Halbzeit

Hallo ihr lieben Leser,

nun ist das lang erwartete Zwischenseminar (vom 05.02. bis zum 11.02.2012) in Südafrika auch schon vorbei und am 03.März werde ich genau die Halbzeit meines Aufenthaltes erreicht haben. Irgendwie eine unglaubliche Vorstellung, dass ich schon so lange auf Madagaskar bin und „nur noch“ einmal die gleiche Zeit vor mir liegt. Die Zeit rast. Und eins ist sicher: die Madagassen werde ich nie verstehen. Mir wird immer deutlicher, dass man die Madagassen als Nicht-Madagasse wohl nie verstehen KANN: In Chamäleons leben die Ahnen weiter und sobald ein Chamäleon in einen Raum oder Wohnung eindringt gilt das als schlechtes Ohmen und entweder man selber oder ein Familienmitglied wird krank oder stirbt sogar. Bäume werden eingezäunt, weil sie „faly“ sind und nicht berührt werden dürfen. Orte, Gewässer, Tiere können „faly“ sein und sind mit gewissen Verhaltensregeln belegt. Jede kleine unbedeutend wirkende Tat kann (nach dem Glauben der Madagassen) Großes auslösen. Was ich in den letzten Tagen gelernt habe: niemals Salz in frische Milch tun (wobei ich das eh nicht vorhabe), sonst wird das Euter der Kuh krank, die die Milch gegeben hat (dies erzählte mir eine befreundete madagassische Familie, bei der ich zum Essen eingeladen war und selbst die Schwestern sind davon überzeugt) und Zwerge (vazimba), die Ureinwohner Madagaskars, leben in den Wäldern.

Das Zwischenseminar war auf jeden Fall absolut klasse und die Woche davor super stressig, da ich noch 300 Examen mit den Kinder schreiben musste. Selbst Freitagmorgen ließ ich noch eine Klasse die Examen schreiben, brachte die Tests nach Hause, schulterte meinen Rucksack und ab ging die Reise. Pousse-pousse, Buschtaxi, Boot, eine Nacht in einer schlechten Abstiege bei strömenden Regen auf Nosy Bé, Taxi, Flugzeug bis Antananarivo, Flugzeug bis Johannesburg, Auto und angekommen!

Bis zum letzten Augenblick musste ich bangen, ob ich überhaupt zum Zwischenseminar fliegen könne, da gerade die Zyklonenzeit ist und wir eine Woche keine Sonne sahen. Eine Woche Dauerregen, bei dem das Meer so unruhig war, dass man nicht mit dem Boot übersetzten konnte (um von der Insel Nosy Bé aus das Flugzeug zu nehmen), doch am Morgen meiner Abreise klärte es sich plötzlich auf, ich konnte auf die Insel übersetzen und nachmittags regnete es wieder in Strömen, doch das machte dann ja nichts mehr.

Als ich so eingequetscht zwischen Madagassen von Ambanja in Richtung Fährhafen unterwegs war, kam plötzlich das Thema auf, wo ich denn meinen Ehemann gelassen hätte. Ich erklärte, dass ich nicht verheiratet sei und es auch in naher Zukunft nicht vor hätte. Die Madagassen ließen sich davon jedoch nicht abschrecken und diskutierten die ganze Zeit weiter, wann ich denn am besten heiraten solle. Auch endlich am Fährhafen angekommen war das Thema noch nicht gegessen und bald wussten nicht nur die Menschen, die mit mir im Buschtaxi waren wie alt ich bin und dass ich noch nicht verheiratet bin, sonder auch der ganze Fährhafen. Na, da hatte ich für Gesprächsstoff gesorgt. =)

Die „Sicherheitskontrollen“ in Madagaskar vermittelten mir nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit: ohne kontrolliert zu werden, konnte man ins Flugzeug marschieren und selbst als der Körperscanner piepte (ich wusste nicht wohin mit dem Handgepäck, weil es kein separates Band gab, lief also so durch), schien das keinen zu interessieren. Mein schon abgelaufenes Visum wurde mehrmals abgestempelt und keiner merkte, dass es abgelaufen war (und dass nachdem wir endlich den ganzen Stress mit den Jahresvisum (sprich viel Schmiergeld zahlen mussten) überwunden hatte und mein Visum in Händen hielten) und das Flugzeug hob eine halbe Stunde vor geplanter Abflugzeit schon von der Startbahn ab. Madagaskar halt.

