Schon Juli???

Hallo ihr Lieben,

es hat sich mal wieder einiges verändert in Vijayawada.

Seit etwas über einem Monat sind wir nicht mehr “nur” 70 Jungs im Chiguru, sondern insgesamt ca 180 Kinder.

Im Juni wurde beschlossen, dass die beiden Bridgeschools, Mettu für Jungen und Sethu für Mädchen, die bisher in gemieteten Gebäuden untergebracht waren, auch ins Chiguru verlegt werden. Hierdurch werden viele Kosten eingespart.

Jetzt sind die fünf Cottages, von denen vorher vier mit Chiguru- und eines mit ROC-Jungs (Reorientation-Camp) belegt waren, völlig anders aufgeteilt. Die kleinen Jungen leben nun zu jeweils 30 mit einer Caremother in zwei Cottages, ein weiteres durch die Jungen der Bridgeschool belegt und eines für die ROC-Jungen. In deren ehemaligen Cottage, dass etwas abseits steht, sind nun 45 Mädchen untergebracht, bis das neue, nur für Mädchen geplante Gebäude fertig gebaut ist.

Mittlerweile sind die anfänglichen Schwierigkeiten fast überwunden und vier verschiedene Stundenpläne bzw.Feiezeitaktivitäten  koordiniert. Trotzdem ist das Konfliktpotential aber auch das Leben viel höher und aktiver.

Auch im bei den Chigurujungs selbst hat sich viel verändert, im Juni haben uns neun ehemalige Drittklässler verlassen, die jetzt auch eine Schule in der Stadt gehen. Dafür sind allerdings 17 neue Jungen gekommen, von denen viele noch sehr klein sind. Das hat dafür gesorgt, dass meine Kindergartengruppe fast komplett ausgewechselt und auf neun Jungen angewachsen ist. Das ist wieder sehr interessant, aber auch anstrengend, denn die neuen Jungs müssen die Regeln und Dinge wie z.B. Aufräumen auch erst mal lernen.

Ich sehe aber leider auch das Ende meiner Zeit hier in Indien immer näher rücken und gerate mit einigen Projekten, die ich mir noch vorgenommen habe fast in Zeitnot. So werde ich einen Teil der Spendengelder, die ich noch übrig habe, verwenden, um mit den Kindern Namensschilder für ihre Schrankfächer zu basteln. Ein anderer Teil fließt in dringendnotwendige “Müllerziehung”. So bauen wir endlich einmal feste Mülleimer fürs Gelände, die gibt es bisher nämlich einfach nicht.Außerdem möchte ich den Kindern beibringen, wie der Müll sortiert werden soll, denn an sich wird hier auch viel recyclet…. Wenn es nicht verbrannt wird. Diese Müllproblematik werde ich vermutlich nicht mehr gänzlich lösen können, aber vllt. noch ein paar Anstöße mit auf den Weg geben, die weiterverfolgt werden.

Nach einem kurzen Einblick, was grad so läuft und noch kommen wird verabschiede ich mich wieder zurück zur Arbeit.

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Summercamp

Hallo ihr Lieben,

jetzt ist es schon fast einen Monat her, dass ich meine Eltern und Schwester hier begrüßen durfte,ihnen das Projekt und ein bisschen von Indien zeigen konnte. Sie waren in den deutschen Osterferien für zwei Wochen hier, von denen wir sechs im Projekt und acht im Urlaub verbracht haben. An dieser Stelle möchte ich noch einmal Allen danken, die die Kleidung und Spielsachen gesponsert haben, die mir mitgebracht wurden.

Mittlerweile ist es schon Mai und der Sommer definitiv in Vijayawada angekommen, wir schwitzen bei Temperaturen zwischen 42° und (bisher) 48°C!

Die indischen Schulkinder haben den gesamten Monat Sommerferien, so auch meine Chigurujungs. Bis auf zehn sind sie alle für die Ferien nach Hause gefahren. Neben diesen zehn Jungen sind noch 14 Mädchen da, ebenfalls keine Möglichkeit haben, nach Hause zu fahren. Dazu kommen noch ein paar Jungen aus einem Hostel für Kinder mit Behinderungen und einige ältere Jungen. Insgesamt haben ich mit zwei anderen Volontären erst zwei Wochen reines Spaßprogramm für diese 45 Kinder organisiert und in den darauffolgenden zwei Wochen auch ein wenig Unterricht gemacht, damit sie das im Schuljahr gelernte nicht völlig vergessen.

Am Anfang war es gar nicht so einfach, all diese sehr unterschiedlichen Kinder, von wirklich kreuzbraven Mädchen bis hin zu den schlimmsten Chaoten unter einen Hut zu bringen und Spiele zu finden, die allen gefallen und die auch einfach genug in einer wilden Sprachmischung aus Englisch und Telugu erklärt werden können.

Weiterhin stand immer die Frage der Raumnutzung an, denn außer “meinen” Kindern waren auch noch 50 Zehntklässler und etwa 30 Collegemädchen  im Chiguru untergebracht, die auch Räume brauchten. Wer jetzt den Einwand hat, man könne doch wunderbar draußen spielen, es sei ja Sommer, dem sei gesagt, dass dies absolut nicht möglich ist. Es ist einfach zu heiß. Sogar die Kinder, die immer barfuß laufen und dementsprechende Hornhaut an den Füßen haben, können nur noch über den Asphalt rennen, weil die Hitze sonst die Füße verbrennt.Diesen Temperaturen angepasst ist aber auch der Studenplan, der angenehme zweieinhalb bis drei Stunden Mittagsschlaf beinhaltet, die auch die Kinder zu meiner Überraschung gern nutzen.

Unser Programm bestand also aus Gruppenspielen, Malen, Basteln und einem größeren Spiel jeden Freitag, zum Beispiel das bekannte Chaosspiel, die wir, sofern es möglich war, in unserer Veranstaltungshalle durchgeführt haben.

Für mich war es sehr interessant und schön, auch mal mit Mädchen zu arbeiten, denn dies ist ganz anders als mit Jungs. Sie sind zwar wesentlich ruhiger, aber nicht weniger anstrengend, denn die Mädchen brauchen und suchen noch mehr Liebe und Zuwendung.

Auch die fast völlig anderen Staffmember, mit denen wir zusammengearbeitet haben, waren zunächst eine Herausforderung, nachdem ich schon acht Monate mit den anderen zugearbeitet habe. Zum Beispiel ist momentan, anders als sonst, keine ausgebildete Krankenschwester bei uns, sodass ich mehrfach abends mit einem Kind auf dem Schoß auf dem Motorrad in den Sickroom im Hauptgebäude gefahren bin und gelernt habe, mit epileptischen Anfällen umzugehen.

In der nächsten Woche werden die Kinder aber alle wieder in ihre eigentlichen Projekte zurückgehen und auch unsere Caremothers wieder aus dem Urlaub wiederkommen. Ebenfalls im Juni kommt eine Gruppe österreichischer Architekturstudenten, die dem neuen Gebäude nebenan den letzten Schliff geben wollen, sodass ich bald “neue Nachbarn” habe.

So geht die Zeit unheimlich schnell vorbei und momentan ist der Gedanke, in noch nicht einmal mehr drei Monaten schon wieder nach Hause zu fahren eher unwirklich und schwer erträglich.

In Gedanken bin ich aber bei euch, besonders bei denen, die es momentan gesundheitlich oder aus anderen Gründen schwer haben, gebt die Hoffnung nicht auf!

Alles Liebe aus Indien…

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“Mach mal Aaaaa…”

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich bereits vor meiner Abfahrt Spenden gesammelt und auch bekommen habe, habe ich Ende des letzen Jahres ein größeres Projekt gestartet, dass letztens sein Ende gefunden hat. Ich bin mit den etwa 70 Jungs aus dem Chiguru zum Zahnarzt gegangen bzw. Check Uper ist zu uns gekommen.

eher gespannt als angespannt

Zunächst einmal wurden alle “durchgecheckt”, was für meine Gewohnheit

zwar relativ schnell ging, aber doch präzise war. Hierbei habe ich auch gelernt, dass ein Zahnarztstuhl nicht unbedingt notwendig ist. Dieser Check Up wurde bei uns im Projekt durchgeführt.

Danach bin ich etwa 3-4 mal wöchentlich am Nachmittag mit 8-10 Kindern in die Stadt gefahren, um die Behandlung in der Zahnarztpraxis durchführen zu lassen. Hiervon habe ich leider keine Bilder mehr, aber die Stimmung unter den Jungs war immer überraschend lustig… bis sie dann aufgerufen wurden, sich auf den komischen Stuhl zu setzen. Ich weiß nicht, wie viele verschwitzte Kinderhände ich gehalten habe. Bei den meisten Kindern wurden die Zähne professionel gereinigt, bei einige war es echt beeindrucken, was an Dreck runterging, Vielen mussten auch Zähne gezogen werden, dabei waren sogar zwei bleibende Zähne. Und es wurde jede Menge Löcher gebohrt und gefüllt.

Außerdem hat der Zahnanrzt für jedes Kind eine neue Zahnbürste samt Pasta und einen Putzplan sowie ein großes Plakat für jedes Cottage gesponsert. Der Renner war die Zahnpasta, denn normalerweise wird bei uns Zahnputzpulver benutzt, was letzendlich genauso funktioniert, aber halt nicht so toll ist.

Weiterhin habe ich mir in jedem Cottage mal die Zahnputzgewohnheiten angeschaut und versucht, ein bisschen zu erklären und ich hoffe, dass meine Arbeit hier ein paar Früchte trägt.

