Campamento – Samaipata
Seid Mitte November sind Schulferien und der Großteil der Kinder sind zu Verwandten gefahren. Nur ca. 70 der 190 Kinder sind zurzeit im Hogar. Die letzten 3 Wochen haben wir in zwei Gruppen nach Alter sortiert auf dem Land in einer Art Zeltlager verbracht.
Ich war mit einer Gruppe von 16 Jungs im Alter von 11 – 16 Jahren für 17 Tage in Samaipata, einem kleinen Dorf 4 Autostunden von Santa Cruz entfernt.
Die Anfahrt haben wir dicht gedrängt mit allem möglichen Kram an Lebensmittel, Gepäck und Geräten auf der Ladefläche eines LKW’s verbracht auf der ich mir direkt einen dicken Sonnenbrand im Gesicht zugezogen habe.
Ich kam quasi schon verbrannt im Campamento an =). Endlich angekommen, nach seiner wirklich abenteuerlichen Fahrt, gefährlichen Abhängen und einer ziemlich steilen Auffahrt auf ungeteerter Straße mit zahlreichen Löchern, Steinen und Geröll (wo wirklich keiner von uns mit seinem eigenem Auto hochgefahren wäre) haben wir hoch oben und weit ab vom Dorf in einem Haus gelebt, was aus drei Teilen besteht. Der erste Einruck war erstmal bescheiden und wir 3 Volontäre brauchten nur einen Blick zu wechseln um zu wissen, dass wir alle dasselbe denken =).
Der erste kleine Bungalow etwas weiter unterhalb gelegen, stell mit Toiletten, Duschen und Waschbecken zum Klamotten waschen, das Waschhaus da. In der Mitte liegt die Küche mit Vorratskammer und Esszimmer. Etwas oberhalb dann, das Haus mit den Betten.
Ich habe zusammen mit einer Erzieherin im gleichen Raum wie die Jungs aber in der zweiten Etage etwas höher gelegen geschlafen.
Wir konnten aber trotzdem alles Hören was unten vor sich ging und ich lag wirklich manchmal mit Tränen in den Augen vor Lachen im Bett weil die Jungs wirklich lustige Dinge erzählt haben. Zum Beispiel hat ein 11 jähriger Junge ganz selbstbewusst erklärt, dass die Mücken zwar die Bolivianer respektieren, gegenüber den Ausländern (besonders den Europäern) jedoch ohne Rücksicht auf Verluste los stechen und piesacken.
Die männlichen Mitvolontäre hingegen haben direkt mit den Jungs in Stockbetten und Strohmatratzen geschlafen. (Eine Strohmatzrate hatte ich übrigens auch, zu lasten meines Rückens=)).
Wir sind viel durch die Berge und das dichte Gestrüpp gewandert und die Jungs waren stets hilfsbereit und besorgt um mich. Nur am ersten Tag habe ich mich mit 5 anderen Kindern und Erziehern verlaufen und wir mussten uns ohne Machete einfach mal querfeldein durch den dichtesten und verdorntesten Wald kämpfen. Meine Beine, die sich gerade ein bisschen von den Mückenstichen erholt hatten und nicht mehr ganz so aussahen als hätte ich Windpocken, sahen danach wieder dem entsprechen wüst aus. Letzt endlich sind auch wir angekommen und haben uns am Fluß erstmal eine Runde Lutscher gegönnt.
Einen Tag haben wir einen Ausflug an die „Cuevas“ gemacht. Es ist ein Ort mit drei mehr oder weniger großen Wasserfällen, die wirklich wunderschön sind. Bepackt mit einem riesigen Topf voll Reis, (der hier immer vor dem Kochen in viel Öl angebraten wird), Frikadellen und Rotebetesalat sind wir nach dem wir die ersten 21 km in der Micro hinter uns gelegt hatten in den Park eingetreten und zu den Wasserfällen gestiefelt. Ich bin mit ein paar Jungs oben auf dem letzten Wasserfall ganz weit den Fluß entlang gelaufen. Die Natur war echt atemberaubend und ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Irgendwann war das Wasser so tief, das wir den Weg über die Berge einschlagen mussten und neben einem übelst stürmischen Wind, der uns fast umgeschmissen hätte eine traumhafte Aussicht hatten. Ich bin Barfuß durch die Berge geklettert und zusammen haben wir noch weitere klitzekleine Wasserfälle gefunden und die ein und die andere Orchidee gepflückt.


Einen anderen Tag, sind wir auf einen Berg gewandert und hatten eine schöne Aussicht, auch da haben wir mit Reis, Ei und Tomate unser Mittagessen hoch oben auf dem Berg zu uns genommen. Die Kinder waren nie begeistert den Topf durch die halbe Weltgeschichte zu tragen, aber auch ich habe immer für sie Trinkpäckchen, Plätzchen oder Brot mitgeschleppt was es dann halt zur Merienda gab.