Samstag kamen wir Don Bosco Freiwilligen von Bonn also aus Kenia, Sambia, Swaziland, Südafrika und Madagaskar in Johannesburg zusammen. Sonntag kamen noch 4 weitere Freiwillige von Benediktbeuern aus Ghana und Benin dazu. 12 Freiwillige, wir waren komplett. Von Don Bosco Volunteers kamen Francesco und Christian aus Deutschland, die das Seminar leiteten.

Das Wiedersehen und die ganze Woche Zwischenseminar war irgendwie unwirklich, aber total klasse. Zuletzt gesehen in Bonn waren wir nun in Südafrika wieder vereint, nach 5 Monaten unterschiedlichster Erfahrungen in verschiedenen Ländern Afrikas. Seit dem ersten Sehen am Flughafen ging der Austausch über Land, Kultur, Leute und Projekt los und sollte die ganze Woche über nicht abebben. Es war so unglaublich interessant von den anderen Kulturen zu erfahren, sich Bilder und Videos von den Ländern und den Projekten anzuschauen und einfach seine bisherigen Erlebnisse miteinander zu teilen. Über manche Sachen konnte man im Nachhinein und mit Abstand lachen, auch wenn sie in dem erlebten Moment eher unlustig waren und teilweise wurde man in großes Staunen versetzt, da man einfach nicht glauben konnte, wie es in den anderen Ländern zugeht. Afrika als Kontinent ist so anders als alles was man kennt und auch zwischen den Ländern findet man noch große Unterschiede. Es gibt so viele Sachen, die man einfach nie verstehen und nachvollziehen werden kann. Das Projekt in Südafrika (in dem ein Freiwilliger von Don Bosco Volunteers seinen Freiwilligendienst absolviert und wo wir unser Zwischenseminar abhielten) ist super groß und sehr gut ausgestattet. Wir waren platt. So etwas waren wir anderen von unseren Projekten nicht gewöhnt. Es gab sogar einen Pool, das Essen war europäisch (womit mein Magen die ganze Woche schwer zu kämpfen hatte, vorallem mit der Frischmilch) und anfangs war ich überrascht, dass der Strom nicht ausfiel und warmes Wasser aus der Leitung kam. Wir genossen einen unglaublichen Komfort (im Vergleich zu den ersten 5 vergangenen Monaten im Projekt), man fühlte sich fast schon wie in Europa und wir gewöhnten uns erstaunlich schnell wieder an die europäische Lebensweise. Das tollste war aber einfach eine Woche unter jungen Menschen, unter Freunden, zu sein und sich auf deutsch austauschen zu können. Den ersten Abend begannen wir gleich mit einem echt südafrikanischen Barbecue, draußen auf einer Terasse, bei sambischer Musik. Mich hatte die Anreise und der starke Klimawechsel (von feucht-heiß zu trocken-kühl) wohl etwas mitgenommen und so lag ich erst einmal für ein paar Stunden mit Fieber im Bett, konnte mich dann aber zum Glück wieder zu den anderen gesellen. Ich wollte mir keinen Augenblick mit den anderen entgehen lassen und genoss die Woche über einfach jede Minute unserer Gemeinschaft. Wir haben unglaublich viel gelacht, die Gespräche, die wir führten waren super und ich denke für uns auch sehr wichig, Francesco und Christian (aus Deutschland) hatten ein super Programm mit vielen Reflexionen über den vergangenen und bevorstehenden Einsatz vorbereitet, wir saßen bis spät in die Nacht (oder war es schon Morgen?) bei Gitarrenmusik und guten Gesprächen zusammen, tanzten traditionelle swaziländische Tänze ums Lagerfeuer und hatten einfach Spaß (unter anderem beim Ausprobieren von Kinderspielen) und konnte einfach mal entspannen und Abstand von den Projekten gewinnen. Mir persönlich tat der Klimawechsel auch körperlich ziemlich gut. Endlich fror ich mal wieder und war nicht nach der kleinsten Bewegung geschwitzt und erschöpft. Um auch ein bisschen raus zu kommen fuhren wir an einem Tag nach Pretoria und Soweto, fuhren am WM-Stadion vorbei und schlenderten anschließend ein paar Stunden durch eine riesige moderne Shoppingmole. Man fühlte sich wirklich wie in Europa, das war ganz und gar nicht das Afrika, das ich kannte und wirklich ein komisches Gefühl.

