Sulcorna Teil 1

Nach einer langen Zwangspause was das Internet und die Blogartikel angeht jetzt endlich ein paar neue Nachrichten.

Vielleicht zuerst einmal eine kurze Beschreibung des Projekts in dem ich gerade arbeiten darf. Der volle Name dieser Don Bosco-Einrichtung ist “Don Bosco Agroculture-Education Complex und es liegt, wie bereits im letzten Blogartikel erwaehnt etwa eineinhalb bis zwei Autostunden suedlich von Odxel/Panjim. Eine wahnsinnig schoene Umgebung und bei weitem nicht so heiss und bevoelkert wie Panjim. Es gibt vier Unterteilungen. Die erste ist das Agroculture Centre. Dort warden Kurse abgehalten, um vor allem Frauen Faehigkeiten anzueignen, die sie zum effizienten bewirtschaften von Feldern und zum ertragbringenden Landwirtschaften brauchen. Wann saeht man welche Pflanze an, wie gehnt man mit welchen Maschienen um, das sind die Fragen, die hier geklaert warden.

Buldog

Ich sollte noch erwaehnen, dass das ganze Gebiet dieses Agro-Ed. Complexes etwa acht Hektar gross ist und als Schenkung eines gewissen Humberto Mascarenas den Salesianern zukam. Der Grossteil dieses Gelaendes wird fuer Landwirtschaft genutzt, was den zweiten Bereich darstellt. Zuckerrohrpflanzen und Bananenstauden wohin das Auge blickt, dazwischen Papajabaeume, Cocosnusspalmen, Chicoplantagen und ein paar Gemuesesorten wie Rettich, Kohlrabi und Bohnen. Das meisste der Ertraege wird, so hab’ ich mir sagen lassen, verkauft, um vor allem die folgenden beiden Abteile der Einrichtung mitzufinanzieren. Verwaltet wird das ganze von zwei der vier Fathers, Father C. steht in direkter Verantwortung fuer alles, was mit der Farm und deren Arbeitern zu tun hat, der andere, Father R., hat als Administrator die wirtschaftliche Fuersorge fuer den gesamten Complex uebernommen.

die Neuen

Der wohl geschaeftigste Bereich ist die “Don Bosco Farm High School” mit “Pre-Primary School”. Das klingt jetzt sehr kompliziert, ist es aber keineswegs. Man kann es sich einfach als ganz normale Schule von der fuenften bis zur zehnten Klasse vorstellen, die Pre-Primary ist soetwas wie eine Vorschule. Father E. ist hier als Rector taetig, waehrend Father S. als vierter im Bunde mit den beiden Salesianerbruedern und werdenden Priestern unter anderem hier unterrichtet.

Dann bleibt noch das Boarding Centre. Im Prinzip ist es ein Internat, sich in dem Sinne von anderen unterscheident, dass nicht der Blick auf finanzielle Moeglichkeiten der Boarder fuer eine Aufnahme ausschlaggebend ist.

Bananen und Benedikt

Was sind unsere Aufgaben in Sulcorna? Da gibt es leider wieder etwas, dass ich zuerst noch sagen sollte. Im Augenblick sind es mehr meine als unsere Aufgeben. Manche wissen es vielleicht schon, Benedikt ist vor ein paar Wochen wieder zurueck nach Deutschland geflogen, weil er gesundheitliche Probleme bekam, die sich hier in Indien nicht loesen liessen. Ich ueberlasse es Benedikt mehr darueber zu schreiben. Trotzdem gute Besserung Benedikt!!! Du wirst schwer vermisst. “Dann bist du ja jetzt ganz alleine” habe ich in letzter zeit ziemlich oft gehoert. Aber wie alleine kann man mit 92 Jungs schon sein ;-)

playground

Mein Zeitplan sieht also ungefaehr folgendermassen aus; den Vormittag verbringe ich mit den Arbeitern auf den Feldern und helfe ihnen bei den anstehenden Arbeiten. Bewaessern, neue Setzlinge ausbringen, ernten… . Viel mehr kann man eigentlich nicht darueber erzahelen. Der Rest des Tages gehoert den Boarders. Konkret heisst das, ich habe waerend der “studies” eine Gruppe von fuenf bis acht Jungs, die sich mit Englisch etwas schwer tun. Nicht im Sprechen, selbstverstaendlich sprechen sie alle viel besseres Englisch als ich, aber mit dem Lesen und der Rechtschreibung haperts manchmal. Zumeisst fehlt es einfach nur an Uebung, weil alle mindestens zwei Sprachen gelernt haben und dann logischerweise alles in der Sprache ausdruecken und aufschreiben, die ihnen am leichtesten faellt. In dieser Gegend ist es meist Konkani. Manchmal macht die Verwendung der Woerter oder die Grammatik kleine Schwierigkeiten. Man muss es sich so vorstellen, dass die Jungs in ihrer Muttersprache, eben Konkani, denken und dann einfach alles direkt uebersetzen. Ich masse mir in keinem Fall an ein qualitaetvolleres Englisch zu sprechen. Wie gesagt, viele von ihnen sind ja damit aufgewachsen, aber ich versuche sie so gut wie moeglich zu unterrichten und so lernen wir voneinander. Diese Gruppe habe ca. drei Stunden am Tag.

ein Schild

Im Restlichen Tagesverlauf geht es darum, einfach Zeit mit den Jungs zu verbringen, also mit ihnen zu arbeiten, wenn zu arbeiten ist, sich an den Spielen waehrend der “games-time” zu beteiligen, gemeinsam Rosenkranz beten, Gottesdienst feiern und so weiter. Ab und an ist dabei auch meine Autorotaet gefragt. Obwohl ich mich selbst oft daran erinnern muss, dass ich jetzt kein Schueler mehr bin und gelegentlich ein Machtwort sprechen muss, klappt es doch ganz gut. Zugegeben, am Anfang war es noch ein bisschen chaotisch, gerade die juengeren haben natuerlich ihre Grenzen austesten wollen. Jetzt laeuft es aber umso besser. Ich hab’ die Jungs ganz gut im Griff und sie lassen sich auch etwas von mir sagen. Aber ich versuche auch fuer sie offen zu sein und ihnen Vertrauen entgegenzubringen, wie es die Fathers hier tun. Der eine oder andere kam auch schon zu mir, um ueber sein Problem zu reden. Es ist aber nicht so leicht zu verbinden, wie es sich anhoert. Die Herausforderung neuer Situationen reizt mich aber immer noch.

Savio Boys Home

So viel erst einmal von mir. Werde bei Gelegenheit nocheinmal etwas passendes ueber unsere Unternehmungen und die Besonderen Tage in Sulcorna schreiben. Jetzt sollte ich aber erst einmal meine Weihnachtspost erledigen.

Vielleicht darf ich alle meine Freunde in Deutschland nocheinmal ganz dezent an mein Spendenkonto erinnern. Es waere ein schoenes Weihnachtsgeschenk fuer alle meine/unsere Schuetzlinge. Wie gesagt, ich beantworte gerne alle eure Fragen. Von Herzen danke allen Spendern.

Gesegneten Restadvent euch alle!!!

One Response to “Sulcorna Teil 1”

  1. Florian Heiligensetzer sagt:

    Ciao Giorgio,
    hört sich doch richtig interessant an.
    Ich denke mir, dass das das genau richtige für dich ist.
    Wenn wieder in D bisch, musch mehr verzähla.

    Hab beim letzten Glühweinabend an dich gedacht. ;)

    Meine Familie und ich wünschen dir schöne Weihnachten und nen guten Rutsch.

    Viel Spaß noch.

    Florian

Leave a Reply

See also: