiert es dann auch, dass sie einfach mal kein Bock hat, ihre Kinder zur Schule zu fahren. Mit ihrem ebenfalls traurigen, fertigen Blick steht Joana dann am Nachmittag wieder in der Tür zum Zentrum und auf die Frage, wieso sie denn nicht in der Schule ist, kommt dann immer „Meine Mama hatte keine Lust mich in die Stadt zu fahren… das Fahrrad von meiner Mama hatte nen Platten…“ oder sonst was. Ich hab sogar schon das Gefühl, dass das Fahrrad von der Mutter seit ner Woche nen Platten hat. Das haben die beiden echt nicht verdient. Traurig, einfach traurig.

Was auch richtig hart ist, wie jung manche Mütter hier sind und wie viele Kinder sie haben. Wir haben zwei Mädchen morgens dabei, eine 4 und die andere 6 und in der ersten Klasse und die Mutter ist 22 und hat vor drei Monaten ihr viertes(!) Kind zur Welt gebracht. Das muss man sich mal vorstellen, die gute Frau ist anderthalb Jahre älter als ich…

Ja, das Viertel und seine Bewohner sind schwierig und die Gefahr, in den Teufelskreis zu rutschen ist verdammt groß. Das macht mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass es das Zentrum gibt. Man merkt, wie Don Bosco die Kinder verändert, sie fühlen sich geliebt, gebraucht und wachsen in ihren Persönlichkeiten. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, sie lernen andere Werte kennen, als nur „Alkohol und Drogen sind cool und du musst die Schule abbrechen um den erstbesten unterbezahlten (Saison-)Job annehmen um dir das schickste neuste Handy kaufen zu können“ und ich hoffe so sehr, dass die Kinder und Jugendlichen den richtigen Weg einschlagen und nicht ebenfalls ins Drogenmilieu, in die Prostitution oder in die Kleinkriminalität abrutschen, wie so viele hier. Bei manchen unserer älteren Jungs weiß ich nicht, ob sie die Kurve noch kriegen werden, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

Zu meiner persönlichen Motivation kann ich sagen, dass ich die endlich wieder richtig wiedergefunden habe. Mitte April hatte ich ein ziemliches Tief, war ständig müde und überarbeitet und habe sehr oft an zu Hause gedacht. Außerdem lag ich noch eine Woche mit Grippe im Bett, was natürlich auch nicht gerade motivationsfördernd ist. Nach jedem Tief muss aber bekanntermaßen auch bald wieder ein Hoch folgen, und das hat auch nicht lange auf sich warten lassen. Es geht mir wieder richtig gut und ich fühle mich gewappnet für die letzten zweieinhalb Monate.

Also: Vamos todavía! Beste Grüße nach Deutschland! Eure Claudia

PS Ich wollte Fotos hochladen, das hat aber nicht geklappt. Das Internet ist sowas von für die Katz in letzter Zeit…


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Vení a Don Bosco!

„Kommt zu Don Bosco!“ – mit diesen Worten und einem riesigen „Bienvenidos“ macht das Centro Juvenil Salesiano nun auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit einer Gruppe von Jungs  haben wir Ende Februar den kahlen Wänden des Zentrums einen neuen Anstrich verpasst. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

 

Das Eingangstor sieht man nun schon von Weitem, ebenso das große Bild mit den hüpfenden Jugendlichen an der Rückseite des Zentrums. Die Jungs hatten jede Menge Spaß beim streichen und können stolz auf ihre gute Arbeit sein.

Es gibt auch noch mehr zu berichten. Das Zentrum ist nun seit gut zwei Monaten auch vormittags geöffnet und es kommen täglich so ca. 10 bis 15 Kinder, die am Nachmittag zur Schule gehen. Sie kommen zum Hausaufgaben machen und Frühstücken. Natürlich muss nach dem Frühstück auch immer ein bisschen Kicker gespielt, gepuzzelt, gemalt oder Fußball gespielt werden. Da die Kinners ja nachmittags nicht zum Computerunterricht kommen können, machen wir das dann auch einfach vormittags.  Pinky ist vormittags nicht da, da sie als Lehrerin in einer der Don-Bosco-Grundschulen arbeitet. Andrés, Frieda und ich kümmern uns somit allein um die Kinder, wobei Andrés häufig in die Stadt fahren muss um Besorgungen zu machen oder im Haus ist, weil er Anderes zu tun hat. Somit haben Frieda und ich vormittags die Hauptverantwortung, bereiten das Frühstück vor und passen auf, dass die Kinder ihre Hausaufgaben machen und sich nicht die Köpfe abbeißen da die auch wirklich oft streiten oder sich beschimpfen.

 
Streits und Mobbing waren in letzter Zeit im Zentrum leider auch immer wieder ein Thema. Normalerweise respektieren sich die Kinder und ärgern sich auch nicht so häufig. Aber da das neulich so ausgeartet ist, dass zwei Jungs sich richtig geprügelt haben, haben wir seit dieser Woche ein Punktesystem eingeführt. Bis zum Ende des Jahres kann man nun Punkte sammeln, die relevant sein werden für eine Reise, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden soll.

 
Durch ihr gutes Benehmen haben sich die Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr kleine Ausflüge verdient, und dieses Jahr im März haben wir sogar einen Ausflug auf die Insel vom Padre gemacht, mit Übernachtung. Diejenigen, die sich jetzt das Jahr über gut benehmen und fleißig Punkte sammeln werden am Ende des Jahres mit einer Reise belohnt. Hoffen wir mal, dass es mit dem Punktesystem besser wird.