Die Woche raste nur so dahin und schnell war wieder Samstag (11.02.2012), der Tag der Abreise. Genauso komisch wie die Vorstellung, dass wir Deutschen uns alle in Südafrika treffen sollten war es jetzt zu wissen, dass alle wieder in ihre afrikanische „Wahlheimat“ Benin, Ghana, Sambia, Kenia, Swaziland, Südafrika und eben Madagaskar entschwinden würden und wir uns nach weiteren 6 Monaten Einsatz und damit Erfahrungen und Eindrücken wieder in Deutschland treffen würden. Im riesigen, modernen Flughafen (vergleichbar mit Frankfurt, was mich ganz schön in Staunen versetze, vorallem im Vergleich zu den madagassischen Flughäfen) blieb dann noch der letzte Abschied von den sambischen und kenianischen Freiwilligen und schon saß ich wieder alleine im Flugzeug Richtung Madagaskar, eine große Insel vor Afrika, die aber weit genug vom Festland weg ist, um sich eigentständig und irgendwie nach eigenen und anderen Regeln als der Rest von Afrika entwickelt zu haben scheint, das war mir nach diesem Seminar umso mehr bewusst geworden.

Mit dem Zurückkommen nach Madagaskar hatte ich dann leider so meine Schwierigkeiten und es dauerte über eine Woche bis es mir wieder wirklich gut ging. Eigentlich hatte ich mich sehr auf Madagaskar und die Kinder gefreut, die mir schon nach einer Woche sehr fehlten und auch der Abend als ich aus den Flieger von Johannesburg stieg und madagassischen Boden betrat, fühlte ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Da es schon dunkel war konnte ich abends nicht mehr weiter reisen und musste mir ein Hotelzimmer suche, was aber mit der Hilfe der freundlichen Madagassen überhaupt kein Problem war. Sonntagmorgen verließ ich dann schon um 6 Uhr das Hotel, um das erste Boot zu erwischen, um so schnell wie möglich „zu Hause“ anzukommen. (Und mal wieder hatte ich mit dem Wetter Glück: ein Tag nach meiner Ankunft (am 13.02.2012) brauste ein Tropensturm über die Insel und ich hätte auf Nosy Bé festgesessen. -> siehe weiter unter „noch ein paar Eindrücke aus dem madagassischen Leben“. Ich habe für das Zwischenseminar also genau die Lücke getroffen, in der man reisen konnte.) Was mich gleich spüren ließ, dass ich wieder auf Madagaskar war, war die Hitze. Sonntagmorgen um 6 Uhr lief ich in gemütlilchem Tempo zum Hafen und der Schweiß tropfte mir nur so von der Stirn. Doch es war wunderbar nach der Bootsüberfahrt und der anschließenden Buschtaxifahrt wieder in Ambanja anzukommen. Ein paar Leute erkannten mich: „Ca va maîtresse?“ („Wie geht´s, Lehrerin?“), ich sah Sr.Alice (eine Schwester, bei der ich lebe) im Vorbeifahren auf dem Markt einkaufen, die Kinder auf der Straße erkannten mich und riefen mir „Bonjour, Louisa!“ hinterher und von den Schwestern wurde ich super herzlich willkommen geheißen. Ich war wieder „zu Hause“.

