Halbzeit ?!
Wie die Hälfte ist schon rum? – Viel zu schnell verging die Zeit!
Und schon wieder ist viel Zeit vergangen seid dem ich mich das letzte Mal gemeldet habe.
Mh… Was ist seit Neujahr alles passiert?
Mein Volontärsstatus im Hogar hat sich ein bisschen verändert, da ich jetzt alleine als Erzieherin mit einer Gruppe arbeite. Von der guten Volontären, die immer für ein Späßchen zu haben ist, bin ich jetzt zur bösen Educadora geworden, die auch mal schimpfen muss.
Aber schon kurze Zeit später kommen sie an und sagen „Hermana, hermana me ayudas? , me das esto o esto?“ usw. (was so viel heißt wie Schwester, Schwester hilfst du mir oder Gibt’s du mir dies oder jenes? ). Bis jetzt hat mich diese neue Aufgabe schon ordentlich zum schwitzen gebracht und einige Nerven und Tränchen gekostet.
Plötzlich wird einem bewusst wie schnell man an seine Grenzen kommt und einfach nur noch Ratlos ist. Aber ich mag es auch meine eigenen Ideen einzubringen und ein bisschen mehr Verantwortung zu übernehmen.
Letzte Woche habe ich für alle Zahnbürsten gekauft, damit sie mir nicht mehr mit ihren kleinen Fingerchen ankommen um sich die Zähne putzen zu wollen. Nächste Woche haben wir dann auch als Gruppe ein Gespräch mit dem Zahnarzt und sie können sich dann ab jetzt für jedes Mal Zähneputzen einen Pluspunkt verdienen.
Meine Jungs aus der vorherigen Gruppe „Miguel Rua“, sind ein bisschen beleidigt, dass ich jetzt mit 25 Jungs im Alter zwischen 10 – 14 Jahren arbeite und nicht mehr bei ihnen bin.
“Meine neuen Jungs” besuchen die 5. Klasse und haben am Nachmittag Unterricht. Mein Arbeitstag mit der Gruppe Bartolome Garelli sieht also folgendermaßen aus:
Um 6:30 gehe ich ins Hogar in die beiden Schlafsäle der Kinder um sie zu Wecken, sie putzen sich im besten Fall die Zähne, machen ihr Bett und ziehen sich um, um 7:00 treffen wir dann in unserem Gruppenraum ein. Dann wird erstmal versucht Ruhe in die Gruppe zu bringen, was nicht immer einfach ist, aber ich habe mit der Zeit schon einige Tricks raus wie es schnellstmöglich zu schaffen ist. Wir sprechen zusammen ein Morgengebet und anschließend gibt es eine Aktivität, die ich vorher vorbereitet habe. Nicht immer sind die Kinder begeistert von meinen Ideen und es kostet mich noch viel Geduld und Kraft die Ruhe zu behalten und mich durchzusetzen. Um 8:00 klingelt es dann zum Frühstück, die Kinder stellen sich in einer Reihe auf, werden noch einmal von mir durchgezählt und treten dann einer nach dem andern in den Essensaal ein. Zum Frühstück gibt es dann nach dem Gebet meistens 2 Brötchen, ein bisschen Aufstrich und ein Becher heißen (viel zu süßen) Tee oder Milch. Danach müssen die Jungs ihre „Oficios“ machen, kleine Aufgaben im Hogar, sei es den Gruppenraum oder die Schlafsäle zu kehren und zu putzen oder im Garten den Müll aufzusammeln. Um 9:00 klingelt es dann zu betreuten Hausaufgabenhilfe im Hogar selbst. Ich habe dann bis 10:30 Zeit die Wäsche von den Kindern zu zählen, sie in die Wäscherei zu bringen oder wieder abzuholen, ihre Socken und Unterhosen zum trocknen aufzuhängen, ihre Uniformen nach Nummer zu sortieren und jedem Kind seine Uniform samt Unterhose und Socken auf die Betten zu legen.
Falls Schuhe oder Klamotten zu flicken gibt, bringe ich sie an die entsprechenden Orte und hohle sie später wieder ab. Viel Zeit bleibt mir dann bis 10:30 nicht mehr, dann muss ich in einer der 3 Kleingruppen meiner Kinder die Lehrerin unterstützen und eins zu eins mit Kindern üben, die besondere Probleme haben. Um 12:00 klingelt es dann und ich gehe mit den Kindern erneut in ihre Schlafsäle, die waschen sich, ziehen ihre Schuluniformen an und gehen dann um 12:30 zum Mittagessen. Danach werden sich nur noch die Zähne geputzt, die Trödler, die vorher nicht kommen wollten müssen sich dann richtig beeilen und um 13:30 sind wir dann wieder im Gruppenraum. Es dauert immer ein wenig, bis wirklich alle den komplizierten Weg vom Schlafsaal in den Gruppenraum gefunden haben, es wird das Abschlussgeben gemacht und zusammen mit der Erzieherin vom Nachmittag bringen wir die Jungs in die Schule. Wir sprechen kurz mit den Lehrerinnen und haben dann noch eine Stunde zusammen um liegen gebliebene Sachen zu erledigen oder die Woche und die Wochenenden zu organisieren. Am Wochenende rotieren wir immer, ich arbeite entweder samstagmorgens (wo eigentlich nur sauber gemacht wird) oder sonntags abends wo man viel Zeit, viel Spielraum und schöne Momente mit den Kindern hat.
Danach um 14:30 gehe ich dann ein bisschen entkräftet aber meistens zufrieden nach Hause und bereite meistens noch etwas für den nächsten Tag vor.
