200 Jahre Santa Cruz und mehr…

September, der Monat Santa Cruz´. Nach dem schon den ganzen Monat hier eine Fiesta nach der anderen ging, erreichten wir in der Woche vom 20.09. bis zum 26.09. den Höhepunkt. Am 21. war Frühlingsanfang, Tag des Arztes und Tag der Studenten. Am Freitag, den 24. dann das große Jubiläum von 200 Jahren Autonomie Santa Cruz. An jeder Ecke, gab es Konzerte, kleine Theater, Feuerwerk und Musikkapellen. Außerdem gab es eine Messe, die „Expocruz“, auf der alle möglichen Länder und Firmen ihre Waren ausgestellt haben, es gab Diskotheken, zahlreiche kleine Stände und sogar einen deutschen Biergarten (an dem wir natürlich nicht ohne einen Abstecher vorbei gekommen sind =)).

An diesem Wochenende sind viele Kinder zu ihren Familien gefahren. Ihm Hogar war nicht viel los und ich hatte nur 6 Kinder aus meiner Gruppe. Also wurden alle älteren Jungs in einen Schlafsaal gesteckt und die Aktivitäten zusammen gemacht. Es war schön auch mal mit anderen Kindern in Kontakt zukommen. Am Freitag gab es ein großes Fußballturnier zwischen den Häusern im Barrio und dem Hogar Don Bosco. Das Barrio ist Teil des Don Bosco Projektes. Es ist viel kleiner als das Hogar und beherbergt nur ca. 50 Jugendliche. Es gibt eine Schreinerei und eine Bäckerei, in denen ehemalige Kinder des Hogars arbeiten und lernen können. Dort sollen die Jugendlichen auf ein Leben außerhalb des Projektes vorbereitet werden und lernen, selber Verantwortung zu tragen. Das Barrio liegt ein am Rande der Stadt. Angereist sind wir auf der Ladefläche eines Pickups, mit zahlreichen Kindern. 2 Voluntäre von uns hatten nicht mehr so wirklich Platz und mussten mit einem Schutzblech und einer Stange zum festhalten vorliebe nehmen. Trotz des verrückten Verkehrs und Überladung des Autos sind wir alle gut zuhause angekommen.

Aber zurück zum Fußballturnier. Wie immer, wurde aus allem hier ein riesen Ding gemacht. Und so brauchte jede Mannschaft eine Königin. Wie immer zog ich den schwarzen Peter und musste herhalten. Es war zwar super peinlich aber lustig. =)

Am Sonntag sind alle Kinder ins Hogar zurückgekehrt. Die Berichte waren total unterschiedlich. Einige kamen mit neuen Klamotten zurück und Süßigkeiten, andere erzählten von positiven Erlebnissen mit ihren Familien aber es gibt auch Kinder, die in dieser Zeit für ihre Eltern arbeiten mussten. Ein kleiner Junge zum Beispiel, musste in der Nacht Bier für seine Eltern verkaufen.

Die Verhältnisse, von denen man schon viel gehört hat, jetzt wirklich mitzuerleben, sind wirklich etwas anders. Fast alle Kinder haben riesige Narben am ganzen Körper. (Auch am Kopf) Bei einigen Kindern, weis man noch nicht mal den vollständigen Namen oder das genaue Alter. Diese Kinder haben dann an dem Tag Geburtstag, an dem sie ins Projekt gekommen sind. Ein Junge beispielsweise, wurde mit ca. 3 Jahren im Bus liegen gelassen und in ein Hogar gebracht. Ein andere musste jede Nacht für seine Mutter 30 Bolivianos verdienen (was unmöglich ist). Später hat er mit seinen 8-9 Jahren auf der Straße gelebt und auf Autos aufgepasst. Wobei man sich fragt, wen so ein kleiner Junge bei einem Raub überhaupt aufhalten kann. Zum schlafen hat er sich wohl immer einen Hund ans Bein gebunden, um aufzuwachen wenn jemand kommt.

Im Hogar existiert über jeden Jungen eine Akte in der seine Geschichte steht. Ich kann sie jeder Zeit lesen, habe aber für mich entschieden noch ein bisschen zuwarten.

Erlebnisse mit meiner Gruppe:

Nachdem die Kinder mir die letzte Woche wirklich nicht leicht gemacht haben, habe ich mit dem Padre gesprochen. Die Jungs testen halt aus, wie weit sie bei mir gehen können. Ich muss mir ihren Respekt erst noch verdienen. Klar, ihr letzter Freiwilliger ist eine Woche vor mir gegangen und mit dem war natürlich alles „viel cooler“. Aber Gott sei Dank hat sich etwas geändert. In der Zeit, in der die Kinder Hausaufgaben machen müssen habe ich jetzt jeden Tag 5 Kinder, für 1 Std., denen ich Flötenunterricht gebe. Auch wenn es aufgrund der unterschiedlichen Notensysteme und meiner Sprache nicht ganz einfach ist, macht es mir großen Spaß. Wenn sie ein bisschen besser gelernt haben, können wir ja vielleicht mal eine kleine Vorführung machen. Und auch die Beziehung mit den Kindern ist besser geworden. Auf der einen Seite muss ich lernen, konsequent und streng zu sein, was ich gar nicht gerne mag. Auf der anderen Seite, muss ich auch mit ihnen lachen, quatschen, spielen und ihnen Geschichten erzählen um ein vertrautes Verhältnis zu schaffen. Aber mit zahlreichen Tipps und der Unterstützung, die ich bis jetzt bekommen habe, glaube ich, dass es in Zukunft besser wird.

Außerdem haben uns ein paar ältere Jungs gefragt, ob wir in einem Theaterstück mitspielen möchten. Wieder konnte ich nicht „Nein“ sagen. Nun proben wir jeden Abend eine Stunde um es dann am Sonntag aufzuführen.

1 Kommentar bis jetzt. »

  1. 1

    Brie said,

    Oktober 8, 2010 @ 11:27

    Hallo Lenchen :) wir verfolgen fleißig deine Berichte und hören immer
    weniger Heimweh daraus… Aber hier bleibt immer alles beim alten deswegen brauchst du dir überhauptkeine Gedanken oder Sorgen machen. Kim hat schon viele Situationen gehabt wo du ihr wirklich gefehlt hast.
    Viele liebe Grüße Brie und Kim

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