Mit den Jungs des Jahrgangs 1998/1999 hat Andrés jetzt eine Fußballmannschaft aufgestellt, das „Oratorio Jesús Buen Pastor – El Sauce“, die ab Mai in einer stadtinternen Liga gegen andere Vereine spielen wird. Damit sollen die Vorurteile, die viele Menschen in Villa Regina gegen die Menschen aus dem Viertel El Sauce haben, gemindert werden. Andrés hat zwei unserer älteren Jungs zudem offiziell durch das Liga-Kommitee zu Co-Trainern ernennen lassen. Das ist eine super Sache, da sie lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Gäbe es eine Volleyball-Damen-Liga hier in Villa Regina, so würde ich ebenfalls mit meinen Zentrum-Mädels eine Volleyballmannschaft gründen. Leider gibt es die hier aber nicht. Nachmittags nach der Merienda also dem Nachmittagssnack spielen wir immer ein Weilchen und die Mädels haben richtig viel Freude daran gefunden, Volleyball zu spielen, richtig nach Regeln und mit Punkten und werden immer besser. Bei einem Don-Bosco-internen „Volleyballturnier“ haben wir neulich gegen Kinder der Don-Bosco-Schule gespielt und alle plattgemacht. Ha! ;) Die Kinder ausm Sauce können nämlich doch mehr, als nur Steine werfen, wofür sie in der ganzen Stadt berüchtigt sind. Jaja die Reginensen haben Vorurteile…

 
Für die Mädchen des Zentrums wollen wir demnächst auch ein Jugendtreffen anfangen, welches auch jeden zweiten Freitag stattfinden soll. Für die Mädchen ist es wichtig, weil sie jetzt alle in die Pubertät kommen/ in der Pubertät sind und es einfach Themen gibt, über die sie reden möchten.

Im Computerunterricht habe ich auch endlich Office 2007 auf die PCs bekommen die Kinder lernen somit gerade, damit zu arbeiten. Die Hausaufgabenhilfe läuft auch ganz gut, ich habe ein 12-jähriges Mädchen, Yamila, welches dem Anschein nach seit 2 Jahren nicht mehr in Mathe aufgepasst hat, in der Schule nur stört, sich nicht konzentrieren kann und eigentlich wissen müsste, wie man Brüche addiert und vereinfacht. Sie kann aber leider nicht mal das kleine 1×1. Somit schlage ich mich seit ein paar Wochen Tag für Tag mit Brüchen herum und ganz ehrlich – ich kann langsam einfach keine Brüche mehr sehen !!! Aber Yamila macht langsam Fortschritte. Immerhin!
Auch Englisch bei den Mädels läuft ganz gut, wir mussten in letzter Zeit jedoch die Stundenpläne ein wenig umschmeißen, weil an dem einen Tag welche Sportunterricht haben, andere wiederum zum Folkloretanzen gehen usw.  So passiert es noch öfters, dass die Mädchen einfach verchecken, wenn sie Englisch haben und nicht erscheinen. Aber das wird acuh noch. Spätestens einen Tag vor nem Englischtest kommen sie dann alle angerannt und erwarten Wunder und dass sie ne 1 schreiben ;)

Die Arbeit läuft gerade wie gesagt richtig gut… schade nur, dass die Zeit so schnell vergeht. Ich freue mich schon richtig auf meine Lieben zu Hause, aber ich hab jetzt echt nur noch drei einhalb Monate mit den Kiddies, dann bin ich wieder daheim. Ein komisches Gefühl…

So, Frohe Ostern an alle! Claudia


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So, so… 6 Monate Argentinien!?

Hallo Freunde!
Nach fast 2 Monaten völliger Blog-Abwesenheit melde ich mich jetzt endlich auch wieder hier.

Den Januar habe ich zum Großteil im schönen – aber sehr turistischen – Las Grutas am Meer verbracht, erst zwei Wochen mit den Jungs aus dem Heim und danach noch eine Woche mit den Mädchen. Wir waren in einer Don-Bosco-Herberge nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt untergebracht und die Kinder haben sich auch mehr oder weniger gut benommen. Allerdings waren wir schon ziemlich fertig, als wir dann am 31. Januar endlich in unserem geliebten Zuhause in Villa Regina ankamen.

Urlaub vom Urlaub war dann auch noch nicht so richtig drin, denn schließlich ging es am nächsten Tag schon wieder mit dem Bus weiter, nach Junin de los Andes zum „Retiro de los Jovenes“, also zu den Reflexionstagen für alle Jugendliche aus der Süd-Provinz der Salesianer in Argentinien. Diesen Reflexionstagen stand ich anfangs ein wenig skeptisch gegenüber, aber dort angekommen war ich echt positiv überrascht. Junin hat etwas von Taizé, auch das ganze Jugendtreffen war so ähnlich aufgebaut, es gab Einzelreflexionen und Gruppenarbeit, aber auch coole Ausflüge und Präsentationen. Der straffe Zeitplan hat das ganze zwar auch wieder anstrengend gemacht, außerdem war es arschkalt da in den Anden und ich hatte viel zu luftige Klamotten dabei. Zeit sich mit den anderen 150 Jugendlichen und den 40 anwesenden Salesianerbrüdern und –Padres auszutauschen kam natürlich auch nicht zu kurz. Wir hatten auf jeden Fall eine verdammt coole, lustige Woche. Auch die Gruppe der Erzieherinnen, die aus Villa Regina dabei war ist mir in der Woche sehr ans Herz gewachsen und wir haben uns alle besser kennen gelernt. Unser Ersatzpapa Andrés durfte mit seinen 38 Jahren sogar auch noch mitfahren, was auch einfach super war. Wir haben uns total viel unterhalten und natürlich über die Arbeit geredet, die für Frieda und mich im Zentrum dieses Jahr noch ansteht. Dazu komme ich allerdings nachher noch mal zu sprechen, denn jetzt möchte ich die Aufmerksamkeit erstmal auf das Zwischenseminar lenken!

Einen ganzen Tag hatten wir noch zum Wäschewaschen frei, bevor wir schon wieder in den Reisebus steigen mussten, denn diesmal ging es nach Buenos Aires zum lang ersehnten Zwischenseminar. Unser lieber Chef Wolfgang, eine ehemalige Voluntärin und eine Mitarbeiterin aus Benediktbeuern haben das Seminar für alle Lateinamerika-Voluntäre von Don Bosco Bonn sowie Don Bosco Benediktbeuern organisiert. Es war so schön, seine Mitfreiwilligen wiederzusehen, aber auch neue Freiwillige kennenzulernen. In der Woche haben wir uns sehr viel über unsere Erfahrungen im Projekt ausgetauscht, neue Spielideen gesammelt und hatten Zeit über unsere Rollen und unsere Probleme im Projekt nachzudenken. Der Spaß kam auch nicht zu kurz, neben einer anstrengenden, nassen, genialen Kajaktour im Tigerdelta haben wir super neue Spiele gespielt, die wir uns für unsere Kids gemerkt haben, die Stadt unsicher gemacht und am Wochenende waren wir noch schön bis in den Morgen argentinisch feiern. Im Großen und Ganzen war es eine großartige, schöne deutsche Woche, für die ich mega dankbar bin!

Am Dienstag haben wir dann in Villa Regina endlich wieder angefangen zu arbeiten. Momentan sind wir dabei, das Zentrum auf Vordermann zu bringen, es muss geputzt und entrümpelt werden, außerdem machen wir gerade Öffentlichkeitsarbeit. Z.B. waren wir mit Flyern bei den örtlichen Radiosendern. Und tatsächlich hat der Mann vom Radiosender das vorgelesen, was einfach viel zu gut war, die eigene Werbung fürs Zentrum ganz unerwartet später im Auto im Radio zu hören. Wir haben Info-Zettel in Supermärkten und den öffentlichen Schulen aufgehängt, ebenso haben wir Haus für Haus (bzw. Hütte für Hütte…) das Viertel abgeklappert um den Bewohnern vor allem die Neuigkeit zu überbringen, dass das Zentrum jetzt auch morgens geöffnet sein wird. So können die Kinder der 1. bis zur 3. Klasse, die hier in Argentinien nachmittags zur Schule gehen, vormittags das Zentrum besuchen, um an der Nachhilfe und den anderen Angeboten teilzunehmen.

Mit den älteren Jungs, die das Zentrum besuchen, sind wir außerdem gerade dabei, dem Zentrum eine Identität zu geben. Beim Jugendtreff, der jeden zweiten Freitagabend und somit gestern zum ersten Mal in diesem Jahr stattfand und für dessen Gestaltung Frieda und ich jetzt alleine verantwortlich sind, haben wir den Jungs von unserem Vorhaben erzählt, das Zentrum zu verschönern. Wir haben einige Ideen, die bisher langweiligen nichts sagenden Wände des Zentrums anzumalen und die Jungs werden uns dabei helfen. Am Montag geht es dann los mit dem Streichen, die Jungs sind schon voller Elan und es wird glaube ich ziemlich genial!

Also, es gibt jede Menge zu tun, wir haben viel Verantwortung bekommen für die kommenden Monate und ich bin mal gespannt, wie es wird, jetzt vormittags und nachmittags im Zentrum zu arbeiten. Mit neuer Kraft gehe ich in die zweite Halbzeit meines Freiwilligendienstes, bin zwar schon ein wenig wehmütig, denn ich bin mir sicher, die Zeit wird mindestens so schnell vorbeigehen wie die erste Hälfte. Aber noch ist es nicht soweit, an den Abschied hier zu denken. Packen wir es an!

Liebste Grüße in die Heimat!

Eure Claudia


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… ich muss euch sagen, es weihnachtete nicht allzu sehr!

Ich habe nun wirklich allen Ernstes Weihnachten bei über 30°C hier in Argentinien verbracht und ich muss sagen, es war ziemlich gut! Ich konnte zwar machen was ich wollte – es kam einfach keine Weihnachtsstimmung auf, ich dachte und denke immer noch die ganze Zeit es ist Mitte August oder so, und natürlich hatte ich dann schließlich beim Weihnachtsskypen mit der Familie einen kleinen schönen Heimwehanfall. Es wäre doch auch irgendwie merkwürdig gewesen wenn ich den nicht gehabt hätte. Wie sie da alle auf der Couch saßen und durcheinander geredet haben, meine Verrückten zu Hause…. Das hat wie gesagt nur kurz angedauert, ich hatte genug anderes im Kopf, schließlich mussten wir uns mental auf unseren großen Auftritt vorbereiten. Padre Rubén hat uns nämlich mehr oder weniger dazu gezwungen, im Weihnachtsgottesdienst „Stille Nacht, Heilige Nacht“ auf Deutsch, Englisch und natürlich auf Spanisch zu singen. Frieda und ich mit jeweils eigenem Mikro und natürlich hat er uns vor der überfüllten Kirche vorher noch angesagt und alle haben uns angeglotzt aber hey. Mein mittlerweile grottiges Englisch mit spanischem Akzent haben die Argentinier zum Glück nicht rausgehört. Wie sagt man so schön? Was einen nicht umbringt, macht einen nur stärker! Was jetzt gleichermaßen für uns als auch für die Zuhörer gilt. Nee, zugegeben Frieda hat schön gesungen. Und ich hatte Husten..
Außerdem haben sie hier ne kleine Jesuspuppe auf den Altar gebettet und auf einmal sind alle Leute aufgestanden um die Jesuspuppe zu küssen. Der Padre hielt sie fest und hat nach jedem Kuss mit nem Tuch über Jesus’ Bauch gewischt. Ich sag dazu jetzt nix… andere Länder, andere Sitten!