Montag kam dann komischer Weise der Einbruch. Das feucht-heiße Klima machte mir körperlich ganz schön zu schaffen und ich sollte sofort die Vertretung in der „maternelle“ (40 Dreijährige) für den ganzen Tag lang übernehmen. Die Kinder freuten sich so sehr mich wieder zu sehen, dass sie alle auf mich einstürmten, mich umarmten, um mich herum sprangen und rumschrien und ich fühlte mich absolut nicht in der Lage irgendetwas gegen dieses Chaos zu unternehmen, weil ich einfach so platt von dem Klimawechel von Südafrika nach Madagaskar war. Nach einer Stunde handlungsunfähigem Rumsitzen bei den Kleinen, beschloss ich, dass ich nach Hause fahren musste. Es musste jemand anderes für die Vertretung gefunden werden. Den darauf folgenden Tag blieb ich dann auch noch ziemlich schlapp zu Hause und die restliche Woche war kein Unterricht für die Schüler, weil sogenannte „Schultage“ waren, an denen über Bildung gesprochen wurde und selbst produzierte Sachen von den Lehrern verkauft wurden, um ein bisschen Geld in die von den Lehrern selbstgegründete und organisierte „Sozialkasse“ zu bringen. Ich schaute dort mal vorbei, da aber eh alles auf madagassisch abgehalten wurde, sah ich die Tage für mich als frei an und da ich mich wieder mehr und mehr an das Klima gewöhnt hatte, konnte ich ein bisschen durch Ambanja schlendern, traf so ein paar Schüler von mir auf der Straße, die sich über meine Rückkehr freuten (manche dachten schon, ich wäre zurück nach Europa geflogen) und sich versichern ließen, dass ich den Unterricht fortsetzen würde und konnte ein paar Sachen erledigen. Womit ich neben dem Klima bei meiner Rückkehr zu kämpfen hatte war, dass ich beim Zwischenseminar wieder erlebt hatte, wie toll es einfach ist mit jungen Menschen zusammen zu sein und einfach gute Gespräche zu führen. Zurück auf Madagaskar lebe ich wieder mit den Schwestern zusammen und arbeite den ganze Zeit, 7 Tage die Woche, mit Kindern zusammen und das in einer fremden Kultur, in einem Land, wo mich die meisten Menschen nicht verstehen und die Menschen eine Sprache sprechen, die ich nicht verstehe. Ich fühlte mich zwar nicht wirklich alleine, doch wusste ich jetzt wieder, was ich in Deutschland so gerne mochte und dachte viel an Familie und Freunde. Das ganze wurde auch dadurch nicht sonderlich leichter, dass meine Schwester 18 geworden war und ich nicht in Deutschland bin. Mittlerweile geht es mir aber zum Glück wieder genauso gut wie vor dem Zwischenseminar. Wie soll das auch anders sein bei diesen tollen Kindern? Gleich Samstag marschierte ich wieder ins Waisenhaus und sobald ich durch das Tor trat, rannten die Kleinen mit „Louisa, Louisa!“ -Rufe auf mich zu und umarmten mich. An diesem Nachmittag hatten die Kinder und ich viel Spaß zusammen und auch Sonntag war das Oratorium so super, wie noch nie. In der Schule freute ich mich Kinder und Kollegen wieder zu sehen und die Freude war wohl gegenseitig. Montag begann ich wieder zu unterrichten: 5 Englischklassen und 3 Sportklassen und mir machte es super viel Spaß. Endlich war ich wieder voll angekommen und mir ging es wieder wunderbar.

Ich hatte im letzten Eintrag versprochen etwas über den Englischunterricht zu schreiben. Den Englischunterricht habe ich jetzt im zweiten Trimester in 14 Klassen übernommen. Damit ist mein Stundenplan jetzt komplett lückenlos von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr ausgefüllt (insgesamt habe ich jetzt 14 Englischklassen mit 470 Englischschülern und 17 Sportklassen mit 650 Schülern und zudem noch die „maternelle“ mit 40 Schülern) und unterrichte teilweise 8 verschiedene Klassen pro Tag. Die Examen aller Schüler sind unglaublich viel Arbeit, aber das Unterrichten macht mir sehr viel Spaß. Wie zu erwarten gibt es natürlich keinen Lehrplan und keine Unterrichtsmaterialien, nicht ein einziges Buch und auch von meiner Vorgängerin hatte ich nicht gesagt bekommen, was sie denn schon im Unterricht durchgenommen hatte. Ich habe also völlige Freiheiten in meiner Unterrichtsgestaltung und bin nicht einmal an Themen gebunden.

Zudem unterrichte ich nicht nur an der SEVEMA im Zentrum Ambanjas, sondern auch in einer Schule (die noch zur SEVEMA gehört) in einem Stadtteil am Rande Ambanjas, genannt Begavo. In Begavo ist die Sprachsituation mit Französisch noch schwieriger, da die meisten Kinder aus dem Busch kommen, wo sie überhaupt keinen Kontakt mit der französischen Sprache haben. Teilweise verstehen sie mich mittlerweile durch den Englischunterricht auf englisch besser, als auf französisch. Schräge Welt. Selbst die Lehrer verstehen wirklich die leichtesten Sachen auf französisch nicht. Nach Begavo fahre ich aber jedes Mal sehr gerne. Der Weg ist lang, doch so komme ich mit meinem Rad einmal durch ganz Ambanja und mitten durch den großen Wochenmarkt. Ein richtiger madagassischer Markt! Überall wimmelt es nur so vor Menschen und pousse-pousse, man weiß gar nicht, wo man hingucken soll (und muss gleichzeitig aufpassen nicht überfahren zu werden, oder jemanden zu überfahren), es ist laut, alle plappern vor sich hin und die Luft ist voller (mehr oder weniger guter) Gerüche. Es ist jedes Mal schön durch dieses Stadtgewimmel zu fahren. Das ist Madagaskar!

