Auf der Straße…

Für den 25. Dezember, planen ein paar ältere Jungs des Hogars ein kleines Fest für Straßenkinder zumachen, damit sie an Weihnachten etwas zu essen haben und nicht alleine sind. Dazu wollen sie mit ein paar Kindern und Jugendlichen auf der Straße in Kontakt kommen und sie vorher schon besser kennen lernen.

Also waren wir letzten Freitag mit 3 anderen Volontären und 2 ältere Jungs des Hogars auf der Straße. Wir trugen alle T-Shirts vom Projekt. Unser erster Anlaufpunkt, waren die Kanäle, die hier an den Ringen um die Stadt herum liegen. Viele Kinder und Jugendliche suchen dort in den Kanälen selber oder unter Brücken Schutz. Dort waschen sie ihre Klamotten im dreckigen, vermüllten Wasser, machen Feuer, „kochen“, nehmen Drogen und verstecken sich vor der Polizei.

Viele Straßenkinder haben schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht und haben Angst vor ihr. Sie wurden von ihnen geschlagen und verprügelt. Nur Hilfe haben sie von ihnen noch nicht angeboten bekommen. Das Interesse der Stadt liegt viel mehr darin, ein schönes Bild aufrecht zu erhalten und da passen dreckige, stinkende Straßenkinder halt nicht rein.

Auch vor uns hatten manche Kinder Angst. Ein älterer Junge ist vorgegangen, hat uns viel erklärt und vorher die Kinder gefragt ob sie mit uns reden möchten. Schließlich haben wir mit 2 ca. 22 Jährigen jungen Männern gesprochen, die schon lange auf der Straße leben. Hinter ihnen tiefer im Kanal saßen auch noch andere Kinder und Frauen, die sich nicht getraut haben mit uns zu sprechen. Die beiden schlafen nicht im Kanal sie waren gerade dabei ihre einziges T-Shirt was sie haben zu waschen. Vom äußeren Erscheinungsbild sahen sie wirklich aus, als würden Sie auf der Straße leben. Die beiden waren sehr freundlich und erzählten uns, dass sie immer zusammen sind und alles Mögliche an Müll und Flaschen sammeln um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Wir hatten mittlerweile 16:00 und die beiden hatten noch nichts gegessen. Von Nahem verrieten dann doch große Narben im Gesicht, das sie schon einiges Erlebt haben müssen. Später kamen noch andere Jungs dazu, die neben einem großen rostigen Messer noch Limo in einer abgeschnittenen Flasche mitgebracht hatten. Der Junge mit dem Messer blieb Gott sei Dank auf der anderen Seite des Kanals. Das Getränk wollten sie großzügiger Weise mit uns teilen. Mit einem mulmigen Gefühl, aber mit dem Bewusstsein, es annehmen zu müssen haben auch wir aus der Flasche getrunken (Und es überlebt =)). Für Sonntag haben wir uns dann mit ihnen in einem Park verabredet und wollten ihnen etwas zum Essen mitbringen. Dafür hatten wir Volontäre unter uns ein bisschen Geld gesammelt. Leider erschien aber keiner von den Jungs wie verabredet.

Diese Erfahrung war traurig und spannend zu gleich. Aber wenn man einfach nur das mitnimmt, was man am Körper trägt, in Gesellschaft von erfahrenen Personen ist und höflich fragt ob sie sich mit einem Unterhalten wollen, wird nichts passieren. Die Kinder und Jugendliche haben teilweise viel größere Angst vor einem selbst. Das wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mitgegangen bin.

1 Kommentar bis jetzt. »

  1. 1

    ulla9 said,

    Oktober 21, 2010 @ 09:53

    Liebe Lena, es ist immer schweirig im Leben eines Straßenkindes “feste” Zeiten auszumachen. Schon der Begriff morgen ist für viele unendlich weit weg. Sicher wirst du ihnen nocheinmal begegnen. Ich habe mal den Tip eghört, wenn man mit Straßenkindern spricht, kann man sie auf ihre Narben ansprechen. Wenn man fragt “Wie ist das passiert” bekommt man zwar auch eine Meneg Lügengeschichten vom starken Mann erzählt, aber die Kinder können sich selber nur anhand solche rDinge wirklich daran erinnern, was ihnen in der Eintönigkeite der straße passiert ist.
    Ich fand deinen Beitrag sehr lesenswert und bin gespannt, welche Begegnungen du weiterhin machen wirst.

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