Auch weiterhin kann ich Spenden gut gebrauchen und werde über die nächsten Projekte, die ich starte natürlich berichten.

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5450 km mit dem Zug

Hallo ihr Lieben,5450 km

hier mal wieder ein Artikel der privaten Natur. Ich habe mich drei großartige Wochen lang auf die Entdeckung eines unbekannten Landes eingelassen – Indien.

Die Reise führte ini den Norden des Landes, in dem ich seit nunmehr einem halben Jahr heimisch bin, das aber, wie so oft, vieles Neue für mich bereit hielt.

An dieser Stelle geht ein besonders herzlicher Dank an alle meine Sponsoren, die mir mit kleinen und großen Finanzspritzen diese Reise ermöglicht haben.

Begonnen habe ich allein in Richtung Hyderabad. Diese 6 Millionen Einwohnerstadt liegt noch im gleichen Bundesstaat, Andhra Pradesh, in dem ich auch lebe. Hier habe ich am Flughafen Tobias abgeholt. Während der zwei Stunden, die ich dort am Morgen auf ihn gewartet habe, ist mir besonders ein wohl typisch indisches Bild hängen geblieben; die Großfamilie, die eines ihrer Schäfchen, meist junge Männer, abholt. Für diesen Anlass machen sichvor allem die Frauen und Mädchen jeden Alters schön, und so ist die sonst seher nüchterne Ankunftshalle gefüllt mit glitzernden Reflektionen von Sarees, dem Duft der Blüten im Haar und den noch etwas unrhythmischen Schritten junger Mädchen mit den ersten hohen Schuhen. Dazwischen fachsimpeln die männlichen Familienmitglieder vor dem Arrivalbildschirm, professionelle Hotelabholer halten ihre Namensschilder hoch und die Taxi- und Rikschafahrer warten schon auf frisch gelandete Kundschaft, dies, wir sind ja in Indien, natürlich lautstark.

Die Erkundung der Stadt selbst war etwas chaotisch, da im Nordindien-Reiseführer pber die südindische Stadt logischerweise wenig drinsteht, wie wir feststellen mussten. Zum Glück hatte ich vor der Reise einige “Insidertips” von unseren Caremothers bekommen.

Bei einem Ausflug in die “Ramoji Filmcity” wurde mir wieder bewusst gemacht, in was für einem freundlichen Land ich mich befinde. Diese Filmcity beheimatet neben einem Freizeitpark auch eines der größten Filmsets der Welt, in dem sämtliche Telugufilme gedreht werden. (Und das sind nicht wenige, die südindische Filmbranche kommt auf über 800! Filme im Jahr.) Der Eintritt zu diesem Park beträgt stolze 600 Rupee pro Person. Ich war an diesem Tag noch nicht beim Geldautomaten gewesen und hatte leider nur noch 800 Rupee bei mir. Nachdem meine Karte vom dortigen System nicht erkannt wurde, bin ich zurück zur Straße und einer Ansammlung von ca 5 Häusern und einem Geldautomaten gegangen, der leider nicht funktionierte…

Nun standen wir vor dem Problem, 40 km gefahren zu sein, um in diesem Park zu kommen und am schnöden Mammon zu scheitern. Diesem Problem erbarmte sich dann zu meiner unendlichen Überraschung einer der wohl wichtigeren Arbeiter in dem Park der zu mir sagte, er würde mir das Geld leihen, ich sollte beim Geldautomaten im Inneren dann Geld abheben und ihm beim Verlassen des Parks einfach wiedergeben. Dies hat er gemacht, ohne eine irgendwie geartete Absicherung zu verlangen. Nur zum Vergleich, 400 Rupee sind etwa 8 Euro und der Preis einer vermünftigen Jeans oder 300-350 Bananen, also viel Geld…

Weiter ging die Reise dann, mit einem Abstecher nach Vijayawada, um Tobias das Projekt zu zeigen, nach Kolkatta. Dort sind wir nachts angekommen, glücklicherweise hatte ich das Hotel schon vom Zug aus angerufen, sodass wir ein klares Ziel hatten. Trotzdem sind wir dann in den Händen eines etwas dubiosen “Taxizuhälters” gelandet, der genau wusste, dass er der deutlich Überlegene in der Situation war. Dank meiner Verhandlungskünste und der Tatsache, dass ich die skrupellosen Fahrer schon gewöhnt bin, sind wir dann doch zu einem halbwegs humanen Preis angekommen. Dies war eins von vielen Erlebnissen, bei denen ich wirklich froh war, Indien zumindest ein bisschen zu kennen.

Gelandet sind wir dann in einer von vielen Reiseführern empfohlenen Unterkunft, die so richtig typisch auf Rucksackreisende eingestellt war. Von der Atmosphäre und dem Zustand der Wände fühlte ich mich etwas an unsere alte Volunteersflat erinnert, aber mehr als Schlafen und Duschen muss man ja nicht dort.

Kolkatta selbst scheidet wohl die Geister noch mehr als es Indien selbst schon tut. Man muss es hassen oder lieben, etwas dazwischen geht nicht. Für mich gilt letzteres, denn in dieser Stadt die zwar ein unglaublicher 14 millionenköpfiger Moloch ist herrscht eine ganz besondere Stimmung und ein unglaublicher Charme. Dies klingt sehr positiv und so ist mir die Stadt auch begegnet, doch besonders hier bin ich wieder auf die unfassbaren Distanz ohne räumliche Nähe zwischen arm und reich gestoßen.

An dieser Stelle geht ein Dank an Willy, den Reiseführer abseits der Sightseeingpunkte. Er ist Voluntär in Howrah, einem der ärmsten Teile Kolkattas und wir haben uns im Januar auf dem Weg nach Goa kennengelernt und diesmal für einen Tag getroffen.

An diesem Tag haben wir  nicht nur das schillernste und teuerste Hotel Kolkattas besucht, sondern auch das Müllgebirge der Stadt, auf dem Menschen leben und arbeiten. Dieser Gegensatz war unvorstellbar und er ist unbeschreiblich, ich versuche es euch durch die Bilder zu zeigen, die ich gemacht habe. Obwohl ich schon viel Armuthier gesehen habe, hat mich dieser Anblick tief berührt.

Arbeiter auf dem MüllbergLuxus in Kolkatta

Doch auch die weniger tragischen Erlebnisse in Kolkatta werden lange bleiben. So haben wir eine Buchhandlung gefunden, die alte Bücher an- und verkauft, und das nicht nur auf Englisch, sondern in allen Sprachen. Hier tauschen viele Reisende ihre Lektüre aus und auch wir haben uns mit Neuer eingedeckt, auf deutsch…

Viel Zeit kann man im New Market verbringen, einer riesigen überdachten Ansammlung kleiner Lädchen, in denen es wirklich alles gibt, von Essen über Kleidung und Elektronik bis hin zu wirklich frischem Huhn und anderem Fleisch. Dieses Gewusel festzuhalten ist leider ein unmögliches Unterfangen. DaNew Market s etwas gedämpfte Licht, mit Staub durchsetzte Luft, voller Gerüche, die sich an jeder Ecke ändern, süß neben der Bäckerei und direkt danach erschlagend vom Geruch der Räucherstäbchen, die der nächste Ladenbesitzer am Morgen für das Gelingen seines Tagwerks abbrennt. Neben dem Rufen der Händler und den aufdringlichen Fragen der Schlepper, was “Madame” denn suchen, hört man bunt gemischte Musikproben aus dem CD- und Kassettenladen und Gesprächsfetzen in unterschiedlichen Sprachen. Optisch überfodert ist man ohnehin durch Schilder, Auslagen, Bilder und die Hektik um einen herum, bunt, grell und auffordernd. Alles in allem eine wunderbare Mischung, in die man eintaucht und so schnell nicht wieder verlassen will.

SleepertrainDoch die Reise ging weiter, im Zug, Sleeper Class, mit dem wir jedes Teilstück dieser Reise bestritten haben. Dort lässt es sich eigentlich sehr gemütlich fahren, auch wenn sich das geheime Zeichen, das ca. um 21.30 gegeben wird und auf das hin alle Reisenden die Betten runterklappen und sich schlafen leben uns nicht klar wurde. In dieser Nacht habe ich jedoch sehr unruhig geschlafen, da in jeder Station plötzlich schwer bewaffnete Soldaten durch den Zug liefen, immer in Gruppen zu 3-4 Leuten und weder leise noch besonders rücksichtsvoll. Warum..? wieder eine ungeklärte Frage mehr, wir sind unbehelligt geblieben und am nächsten morgen gut in Varanasi, einer der ältesten und heiligsten Stätten der Welt angekommen.

Hier sind wir gleich am Bahnhof von einem überraschen netten und fairen Autorikshafahrer aufgegabelt worden, der den Ruf seiner Kollegen deutlich gerettet hat. Allerdings war der Mann das Chaos in Person, so hat er die ersten 500 Meter im Stau schieben müssen, weil der erste Gang seiner Riksha nicht funktionierte… Er hat das aber ganz locker genommen und ist dann mit uns durch ein unglaubliches Gewirr kleinster Gässchen gerast, um uns genau vor dem Hotel zu entlassen, zu dem wir wollte, was seinerseits in einem solchen Gässchen lag.