Was ich als völlige Selbstverständlichkeit betrachte ist, dass die Kinder im Englischunterricht natürlich so viel wie möglich Englisch sprechen sollen und da ich an einer Grundschule unterrichte will ich unbedingt möglichst viel Spaß an der Sprache vermitteln und auch viel spielerisch mit den Kindern lernen. Dass die Kinder jetzt sogar Englisch sprechen „dürfen“ schien ihnen aber ziemlich neu und sie konnten es anfangs gar nicht glauben, dass ich sie wirklich dazu aufforderte zu Sprechen. Und das ist genau das, was den Unterricht so leicht mit den Kinder macht: sie sind schon begeistert, wenn sie sprechen dürfen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Kinder nur absoluten Frontalunterricht gewöhnt sind. Selbst in Englisch hieß es immer nur „Hefte raus, abschreiben!“. Eine Lehrerin sagte mir, wie froh sie seien, dass ich den Englischunterricht jetzt übernommen hätte. Die Lehrerin davor hatte im Ernst selber nie Englisch gesprochen und die Kinder erst recht nicht. Sie hat immer nur etwas Englisches an die Tafel geschrieben, was die Kinder dann abschreiben mussten, was im nächsten Test dann abgefragt wurde. Für mich eine unglaubliche Vorstellung: ein Englischunterricht, in dem nie Englisch gesprochen wurde?! Bei so einer Vorlage ist es dementsprechend nicht schwer, einen „guten“ Englischuntericht zu gestalten. Und die Kinder sind so begeistert und motiviert, so etwas habe ich noch nie gesehen und dadurch bin ich natürlich umso mehr motiviert. Sobald sie etwas sagen dürfen oder etwas an die Tafel zu schreiben ist springen die Kinder Hände wedelnd von ihren Plätzen auf. (Das Foto ist übrigens nicht gestellt, sondern einfach nur im richtigen Augenblick aufgenommen). Jeder will der erste sein. Das sind so Augenblicke, die mich einfach immer total zum Lachen bringen.

Wo ich jedoch wirklich mit den Kindern dran arbeiten muss, sind Gruppen- oder Partnerarbeiten oder Aufgaben, die man lösen muss. Die Kinder sind es einfach überhaupt nicht gewöhnt eigenständig zu arbeiten oder zu denken. Wenn ich nicht „Aufgaben“ über die zu bearbeitende Aufgabe schreibe, wissen die Kinder im Ernst nichts damit anzufangen und ohne vielen Erklärungen und Beispielen verstehen sie auch die simpelsten Aufgaben nicht (Beispiel: sie sollten als Ziffer geschriebene Zahlen als Wort dahinter ausschreiben, 5=five). Zudem musste ich ihnen anfangs erst einmal beibringen, dass man Aufgaben erst selbstständig oder/und in Partnerarbeit lösen muss. Die Kinder saßen einfach immer da und warteten darauf, dass wie die Aufgaben „gemeinsam“, sprich ich, an der Tafel lösen.

Ich will damit nur deutlich machen, wie anders das Schulsystem hier ist. Mit der Erfahrung des deutschen Schulsystems (nur als Schüler!) und den deutschen Unterrichtsmethoden ist es für mich manchmal schwer aushaltbar zu sehen, wie die Kinder dem stumpfsinnigen Frontalunterricht folgen müssen, bei dem sie doch nur alles auswendig lernen müssen (und noch nicht einmal verstehen, was sie da auswendig lernen, weil es auf französisch ist, was sie aber nicht verstehen) aber bestimmt nichts wirklich lernen, vorallem nicht selber denken, Lösungen selber finden und kreativ sein. Und besonders erschreckend und schrecklich ist für immer noch der Anblick des Rohrstockes, der auf den Lehrerpulten liegt (obwohl es schon weniger geworden sind).

Was jedoch immer sehr anstrengend ist, ist die 9ième (vergleichbar 2. Klasse), da die Klassenräume der Klassen nicht mit einer durchgehenden Wand voneinander getrennt ist. So hat man nicht den Geräuschpegel von 40 Schülern, sonder von 80 und kann nicht einmal was dagegen tun, wenn die 40 Kinder der anderen Klasse quatschen, man muss einfach dagegen anschreien und versuchen dennoch seine Klasse konzentriert und ruhig zu halten. Nach 2 Stunden Unterricht bin ich dann immer ganz froh, wenn das überstanden ist. Was sich jedoch als super erwiesen hat, um die Kinder gut konzentriert zu halten und damit sie etwas haben, worauf sie sich am Ende der Stunde immer besonders freuen können und gut gelaunt aus dem Unterricht gehen können (nicht nur die Kinder^^, ich auch) mache ich am Ende immer ein Spiel oder Bewegungslied mit ihnen. Die Freude ist unvorstellbar und selbst wenn die Stunde mal chaotisch oder frustrierend (für die Schüler oder mich) gewesen sein sollte, ist das immer ein super Auffänger.

