Ab 19.30 bis 22.00 Uhr haben wir dann wiederum frei und arbeiten danach von 22.00 Uhr abends bis ca. 2.30 Uhr morgens im centro de noche in Constitucion. Das ist für uns beide die wohl schwierigste, wie auch „beste“ Arbeit. Man muss wissen, dass Constitucion eines der gefährlichsten und ärmsten Viertel der Stadt ist. Die Strassen sind ab 22.00 Uhr wie lehrgefegt und ab dieser Uhrzeit treiben sich nur noch die ärmsten der Armen in den Gassen und Strassen herum. Viele nehmen Drogen und es herrscht ein Klima der Gewalt und des Verbrechens.
Sich dort abends noch herumzutreiben ist folglich gefährlich. V.a. wenn man offensichtlich nicht aus Argentinien stammt, sondern Europäer ist. Johannes und ich nehmen aus Vorsicht, die nach den Warnungen der Leute mit denen wir arbeiten, wohl angbracht ist, stets lediglich das Geld mit, das wir für die Hin-und Rückfahrt benötigen.
Als wir das erste mal Konstitucion betraten hatten wir ein ganz schön mulmiges Gefühl. Die Strassen sind so leer, wie sonst nie in Buenos Aires und auch das Licht ist hier in den Gassen weniger present als im restlichen Teil der Stadt. Mit flauem Magen durchschritten wir die Strassen und waren froh bald vor dem Centro de noche zu stehen, dass von außen wunderbar bunt bemalt ist, jedoch gleichzeitig verriegelt wie ein Bunker. Fensterlos mit eisernen Türen wehrt sich das Centrum gegen die nächtlichen Attacken von Steinwerfern und anderen Wutausbrüchen.
Wir wurden sogleich von einem Strassenjungen empfangen, der vor dem Centro auf dem Boden kauerte und statt Schuhe Bandagen an seinen Füßen trug.
Seit 2 Wochen gehen wir nachts regelmäßig in das Centro de Noche Santa Catalina im verruchteren Viertel Constitución. Sonntag bis Donnerstag ab 22.30h können Kinder und Jugendliche, die auf der Strasse leben, in das Haus kommen um sich zu duschen, etwas zu essen und zu spielen oder fern zu sehen. Gestern haben wir eine Partie – wen wundert es – Fußball gezockt, was riesen Spaß gemacht hat. Mir (Johannes) hat der zwölfjährige Diego, der aussieht wie fünfzehn, jonglieren beigebracht. Juhu wollte ich schon immer können. Er hat damit schon „Geld verdient“, in dem er sich an einer großen Avenida bei Rot vor die wartenden Autos gestellt, für jeweils einige Sekunden seine Künste vorgeführt und dafür einige Münzen von gütigen Autofahrern bekommen hat.
Phillip spielt oft Dame oder Schach gegen die Kinder und zieht so weit ich weiß immer alle ab.
Wenn um 3h dann alle nach und nach ins Bett gebracht sind, legen wir uns auch für eine Hand voll Stunden hin, um dann wieder in die Casa San Antonio zurückzufahren. Dort angekommen wissen wir im Moment bis zum Beginn des Oratorios um 17h nicht viel anzufangen.
Am vergangenen Wochenende waren wir mit der Pfarrei, in der Hugo, der Erzieher des Centro de Noche, arbeitet, in Luján zelten. 
Max war auch dabei und hatte seinen Spaß. Der Zeltplatz war mitten in der Natur, die Kinder waren verglichen mit denen aus dem Oratorio echte Engel, sodass wir wirklich entspannende Tage verbringen konnten. Als wir dann am Sonntag auf dem Weg zurück über eine Stunde an hässlichen grauen Hochhäusern vorbeifuhren, wurde uns klar, dass jetzt erstmal wieder Schluss mit Grün ist. Schade, aber naja.
Hier fängt jetzt so richtig der Frühling an, kurze Hose ist angesagt. Nachts ist es in unserem Zimmer jetzt schon stickig heiß, wie soll das nur im Sommer bei 40 Grad werden?
Am Wochenende fahren wir ins Tigre-Paraná-Delta. Geil, wir haben so Bock Kayak zu fahren und einfach mal wieder auf ner echten Wiese zu liegen.