Dieses Hotel, die “Old Yogi Lodge” kann man durchaus weiterempfehlen, es wird von einem sehr netten Besitzer geleitet und ist klein und familiär. Hier haben wir gelernt, wir klein die Welt wirklich ist, denn von den vielen Begegnungen mit anderen Reisenden war dies wohl die lustigste. Mit uns auf dem Dach saßen ein Peruaner und ein Bolivianer, mit denen wir uns auf deutsch unterhalten haben. In Indien…

Da wir in Varanasi waren, mussten wir, ganz klar, als erstes zur Mutter Ganga, dem heiligsten und gleichzeitig dreckigsten Fluss der Welt. Trotz meiner Enttäuschung, dass eben dieser Fluss aller Flüsse nur recht schmal ist und nur auf einer Seite belebt, war der erste Blick, der sich uns nach dem Fußweg durch die überfüllte Stadt eröffnet hat, beeindruckend. Das gesamte Ufer auf der Stadtseite des Flusses wird von Ghats gesäumt, Treppen unterschiedlicher Art, auf denen das pralle religiöse und leider auch touristische Leben herrscht. Hauptghat Varanasi

Hier beten Hindus am Wasser und bespritzen sich mit ein paar Tropfen davon. Andere baden, waschen ihre Wäsche oder opfern kleine, mit Blumen verzierte Schwimmkerzen. Auf den Treppen sitzen unter Schirmen aus Palmblättern und Stoff Sadhus, die man gegen Bezahlung konsultieren kann. Dazwischen laufen die unterschiedlichsten Menschen umher, Traveller in Treckingsandalen, Frauen in bunten Sarees, Brautpaare und Musikgruppen, die diese begleiten und leider auch unendlich viele Kinder, die betteln oder Kleinkram verkaufen wollen.

Mit einem dieser Kinder habe ich mich ein wenig unterhalten, ich weiß nicht, ob er mir die Wahrheit erzählt hat oder einfach irgendwas, was er jedem Touristen erzählt, der nachbohrt. Er hätte seine Mutter und eine Schwester zu versorgen, die etwas “mental”, also geistig behindert sei. Daher wäre nie Zeit gewesen, zur Schule zu gehen und auch kein Geld dafür. Es gäbe zwar eine einzige kostenfreie Schule in Varanasi, die allerdings zu weit weg sei, um dort hinzugehen. Daher verkauft er Tee an Touristen an den Ghats, von denen er auch sein überraschend gutes Englisch gelernt hat…

Ein weiteres Highlight fand sich auch in Varanasi, eines der kulinarischen Art. Ihr werdet lachen, aber ich habe mich noch nie so sehr über ein Graubrot mit Butter gefreut! Es gibt dort nämlich eine gute “German Bakery”, die tatsächlich auch Brot backen. Zusammen mit einem Glas Orangensaft war mein Tag gerettet.

Varanasi ist als Stadt selbst nicht besonders interessant, ihr Charme liegt bei den Ghats und Tempeln. Sonst gibt es viele Straßenkinder und auch in Restaurants arbeiten oft Kinder mit, die ziemlich offensichtlich noch nicht 14 Jahre alt sind, so wie sie das laut Gesetz sein müssten. Auch verkehrstechnisch liegt die Stadt nahe am Kollaps, streckenweise geht nichts mehr weiter, da die vielen engen Straßen nicht für den Verkehr des 21. Jahrhunderts ausgelegt sind.

Diesbezüglich deutlich weiter war unser nächstes Ziel, die Hauptstadt Delhi. Hier sieht man ganz besonders den Einfluss der ordentlich planenden Engländer und den Zwang, für die Commonwealth Games letztes Jahr einen guten Eindruck auf den Rest der Welt zu machen.

Von Delhi aus haben wir uns gleich am nächsten Tag mit einem Bus auf den Weg nach Agra gemacht, um das Touristenhighlight schlechthin, das Taj Mahal zu bewundern. Diese Busfahr war der Horror schlechthin, wir währen besser mit dem Zug gefahren, aber hinterher ist man immer schlauer. Wir wurden ganz hinten auf die Rückbank des Busses gesetzt, leider in die Ecke, in der das Polster etwas eingesunken war, sodass ich jedes Schlagloch und jeden Speedbraker direkt auf der Metalkante gespürt habe.

Nach der 6-stündigen Tortur hieß es dann Tickets kaufen und in die geschlechtergetrennten Schlangen zum Eintritt anstellen. Hierbei war die Frauenschlange nicht nur wesentlich kürzer, sie ging auch wesentlich schneller vorran, sodass ich schon eine Dreiviertelstunde vorher in den Genuss der wirklich so beeindruckenden wie kitschigen Symmetrie des Grabmals kam.Taj MahalLeider hatten wir nur sehr wenig Zeit, aber der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt.

Leider mussten wir danach auch wieder mit dem gleichen Bus zurückfahren und haben unterwegs noch an zwei oder drei für Hindus wohl sehr interessanten Stellen angehalten, während derer wir dann versucht haben, so fest einzuschlafen, dass das Gerüttel im Bus nicht mehr stört. Dieser Versuch hat nur leider den Busfahrer nicht beeindruck, sodass ich mehrfach aus dem Schlaf heraus mit dem Kopf gegen die Decke geknallt bin.

Letzendlich sind wir dann nachts müde, schmerzvoll aber glücklich in Delhi angekommen und erst mal ins Bett gefallen.

Am Tag danach haben wir noch eine Verabredung mit Joseph Sayer und zwei Kollegen zum Abendessen gehabt, vielen Dank für die Einladung, die interessanten Gespräche und die lieben Mitbringsel! Der Abend war sehr schön.

In Erinnerung wird mir auch die Abreise in Delhi bleiben, denn die Erkenntnis, morgens um 6.30h am falschen Bahnhof zu stehen und dann durch den morgendlichen Verkehr einer 14 Millionenstadt noch 25 Minuten bis zum anderen Bahnhof zu haben, ist nervenzehrend. Es hat dann aber doch alles geklappt und wir haben beruhigt 26 Stunden im Zug verbracht, bis wir wieder in Hyderabad angekommen sind. Dort wurden noch einige wichtige Einkäufe, etwa Chillypulver gemacht, bevor wir uns am nächsten Morgen am Flughafen verabschiedet haben, Tobias in Richtung Frankfurt und ich zurück nach Hause nach Vijayawada, wo ich auch von Kindern, Staffs und anderen Volos wieder lieb begrüßt worden bin.

Die Reise war eine unglaublich spannende Erfahrung, an die ich mich lange erinnern werde, obwohl und weil sie so ganz anders war, als der Alltag, den ich hier erlebe.

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Es ist vieles passiert

Hallo ihr Lieben,

nach langer langer Zeit und einer Überfülle an Erlebnissen melde ich mich mal wieder bei euch, um die vielen neugierigen und interessierten Nachfragen zu stillen.

Ich versuche, die Ereignisse chronologisch zu erzählen.

Schlimme Ereignisse

Warum ich nach dem Childrens Day erst einmal nichts mehr geschrieben habe, lag an einem sehr einschneidenden negativen Ereignis. In unserem Projekt ist ein Junge quasi in meinen Händen gestorben.

In dieser Woche war das dreitägige Life-Skill-Training der älteren Jungen, mit denen der Michael eigentlich arbeitet. Ein paar dieser Jungs, die so etwa zwischen 14 und 20 Jahren alt sind, waren am späten Nachmittag im Fluss schwimmen, sie wussten auch, wie man schwimmt, was hier nicht selbstverständlich ist und sind deshalb außerhalb des Pools geschwommen. Einer der Jungen war aber laut Aussage der anderen 3 plötzlich weg und ist nicht mehr aufgetaucht. Die anderen haben sofort Johannes und Ferdinand, die beiden Volontäre, die Schwimmunterricht geben, hergerufen. Die beiden sind zusammen mit zwei unserer Mitarbeiter etwa eine halbe Stunde getaucht, um den Jungen zu finden. Ich hatte bis dahin noch gar nichts mitbekommen.

Als ich dann meine Unterrichtsmaterialien weggeräumt habe, sagte mir eine Lehrerin, dass irgendwas am Pool nicht in Ordnung sei, und bin mal schauen gegangen. Dort erst habe ich von Johannes erfahren, was passiert ist. Er sagte zu mir, dass er noch ein letztes Mal runtertauchen wolle und kam bei genau diesem Tauchgang mit einem schlaffen Körper in Händen wieder hoch. Wir haben dann mit vereinten Kräften den Jungen dort aus dem Fluss gezogen, wo normalerweise die Wäsche gewaschen wird.

Pötzlich standen sowohl ich als auch die anderen beiden Volontäre vor der Situation, zwar mal einen Erste-Hilfe Kurs gemacht zu haben, aber doch nicht mehr sicher zu sein, was zu tun ist. Doch von den Leuten aus dem Projekt hatte niemand irgendeine Ahnung und nach einem kurzen Panikanruf bei Johannes Vater, der Arzt ist, haben wir versucht, den Jungen wiederzubeleben. Leider war unser Bemühen umsonst und irgendwann mussten wir einsehen, dass wir alles in unserer Macht stehende getan haben und aufgeben müssen.

Solang wir beschäftigt waren, war keine Zeit zum Nachdenken, doch als ich den Jungen dann auf der Wiese liegen sah, zugedeckt und eigentlich recht friedlich aussehend, habe ich, obwohl ich ihn nicht kannte und nur ein paar schnelle Worte mit ihm gewechselt hatte, aus tiefstem Herzen angefangen zu weinen. Irgendwer hat mich dann in mein Zimmer geschickt, wo ich den physischen und auch den psychischen Schmutz versucht habe, abzuduschen.