Was ein echtes Problem ist, ist eine 8ième (wie 3. Klasse). In dieser Klasse hat man alle Schüler von 8 bis 15 Jahren zusammen gefasst, die noch nicht lesen und schreiben können, leicht geistig behindert oder etwas langsamer im Denken oder völlig hyperaktiv sind und vorallem viele, die Konzentrationsprobleme haben. Dies sagte mir anfangs jedoch keiner und ich war zunehmend frustriert, warum diese Klasse einfach nichts auf die Reihe bekommt. Selbst nach zig-facher Wiederholung schaue ich in fragende Gesichter. Und wenn ich etwas abschreiben lasse, ist es eher so, als hätten die Schüler mein Schriftbild abgeschrieben, aber keines Falls auch nur ein Wort verstanden und nach 5 Minuten ist eh alles gelernte wieder vergessen. Zudem scheinen die Kinder auch sozial große Schwierigkeiten zu haben und verhalten sich nicht ihrem Alter angemessen. Ständig sind sich die Kinder am Prügeln, am Sachen wegnehmen, auslachen, verpetzen oder demütigen. Der Unterricht mit diesen 40 Kindern (und ständig kommen neue Schüler dazu) ist wirklich jedes Mal eine Herausforderung. Doch mittlerweile kam ich immerhin dahinter, warum die Klasse sich so sehr von den anderen unterscheidet, dass die Kinder mit Absicht zu einer Klasse zusammen gefasst wurden und ich lerne immer mehr viel Geduld mit ihnen zu haben, jeden nach seinem Können zu loben oder zu korrigieren und Stillezeiten einzulegen, die den Kindern auch mal ganz gut tun. Einfach mal eine Minute so still sein, dass man sogar einen Stift rollen hört.

Was leider auch in dieser Klasse oft in Gebrauch ist, ist der Rohrstock, was ich besonders schlimm finde, weil die Kinder einfach nicht verstehen, was sie falsch machen und einfach nichts dafür können, dass sie ein bisschen langsamer verstehen und denken.

Die schlimmste Situation, die ich in dieser Klasse hatte war, als ich das Gefühl hatte, dass ich daran Schuld war, dass ein Schüler geschlagen wurde und es ging alles so schnell, dass ich es gar nicht richtig begriff. Alles fing damit an, dass ich mit den Kindern „head and shoulders“ sang (das mag dem einen oder anderen sicher noch bekannt vorkommen). Ein Schüler döste dabei in der hintersten Reihe auf seinem Platz rum. Ich forderte ihn mehrmals auf mitzumachen aber als er immer noch nicht mitmachte, holte ich ihn nach vorne und stellte ihn mit in die erste Reihe. Leider neben das Lehrerpult. Wir fingen wieder an zu singen und ehe ich mich versah hatte Christian ein paar Schläge mit dem Rohrstock von der Lehrerin bekommen, die dort an ihrem Pult arbeitete. Anscheinend hatte er wieder nicht ordentlich mitgemacht. Mir tat es so unglaublich Leid, dass ich ihn dort hingestellt hatte und noch mehr Leid tat es mir, dass ich ihn so sehr gedrängt hatte mitzumachen, wobei ich ihn doch eigentlich so gut kenne. Christian ist viel älter als die anderen seiner Klasse und schämt sich immer, wenn er bei so „Kinderspielen“ mitmachen muss. Sonst macht er seine Aufgaben aber immer sehr gewissenhaft und kommt öfters nach vorne zu mir, um sich zu vergewissern, dass er beim Abschreiben von der Tafel auch die richtigen Farben genommen hatte und es gut gemacht hat. Er scheut sich nicht vor zusätzlichen Aufgaben und hilft oft bei Aktivitäten neben der Schule mit, wo er ganz lieb und fleißig zum Beispiel beim Auf- und Abbauen, beim Dekorieren oder beim Sauber machen hilft. Er bemüht sich immer sehr alles gut zu machen, ist aber manchmal etwas abwesend, langsam oder reagiert unangemessen. Und ich war so blöd ihn neben das Lehrerpult zu stellen und ihn zu etwas zu bringen wo ich eigentlich gewusst hätte, dass er das sehr ungerne macht und sich dafür sehr schämt. Hätte ich in dem Augenblick doch ein bisschen mehr nachgedacht! Er hat die Schläge mit einem Lächeln hingenommen und als ich ihn fragte, ob es ihm gut gehe und ob die Schläge sehr dolle weh getan hätte, leugnete er, dass er geschlagen wurde…