Nach der Messe gab es kalte Speisen und zwar gefüllte Teigtaschen namens Empanadas, Wurstvariationen, Kartoffelsalat, Salat, Sandwiches und zum Nachtisch Obstsalat mit Wodka drin, hihi.  Aber an das Weihnchtsfestmahl welches mein Papa jedes Jahr zaubert kam das bei Weitem nicht ran. Naja nächstes Jahr wieder!
Beim Essen mit den Padres waren auch zwei der Heimjungs da, die sonst im Heim hätten bleiben müssen, Miguel und Brian. Die anderen Kinder aus den Heimen hier sind bei Familienangehörigen untergekommen über die Feiertage, nur die beiden haben halt niemanden… und waren dann auch beim Essen mit dabei. Was sehr angenehm und lustig war.

Um kurz vor 12 haben wir uns dann von Mulet ins Armenviertel kutschieren lassen, alleine da rumlaufen ist nämlich bisschen gefährlich in der Nacht. Man kennt den roten Jeep von den Don-Bosco-Leuten zwar, aber uns wurden trotzdem schön Böller unters Auto geschmissen. Im Zentrum angekommen haben wir mit dem Ehepaar, welches dort arbeitet angestoßen und die Kinder kamen vorbei und alle lagen sich in den Armen und haben sich Frohe Weihnachten gewünscht. Und die Kids hatten einen Megaspaß, Böller anzuzünden und Knallfrösche rumzuwerfen. Am lustigsten drauf waren wirklich unsere älteren Jungs, die waren zugegeben wahrscheinlich schon gut angetrunken und haben sich soo gefreut ihre beiden coolen Alemanas zu sehen. Nachdem wir dann den obligatorischen eiskalten Obstsalat gegessen hatten (nix da Lebkuchen oder so…) sind wir wieder zurück in die Stadt gefahren, wo wir noch bei einer Freundin vorbeigeschaut haben und dort angestoßen und draußen mit ein paar Freunden zusammengesessen haben, was wirklich sehr schön war und guttat. Auch wenn es wirklich anders und ungewohnt war, war es doch ein schöner Abend!

Momentan bin ich hier sehr froh, dass ich mehr Zeit für mich habe, so kann ich mir Gedanken fürs kommende Jahr machen, welches jede Menge Arbeit mit sich bringen wird, mir Gedanken für die Zeit nach Argentinien machen und Gitarre üben. Mein treuer Gitarrenlehrer Mulet wird schon bald nach Buenos Aires gehen um Theologie zu studieren, somit bleiben mir nur noch wenige Gitarrenstunden… Am 10. Januar geht es mit der Arbeit hier weiter, es geht nach Las Grutas, endlich endlich endlich das Meer sehen. Auch wenn es anstrengend wird, weil wir als Betreuer bei der Ferienfreizeit der Kinder mitfahren und das drei Wochen lang in der krassen Hitze. Vom 1. bis 4. Februar fahren wir zu so Jugend-Reflexionstagen in die Anden und am 7. Februar geht unser Zwischenseminar in Buenos Aires los, worauf ich mich schon riesig freue. Nur das ewige Hin- und Her-Busgefahre ist nicht so schön. Von hier nach Buenos Aires sitzt man locker mal 18 Stunden im Bus…

Und nach dem Zwischenseminar wird Ende Februar die Arbeit wieder in Angriff genommen und die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes bricht an….

Liebe Grüße und einen großartigen Start ins Jahr 2011 wünsche ich euch! Die Zeit raaast so!

Eure Claudia


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Argentiniens Next Top-Schüler & mehr…

Hola, Alemania!
In Argentinien geht das Schuljahr zu Ende. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer wird versetzt, wer hat es nicht geschafft? “Ich habe heute leider kein Zeungis für dich ” – diesen Satz mussten die Lehrer diesmal zu keinem einzigen unserer Knder aus dem Zentrum im Armenviertel sagen. Ja, richtig gelesen, alle Kinder die zu uns ins Zentrum zur Hausaufgabenhilfe kommen, sind eine Runde weiter und haben alle gute bis sehr gute Noten. Zwei Kinder, die jetzt ins letzte Jahr der Primarschule kommen(also in die 7. Klasse), haben sogar so gute Noten, dass sie beim Akademischen Akt, den hier jede Schule veranstaltet, mit der argentinischen Flagge einziehen dürfen, und das ist eine ganz besondere Ehre. Einer der beiden Auserwählten heißt José-Lois, ist 12 Jahre alt und hat in 5 von 7 Fächern die beste Note. Seine Eltern leben vom Karton-Sammeln und -Verkaufen und die Familie lebt in einem winzigen Hüttchen, überall fliegen Kartons rum und jede Menge Müll. Wir sind unglaublich stolz auf ihn! Wenn er dieses Jahr so weitermacht, wollen wir veranlassen, dass er ein Stipendium bekommt für die Don-Bosco-Schule. Diese ist natürlich auch nicht teuer, das Schulgeld sind ca. 15 Euro im Monat, was für die dortigen Verhältnisse auch nciht sehr viel ist. Aber wenn es schon an allen Ecken und Enden mangelt, können die Eltern ihn natürlich nicht auf diese Schule schicken. Demnach hoffen wir, dass er weiterhin so gute Noten schreibt, damit er später mal eine gute Zukunft hat. (:

Von den älteren Jungs hat es leider fast niemand ins nächste Schuljahr geschafft. Die meisten haben kurz vor Schuljahresende abgebrochen, weil sie auf den Apfel-Farmen arbeiten gehen wollen, um Geld zu verdienen. Die Zeit der Apfelernte ist nämlich gekommen und es werden Arbeitskräfte benötigt. Für uns ist es dennoch schön, zu sehen dass die Jungs trotzdem weiter ins Zentrum kommen und dann eben auf alternative Weise etwas lernen. Und sei es nur wunderschöne Holzlöffel schnitzen, Gitarre lernen oder coole Powerpoint-Präsentationen machen – die Hauptsache ist eben, dass die Jungs etwas zu tun haben, an sich glauben und merken – und das wissen sie auch – dass es Menschen gibt, die ebenfalls an sie glauben.

So, nach der heutigen Jahresabschlussfeier, bei der jedem Kind/Jugendlichen ein Fotorahmen mit einem Gruppenbild geschenkt wurde, eine tolle musikunterlegte Powerpointpräsentation durfte natürlich auch nicht fehlen, ebensowenig wie die Torten (oh ja es gab mehrere) die ein paar der – zugegeben wenigen aber immerhin – engagierteren Muttis mancher Kinder mitgebracht haben, schließt das Zentrum nun bis Mitte Februar, bis die Schule wieder anfängt. Es geht auf Weihnachten zu, alle haben das ganze Jahr durchgearbeitet und ganz Argentinien geht in die wohlverdienten Ferien. Ich werde jetzt also noch vormittags arbeiten, Englischnachhilfe gebe ich auch nicht mehr, werde mich aber anderweitig mit den Mädels beschäftigen. Am Sonntag zum Beispiel möchte ich das erste Mal mit einem der Mädels, die auch Gitarre lernt, in der Messe spielen. Ganz allein, nur wir beide, mal sehen ob wir das hinkriegen, denn Salesianeranwärter und Gitarrenlehrer Mulet ist diese Woche mit ein paar Jungs im Zeltlager und somit nicht da. Also ich bin zuversichtlich. Bis Sonntag heißt es jetzt natürlich üben, üben, üben! ;)

Ach fast hätte ich noch eine andere, ziemlich bedrückende Neuigkeit vergessen zu erwähnen. Das Heim für die Kleinen beherbergt jetzt ein Baby, ein Mädchen von zwei Monaten. Die Mutter ist 16, hat keine Ahnung von gar nichts und ließ das Kind die ganze Zeit rumliegen, ohne dass es irgendwelchen Reizen ausgesetzt wurde. Das Baby reagiert überhaupt nicht auf Reflexe und zeigt keinerlei Reaktionen. Die Mutter weiß einfach nichts mit ihrem Baby anzufangen. Es war die letzten Wochen zur Beobachtung im Krankenhaus und wird jetzt bei uns im Heim wohnen, die Mutter soll dann einmal am Tag für eine Stunde herkommen um zu lernen, wie sie mit ihrem Kind umgehen, wie sie es richtig waschen, füttern und ihm die Windeln wechseln soll. Wenn das eine Zeit lang klappt, kann die Kleine eventuell wieder heim. Da die Direktorin des Heims jedoch schon mal letztes Jahr ihre Erfahrungen mit einer minderjährigen Mutter gemacht hat, die dann ein, zwei Mal gekommen ist aber sich danach auch nicht mehr hat blicken lassen, vermuten wir dass das genauso laufen wird wie mit Teo, der jetzt anderthalb ist und bei dem die Mutter sich auch einfach nicht blicken lässt. Von Seiten des Vaters ist da natürlich auch nichts zu erwarten. Der Vater des neuen Babys ist ein wesentlich älterer Mann, Alkoholiker…

Ja, gerade bin ich ein bisschen nachdenklich. Weihnachten, und dann sowas…ich wünsche euch trotzdem alles Liebe und bedanke mich bei euch Lesern!

Wenn wir uns nicht mehr hören/sehen/schreiben – Ein frohes, besinnliches Fest!
eure Claudia


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Von einem großen Auftritt, drei 15. Geburstagen, und halbwegs nachdenklichen Gangsterjungs

Wir schreiben den 1. Advent und ich bin ehrlich: wenn ich vorhin nicht mit meiner lieben Freundin Viola geschrieben hätte, die mich daran erinnert hat, dass wir heute den 1. Advent haben – von allein wär ich da wohl nicht drauf gekommen. Ganz ehrlich. Deutschland versinkt ja gerade nahezu im Schnee und macht sich auf einen harten Winter gefasst. Hier ist das Gegenteil der Fall, es ist jetzt schon sooo warm und der Sommer kommt erst noch. Bezüglich Weihnachten habe ich das Gefühl, dass es hier gar nicht so extrem gefeiert oder eher eingeleitet wird wie bei uns. Die feierwütigen Argentinier backen keine Plätzchen und zünden auch keine Kerze auf dem Adventskranz an. Von Weihnachtsstimmung ist hier wie gesagt noch nicht so viel zu merken. Und ich hätte mich so gefreut mir einen Schoko-Adventskalender in mein Zimmer zu hängen!

Was ist die letzten Wochen so passiert? Da war zum einen die “Fiesta de la Música”, ein großes Event an dem die jungen Talente Villa Reginas ihr Können aufführen dürfen. Zu den Teilnehmern durften sich dieses Jahr auch die Kinder aus dem Barrio “El Sauce” zählen, und sie waren verdammt aufgeregt, denn es ist eine ziemliche Ehre dort auftreten zu dürfen. Außerdem waren echt so richtig viele Leute da. Vorher haben sie ganz viel geübt, und das einstudierte Lied dann bravorös vor der Menschenmenge vorgetragen. Ich war auch unglaublich aufgeregt, aber es ist doch zum Glück alles gut gelaufen und sie haben nicht schief gesungen.

Am 19.11., einem Freitagabend wurde außerdem der Geburtstag von drei Mädels aus dem Heim gefeiert, die in der letzten Jahreshälfte 15 geworden sind. Der 15. Geburtstag bedeutet den Argentinierinnen sehr viel, sobald man nämlich 15 ist, wird man nicht mehr wie ein Kind, sondern wie eine richtige Senorita behandelt. Ich habe schon viel von diesen pompösen Feiern erzählt bekommen und war auch richtig gespannt, wie das werden würde. Alle Mädchen waren total rausgeputzt, die drei Geburtstagskinder natürlich in wunderschöne (zum Teil echt übertriebene) Kleider gehüllt, es wurde extra ein Friseur zum Frisieren und Schminken herbestellt und die drei mussten sich alleine an einen Tisch setzen, an dem sie dann die ganze Runde im Blick hatten.
Hinten waren ganz viele Geschenke aufgebaut, die wurden am Ende der Feier dann auch vor allen Leuten ausgepackt. Der Großteil der Geschenke bestand aus Handtaschen, Schmuck und Parfüm. Selbstverständlich wurde im Laufe des Abends dann noch die Tanzfläche geräumt und die drei Mädels mussten einen Walzer tanzen mit einem ihrer Brüder, die auch eingeladen waren. Schön kitschig (: Ach ja und Torte gab es diesmal auch, aber ich habe dieses Mal auf ein Stück verzichtet, dafür ein Gläschen Cidre getrunken. Den gibt es hier auch immer und überall dazu, Villa Regina ist schließlich eine Stadt die von der Apfel- und Birnenwirtschaft lebt.

Zu den Mädels fällt mir jetzt spontan noch ein, dass neuerdings ein Mädchen da ist, was normalerweise nicht im Heim wohnt, sich jedoch das Schien- und Wadenbein gebrochen hat und in einem Einzelzimmer im Heim untergebracht ist. Die Schule ist ja direkt neben dem Heim und so ist es einfacher für alle und sie verpasst nicht so viel Unterrichtsstoff.
Ich möchte mal daran erinnern, dass man mir nach meinem Oberschenkelbruch vor einem Jahr  einen Nagel ins Bein gehauen hat und fertig. Kein Gips, und nach zwei Wochen durfte ich nach Hause und sollte ganz viel Gymnastik mit dem Bein machen. Das gute Mädchen hat sich ja auch das Bein gebrochen und muss jetzt jedoch für drei Monate mit komplettem Beingips im Bett verbringen. Das ist wirklich schrecklich und ich lerne erneut, wie glücklich man sich doch schätzen darf, in Deutschland nicht mehr eine solche Versorgung genießen zu müssen.

Am Samstag nach der Feier sind meine Mitvoluntärin und ich auf die Idee gekommen, unser auf den Tag genaues dreimonatiges Dasein in Argentinien mit einem Ausflug in die nächstgrößere Stadt zu feiern. Wir sind also für umgerechnet etwas mehr als einen Euro mit dem Bus ins 60km entfernte Roca gefahren. In Roca sind wir einfach ein bisschen durch die Geschäfte gebummelt und auf einmal standen wir vor einem kleinen Kino, mit riesigen Plakaten von Harry Potter Teil 7. Yeeeah! Wir haben uns so gefreut und direkt Karten für die Abendvorstellung gekauft. Nach dem echt guten Film sind wir dann noch auf die Plaza gegangen und haben ein bisschen einer Band zugehört, die schöne Musik gespielt hat. Im völlig überfüllten Nachtbus sind wir dann glücklich beim Fahrer vorne auf der Treppe sitzend irgendwann wieder heimgefahren. So ein schöner Abend!

Der letzte Punkt in meinem Blog für heute ist der Ausflug nach Chimpay, den wir mit ein paar der älteren Jungs aus dem Barrio angetreten haben. Die Jungs sind zwischen 12 und 18 Jahre alt und der Großteil geht nicht mehr zur Schule und hat wenn überhaupt gerade so die Primarschule abgeschlossen (also die 7.Klasse). Es ging darum, zu überlegen, wieso es soweit kommen konnte und was man in der Zukunft besser machen möchte, was sie für Wünsche und Träume haben und was sie sich fürs kommende Jahr vornehmen. Es war echt ein schöner Tag und die Jungs haben viel  nachgedacht, geredet und darüber reflektiert, dass sie alle ein besseres Leben als ihre Eltern haben möchten, dass der Weg dahin aber auch Schule mit einschließt und Drogen, Diebstahl und Gewalt nicht mit dabei sein sollten. Nach der Arbeitseinheit gab es ein leckeres Mittagessen und es wurde gebadet und gechillt. Im großen und ganzen ein echt gelungener Ausflug!