Im Projekt bin ich aber sehr gut aufgefangen worden, sowohl die Care Mothers und Staffs als auch die Kinder haben extrem sensibel reagiert und viel Verständnis gezeigt. Wir haben mit den Volontären auch zu dritt noch zusammengesessen und im Internet einen Erklärungsansatz für die Frage gefunden, warum niemand bemerkt hat, dass der Junge untergegangen ist. Es gibt nicht nur das klassische Ertrinken, sondern auch den sogenannten plötzlichen Badetod. Hierbei hat man eine Art Herzstillstand und geht sofort unter, ohne viel Wasser zu schlucken oder um sich zu schlagen. Irgendwann haben wir dann auch eingesehen, dass wir nicht mehr hätten tun können, sondern alles getan haben, was möglich und nötig war.

Der Junge, Marathi Babu, war 19 Jahre alt. Er hat bisher am Bahnhof gelebt und dort Wasser und anderen Kleinkram verkauft. Er kam gerade neu zu Navajeevan und wollte sein Leben endlich mal ändern und etwas richtiges anfangen. Wir haben ihn in unseren Gebeten eingeschlossen und sind sicher, dass er gut bei Gott aufgenommen wurde, denn wer hätte es mehr verdient, als ein Strassenkind.

Weihnachten…

… kam dann auch hier in Riesenschritten und völlig überraschend an. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für all die lieben Weihnachtsbriefe und -pakete, die mich hier erreicht haben oder immer noch unterwegs sind. Von Schnee und Glühwein zu lesen und Marzipankartoffeln zu essen, während man bei 28° dasitzt, ist schon eine interessante Erfahrung. Positiv überrascht hat mich, dass ich doch nicht so schrecklich Heimweh hatte, wie erwartet, sondern hier einmal wieder gespürt habe, wie sehr ich hier zu Hause bin.

Es ging mit einer Semichristmasfeier im Sanhita, einem der Mädcheprojekte am 20.12. los. Tanz, Musik, Krippenspiel, gutes Essen, wirklich heftige Kleidchen, denn je mehr Rüschen und Glitzerpailetten an einem Kleidungsstück sind, desto schöner ist es. Zu Weihnachten werden dann natürlich die allerschönsten Sachen ausgepackt.

Das Sanhita ist quasi ein Gemeinschaftsprojekt von den St. Anne’s Schwestern aus der Schweiz und Navajeevan. Hier sind Mädchen im Alter von 5 -9 Jahren untergebracht und werden unterrichtet.

Am 23.12. war dann die Semichristmasfeier im Chiguru. Diese war leider sehr spontan, sodass es an Dekoration und vorbereitetem Programm etwas gefehlt hat. Nichtsdestotrotz haben wir einige gute Tänze im Programm gehabt. An diesem Tag kamen auch 50 Mädchen aus den Hostels, die zu Navajeevan gehören. Diese Mädchen gehen auf staatliche Schulen und hatten über Weihnachten zwei Wochen Ferien, die sie im Chiguru verbracht haben. Auch Johannes und ich haben unseren Teil beigetragen und “Stille Nacht” in einer sprachlichen Mischung vorgetragen.

Die eigentliche Weihnachtsfeier fand dann am 24.12. morgens statt. Der Tag begann morgens um sechs damit, dass ich mich der Feierlichkeit entsprechend in meinen neuen Saree kleiden musste. Um sieben sind dann die 160 Leute aus dem Chiguru in zwei Bussen zum Layola College gebracht worden, in dessen Aula die Feier stattfinden sollte. Insgesamt waren etwa 1900 Kinder und 600 Staffs anwesend, ein ziemlich beeindruckender Anblick. Auch hier gab es wieder Tänze, Gesang und Theater. Die meiste Arbeit hatten wohl die Küchenleute, die die ganze Nacht durchgekocht haben, um mittags 2500 Menschen mit Specialessen, Biryani und Chicken zu versorgen. Die Jungs haben mich wirklich beeindruckt.

Auch hier haben wir Volontäre uns ins Zeug gelegt und neben zwei Weihnachtsliedern auch eine kleine Zirkusshow auf die Bühne gebracht. Etwas gewöhnunsbedürftig, aber nicht mehr ganz unbekannt ist das indische Verhalten in Vorführungen jeder Art, denn aufmerksame Stille gibt es niergends, schon gar nicht in einer Riesenhalle voller Kinder.

Nachmittags war diese Veranstaltung dann langsam aber sicher vorbei und wir sind in mehreren Touren wieder ins Chiguru zurückgefahren. Anschließend ging es ins Yuva Bhavan, also ins Hauptgebäude. Hier haben wir dann angefangen, unser Weihnachtsessen mit den Volontären vorzubereiten. Es gab eine Mischung aus europäischen und gutem indischen Essen, die alle glücklich gemacht hat. Mit Teresa, Niklas und drei unserer Collegejungs sind wir gegen halb zehn nocheinmal zurück ins Layola College gefahren, um die Dekoration abzubauen. Hier werden Bühnen generell mit großen Fotoplanen bedruckt, ein bisschen wie LKW-Plane, nur dünner. Davon waren fünf kleine (2x3m) auf einer entsprechend großen festgepinnt, die an der Rückwand der Bühne hochgezogen war.

Pünktlich zur Messe, die für zehn Uhr angesetzt war und um 22.45 begonnen hat, waren wir auch wieder da. Sie fand auf dem Rooftop statt. Es war ein Father aus Delhi zu Besuch, der die Messe gehalten hat, außerdem noch ein älteres Paar aus der Schweiz, die selbst ein Projekt in Indien leiten. Nach der Messe wurde dann eine Christmastorte angeschnitten. Sehr schön war, dass wir viele deutsche Weihnachtslieder in der Messe gesungen haben bzw. dann einfach mehrsprachig gesungen haben. “Stille Nacht” gibt es glaube ich in fast jeder Sprache der Welt.

Der Abend wurde dann noch richtig lang, mit Telefonaten nach Hause, weiteren weihnachtlichen und weniger weihnachtlichen Liedern, Eis und Getränken mit den anderen Volontären auf dem Rooftop.

Letztendlich war ich an diesem Tag 24 Stunden wach und habe jede einzelne davon wirklich genossen. Am ersten und hier auch einzigen Weihnachtsfeiertag haben wir uns ein wenig ausgeruht und am Abend noch ein Festessen mit Früchtepunsch und Lasagne auf dem Dach gehabt.

Danach hab ich noch zwei Tage gearbeitet und bin dann mit Michael zusammen nach

Goa

gefahren. Dort haben wir uns mit den anderen Don Bosco Volunteers aus Bonn und auch aus Benediktbeuren getroffen. Insgesamt waren wir 14 Leute und haben zunächst einmal einen echten Kulturschock bekommen.

Goa ist einfach nicht Indien. Diesen Satz konnten die beiden Volontäre, die dort arbeiten nach zwei Tagen schon nicht mehr hören, aber er ist uns doch noch das ein oder andere Mal entschlüpft, beim Anblick von sauberen, geteerten Straßen ohne Schlagkrater, beim Anblick von Touristen und vor allem Touristinnen in einfach unangemessener Bekleidung und bei der Erfahrung, auf einmal nicht mehr überall angestarrt zu werden.

Wir haben eine Woche wirklich netten Urlaub gemacht, mit Baden im Meer und am Wasserfall, langen Nächten und vielen Gesprächen zwischen uns Indien- und dem einen Cambodiavolontär.

Silvester haben wir in einem Club mit wirklich legendärer Aussicht gefeiert, auf einer Klippe über dem arabischen Ozean. Wir haben zwar europäische Eintritts- und Getränkepreise gezahlt, dafür aber eine wirklich beeindruckende Location gehabt. Lustig im Nachhinein war dann auch der nächste Tag. Wir haben am Nachmittag alle etwas ausgeruht, als um halb vier auf einmal eine der Ordensschwestern, in deren Haus wir übernachtet haben, durch den Flur lief, an die Türen klopfte und uns aufforderte, doch bitte rauszukommen, es würde brennen.

Da sie nicht wirklich panisch klang und auch keinerlei Alarm zu hören war, verlief diese Evakuierung eher langsam, obwohl es wirklich gebrannt hat. Es handelte sich um einen relativ kleinen elektrischen Brand, weil der Sicherungskasten in die Luft geflogen ist, aber gestunken und geraucht hat es schon sehr ordentlich. Dies sorgte dann für eine interessante Begegnung mit der indischen Feuerwehr, die zwar sogar im Feuerwehrauto den Berg hochgerollt kam, aber erstmal am Haus vorbeigefahren ist, obwohl davor etwa 30 Menschen winkend standen. In indischer Ruhe kamen dann zwei Männer zu Fuß wieder runter und sind prompt noch einmal am Tor vorbeigelaufen. Letzendlich war bis dahin das Feuer auch schon fast wieder aus und die Unruhe bei uns verflogen.

Am 2. Januar sind dann Wolfgang und Jean-Paul aus Bonn zu uns geflogen und wir haben bis zum 5. ein interessantes und austauschreiches Seminar abgehalten. Natürlich haben wir nicht nur im Raum gesessen, sondern auch ein nettes Ausflugsprogramm gehabt.

In diesem zwei Wochen haben wir unglaublich abwechslungsreich gegessen, einige hübsche Dinge gekauft, viel gesehen und einiges gelernt. Sehr gefreut haben mich die neuen Bekanntschaften mit den bayrischen Volos, die hoffentlich bestehen bleiben.

Jetzt bluten mir fast die Finger und ich hoffe, dass eure Neugierde fürs erste einmal gestillt ist. Ich bitte euch, auch den vorherigen Artikel und die dazugehörige Homepage noch zu beachten und weiterzusenden.

