Am 31. Oktober 2010 machen sich um 5 Uhr morgens 65 Jungs, 2 Mitarbeiter und 2 Bleichgesichter auf, um die Metropole Mumbai zu verlassen, dem Platz des Geschehens für 10 Tage den Rücken zu kehren. Sechs Stunden in einem Bimmelzug Richtung Gujarat, gen Norden. Sechs Stunden- eine Kurzstrecke in Indien, quasi einmal die Strecke Hamburg-München. Anstatt, wie in Deutschland ersteinmal rumzujammern, wird viel Blödsinn gemacht, gegessen, getrunken, gelacht. Schwups diwupps, sechs Stunden sind um.
Angekommen im Don Bosco Haus in Barroda werden wir erst einmal herzlich empfangen. Die Jungs dort sind ebenfalls wahnsinnig freundlich, man versteht sich auf Anhieb. Innerhalb von ein bis zwei Stunden sieht man sich dann aber auch mit 80 neuen Namen konfrontiert- zwecklos da überhaupt mit dem Gedächniseinschalten anzufangen. Abends wir noch zusammen Dr. Dolittle in Hindi geschaut, wir verstehen nicht alles, aber witzig ist es trotzdem
.
Am nächsten Tag besuchen wir morgens die Schwestern vom Orden Mother Theresa, die uns dann anschließend durch ihre Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung führen. Unsere Shelter Boys und wir werden still, sind ergriffen von all den jungen und alten Menschen, die in dutzenden Betten aneinander gereiht liegen. Man merkt, hier fehlt viel Geld, vermutlich weil das Thema noch immer ein großes Tabu ist. Als eine Schwester uns freundlich begrüßt, eine Vase mit frischen Blumen auf den Tisch stellt und einen jungen Mann in seinem Bett mit einem strahlenden Lächeln hochhilft, bin ich auf das Tiefste beeindruckt. Beeindruckt von all der Liebe mit der sich Menschen wie diese Schwestern um ihre Mitmenschen kümmern. Wir gehen durch die vielen Räume, die Frauen und Männer lächeln uns oft zu, ein Jugendlicher kommt und nimmt einen unserer Jungen an die Hand.
Im Nebengebäude befindet sich noch eine kleinere Einrichtung für Waisenkinder, der wir auch noch einen kurzen Besuch abstatten. Die Kinder sind unglaublich süß, ein kleines Mädchen, ca. 6 Jahre alt, singt uns ein Lied auf Gujarati vor, ein paar andere kleine Jungs und Mädels steigen mit ein. Wir spenden tosenden Applaus und verabschieden uns herzlich. Nachdenklich steigen wir alle in den Truck ein, sogar die Kleinsten sind für eine Weile weniger aufgedreht.
Nach dem wir am Nachmittag noch eine Käsefabrik im Ort besichtigt haben, geht es dann mit einem Kleinbus und

Don Bosco Narukot. Irgendwo im Nirgendwo.
einem Truck mit Ladefläche ab nach Narukot, eine Don Bosco Schule mitten im Dschungel. Um die Fahrt ein wenig spannender zu gestalten wird gejubelt, gepfiffen, gegrölt und geklatscht. Fragende Blicke von Passanten, welche Trottel da denn so einen Radau machen, bleiben aus, da wir mit lauten `Bosco, Bosco, Bosco – Don Bosco` Rufen überall unsere Visitenkarte hinterlassen. Als wir in eine der wenigen Polizeikontrollen kommen, graut es uns schon, da einige der Jungs indientypisch auf dem Dach sitzen. Da der Polizist wohl gute Laune hat, geht es sogar ohne Bestechungsgeld weiter
. Raus aus der Stadt, zwei Stunden eine Straße entlang, an der jede halbe Stunde mal 3 Häuser stehen. Die Straße ist einigermaßen befahrbar, was hier definitiv nicht selbstverständlich ist.
Das Don Bosco Haus Narukot beheimatet eine Bording School, d.h. die Jungs kommen aus den umliegen Dörfern und wohnen dann, ausser in den Ferien, auch in der Schule, sowie eine Technichal School für die Älteren mit allem Drum und Dran. Auf dem riesigen Gelände sind ausserdem noch zwei Fussballplätze, eine kleine Farm und viele Felder, auf denen Chillis, Obst und Gemüse, Cotton,etc., angebaut werden. Was aber am meisten auffällt, als wir unseren Truck abladen, ist die Stille und die herrlich-frische Luft. Unvorstellbar für Alle, die den Lärm und den Smog Mumbais gewöhnt sind!
