Liebes Tagebuch, leider bin ich kaum mehr dazu gekommen zu schreiben, aber es gab einiges fuer Johannes und mich zu tun in den vergangenen Tagen. Problem war und ist nach wie vor Arbeit fuer die Vormittage zu finden. Unser Tagesplan sieht bisher eben so aus, dass unsere Arbeit mit den Kids von Montag bis Freitag stets erst um 17 Uhr anfaengt, jedoch schon um 19.30 Uhr wieder endet. Da Johannes schon einige Tage vor mir hier in der Casa San Antonio eintraf, ist seine Situation noch ein wenig anders, da er ab 15.00Uhr bis 17.30 Uhr oder 18.30 Uhr in der Pforte arbeiten muss.
Dass ist natuerlich auch nicht die Art von Arbeit, die er sich erhofft hat. Schliesslich wollen wir die Tage mit Kindern verbringen, denen es schlecht geht und nicht Tueren oeffnen und schliessen. Ausserdem ist es so, dass diese Arbeit zuvor von jemandem anderes besetzt wurde, der sich nun eine neue beschaffen muss.
Waehrend der ersten Woche nach meiner Ankunft meldete ich mich wiederholt, um zu erfahren was meine Aufgabe sein wuerde, erhielt jedoch vorerst keine Auskunft, da die Sache noch geregelt werden muesse. Man fragte mich welche Art der Arbeit ich mir vorstelle oder erhoffe und natuerlich erwiderte ich unvermittelt: Arbeit mit Kindern.
Als dann das zweite Wochenende war, konnte ich endlich die Angelegenheit klaeren. Zumindest dachte ich das. Ungluecklicherweise wurde ich nur zum naechsten Verantwortlichen geschickt, der Arbeit fuer mich haben sollte. Zufrieden jetzt vorraussichtlich etwas erreicht zu haben, meldete ich mich am Montag und wurde dann damit beauftragt alte Akten auszusortieren und innerhalb der naechsten Tage zu verbrennen. “Ein Schlag in den Magen fuer mich”
Da uns mit der verstreichenden Zeit die Situation immer unertraeglicher schien, entschlossen wir uns noch einmal “Klartext” sprechen zu muessen und wendeten uns an die Verantwotlichen. Das darauf gefuehrte Gespraech sollte keine Fruechte des Erfolgs tragen und stellte uns abermals vor die selben Probleme. “Es sei nicht sinnvoll habe die Erfahrung gezeigt, wenn Voluntaere zu viel Zeit mit den Kiddies verbraechten” und aehnliche unhinterfragbare Dogmen sollten uns den Wind aus den Segeln nehmen und uns zum “Nichtstun” verdammen. Man werde aber nochmal alles besprechen. Wirwarteten also abermals.
Waehrend am Nachmittag mit den Kiddies im Hogar spielte, wurde Johannes dann ueber den “neusten” Stand der Dinge informiert. Mit mir wollte man die Sache nicht nochmal in direkter Konfrontation klaeren, da ich schon beim vorangegangenen Mal die vielen Beschwichtigungen, die nichts brachten, nicht ertrug und das auch direkt auf den Tisch brachte.
So gegen 20.00 Uhr als alle Kinder gegangen waren, sprach mich Johannes an. “Es gibt Neuigkeiten Phil” “ACH UND WAS?” “Wir haben uns heute nochmal unterhalten, als du bei den Kiddies warst und es sieht so aus:
Wir koennen nirgendwo anders so wirklich sinnvoll helfen, da in den anderen Haeusern immer nur 4/5 Jungs wohnen und die Kiddies ebenfalls erst am Nachmittag kommen, zur selben Zeit wie hier. In den Schulen koennen wir aber evtl. mal ne Stunde helfen und im December beginnt ein zweimonatiges Zeltlager, zudem die Kiddies waehrend den Ferien jeden Tag kommen. Erst Dann werden wir massig Arbeit haben.
Ich muss also nicht erwaehnen, dass wir uns mit unserer Situation auf keinen Fall abfinden konnten. Just in diesem Moment unseres tiefsten Punkst, ohne ersichtlichen Ausweg erschien uns ein Engel. Ein alter Mann klingelte an der Tuer und Johannes oeffnete. Er trat ein und fragte uns wer wir seien. Ob wir Jungs der residencia seien. “NEIN, WIR SIND VOLUNTAERE AUS DEUTSCHLAND”
Ohne dass wir ihn zuvor gesehen hatten und ohne ein Wort gewechselt zu haben, sagte er. “Jungs ihr habt ein Problem und ihr muesst jetzt kaempfen! Es gibt in unserem Land so viel Elend. Ich selbst war einst in der Casa San Antonio und man half mir. So bin ich nun selbst Padre geworden und fuehre ein gutes Leben. Jetzt will ich etwas zurueckgeben. Jungs, ich habe Haeuser in Patagonien, wo das Elend gross ist und Leute wie ihr benoetigt werden. Kommt vorbei und ihr werdet Arbeit haben.
“KOENNEN SIE UNS IHREN NAMEN UND IHRE ADDRESSE GEBEN; DAMIT WIR DAS MIT DEN VERANTWORTLICHEN KLAEREN”
“Nein Jungs, das ist euer Mist. Zieht mich da nicht rein. Erwaehnt mich nichmal. Ihr muesst euch da selbst raus ziehen. Sprecht mit dem Mann mit dem Bart. Er kann euch helfen. Ich geh jetzt Heim und werde mit meiner Frau zu Abend essen. Das ist jetzt euer Mist und wenn ihr keinen Weg daraus findet, findet ihn niemand. Aber ich sag euch was. Ihr seid jung und wenn ihr mal so alt seid wie ich, dann werdet ihr euch an meine Worte erinnern. Wenn ihr nicht kaempft vergeht die Zeit so wie es ist und frustriert werdet ihr dahinsiechen. Kaempft! Das ist jetzt euer Mist!
-Und weg war er, der ENGEL.
Als sein Schatten gerade aus unserem Sichtfeld verschwunden war, kam er. Der Mann mit dem Bart. Johannes sprach ihn an. “Seid Ihr der Padre?” – “Ja der bin ich, was ist euer Problem? “WIR HABEN KAUM ARBEIT UND WOLLEN DOCH SO GERNE” “Wollt ihr viel, mittelmaessig oder wenig arbeiten?” – “Viel!!!” “Koennt ihr streichen” “Nein, wir wollen nicht streichen!” “Wollt ihr mit Srassenkindern arbeiten?” – “JA!!!” “Sie werden euch alles abverlangen” “EGAL!!!” “Gut, ich helfe euch, wir sehen uns am Montag”
Und weg war auch er. Noch etwas konfus von diesen Vorfaellen, aber mit erneutem Enthusiasmus verbrachten wir die folgenden Tage und sehnen Montag nun herbei.
Die Hoffnung scheint nun um so heller.