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Eure Hilfe wird gebraucht!

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich eine dringende Bitte an euch.

Hier im Projekt passieren leider nicht nur schöne Dinge, so ist vor einigen Wochen zwei Jungen ein schlimmer Unfall passiert.

Um das für die Behandlung nötige Geld aufzubringen, die das Projekt nicht allein tragen kann, haben zwei andere Volontäre eine gute Homepage gestaltet. Hier wird die Geschichte der beiden Jungs erzählt.

http://jeevitham-vijayawada.blogspot.com/

Bitte lest sie euch durch, leitet sie weiter und werdet mit Spenden aktiv.

Diese Jungen brauchen es wirklich nötig.

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Childrens Day

Hallo ihr Lieben,

hier kommt nun der zweite Teil von “lange nicht gemeldet”.

Am 14.11. war der Childrens Day, ein Tag für die indischen Kinder. Wen würde das mehr betreffen als ein Projekt, in dem über 80 Kinder leben?

Dementsprechend fingen unsere Vorbereitungen auch schon zwei Wochen vorher an, die Staff-Frauen haben beschlossen, einen traditionellen Tanz mit so Stöcken einzuüben dessen Name mir leider entfallen ist. In einem Anfall von Wahnsinn habe ich zugesagt, mitzumachen… Weil ich ja eine begnadete Tänzerin bin. Beim Üben ist aber recht schnell aufgefallen, dass die anderen das auch nicht perfekt konnten und ich doch ein bisschen Rhythmusgefühl habe. Diesen Tanz haben wir jeden Tag von 2 bis 4 geübt, in der Zeit sind eigentlich Nachmittagsclasses und die armen Kinder mussten dann dabeisitzen und zuschauen. Auf meine Frage, warum sie denn nicht zumindest draußen spielen könnten ist mir dann geantwortet worden, dass da ja keiner aufpassen würde und sie sich die Köpfe einschlagen. Die Argumentation ist ja an sich logisch, nur passt z.B. während unseres Meetings auch nie jemand auf und da ist noch nie was ernsthaftes passiert.

Letzendlich waren aber unsere Tanzübungen sehr erfolgreich. Da wir auch nicht einfach nur einen Tag feiern konnten, haben wir schon am Donnerstag angefangen, da haben die Lehrer mit den Kindern einen Schönschreib- und einen Malwettbewerb veranstaltet. Aus irgendeinem Grund ist dann die Bewertung für die Bilder an mir hängen geblieben, das kam ziemlich überraschend, aber zum Glück hat mir die kunstbegeisterte Teresa da sachkundig bei der Auswahl der Sieger geholfen.

Freitag haben dann die Lehrer Spiele vorbereitet, in nach Größe sortierten Gruppen wurde um die Wette gerannt, froschgehüpft und sackgehüpft. Hier waren dann jeweils drei Plätze zu holen. Ich selbst habe doch festgestellt, dass es einen wesentlichen Unterschied macht, ob man sich in indischer Sonne oder im Schatten aufhält und hab mir fast die Füße verbrannt. Das wird auf Dauer richtig ordentlich heiß in der Sonne!

Freitagabend sind wir dann erst mal nach Vijayawada gefahren, wo ich allerdings nicht lang war, denn Samstagnachmittag wurde noch ein letztes Mal der Tanz geübt und die Kleidung besprochen. Da am Samstagabend die offizielle Verabschiedung von Kim war, musste ich natürlich wieder zurück ins Hauptgebäude, wo viel geredet, gesungen und getanzt wurde, um sie würdig zu verabschieden.

Am nächsten Morgen haben dann nicht nur Ferdinand, Johannes und ich uns auf den Weg ins Chiguru gemacht, wir wurden von Teresa, Kim, deren Schwester und ihrem Freund begleitet. Denn Sonntag haben die Kinder mit einem ganz besonderen Frühstück bekommen, es gab gebratene Nudeln, von denen wir sogar noch was abbekommen haben! Mittlerweile kann ich echt alles zum Frühstück essen, weil das hier eine Mahlzeit wie jede andere auch ist.

Danach haben wir Volontäre dann eine kleine Spieleolympiade veranstaltet bei der die Kinder in den jeweiligen Cottages als Teams gegeneinander angetreten sind. Nach Staffellaufen, Schubkarrenrennen und Dreibeinlauf stand das Nehru-Cottage als Gewinner fest. Nach den Spielen, bei denen sowohl Kinder als auch Staffs sichtlich Spaß hatten und viel gelacht und angefeuert wurde, ging das Programm in der Halle weiter. Wir Tänzerinnen mussten uns vorher aber noch schön machen.

Dazu wurden die allerschönsten Sarees rausgeholt und nicht etwa normal wie immer gewickelt sondern auf eine ganz besondere Art, sodass der Stoff nicht von vorn über die linke Schulter, sondern von hinten über die rechte lief. Dazu kamen Blumengirlanden in den Haaren, Bindis (die Stirnpunkte), jede Menge Bangels (Armreifen), Lippenstift und mit roter Farbe angemalte Hände und Füße. Dazu wurde mir noch eine goldene Kette geliehen und sehr bedauert, dass ich nicht auch Ohrringe anziehen kann. So geschmückt haben wir dann getanzt, es lief zwar nicht alles fehlerlos ab, aber wir hatten Spaß, die Kinder waren begeistert und die anderen Volontäre sehr amüsiert.

Im weiteren Verlauf gab es dann noch ein schwer moralisches Theaterstück, dass die Kinder trotzdem fasziniert hat und natürlich die Preisverleihungen für all die Spiele und Wettbewerbe. Bis wir dann Mittag essen konnten war es zwei Uhr und alle Kinder schon recht geschafft und mit Süßigkeiten versorgt.

Danach musste ich mich leider von Kim verabschieden, die am Montag ihre Indienreise mit anschließendem Heimweg angetreten hat. In der kurzen Zeit, die wir miteinander verbracht haben, ist sie mir doch sehr ans Herz gewachsen!

Sonntagnachmittag sind die beiden Jungs und ich durch den Fluss bis auf die Insel geschwommen, laut GoogleEarth sind das ca. 300m mit Strömung. Dazu kommt noch, dass ich ja in Kleidung schwimmen muss und mir bei dem Ausflug auch prompt meine Hose völlig zerrissen habe. Dafür konnte ich nach diesem Tag wirklich mit dem Gefühl ins Bett fallen, etwas getan zu haben.

Schon wieder die indische Polizei

Nachdem die Woche durch das Fest motiviert wieder losging und ich unter anderem meinen Plan, ein großes Türschild mit den Handabdrücken der Kindergartenkinder zu machen, umgesetzt habe, sind wir Donnerstag abermals geschockt worden.

Während wir drei Volontäre nichtsahnend beim Mittagessen saßen, kam der Willy Uncle zu uns und verkündete, dass wir innerhalb einer Stunde bei der Polizei sein sollten, sonst würden wir eingesperrt, es gäbe Probleme mit der Registrierung. Ja, richtig, das hatten wir vor gut einem Monat schon einmal. Also haben wir in Hektik unsere Sachen zusammengepackt und sind nach Vijayawada gefahren worden. Dort durfte ich dann nochmal Passfotos machen lassen, ja, auch das hatten wir schon. Dann durfte jeder von uns das gleiche Formular dreimal ausfüllen, denn kopiert werden durfte es auch nicht, lang lebe die Bürokratie!

Als wir das dann alle hinter uns hatten, haben wir uns erst mal auf den Weg zur Polizeistation gemacht, aber der oberste Polizist war natürlich mal wieder in seiner Mittagspause, die gefühlt von halb zwölf bis um vier dauert. Während wir dort waren ist uns auch aufgefallen, dass vergessen wurde, Michael Bescheid zu sagen. Der wurde dann auch alarmiert und war quasi pünktlich um fünf, als wir erneut bei der Polizei sein sollten, hier. Wir durften dann mal wieder beim obersten Polizeitypen vorsprechen und uns von dem anhören, dass wir immerhin diesmal nichts dafür können.

Freitag konnten wir dann wieder zurück ins Chiguru, wo sich einige der Kinder tatsächlich schon Sorgen gemacht hatten, dass sie ihre Brothers und ihre Sister ins Gefängnis stecken. Sehr niedlich, und sie waren sehr erleichtert als wir gesund und munter wieder aufgetaucht sind.

In diesem Sinne und jetzt hoffentlich wirklich legal in Indien wünsche ich euch alles Gute

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Ja, ich lebe noch – Diwali und mehr

Hallo ihr Lieben,

nachdem schon viele viele Nachfragen kamen, die Beliebtheit meines Blogs fasziniert mich, habe ich nun wieder wirklich viel zu erzählen!

Zunächst einmal, um all die Neugierigen unter euch zu beruhigen, ja, ich habe jetzt einen Saree und ja, ich kann ihn auch selbst anziehen. Trotzdem werde ich immer sofort von der nächsten Frau aus dem Projekt, der ich begegne in eine Ecke gezogen und nochmal komplett wieder aus- und eingewickelt. Aber ich muss auch zugeben, dass es danach meist doch besser aussieht als bei meinen Versuchen… Übung macht bekanntlich den Meister, aber bis auch ich mich in einer halben Minute in den Saree gekleidet hat, wird noch etwas Zeit vergehen.