So das wars fürs heute von mir, ich wünsche euch einen schönen Advent und nicht zu viel Schnee! Eure Claudiaaa


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Gebrannte Mandeln ham wa leider nisch…

Wie wärs mit 100 Gramm Läusen?

Ich hoffe ihr hattet alle ganz viel Spaß auf dem Hochheimer Markt, aber als mir zu Ohren gekommen ist, dass das Riesenrad jetzt mittendrin steht und überhaupt alles komisch ist, ließ mich das ja schon ein bisschendaran zweifeln. Mann mann mann da ist man einmal weg und dann sowas.
Hier in Villa Regina macht das Leben und die Arbeit immer mehr Spaß, auch wenn es super anstrengend ist. Meine Kinder morgens sind sooo süß, und ich vergesse auch einfach immer meine Kamera mitzunehmen um diese süßen Fratzen zu fotografieren und euch ganz neidisch zu machen, haha. Erinnert mich mal daran! Neulich war ich mit Yeferson (zwei) und Claudio(dreieinhalb) beim Arzt weil sie beide Fieber hatten, und da Claudio außergewöhnlicherweise dunkelblonde Haare hat dachten alle, die beiden wären meine Söhne! Ich habe die Leute daraufhin schnell aufgeklärt was ich mache und dass die beiden halt leider im Heim wohnen. Ich glaube allerdings auch, dass ich die beiden am Ende meines Freiwilligendienstes am liebsten in meinen Rucksack packen würde und mitnehmen mag. Sowie ziemlich viele andere Kinder hier. Die Tatsache, dass ich wirklich nur ein Jahr hier bin und sie nach dem Jahr nicht in ihrer Entwicklung begleiten kann wird mir jeden Tag immer klarer, zumal die Zeit einfach so rast. Bald sind es drei Monate die ich hier bin, und der Alltag ist mehr oder weniger eingetroffen, es ist allerdings ein guter, anstrengender aber erfüllender Alltag (: Hin und wieder wird aber auch der Alltag unterbrochen, zum Beispiel durch – tatatata – Läuse! Die hier übrigens mutiert zu sein scheinen weil sie Flügel haben und springen können und ganz eklig sind. Da man durch meine langen Zottelhaare nicht mehr durchgekommen ist mit dem Läusekamm, hab ich mir auch kurzerhand die Haare einfach abgeschnitten. Nicht erschrecken Leute, ich hab keine Glatze. Schulterlang, praktisch und eigentlich ganz okay sieht es jetzt aus, wobei ich mich schon darauf freue wenn ich endlich wieder lange Haare habe. Aber für hier ist es einfach am Praktischsten, da ich die Haare eh nie auf habe, da ich ja nicht noch mal Läuse haben will. Zeit für Frisuren und so einen Schnickschnack bleibt mir hier also leider nicht, es gibt ja auch wichtigeres. Wenn ich da zum Beispiel mit dem fünfjährigen Dante beim Arzt sitze, weil er am Wochenende zu seiner Mutter durfte und er mal wieder krank ist, weil er nämlich immer krank ist wenn er daheim war. Weil die Hütte wo er wohnt total dreckig ist und überall Katzen sind und dann treff ich da beim Arzt eine Frau, die Dante erkannt hat weil sie seine Nachbarin ist und die mir erzählt, dass die Mutter ihn immer mit einem Stock schlägt. Hallo? Da schäme ich mich ja fast für meine Problemchen die ich hier ab und zu habe.

So das wars jetzt fürs erste von mir, eine kleine kurze Nachricht vom anderen Ende der Welt. (:
Ich hoffe euch geht’s gut, hab gehört der deutsche Winter soll dieses Jahr sau hart werden. Packt euch warm ein!
Hier wird es langsam immer wärmer, der Sommer steht vor der Tür und ich bin mal gespannt, wie ich Weihnachten bei 40 Grad verbringen werde.
Bis zum nächsten Mal! Eure Claudia
PS Es waren übrigens nicht ganze 100 Gramm Läuse. Vielleicht so 20(Stück, nicht Gramm!!!), dazu noch ein Haufen Nissen. Hab sie ziemlich früh erkannt, yes!


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Pimp my Guitar oder: der dritte Monat läuft!