Die Tage setzen sich aus Hockey- und Fussballcoaching morgens und nachmittags, sowie kleinen Seminaren für die Größeren und witzigen Spielen für die Kleineren zusammen. Während Gayatree und Datta mit den Big Boys über verschiedene Themen wie Selbstbewusstsein, Lebensplanung, etc. reden, spielt Jonas mit den kleineren Shelter Boys verschiedene Spiele und unterrichtet ein wenig Englisch, während ich mit den sog. New Boys, d.h. mit den Jungs die noch nicht lange im Shelter und gerade erst von der Straße weg sind, verschiedene Spiele und Aktivitäten veranstalte.
Relativ schnell wird mir dann noch einmal der Unterschied zwischen den New Boys und den Jungs, die schon länger nicht mehr auf der Straße leben deutlich. Disziplin ist noch ein Fremdwort, die Kids sind schwerer zu motivieren und kaum in der Lage neue Spiele, die nicht extrem einfach sind, zu verstehen und zu spielen. Dazu kommen noch kleine Verständigungsschwierigkeiten, da die meisten New Boys sehr wenig Englisch sprechen. Nachdem sich nach der ersten Spieleeinheit Frustration bei mir eingeschlichen hat, klappt es doch von Tag zu Tag besser.
Ich habe gelernt, dass nicht die Kinder der Grund sind, warum und wann ein Spiel nicht klappt, sondern dass es extrem darauf ankommt mich richtig auf die Zielgruppe einzustellen, d.h. die Jungs in ihrer jeweiligen Situation zu verstehen und ihre Verhaltensweisen nachvollziehen zu können. Ist es erst einmal soweit, klappt der Rest meist ganz von allein und die Frustration verschwindet auch genauso schnell wieder, wie sie gekommen ist.
Weiterhin steht ab jetzt meditieren auf dem Tagesplan um die innere Wut, die einige Jungs immer mit sich herumtragen, loszuwerden und das persönliche Gleichgewicht zu stärken. Obwohl Meditation in Deutschland ja als Hippiesport belächelt wird, kann ich wirklich nur positives darüber berichten. Die verschiedenen Meditationsweisen lassen das ganze Drumherum und alle Gedanken für eine Weile vergessen. Ob das wirklich die Ausgeglichenheit fördert, mag jeder für sich selbst beantworten.
In Narukot gibt es aber immerhin Strom, wenn er nicht gerade ausfällt, und fließend Wasser. Wenn man allerdings morgens um sechs die Dusche aufsucht, den Hahn aufdreht und das eiskalte Wasser auf sich rieseln lässt- dann ist die Schläfrigkeit auf einmal vergessen. (In Mumbai ist unsere Dusche auch kalt, aber zwischen kalt und ar***kalt ist noch ein gewaltiger Unterschied
)
Eines Abends sitzen wir dann in einer herrlichen Runde, die Jungs schlafen endlich und wir Mitarbeiter haben uns eine kleine, gemütliche Auszeit mit Tee und Chips verdient. Als wir Witze über dies und das machen, fällt uns etwas auf. Zwei Hindus, zwei Christen, eine Buddhistin, ein Moslem- alle sitzen wir ganz selbstverständlich in einer Runde und verstehen uns super. Dass es in unserer Welt immer noch so viele Verblendete gibt, die aus religiöser Überzeugung hetzen, töten und lauter Dummes Zeug erzählen kommt uns irgendwie ziemlich irreal dämlich vor.
Die 10 Tage im Dschungel vergehen wie im Flug, nachdem wir noch einen Berg hochgeklettert sind, allerhand Blödsinn mit den Jungs veranstaltet und Diwali, das Fest der vielen Lichter, mit eigens mitgebrachten Feuerwerkskörpern gefeiert haben. Auf dem Rückweg nach Mumbai machen wir noch Rast in zwei anderen Don Bosco Häusern und gehen in einem Fluss schwimmen.