Die letzten Wochen hat sich auch unser Stundenplan stabilisiert und die Kinder akzeptieren mich doch immer mehr. Momentan ist meine Kindergarten-Class aber der einzige Unterricht am Morgen, da die Lehrerinnen für einen Monat lang selbst Englischunterricht bekommen. In Deutschland unmöglich, aber sie selbst haben von 7 bis um 9.30 Unterricht, bekommen dann Frühstück, fahren ins Chiguru und machen so ab viertel nach 10 ihren Unterricht mit den Kindern.

Diese Regelung hat bei uns auch schon für etwas Chaos gesorgt, denn unser Driver aus dem Chiguru (ich bin mir nicht sicher, ob ich schon mal von ihm erzählt habe) ist halt öfter mal etwas vergesslich. So konnte es passieren, dass er Anfang November zwei ausgewachsene Volontäre vergessen hat… Wir saßen frisch und munter wartend in der Küche und plötzlich hieß es, der Van sei schon losgefahren. Konsequenterweise auch bis ins Chiguru… Deshalb musste der arme Kerl dann noch ein zweites Mal kommen um uns abzuholen und sich jetzt jedes Mal kleine Sticheleien unsererseits anhören, wen oder was er nicht vergessen sollte…

Für seine Fahrkünste wiederrum habe ich jetzt aber keine Spott sondern hauptsächlich Mitleid, nachdem ich mal mit diesem Auto gefahren bin. Linksverkehr, nur als Erinnerung. Links schalten ist kein Problem, barfuß fahren sogar sehr angenehm. Aber dieses Auto ist so dermaßen klapperig und die Straße so dermaßen mieserabel, dass man nur noch hin- und herhüpft. Außerdem ist es gar nicht so einfach, den richtigen Abstand zum linken Straßenrand zu finden… Gut das dort nur Büsche stehen und nichts festeres. Auch Motorroller bin ich gefahren, um dabei festzustellen, dass ich mich doch lieber auf vier Rädern oder selbst tretend fortbewege. Diese Fahrübungen haben wir auch zum Glück nicht in der Stadt, sondern abends auf der “Straße” vor dem Chiguru gemacht, sonst wären sie vermutlich nicht so gut abgelaufen.

Wie oben schon erwähnt hat sich unser Unterricht ganz gut eingependelt, die Jungs bringen allen Kindern in Zehnergruppen das Schwimmen bei und ich bin für den kreativen Teil zuständig. So werden meine Flötenjungs in der nächsten Woche bei einem Program für einen Sponsor “Hänschen klein” zweistimmig vorspielen, die zweite und dritte Klasse ist völlig begeistert von meiner Spontanübersetzung von “Achichua” und nach einem kleinen Rüffel der Lehrer, warum ich den Kindern denn nicht beibringe, wie man Mangos zeichnet (woher auch immer ich das können soll) habe ich sage und schreibe fünf verschiedene Blumen vorgemalt, die sie ganz begeistert abgemalt und wunderschön bunt gemacht haben. Kindergarten in Action

Auch im Kindergarten geht es vorran, mittlerweile kann ich wirklich bei einigen Kindern positive Veränderungen sehen. Daniel, der wohl 5 oder 6 Jahre alt ist, puzzelt unglaublich gern und hat jetzt den Zusammenhang entdeckt, ein Teil zu drehen, sodass es in die Form passt. Das mag irgendwie lächerlich klingen, aber es ist ein unglaublicher Fortschritt, der mich auch ein bisschen stolz macht.

Mich selbst hat nviele bunte Smartiesach zweieinhalb Monaten dann doch die erste Krankheit erwischt, von jetzt auf gleich lag ich mit Fieber und Durchfall flach. Ich bin auch brav zum Arzt gefahren, der mir, ganz in indischer Manier einen Haufen Tabletten verschrieben hat und engetrichtert hat, die auch bloß zu nehmen. Leider war es gerade das Wochenende an dem wir Volontäre fast alle nach Hyderabad, der nächsten größeren Stadt, fahren wollten. Ich habe dann den Ausflug abgesagt und stattdessen ein recht ruhiges aber gemütliches Wochenende mit Kim verbracht, die zu meinem Glück keine Lust hatte, mitzufahren. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die Belustigung…

An diesem Wochenende war Freitag einer der wichtigesten Festtage in Indien, Diwali, das Lichterfest. Hier musste ich feststellen, dass dieses Fest absolut nicht meins ist. Was sehr schön aussieht, ist, dass alle Häuser überall mit kleinen Öllämpchen, dipam, dekoriert werden. Allerdings wird ab sechs Uhr abends geknallert was das Zeug hält. Dagegen sind unsere Silvesterböller wirklich Spielzeug! Hier haben die Wände gewackelt, mir sind trotz Ohrenstöpseln fast die Ohren abgefallen und es sah eher nach Straßenschlacht aus als nach Fest. Die Collegeboys und auch die Kinder lieben das Geknalle aber sehr. Wir haben uns das dann vorsichtig vom Haus aus angeschaut, denn ganz ungefährlich ist der Spaß nicht.

Am vorherigen WochFabiana, Ich und der 10armige Gottenende, dem letztem im Oktober war uns Fabiana besuchen, eine Volontärin aus Österreich, die in Vizag, etwa 5 Zugstunden nördlich von uns, in einem anderen Don Bosco Projekt arbeitet. Sie ist dort die einzige Volontärin und hat es sehr genossen, mal wieder unter Europäern zu sein. Dementsprechend viel waren wir an diesem Wochenende auch unterwegs, unter anderem ist uns der nette Gott auf dem Bild begegnet. Es werden hier von Stadtvierteln immer wieder so Gottesanbetungsprozessionen mit viel Musik und sehr bunt, veranstaltet, die echt etwas von Karneval haben. Auf einer solchen haben wir das Bild gemacht.

Der eigentliche Plan, das Wochenende zum ausgiebigen Shoppen zu nutzen ist dann aber wortwörtlich ins Wasser gefallen. Es hat von Samstagmorgen an wirklich das gesamte Wochenende durchgeregnet, so richtig rheinischer Usselregen. Dies hat nicht nur unsere Shoppinglust zum Erliegen gebracht, denn indische Straßen bei Regen sind echt nicht schön, sondern auch den blöden Nebeneffekt, dass es in unsere Wohnung reinregnet. Dort wird auch noch auf dem Dach irgendwas neu gebaut und das Wasser staut sich und zieht schön in die Decken ein. Mittlerweile ist die ganze Wohnung verschimmelt, feucht und undicht. Ich bin sehr froh, dass ich dort nur die Wochenenden verbringen muss und so gut wie alle meine Sachen im Chiguru lagern kann. Dazu kommt, dass wir mit 12 Leuten auch reichlich überbelegt sind, es ist extrem eng.

Um inhaltlich etwas besser zu trennen, schreibe ich noch einen zweiten Artikel. Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen lesen, was ich so schreibe und freue mich ebenso über jede Rückmeldung.

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Wochenendvergnügungen

Hallo ihr Lieben,

ich melde mich schon wieder, allein die Erlebnisse dieses Wochenendes reichen aus, um einen Eintrag zu schreiben. Nachdem wir Freitag erst mal entnervt von der indischen Bürokratie waren, haben wir den Feiertag am Samstag redlich verdient. Wir Volontäre haben Ghandis Geburtstag dadurch gehuldigt, bis Mittags zu schlafen, da wir kein Meeting hatten. Abends gab es dann wieder eine Volontärskochaktion. (Falls die Essenberichte zu sehr überhand nehmen, entschuldige ich mich, in nächster Zeit werde ich mich diesbezüglich zurückhalten.) Wir haben versucht, Pizza zu machen und das Ergebnis war sogar recht lecker, wenn auch keinesfalls mit “echter” Pizza zu vergleichen. Trotzdem hatten wir einen Heidenspaß bei der Zubereitung, und es war sogar so viel, dass wir nichts vom indischen Essen, dass die Küche uns sicherheitshalber gemacht hat, angerührt haben. Zu unserem großen Glück war die Mikrowelle erst nach unserer Sättigung überhitzt…

Im Gegensatz zu Samstag waren wir dann am Sonntag richtig aktiv. Am frühen Nachmittag haben wir uns auf den Weg gemacht, um endlich die seit meinem Geburtstag ausstehende Wanderung auf den Gonanda-Hill zu machen. Seid ihr schon mal bei mindestens 32° einen Pilgerweg hochgewandert, bestaunt, fotografiert und angequatscht von all den indischen Christen, die ihren Sonntagsausflug dorthin gemacht haben? Glaubt mir, es war mehr als anstrengend, dafür sind wir aber mit einer wirklich unglaublichen Sicht auf die gesammte Stadt belohnt worden.

Blick über Vijayawada

Etwa in der Mitte sieht man das Hauptgebäude, mit türkisem Plastikdach

Den Rückweg, vom (natürlich kitschigen) Gipfelkreuz wieder runter haben wir dann auf einem Tranpelpfad durch die Pampa genommen, hier haben wir ein ganz anderes Indien gefunden. Selbst für mich war keine der Pflanzen, vom ein oder anderen Grasbüschel abgesehen, bekannt und wir waren dort ganz allein. Nur ganz leise hat man noch die Geräusche der Stadt gehört, die hier so anders sind als in Europa. Da hört man Trommeln und Musik, Hupen und nur selten mal einen lauten Motor. Viel eher noch jemanden, der laut schreit und natürlich das gleichmäßige Klatschen von Wäsche auf Stein. Diese Kulisse hat unserem Weg einen besonderen Zauber verliehen, der sich in den Fotos nur bruchteilhaft wiederfinden lässt. Als wir dann wieder unten waren, an der anderen Seite des Berges waren wir rehabilitiert und bereit, uns wieder ins Getümmel der Stadt zu wagen. Das haben wir dann auch zu 8 in einer Rikscha gemacht, der Fahrer hat uns glaub ich für etwas bescheuert gehalten, weil wir so laut gelacht und geschrieen haben.

