Reaktionen

Knappe acht Monate gegen die Wand laufen hinterlässt schwere physische Verletzungen, und auf der metaphorischen Ebene zumindest eine ganze Menge Frust.
Mit Ausreden nach dem Motto “Das ist eben Indien” wurde man zunächst abgespeist, und hat sich selbst genau mit diesem Gedanken im Hinterkopf über so manche Durststrecke gebracht.
Letztes Wochenende war der Punkt erreicht, an dem es hieß, genug ist genug.

Es mag vielleicht manchen wie ein gezielter Tritt auf die Füße vorgekommen sein, meinen letzten, in Zorn und Verzweiflung geschriebenen Blogeintrag,  zu lesen.
Aber es ist ja auch nicht so, als wären Barbaras und meine Berichte hier aus Vijayawada bis letzten Samstag immer nur positiv gewesen, wenn schon nicht die Blogeinträge, dann haben Zwischenberichte und auch unsere Rückmeldungen  auf dem Zwischenseminar auf die Zustände hier hingewiesen.

So gründete meine Frage nach salesianischem Qualitätsmanagement letztlich auf meiner Erwartung, dass dort, wo Salesianer arbeiten, es auch eine Art interne Evaluation und Kontrolle dieser Arbeit gibt. Und mein Bild von der Arbeit eines Salesianer Fathers in einem Hilfsprojekt ist eben immer noch hauptsächlich von der deutschen Vorbereitung geprägt, und wird grade von den vier hoffnungslos überarbeiteten Fathers hier vor Ort desillusioniert.

Gut zu wissen ist, dass unser Wunsch nach Verbesserungen zum Wohl der Kinder, wenn schon nicht in Indien selber, dann wenigstens von den Salesianern anderswo auf der Welt ernst genommen wird. So haben wir schon von unserer Organisation in Bonn innerhalb von wenigen Tagen viel Feedback auf den Artikel erhalten.

Klar sollte auf jeden Fall sein, dass es nie darum ging, die Salesianer Don Boscos als solche zu verurteilen, sondern dass es der letzte Schritt von vielen war, sich nun per Blog an die Öffentlichkeit zu wenden.

Die Reaktionen, die wir bisher erhalten haben, lassen uns zumindest für die letzten Monate, die von diesem Jahr hier noch übrig sind, wieder sehr vorsichtig Zuversicht schöpfen.
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3 Antworten auf Reaktionen

  1. Anton Heller sagt:

    Junge, Junge, das sind ja Zustände. Da kann man euch auch nicht wirklich was raten, wenn man das nicht selbst momentan erlebt und so viel Arbeit reingesteckt hat. Die Repressalien gegen Barbara sind das Letzte, da steckt eine Ausnutzermentalität seitens der Fathers dahinter und auch eine Müdigkeit, die Situation zu verbessern. Lasst euch nicht kleinkriegen oder verheizen, versucht weiter zu ändern, was geht und die Grenzen zu überschreiten, die bei diesen Leuten anscheinend bestehen. Stark was ihr bis jetzt erreicht habt.
    Also weiter so,
    FdH
    Anton

  2. Muller Jean Paul sagt:

    Lieber Konrad, deine Hinweise auf die zum Teil wirklich schwierigen und nicht zu akzeptierenden Erziehungsmethoden haben mich sehr betroffen gemacht. Ich komme gerade aus Indien und habe in dieser Woche dort vor allem Projekte in Guwahati, Shillong und Silchar besucht. Uberall habe ich von deinem Bericht gesprochen und unsere Leute (Salesianer, Lehrer/innen, Ausbilder/innen, usw…) daran erinnert, dass wir Qualitaetskriterien haben, welche den Umgang mit Jugendlichen regeln. Auch wurden 2004 klare Anweisungen erlassen um Missbrauch und Missachtung von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen. Der Generalobere, aber auch andere leitenden Salesianer haben diese Richtlinien im Jahre 2010 erneut ergaenzt und in Form eines offiziellen Protokolls (somit also bindend) an alle Provinzen weitergegeben. Im Jahr 2011 fand eine Versammlung aller leitenden Personen auf regionaler Ebene in Asien statt, wo wiederum das Thema behandelt wurde und die Erstellung eines Kriterienkataloges eingefordert wurde. Die Provinziale von Indien udn Sri Lanka haben diesen Auftrag an das nationale Zentrum \Youth at risk\ (YAR) in Dehli delegiert und gestern abend habe ich dort nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist und wie es denn sein kann, dass Du und wohl auch andere Beobachter immer noch solch untragbaren Zustaende erleben. Heute findet ein laengst geplantes letztes Treffen der Verantwortlichen statt, welche der Delegiertenkonferenz von YAR auf nationaler Ebene im Juni eine unterschriftsreife Erklaerung vorbereiten, welche den geforderten Kriterienkatalog enthaelt. Leider konnte ich daran nicht teilnehmen, da ich heute morgen um 8:50 in Dehli abfliegen musste. Ich habe zudem in Silchar zwei Dinge erlebt die mich nachdenklich udn auch hoffnungsvoll stimmen: zum einen ist dort im Don-Bosco-Zentrum in jeder Schulklasse eine Videokamera installiert, deren Aufnahmen gespeichert werden. Jederzeit kann der Schulleiter in alle 36 Klassenraeume hineinschauen. Dies, so sagte man mir, als Praevention zum Kindesschutz, aber auch als Motivation um die Lehrer/innen zum Umdenken zu bringen. Wahrend ich das Projekt besuchte fand eine Lehrerschulung statt, geleitet von Fr. Johny, einem unserer Paedagogikprofessoren asu ING. Mir kam der Gedanke, diesen Mann zu euch in das Projekt zu senden um die Salesianer udn Mitarbeiter vor Ort zu schulen und fuer ihre Aufgaben zu qualifizieren. Mir ist bewusst, dass die Situationen, die du beschrieben hast, auf keinen Fall das Praedikat \salesianisch\ fuehren duerfen. Ich bin froh, dass du und auch Barbara die Anwaltschaft fuer die Kinder angenommen habt udn jetzt hoffe ich, dass Bewegung in eure Provinz udn euer Projekt kommt, denn die Verantwortlichen vor Ort haben jetzt zwei Optionen: entweder sie veraendern und verbessern die Betreuung der Kinder oder aber das Projekt wird ohne sie weitergefuehrt.
    Wenn jetzt im Juni die Kriterien von YAR in Kraft gesetzt werden, hoffe ich, dass sie auch schnell bei euch im Projekt bindend werden. Doch bis dahin werden wir hier nicht warten, sodnern die bereits eingeleiteten Schritte weiter verfolgen. Dir und Barbara alles Gute udn Vielen Dank! Jean Paul Muller sdb

  3. Susanne Pohlmann sagt:

    Zu Barbaras Text hab ich schon ein wenig gesagt, mir fällt grad noch ein, dass ich -wann immer mich es treibt, Kritik lautstark zu üben- Gegenwind bekomme gerade von denjenigen, die vorher vorgaben, auf meiner Seite zu stehen. Ausserdem wird so schnell
    beschränkend darauf reagiert, nach dem Motto: Denken dürfen darf man ja, aber sagen dürfen darf man nicht.
    Deshalb gefällt mir das, wenn ihr eure differenzierten Ansichten kundtut. Es braucht viel mehr davon, von denen, die sich eben die Mühe machen….
    Hab euch lieb, beide, Mama

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