Noch ein paar Worte zu den Examen: da ich auch keine Vorgaben für die Examen hatte und auch nicht wusste, wie die Lehrerin zuvor die Examen geschrieben hatte, war ich wohl aufgeregter als meine Schüler (die sich in der Tat auf den Test freuten). Die ganze Zeit hoffte ich, dass jeder immerhin einen Teil der Aufgaben verstehen würde, sie mit der Zeit hinkommen würden und ich sie gut genug vorbereitet hätte. Beim Korrigieren war ich dann teilweise etwas enttäuscht und überrascht, weil es in der Tat Kinder gab, bei denen es so schien, als hätten sie überhaupt nicht im Unterricht aufgepasst, und trotz mehrmaliger Erklärung die Aufgaben falsch oder gar nicht bearbeitet hatten. Doch im Großen und Ganzen war ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen. Was jedoch die meiste Arbeit mit sich brachte war, die Namen der Kinder in den Listen wieder zu finden. Manche Kinder entschieden sich genau für den Vornamen von den unendlich vielen Vornamen, der nicht in der Klassenliste auftauchte. Andere überlegten sich einen anderen Nachnamen, weil ihrer zu lang war. Und die meisten schrieben ihren eigenen Vornamen (und Nachnamen) so falsch, dass sie schwer zuzuordnen waren. So wurde „Jerinah“ zu „Gerna“, „Guillaume“ zu „Guiom“ oder „Ibrahim“ zu „Imboraime“. Ja, nicht einmal ihren eigenen Namen können die Kinder fehlerlos schreiben! Und auch die Nachnamen sind nicht übel. Am beeindruckendsten fand ich „Tsindrimamifahendrena“ oder „Rasoanmenjanahary“. Doch manche Kinder haben auch nur einen Namen. Das sind dann meistens die Waisen.

Noch ein paar Worte zum Schluss zu diesem Thema: vor weniger als 9 Monaten noch Schülerin und jetzt ohne Ausbildung und Vorerfahrung Lehrerin sein. Manchmal bin ich noch sehr über meine Lehrerrolle überrascht, vorallem, wenn die madagassischen Lehrer, die teilweise schon über 20 Jahre Berufserfahrung haben, von mir etwas lernen wollen. Vor 20 Jahren wurden ich gerade erst geboren! Besonders überrascht bin ich immer wieder über mich, wie souverän ich mittlerweile vor so vielen Schülern stehen und Unterricht auf englisch-französisch geben kann. Ich habe sehr ungern bei Referaten vor der Klasse gesprochen, doch hier bereitet es mir überhaupt keine Probleme vor so großen Klassen zu stehen und zu unterrichten und die Kinder haben mich längst als Autoritätskraft akzeptiert, auch wenn ich wohl etwas lockerer und freundschaftlicher mit meinen Schülern umgehe, als sie es von ihren Lehrern gewohnt sind.

Noch ein paar Einblicke in das madagassische Leben:

Du bist nicht von hier.

„Du bist groß, dick und hast rote und weiße Haut, man sieht, du bist nicht von hier.“ Das sagte mir ein madagassischer Kollege (M. Robert) oder man könnte schon Freund sagen, zu mir. Die Madagassen können gnadenlos ehrlich sein, aber wo er Recht hat, hat er Recht und er hat es irgendwie auf den Punkt gebracht. Gerade die Aussage „du bist dick, du bist nicht von hier“ birgt eine traurige Wahrheit. Die Madagassen sind einfach alle dünn, da sie nicht genug Essen haben. Sie können es sich nicht leisten „dick“ zu sein. Dass man hier wirklich sehr sehr selten etwas kräftigere Menschen sieht, fiel mir gleich an meinen ersten Tagen hier auf. Den ganzen Tag dreht es sich bei den Menschen darum, was sie essen und ob sie genug Geld zusammen bekommen, um etwas zum Reis zu kaufen. Ich hatte schon einmal von Mme Irène berichtet, die madagassische Kollegin, mit der und deren Familie ich wirklich gut befreundet bin. Sonntag war ich wieder bei ihr eingeladen, auch zum Essen. Obwohl sie eine Vollzeitstelle als Lehrerin hat, ihr Mann Vollzeit in einer Druckerei arbeitet und sich um möglichst viele Nebenjobs bemüht und sie ein Stück Land besitzen, wo sie Gemüse und Reis anbauen, Früchte ernten können und eine Kuh stehen haben sagt sie, dass das Essen nicht reicht und sie nicht genug Vitamine bekommen. Sonntag gab es zur Feier des Tages Spagetti, gekocht mit Gemüse und einem Happen Fleisch pro Person, als Beilage zum Reis, um ihn etwas schmackhafter zu machen. Auf die Frage hin, ob sich in der Fastenzeit etwas am Speiseplan ändern würde meinte Justin, ihr Mann, nur: „Wir haben immer Fastenzeit.“ Man kann sich vorstellen, wie schwer es für viele Familien ist die Schulgebühren zusammen zu bekommen, wenn es schon schwer ist sich relativ vitaminreich zu ernähren und nicht immer nur von trockenem Reis. Etwas mehr auf den Rippen zu haben, bedeutet sich gut ernähren zu können und dafür braucht man Geld und das haben die Menschen hier nicht, also muss man ihrer Ansicht nach von Außerhalb kommen.