Jetzt in der Anfangszeit gibt es immer noch viel organisatorisches zutun, die Klamotten zu sortieren, die „Bestände“ zu prüfen und aufzufüllen, umzuräumen und zu besprechen, so dass ich immer später zu hause war. Die Kinder sind zum Glück so gut wie nie nachtragend und helfen mir somit immer, einen nicht ganz so perfekten Morgen zu vergessen und mit einem guten Gefühl nachhause zu gehen.
Mein Wunsch am Morgen zu arbeiten hat sich also endlich erfüllt und jetzt habe ich Zeit am Abend einen Tanzkurs zu machen. Eine Stunde hatte ich bis jetzt, die ich zusammen mit einer Italienerin aus dem Haus besucht habe, es macht mir großen Spaß und nächste Woche gehe ich gleich wieder 2-mal hin. =)
Das Leben im Haus wird sich sicherlich verändern, weil wir es bis März bis aufs letzte Bett füllen werden. Dann würden bis zu 27 Leute hier wohnen. Ein Mischung aus Bolivianern, Italienern, Spaniern, Holländern und Deutschen wir das Leben hier bunt und chaotisch machen. =)
Anderer Aspekt der „Halbzeit“, war der große Chefbesuch von unserem lieben Wolfgang und das Zwischenseminar in Buenos Aires.
Bevor wir nach Buenos Aires aufgebrochen sind, war der Verantwortliche für die Volontäre von „Don Bosco Volunteers“ in Bonn für 4 Tage bei uns im Projekt und hat auch bei uns im Haus übernachtet. An seiner Seite hatte er eine Ehemalige Volontärin, die ihn bei Sprachlichen Hindernissen unterstützt hat. Es gab einige organisatorische Dinge mit der Leitung über die zukünftige Entsendung und Quantität der Volontäre zu besprechen. Er hatte ein bisschen Zeit sich das Projekt anzuschauen und auch das Leben im Haus zu erfahren.
2-mal waren wir etwas mit ihm Essen und haben uns ausgetauscht wie es uns und den anderen Volontären in Indien und Afrika so ergeht und welche Erfahrungen sie machen und gemacht haben. Am letzten Abend für Wolfgang und Martina gab es ein großes Abschiedsessen.
An der Reihe waren die Bolivianer, die unserem Beispiel vom Deutschenabend gefolgt waren und ganz lecker, mit großer Vielfalt und in riesigen Mengen für uns gekocht haben.
Montagmorgen ging es nach Buenos Aires. Erschrocken über die teure Flughafensteuer und durch zahlreiche Sicherheitskontrollen geschickt (die dem Sprichwort, „mehr Schein als Sein“ gerecht werden) konnten wir dann in der letzten Minute ins Flugzeug einsteigen. Mit ca. 30 Minuten Verspätung sind wir dann los geflogen. Aber klar wir sind ja in Bolivien. =)
In Buneos Aires dann, sind wir um Geld zusparen mit dem Bus gefahren. Wir waren noch gute, ungeplante 3 Stunden unterwegs bis wir dann endlich in der „Calle Don Bosco“ in unserem Quartier angekommen sind. Wir wurden ganz herzlichen von dem Salesianer vor Ort empfangen und trafen dort gleichermaßen auf bekannte und neue Gesichter.
Das Seminar war nicht nur für uns Bonner – Volontäre sondern auch für die Süddeutschen aus Benediktbeuern organisiert.
Ich habe dort eine super Zeit verbracht. Die Stimmung war einzigartig und wir haben viel über die Erfahrungen und Problemchen der andern gehört uns gegenseitig Tipps gegeben, zugehört, Matetee getrunken, Spieleideen ausgetauscht und auch bis spät in die Nacht ausprobiert und zusammen gekocht. Mittwochs hatten eine Exkursion mit dem Kajak auf dem Tigre – Delta, es war total anstrengend, nass aber super lustig. 
Ganz ungewohnt, europäisch und viele viele weiße Menschen, ganz anders wie hier in Santa Cruz.
Donnerstag hatten wir einen typisch argentinischen Grillabend, der von unserem lieben Salesianer organisiert wurde.
Freitagmittag nach der Messe und nach dem Mittagessen endete das Seminar dann und wir waren bis Sonntagmorgen „frei“.
Samstags haben wir dann ein bisschen die Stadt unsicher gemacht und die wichtigste Plätze erkundet. Abends saßen wir noch gemütlich beisammen und Sonntagmorgens ging es dann wieder in unser zu Hause auf Zeit, nach Santa Cruz.
Mit neuer Motivation und vielen neuen Ideen bin ich in diese Woche gestartet und habe glaube ich auch schon ein bisschen mehr Gelassenheit den Problemchen gegenüber die mir täglich begegnen. Mal schauen wie ich das so meister…



Jorid said,
Februar 27, 2011 @ 19:49
Hallo Lena!
. Ich hoffe es geht dir gut dort und du kannst hinterher vieles von dort mit nach Hause nehmen (wovon ich aber überzeugt bin
). Ich stelle mir vor, dass die Arbeit mit den Straßenkindern eine echte Herausforderung ist. Hut ab!
Ich habe mir gerade ein paar Seiten von dir angeguckt! Hammer, Bolivien muss auch echt spannend sein
Ich bin ja zur Zeit noch bis Ende Juli in Mexiko – also gar nicht so weit von dir entfernt. Hier ist es auch super. Die Leute haben mich hier schnell integriert und ich komme ganz gut mit dem Land und der Sprache zurecht. Das Ganze ist in meinem Studium integriert und ich kann mir einige Fächer anrechnen lassen, wenn ich wieder nach Bonn zurück komme.
In Bolivien wird auch spanisch gesprochen, oder? Dnan können wir uns in ein paar Monaten auf spanisch unterhalten xD
Hast du eigentlich Facebook/Studivz?
Muchos saludos!
Jorid