Ja, ich lebe noch, auch wenn ich mir ein bisschen wie ein Zombie vorkomme, naja ein menschlicher Zombie mit Gefühlen und so, der einfach nur dauerhaft unter Schlafmangel leidet. Ich bin den ganzen Tag auf Achse, falle abends müde aber glücklich ins Bett. (:
Wo fang ich denn an zu erzählen! Wir haben schon Ende Oktober und ich weiß gar nicht, wieso die Zeit hier eigentlich so verdammt schnell umgeht. Es kommt mir vor, als wäre ich schon Ewigkeiten hier, und gleichzeitig sind es erst 2 Monate, und gleichzeitig sind diese 2 Monate auch schon so dermaßen schnell vergangen, das ist gruselig! In den Tagen, die ich in Bahia Blanca beim Arzt verbringen musste, habe ich mein Zuhause hier in Villa Regina, die Arbeit, die Leute und am allermeisten meine Kinder so sehr vermisst. Mir ist klar geworden, wie sehr sie mir schon alle ans Herz gewachsen sind und wie schwer es wird, Abschied zu nehmen nach dem Jahr, nach Deutschland zurückzukehren und nicht zu wissen, was aus ihnen wird, wie sie sich entwickeln. Aber jetzt möchte ich eigentlich noch lange nicht daran denken, schließlich sind 2 Monate von 12 ja noch relativ gesehen ziemlich wenig! Umso mehr freue ich mich, dass ich noch 10 ganze Monate hier verbringen darf.
So jetzt erstmal kurz zu meinem Knie: Es muss nicht operiert werden, der Meniskus ist nicht „kaputt“, wie die Argentinier zu sagen pflegen. Ja, das Wort gibt es hier wirklich! Irgendwann nächste Woche fange ich hoffentlich mit Krankengymnastik an, es tut nämlich manchmal immer noch weh und mit dem anderen Bein welches Nagel und Schrauben fasst, fühle ich mich natürlich besonders mobil. Egal, zum Fahrradfahren und gehen reicht es, für Extremsportarten hätte ich hier ja sowieso keine Zeit.
Letzte Woche war die Erstkommunion von neun Mädels aus dem Heim, es war natürlich alles schön kitschig geschmückt, sogar die Pappbecher waren dezent in weiß und senfgelb gehalten, die Farben des Abends, in denen ebenfalls die Riesentorte dekoriert war. Senfgelbe Torte, und genauso hat sie auch geschmeckt, aber hey – es war eine sehr schöne Feier, die Mädels und wir haben so richtig sc hön zu Cumbia und Raeggaeton abgedanct. Bei der Messe durftenFrieda und ich im Chor der Heimmädels mitsingen und da Salesianeranwärter Mulet, der den Chor leitet, es ja so wundervoll findet wie wir singen, sind wir jetzt fester Bestandteil des Chores und dürfen immer irgendwelche Extra-Parts singen. Ach ja, gestern also Samstagabend haben wir Kartoffelsuppe und Bauernfrühstück für die Padres gekocht und sind danach spontan noch mit in die Messe gekommen, weil Mulet da Gitarre spielen sollte und er sich so gewünscht hat, dass wir doch mitkommen weil wir doch so schön singen, haha. Alles klar, wir also mitgekommen und man hat uns unser eigenes Mikrofon aufgebaut neben zwei älteren Damen die immer in der Messe singen. Äh, okay. Als wäre das dann nicht schon genug, kannten wir die Hälfte der Lieder noch nicht mal und auf einmal, kurz bevor die Messe anfangen sollte, war Mulet weg. „Wo ist der denn jetzt bitte?“ haben wir die Frauen gefragt? „Mulet? Der muss jetz spontan die Messe machen, der andere Padre kommt irgendwie doch nicht…“ Mulet, der noch gar kein Pfarrer ist, also total aufgeregt hier so die Messe gemacht und sich die Predigt aus den Fingern gesogen, und wir standen da ohne Gitarre und durften laut ins Mikro reinsingen. Halleluja! Danach gabs erstmal die schön vorbereitete deutsche Kartoffelsuppe und die Bauernpfanne. Und Bier. Das hatten wir uns aber auch reichlich verdient!!

Damit wir nicht noch mal ohne Gitarre singen müssen, und wir uns spätestens wenn Mulet im Februar nach Buenos Aires geht um Theologie zu studieren, selbst mit der Gitarre begleiten können, bringt Mulet uns seit neustem Gitarre bei. In meiner wenig bemessenen Freizeit übe ich also fleißig die hier üblichen Lieder ersteinmal zu singen und ich kann auch schon eins auf Gitarre spielen. Im Mädchenheim standen zwei kaputte Gitarren ohne Seiten und jeweils mit kaputtem Clavijero (ich weiß nicht wie das auf deutsch heißt, auf jeden Fall waren diese Dinger ab an denen man drehen muss um die Gitarre zu stimmen) und getreu dem Motto ‘selbst ist die Frau’ haben wir uns passende neue Clavijeros gekauft und die alten mal eben abgeschraubt und neue drangeschraubt. Und Friedas Gitarre hatte einen ganz furchtbaren dunkelbraunen Plastikkopf, und was kann man dagegen tun, dass die Gitarre nicht mehr so hässlich ist? Richtig, man sprayt sie lila an! Mit Kreppband und Zeitungen bewaffnet haben wir uns also auf den Balkon des Gemeindehauses begeben und so richtig gangstermäßig ein bisschen rumgesprayt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Ich werd noch zum Profi-Sprayer, ich sags euch.
Meine eigene Gitarre wollte ich leider nicht ansprayen, da sie so schön komplett aus Holz ist. Außerdem befinden sich drei Hello Kitty Glitzersticker auf meiner Gitarre, sie ist somit schon schön gepimpt. Danke, Vorbesitzerin meiner Gitarre! Du hast echt Geschmack.

So, hier habt ihr noch ein paar Bilderchen, ich muss jetzt nämlich wieder weg, Wäsche waschen. Das ist ja immer ziemlich anstrengend das Wäsche waschen hier. Hoffentlich finde ich ansonsten wieder öfter Zeit, mich hier zu melden!

da sind wir hochgeklettert mit den kindern vom sauce.

So, ciao ihr lieben und strahlend sonnige Grüße vom anderen Ende der Welt sende ich euch!

Eure Claudia, die hofft dass es euch gut geht und die an euch denkt.


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