Nach einer kurzen Auszeit und einer Dusche, die wir uns nach der schweißtreibenden Wanderung auch redlich verdient hatten, ging das Sonntagsprogramm weiter; wir waren auf dem Rummelplatz! Eine indische Kirmes ist noch lebendiger, bunter und chaotischer als man es sich vorstellt! Wir hatten uns auch einen denkbar schlechten Termin ausgesucht, denn Sonntagabends hat hier wirklich jeder frei und macht etwas mit seiner Familie. Besonders Ferdinand war schnell der Meinung, dass wir statt Eintritt zu bezahlen, eigentlich als Attraktion bezahlt werden müssten. Hätten wir für jedes Foto, dass mit oder von uns gemacht wurde, 10 Rupee genommen, wären wir jetzt reich! Trotzdem oder auch deshalb hatten wir echt eine Menge Spaß. Zum einen beim Betrachten der vielen Kleidungs-, Stoff- und Schuhstände, beim Durchstöbern der Bangelstände (die berühmten bunten Armreifen) und mit leckeren indischen und sogar westlichen Snacks. Der Knaller waren allerdings die Fahrgeschäfte. Allen, denen schon bei der Vorstellung Angst und Bange wird, soll gesagt sein, dass es noch viel krasser war, als ich gedacht hätte. Die Fahrgeschäfte waren zum einen fast alle schon in Würde gealtert, in Deutschland hätten sie weder irgendwelche Sicherheitschecks noch TÜV-Prüfungen überstanden. Zum anderen waren auch die Wege immer mal wieder so angelegt, dass man problemlos über die Schienen eines Karussels oder Ähnliches gehen konnte. Dies konnte mich zwar von Schiffsschaukel und Schleudertassen, nicht aber vom Riesenrad fernhalten. In Indien ist es nicht so, dass Riesenradman Riesenrad fährt, um sich einen Überblick zu verschaffen, zu entspannen und weit weg vielleicht etwas hübsches zu entdecken. Nein, hier wird gedreht, so schnell es geht, und das war ordentlich schnell. Von unten sieht man, wie die Gondeln sich etwa um 20° bis 30° nach außen bewegen und innen spürt man ordentliche Gehkräfte. Am schönsten ist es kurz vor dem höchsten Punkt, dort wiegt man nur noch etwa 5 Kilo, ein durchaus interessantes Gefühl. Sicherheitsgurte oder zumindest ein Absperrgitter oder -Seil gibt es an der Gondel natürlich nicht. Die Fahrt war auf jeden Fall unvergesslich!Hierbei ist noch zu erwähnen, dass uns, als wir in der Schlange standen, ein indischen Vater einfach mal seine beiden kleinen Kinder, zwei etwa 4 und 5-jährige Jungs, an die Hand gegeben hat, auf die wir dann während der Schleuderfahrt auch noch aufpassen mussten. Daher hatten Ferdinand und ich dann jeder ein Kind im Arm, dass sich zwischendurch auch mal ordentlich festgekrallt hat. Interessant, dass wildfremde Europäer als verantwortungsbewusster eingestuft werden als andere indische Familien. Das hat mir zu denken gegeben.

Zusätzlich schön für uns waren natürlich die Preise der Fahrgeschäfte und Snacks. Wer kann schon behaupten, dass er für umgerechnet 2 Euro unterschiedliche Attraktionen besucht, gegessen und sich mit Henna schmücken lassen hat. In Deutschland wäre man dafür sicherlich mindestens das Zehnfache losgewesen.

Entsprechend vergnügt sind wir dann wieder nach Hause gefahren, der einzige Wehmutstropfen war die Tatsache, Montag nochmal zur Polizei zu müssen.

Diesmal hat das Ganze aber ziemlich schnell funktioniert, was traurigerweise wohl daran lag, dass wir nicht nur in Begleitung einer jungen Frau, sondern mit einem Mann dort waren. Trotz der schnellen Abwicklung, wir waren schon vor dem Mittagessen wieder zu Hause, mussten wir den Tag noch in der Stadt verbringen, falls noch eine Unterschrift nötig wäre. Also bin ich erst am Dientag wieder ins Chiguru gekommen, um dort eine Woche unter schrecklicher Unterbeschäftigung zu leiden, denn es war Examweek. Was genau die Kinder für Prüfungen hatten, weiß ich nicht, aber statt erbaulichen und entspannenden Nachmittagsunterricht zu haben, mussten sie auch in der Zeit lernen, sodass ich nur morgens den Kindergarten betreut habe und meine Nachmittage mit so schönen Dingen wie putzen und waschen verbracht habe. Allerdings soll am Montag endlich der neue Stundenplan beschlossen werden, sodass ich mit meinem Chor anfangen kann.

Heut habe ich erfahren, dass es im Chiguru mal eine Pfadfindergruppe gab, die aber in Ermangelung eines Verantwortlichen eingeschlafen ist. Der Father war schon ganz begeistert, als er erfahren hat, das Michael und ich da Erfahrung und Interesse haben. Also, ich sehe eine Aufgabe vor mir, mal schaun, was sie bringt, ich werde berichten!

Jetzt muss ich los, wir gehen Stoff kaufen, vielleicht sogar meinen ersten Saree. Nachdem ich gestern mal einen anhatte und jetzt sogar weiß, wie man sich in 6m Stoff elegant und angemessen kleidet, möchte ich doch auch selbst mal darin herumlaufen.

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Zwischen Bürokratie und Luxus

Hallo ihr Lieben,

es ist jetzt zwei Wochen her, dass ich mich das letzte Mal hier gemeldet habe und diese beiden Wochen könnten nicht unterschiedlicher sein. Die erste verlief wirklich nach Plan, ich habe vormittags meinen Kindergarten gehabt und dort versucht, ein wenig Alphabet, Zahlen und Formen zu zeigen und schreiben bzw. malen zu lassen. Es ist gar nicht so einfach, auch nur die acht Kinder, die mittlerweile in der Gruppe sind, so zu beschäftigen, dass sie nicht unter- oder überfordert sind, weil ihre Fähigkeiten so weit auseinander liegen.

Seit Dienstag hat mich Johannes begleitet, er ist jetzt auch fest im Chiguru, aber wir haben noch keinen neuen Stundenplan gemacht. Wenn es soweit ist, wollen wir uns selbst etwas mehr einbringen, ich mit einer Musikklasse, die vielleicht sogar Chorqualität bekommen kann und die beiden Jungs mit Schwimmunterricht. Hoffentlich lassen sich unsere Ideen auch umsetzen. Ansonsten ist in dieser Woche nichts Spektakuläres passiert, ich könnte glatt behaupten, ich habe einen Alltag bekommen. Interessant ist zu merken, wie sich das Verhältnis zu den Menschen, mit denen ich arbeite, verändert, langsam sind die Gespräche mehr als nur „Hasst du schon gegessen?“ und andere Floskeln.

Auch mein Zimmer gestaltet sich langsam etwas wohnlicher und legt den Gefängniszellencharakter ab, ein paar Fotos, eine Papierblume und eine Düsseldorfpostkarte (Danke an Uschi) wirken tatsächlich Wunder. Ich freue mich aber über jede lustige Kleinigkeit, die man noch an die Wände pinnen kann!

Am Wochenende mussten wir uns dann von Eva und Sabrina verabschieden, Freitagabend gab es ein Abschiedsessen, nachdem die beiden am Nachmittag mit einer großen Zeremonie von ihren Jungs im Mettu verabschiedet wurden. Aus einer Laune heraus haben Kim, Michael und ich dann beschlossen, den beiden am nächsten Morgen Geleit bis zum Bahnhof zu geben, und haben uns deshalb gemeinsam um viertel nach fünf auf den Weg gemacht. Ja, freiwillig und am Wochenende! Aber auch das war wieder eine Erfahrung für sich, denn so hektisch laut und voll die Straßen am Tag sind, so leise und leer sind sie in der Nacht. Hier werden so gegen elf oder halb 12 abends gefühlt echt alle Bürgersteige (die es nicht gibt) hochgeklappt und bleiben dort bis morgens um halb 6. Nachts ist es hier wirklich still und es ist niemand außer ein paar Hühnern und Hunden auf der Straße, sogar die Kühe schlafen. Ich muss euch aber enttäuschen, sie legen sich dabei alle hin, also wird das mit dem Küheschubsen nichts.

Nach dieser frühmorgendlichen Tour bin ich nochmal schlafen gegangen bis zu unserem Volunteersmeeting um 10. Anschließend war noch eine Gebetsveranstaltung für den verstorbenen Mitarbeiter, es wurden jede Menge Lobreden auf ihn gehalten und einige Anekdoten erzählt, was auf Englisch vielleicht noch ganz interessant gewesen wäre, aber leider komplett auf Telugu war, sodass wir uns zwei Stunden lang gefragt haben, worum es eigentlich geht und dabei versucht haben, einen möglichst ernsthaften und aufmerksamen Eindruck zu machen. Das ist aber hier wesentlich leichter als in Deutschland, denn klingelnde Handys oder Leute, die einfach mal später kommen, mittendrin gehen oder so werden einfach nicht zur Kenntniss genommen und es stört sich auch keiner dran.