Es war super schön da oben auf dem Berg, leider war ich so intelligent und habe alle Fotos gelöscht. =) Des Weiteren haben wir zusammen gekocht, Lagerfeuer gemacht und Stockbrot und Pizza gebacken. Am Lagerfeuer haben wir ganz nach meinem Geschmack gesungen Gitarre gespielt, Witze und Geschichten erzählt.
In den letzten drei Tagen haben wir angefangen ein Baumhaus zubauen, was uns großen Spaß und Stolz bereitet hat. Dabei haben wir keinen einzigen Hammer oder Nagel benötigt sondern alles mit einer Schlingpflanze aus dem Wald befestigt.
Auf der einen Seite war es echt anstrengend mit den Kindern 24 Stunden rund um die Uhr zusammen zu leben, das gleiche zu Essen wie sie, zur gleichen Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen. Aber trotzdem, war es eine super schöne Erfahrung, ich hatte die Gelegenheit die Kinder mal von einer ganz anderen, entspannten und persönlicheren Seite kennen zu lernen.
Ich habe Vogelspinnen gesehen, mit einem „cuerpo espin“ geschmust, eigentlich nur spanisch gesprochen, das ein oder andere Mal ernährungstechisch über meinen Schatten gesprungen (weil wir direkt von Anfang an eine Essensration für 2 Wochen mit hatten), war 4 Tage ohne Wasser, habe meine Wäsche im Fluß gewaschen, mich unter einem Wasserfall geduscht, ein paar Nächte ohne Strom (und wir hatten auch generell nur Abends für 2-3 Std. Strom) verbracht und vieles mehr…
Für das nächste Campamento, was Mitte nächsten Jahres sein wird, habe ich mir vorgenommen öfter Aktivitäten, Olympiaden, Schnitzeljagd oder andere Aktionen zu organisieren. Jetzt habe ich mich noch (vor allem in der ersten Hälfte) ein wenig zurück gehalten und erstmal beobachtet, wie die erfahrenen Erzieher sich verhalten. Ideen und Eigeninitiative sind jedoch gerne gesehen und dankbar angenommen. Vorausgesetzt, man bringt genug Spontanität und Geduld mit, denn bis eine Sache mal wirklich Umgesetzt ist, wurde sie vorher drei mal verschoben und verändert, bis sie dann am Ende doch mehr oder weniger genau so läuft wie geplant. Auch war es eine Erfahrung, mal aus der Stadt raus zu kommen, einen niedrigeren Geräuschpegel zu erleben, zu sehen wie die Leute, die Natur, die Kultur und das Leben auf dem Land so ist.
Ebenfalls habe ich in diesen 17 Tagen das erste Mal Zeit gehabt über alles nachzudenken was in den fast vier Monaten, die ich jetzt bereits hier bin alles passiert ist. Ich habe viel an zu Hause gedacht und meine Familie, mein Umfeld und meine Freunde wirklich schätzen gelernt. Es betrifft mich schon zu hören, zu sehen und zu erleben aus welchen Verhältnissen die Kinder teilweise kommen.
Zurück ging es dann am letzten Tag wieder mit dem Camion, angekommen bin ich dann kaputt, leider mit Läusen aber glücklich=).
Im Haus war die Stimmung die letzten Tage nicht so gut. Ich kann von meiner Seite zwar nichts sagen aber ich drei andere Volontäre wurden ohne vorher mit ihnen über angebliche Probleme oder Fehler gesprochen zu haben erst einmal vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie hatten (so wurde uns im Nachhinein erklärt nur die Möglichkeit sich ein paar Tage frei zu nehmen um über ihre Motivation nachzudenken), anfangs hat sich das für die Betroffenen aber wie ein Zwangsurlaub mit anschließendem Rausschmiss angehört. Nach einigen Diskussionen bis spät in die Nacht hat sich jetzt plötzlich alles wieder relativiert.
Ein Mitvolontär bleibt zwar im Projekt hat aber vom Hogar ins Patio gewechselt. Die andere geht sowieso im Januar, weil ihr Dienst hier endet und die anderen zwei überlegen noch in ihrem Urlaub, den sie jetzt haben was sie tun werden.
Zurück im Hogar, werden im Moment das ganze Haus und der Garten wieder auf Vordermann gebracht. Wir sind die Wände am putzen, am schmirgeln, am Müll sammeln und das Gras mit der Machete am mähen (was mir schon die ein oder andere Blase plus Muskelkater beschert hat). Aber es macht Spaß mit den Kindern zusammen zu sein und den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein.
Norbert Davepon said,
Februar 11, 2011 @ 17:48
Ola Lena
)
Cómo está usted ??
Ich habe leider nichts mehr lesen können und weiß nicht wie es dir seit meinem Geb. geht. Ich hoffe aber gut. Vielleicht hast du auch viel zu tun. Ich wollte dir nur mal ein paar Grüße aus Lenzholz schicken, damit du weißt, daß jemand an dich denkt.
LG an alle aus Deutscheland
Norbert Davepon