Zusammenfassend kann ich über diesen Urlaub mit den Jungs sagen, dass es wahnsinnig viel Spaß gemacht hat und wir alle zusammen eine wunderschöne Zeit verbracht haben. Das Reisen an sich, das Leben im Dschungel und das Entdecken einer anderen Seite dieses wunderschönen Indiens ist wahnsinnig aufregend und lohnenswert. Ich bin wahnsinnig dankbar so Vieles erleben zu dürfen.
Zack- ohne Umleitung geht es direkt schon weiter mit meinen Erinnerungen an den Childrensday am 15. November 2010.
Um es kurz und knapp zu sagen: Es war spektakulär, bezaubert, einzigartig, gigantisch.
2000 Kinder, so wird geschätzt, finden an diesem Tag den Weg zu Don Bosco um mit uns gemeinsam den Childrensday in Indien zu feiern. Unter den Kindern sind sowohl Straßenkinder als auch Kinder von den vielen Don Bosco Schulen in Mumbai.
Um all die kleinen und großen Kids bei Laune zu halten bietet der Tag ein umfangreiches Programm. Es sind dutzende Stände aufgebaut und es gibt viel zu sehen. Neben vielen Infoständen von NGO’s
(Nichtregierungsorganisationen), einem Ärzteteam, einem bunten Bühnenprogramm mit Zauberer und einer Rede des indischen Cricket Nationalteam Trainers, gibt es viele verschiedene Aktionen. Dazu zählen ein Malwettbewerb mit coolen Preisen, ein Tanzkontest und verschiedene Spiele.
Ein paar Shelterboys, Jonas und ich sind fuer den Gesichtmalerei-stand eingeteilt und pinseln was das Zeug hält. Da ich ja bekanntermaßen der weltschlechteste Maler bin, sieht das alles gar nicht so doll aus- aber das ist schließlich Kunst. Es macht trotzdem einen Heidenspaß, die Kinder freuen sich riesig, auch wenn sie manchmal fast den Stand umreißen um von einem weißen Pseude-Maler das Gesicht vollgeschmiert zu kriegen. Entgegen kommt uns natürlich, dass es tierisch heiß ist und die Farbe so schnell weggeschwitzt wird, dass verlässliche Aussagen über die Qualität der Malerei im Gesicht nicht zustande kommen
.

"2000 mal Reis, Dal, Gemüse und Brot. Zum Hieressen bitte"
Die Stimmung ist sehr gut, es wird viel gelacht, unglaublich viel getanzt und gesungen. Innerhalb von ein paar Stunden fragen mich ca. 500 Kinder nach meinem Namen und wollen ein Foto mit mir machen. In so viele lächelnde Gesichter an einem Tag zu blicken, so etwas habe ich noch nie erlebt!
Morgens, mittags und abends heisst es dann je einmal: Essenzeit! Was sich einfach anhört, ist ein riesen Akt und ein unvergessliches Erlebnis. Hut ab vor unseren Mitarbeitern, die es tatsächlich schaffen 2000 Kinder, die hungrig und ungeduldig sind, in endlos-langen Reihen hinzusetzen, einem jeden Kind einen Pappteller in die Hand zu drücken und dann zu organisieren, dass Reis, Brot, Dal und Gemüse ein jedes Kind in kurzer Zeit erreichen. Die Kochtöpfe, die mal gut und gerne doppelt so groß wie Maurerkübel sind, zeugen von dem was hier heute passiert!
Zusammen mit dutzenden anderen Freiwilligen, die sich für diesen Tag gemeldet haben, rennen wir mit Eimern voller Essen umher und teilen Kelle um Kelle an alle Kinder aus, die jeden Tag für ihre Mahlzeit betteln, sich prostituieren, stehlen oder sonst irgendwie Geld zusammenkratzen müssen. Motiviert von unzähligen lächelnden Gesichtern schaffen wir es auch relativ hurtig, jedes Kind mit Speis und Trank zu versorgen. Allein dieses Essenszenario ist schon das Erlebnis schlecht hin!