Die nächste Woche war dann wesentlich spannender, vom Montag abgesehen, an dem ich nur “Rest-taken” sollte, weil ich ja am nächsten Tag meine anstrengende Reise vor mir hatte. Ich war nämlich eingeladen, zur Feier zum Tag der deutschen Einheit am 28.9. nach Chennai zu kommen.

Also habe auch ich mich morgens um halb sechs auf den Weg zum Bahnhof gemacht, netterweise hat mich Brother Leon begleitet und zum Waggon gebracht, wo tatsächlich zwei der Collegeboys mir einen Sitzplatz freigehalten haben. So konnte ich dann sieben Stunden Fahrt am Fenster sitzend genießen. Die Fenster in der normalen Klasse sind offen, nur mit so Gittern, und ich konnte wunderbar rausschauen und die unglaubliche Landschaft betrachten, grün in allen Facetten! Außerdem kann einem einfach nicht langweilig werden, denn alle zwei Minuten kommt jemand vorbei, der etwas verkauft, und es natürlich lautstarkt anpreist, “Tea”, “Coffee” und “Samosa” sind nur einige dEin als Hanuman Verkleideter im Zuger vielen Möglichkeiten. Leider habe ich das Geschrei nicht aufgenommen, aber die Stimme von dem Kaffeemann war der Hammer! Zwischendurch habe ich mich dann mit der jungen Frau, die neben mir saß unterhalten, wurde mit Kaffee und indischen Süßigkeiten versorgt und habe ihr ein bisschen von mir erzählt. Spannend war auch der Mann, der als der Affengott Hanuman verkleidet, komplett mit Glanzpapierhut, Drahtschwanz und aufgeklebtem Affenmaul einstieg und gesungen hat. Heftig waren aber auch die vielen Bettler, Kinder, alte Leute und Blinde, die durch den Zug gegangen sind und Geld wollten.

Nach diesem unvergesslichen Erlebnis bin ich dann in der Riesenstadt Chennai angekommen und habe dort versucht, dass Don Bosco-Projekt zu finden. Der Rikschafahrer, den ich gefragt habe, kannte es sogar und war so ehrlich, mir zu sagen, dass es in “walkable distance” liegt. Er hat mir sogar den Weg erklärt und so bin ich todesmutig in einer fremden indischen Großstadt losgestiefelt und habe das Haus gesucht. Nachdem ich zweimal an einer Straße vorbeigelaufen bin, die so winzig klein war, dass dort meiner Meinung nach niemals ein Haus für 80 Jungs sein kann, habe ich nochmal nachgefragt und festgestellt, dass ich genau dort hinmuss. Dadurch, dass alles so unglaublich zugebaut ist, kann man nicht einschätzen, wie groß oder klein irgendein Gebäude oder Weg ist und ob sich nicht am Ende der winzigen Gasse doch ein großer Platz befindet.

Dort im Officegebäude des Projekts angekommen, habe ich mich in meinem Gästezimmer erst mal etwas hingelegt, weil ich durch das Aufstehen um viertel vor fünf doch ziemlich geschafft war. Am Nachmittag habe ich erst mal die Hälfte der Mitarbeiter mit der Frage nach dem Hotel, in das ich musste, beschäftigt, aber wie immer hat irgendwann alles funktioniert und eine Frau hat für mich einen Preis mit dem Autorikschamann ausdiskutiert. Ich war etwas verwundert, warum ich 175 Rupees zahlen musste, denn die Strecken, die ich sonst so zurücklege, kosten meist so zwischen 20 und 50. Aber nach 1/3/4 Stunden Verkehrschaos und Smog war ich dann beim Hotel angekommen und der Meinung, dass der Mann sein Geld wirklich redlich verdient hatte.

Das Hotel selbst war der absolute Kontrast zu dem, was ich hier sonst so erlebe. Selbst für westlichen Standard war es unglaublich luxuriös! An dieser Stelle vielen Dank an Mama, die mich quasi dazu gezwungen hat, ein Kleid und Ballerinas mitzunehmen ; )

Dort angekommen habe ich mich ein paar anderen Mädchen angeschlossen, die auch über Weltwärts hier sind. Gemeinsam haben wir dann den Luxus bestaunt und ein bisschen ausgenutzt. Es gab eine Weinbar, einen Biergarten mit deutschem Bier und eine normale Bar, an der man so ziemlich alles an Getränken bekommen hat, wonach einem das Herz so stand. Außerdem liefen immer wieder Kellner mit kleinen Snackplatten mit überbackenem Fisch, Hühnchen oder Mini-Samosas herum. Nach dem kurzen und wenig interessanten Programm, einer Rede vom Ministerpräsident von Niedersachsen, der als offizieller deutscher Vertreter da war, wurde das eigentliche Buffet eröffnet, einfach Wahnsinn!

Ich wäre schon allein für die Vorspeisen gekommen, lauter Sachen, die man hier so gut wie nicht oder wirklcih nicht bekommt, Salat, Gemüse, Krabben, Fisch und Käse! Auch der Hauptgang war super, es gab indische und deutsche Küche, wobei ich erstere leider links liegenlassen musste, das hätte ich beim besten Willen nicht mehr geschafft. Es ist gar nicht vorstellbar, wie viel Lust man nach sechs Wochen auf Bandnudeln, Rotkohl, Kartoffelgratin und Spätzle hat! Wer meine Essensgewohnheiten kennt, wird ein wenig stutzen, aber genau das habe ich gegessen, weil ich es tatsächlich vermisse! Wirklich im kulinarischen Himmel war ich dann aber, als ich bei den Nachspeisen angekommen war. Es ist schon lustig gewesen, in Indien ein Schild mit der Aufschrift “Omas Landkuchen” zu finden, aber genau den gab es neben verschiedenen anderen Kuchensorten, Obst, Eis, indischen Süßigkeiten und zu meiner Freude Mousse au Chocolate. So einfach, mit einem guten Buffet kann man sämtliche in Indien weilende Deutsche glücklich machen.

Interessant waren die Menschen, die dort waren aber wirklich. Es waren sehr unterschiedliche Leute da. Viele Volontäre in meinem Alter neben den wichtigen Schlipsträgern, die in der offiziellen Delegation waren und typische Aussteiger neben Geschäftsleuten, die für ein paar Jahre hierherversetzt wurden. Diese bunte Gesellschaft war in einem Raum untergebracht, der wirklcih extrem schick in schwarz-rot-gold hergerichtet war und auf deutsche Temperaturen herruntergekühlt. Trotz der Dekadenz die hier gezeigt und von einigen auch gelebt wurde, habe ich den Abend sehr genossen.

Am nächsten Tag habe ich mich dann am Mittag wieder auf den Heimweg gemacht, diesmal war die Zugfahrt weniger spektakulär, denn der besorgte Father aus unserem Projekt, der mir das Zugticket gebucht hat, hat mir in der AC-Klasse, also dem klimatisierte Abteil reseviert. Das ist zwar wesentlich luxuriöser, aber auch langweiliger. Es ist ein bisschen vergleichbar mit einem deutschen ICE-Abteil, nur dass keiner mit Handy und Laptop dasitzt, sondern die meisten mit zwei Handys, die auch entsprechend oft klingeln.

Am Donnerstag konnte ich dann endlich wieder ins Chiguru zu meinen Jungs und entgegen meiner kleinen Befürchtung, sie könnten mich vergessen haben, haben sie und auch eine der Caremothers sogar erklärt, dass sie mich vermisst haben. Das hat mich echt gefreut, denn es heißt für mich, dass nicht nur ich mich sehr wohlfühle, sondern auch, dass ich wirklich willkommen und angenommen bin.

Da ich erst um viertel nach 10 dort war, war die Kindergarten-class, die Ferdinand (der seit dieser Woche auch im Chiguru ist) und Johannes netterweise übernommen hatten, schon fast vorbei. Dann hat mich der Willy-Uncle gefragt, ob ich meine Nachmittagsklassen machen will oder ob ich mit ihm und ein paar Jungen zu einem Program fahren will, wo sie bei einem Tanzwettbewerb mitmachen sollten. Natürlich habe ich sie dahin begleitet, was offensichtlich Glück gebracht hat, denn sie haben einen ersten Preis gewonnen und waren echte Publikumslieblinge.

Als wir dann am frühen Abend wieder im Projekt waren, kam für mich der Anruf, der die beiden Jungs schon am Morgen ereilt hatte, wir müssten zur Polizei, weil etwas mit unserer Registrierung nicht funktioniert hat. Dazu hatten wir natürlich alle wenig Lust, aber es war unumgänglich. Die Polizei ist wohl im Hauptgebäude aufgetaucht, weil wir nicht ordnungsgemäß registriert sind. Das liegt daran, dass Sherley uns zwar angemeldet hat, aber nicht so, wie es für das Jahresvisum verlangt war, weil sie noch nie Leute mit Jahresvisum hierhatte und es einfach nicht wusste. Jetzt müssen wir jeder 1500 Rupee (ca 25 Euro) Strafe zahlen und haben den halben Freitag ohne Erfolg bei der Polizei verbracht. Die indische Bürokratie ist ähnlich umständlich wie die deutsche, nur leider weiß hier keiner, was der Mann im Nachbarbüro macht und deshalb muss man quasi einmal zu jedem. Da der Mann, dessen Unterschrift wir brauchen nicht da war, müssen wir am Montag nochmal hin. Hoffentlich geht das dann schneller von statten, aber wirklich dran glauben kann ich nicht.

Ich werde mich wieder melden, wenn es etwas Neues gibt, jetzt erst mal alles Liebe und vielen Dank für eure Zeit, der Artikel ist länger geworden als ich dachte.

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