Um 8 Uhr abends ist Ende im Gelände, Schicht im Schacht. Der Childrensday ist nun offiziell zu Ende. Hunderte Hände berühren die meinigen zum Abschied und die meisten Kinder machen sich mit einem Lächeln langsam aber sicher von dannen. Als hätte der Himmel den Schlussakkord vernommen, öffnet er seine Schleusen und fängt an zu Weinen. Direkt nach der Schlussansage und dem letzten Tanz auf der Bühne, mit der das Programm geschlossen wird, reißt eine Sturmböe das riesige Childrensday Banner herunter und es fängt an zu gießen. Nun haben es alle verstanden, dieser herrliche Tag ist nun vorbei.
Dieser Tag für die Kinder Indiens war ein großer Erfolg und ein wunderschönes Erlebnis für mich persönlich. Niemals zuvor habe ich so viele lächelnde, lachende Gesichter und so viele strahlenden Augen versammelt gesehen. Die Kinder Mumbais hatten sehr viel Spaß, haben sich amüsiert, getanzt, gegessen, getrunken und gelacht. Für einen Tag lang mussten sich die vielen Strassenkinder die gekommen sind um nichts Sorgen machen, konnte einfach nur wie alle anderen Kinder spielen, herumtollen, glücklich sein. Zusammen mit den Kindern die zur Schule gehen, wurde viel erlebt und den Spaß an der Freude gefeiert. Ein bezaubernd schöner Tag!
Schlagartiger Themenwechsel: Die Zeit rennt auf Weihnachten zu. Wir haben Adventszeit. Witzig und irreal zu gleich. Deutschland und Mumbai trennen momentan ca. 40 Grad Celsius, richtige Weihnachtsstimmung kommt nicht gerade auf
. Silvester werden wir mit den anderen Freiwilligen von Don Bosco Volunteers, die in Indien und Kambodscha ihr Unwesen treiben, in Goa am Strand verbringen. Jipphie! Da wir vom 2.1. bis zum 7.1. dort ein Zwischenseminar haben um unsere bisherige Zeit und alles Drumherum zu reflektieren, haben wir einfach mal ein paar Tage verlängert um das neue Jahr mit schön gebräunter Plauze willkommen zu heissen.
Da wir Weihnachten natürlich auch im Shelter mit den Jungs groß feiern werden und der Platz unter dem Tannenbaum, vermutlich eine Weihnachtspalme
, nicht leer bleiben soll, kriegt jeder von den Jungs ein paar kleine Geschenke. Neben Kleidung, Schulranzen, Ausstattung für die Schule, etc. werden natürlich auch Süßigkeiten, Früchte und andere Leckereien an jeden von den Boys verteilt.
Für all diese Geschenke wird eine Menge Geld benötigt, da ja nicht nur ein Kind, sondern alle glücklich gemacht werden sollen. Sponsoren für einige Geschenke sind schon gefunden, doch es fehlt noch an Vielem.
Also habe ich mich entschlossen, mich auch um einen Anteil zu kümmern und dafür die Spenden aufzutreiben. Es geht nicht um Luxusartikel oder irgendeinen Schnickschnack. Es geht darum, Geld für die Unterwäsche der Jungs zu sammeln. Unterwäsche ist für uns etwas Selbstverständliches, etwas Essenzielles.
Bitte unterstütze diese Kinder mit deiner Spende. Hilf dabei, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren. Hilf dabei ein wunderschönes Lächeln auf jedes Gesicht zu zaubern und Kinderherzen glücklich zu machen. Jeder von euch kann helfen, jeder Euro kommt an, jeder Euro hilft.
Bitte überweise deine Spende an folgendes Konto:
BLZ: 120 300 00
Kontonr: 1011232509
Kontoinhaber: Elias Grondmann
Ich garantiere, dass all das gespendete Geld auch bei den Jungs ankommt und kein Spendengeld verschwendet wird. Betraegt der gesammelte Betrag mehr als die erforderlichen 5040 Rs (ca 80 Euro), wird das Geld fuer andere noch ausstehende Weihnachtsgeschenke verwendet oder langfristig in Bildung der Jungen angelegt. Hier auf meinem Blog werde ich den gesammelten Spendenbetrag veröffentlichen und natürlich nach Weihnachten auch das ein oder andere Foto hochladen.
Eine fröhliche und wunderschöne Adventszeit wünscht euch allen
Euer Elias aus dem wundervollen Indien