Dass mit der Haut ist auch so eine interessante Sache. M. Robert ist wirklich ein gebildeter Mann. Er spricht gut französisch, ist studiert und hat eine interessante reflektierte Sichtweise auf das madagassische Leben. Doch was ihn sehr verwunderte war, dass meine Hautfarbe von weiß zu rot wechselt. Ich erklärte ihm, dass das wegen der Sonne ist, das konnte er gar nicht nachvollziehen. Warum sollte die Haut ihre Farbe von der Sonne wechseln? Die Sonnenstrahlen sieht man doch nicht. Als ich ihm erzählte, dass ich mich immer mit einer „Creme gegen die Sonne“ einschmieren müsse, damit ich nicht noch röter werde, war er völlig verdutzt. Wahrscheinlich fragte er sich in dem Augenblick, ob ich ihn nicht gerade auf den Arm nehme. Dann kommen ja auch noch die Sommersprossen dazu. Auch von der Sonne? Ich meinte dann, dass das Rotwerden auch nicht gut für die Haut sei, weil das die Haut schädigt und man schneller Hautkrebs bekommen kann. Darauf wusste er dann gar nichts mehr zu sagen. Ich muss wohl ein Alien sein.=)

Schüler darf man schlagen?!

An einer Schule schlug ein Schüler einen Lehrer und kam darauf ins Gefängnis. Als seine Schulkameraden zur Polizei liefen, um die Freilassung des Schulkameradens zu fordern, lehnte die Polizei dies ab, woraufhin die Schüler zu Schule zurückkehrten und die Schule demolierten, woraufhin die Lehrer in Streik gingen und alle Schulen der Stadt auf unbestimmte Zeit geschlossen wurden. Aber Schüler darf man schlagen…

Wie viel kostet ein Menschenleben?

In Bemaneviky (29 km im Busch von Ambanja aus entfernt) lieferten sich zwei Buschtaxifahrer ein Wettrennen, wer als erstes im Örtchen ist und somit die meisten Passagiere haben wird. Dabei überholte das eine Buschtaxi das andere Buschtaxi über rechts, wobei er ein Mädchen übersah, die auf ihrem Fahrrad unterwegs war. Leider zu spät. Das Mädchen starb an Ort und Stelle. Da sich das ganze im Busch abspielte versuchten die Menschen, die dieses Unglück miterlebten, sofort den Fahrer eigenhändig umzubringen. Dieser konnte sich jedoch retten und die aufgebrachten Menschen zündeten das Auto an, was vollständig ausbrannte. Zudem wurde angekündigt, dass wenn der Fahrer sich nicht stellte, sich die Dorfbewohner an seiner Familie rächen würde. Die Familie rettete sich darauf hin zu den Salesianern Don Boscos und der Todesfahrer stellte sich kurze Zeit später. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, einigte sich die Familie des toten Mädchens und der Fahrer auf einen Preis: für das getötete Mädchen erhielt die Familie zwei Rinder, 6 Säcke Reis, umgerechnet ca. 200 Euro und Zement für das Grab…

Zyklonenzeit über Madagaskar

Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, sind mindestens 200.000 Menschen von dem Tropensturm (Zyklon) „Giovanna“ betroffen, der Madagaskar am 13. Februar heimgesucht hat. Insgesamt 40.000 Menschen mussten infolge von Überschwemmungen evakuiert werden, während Regen und Wind rund 8.475 Wohnungen verwüsteten und weitere 4.230 vollkommen zerstörten. Insgesamt starben mindestens 17 Menschen, 77 wurden verletzt und vier werden noch vermisst. Über 100 Schulen,

Krankenhäuser, Kirchen und Büroräume wurden beschädigt. Ein Ort namens Moramanga wurde zu 85 % dem Erdboden gleich gemacht.

Montag (27.02.) sollte ein Zyklon Ambanja erreichen, davon merkten wir jedoch außer starkem Regenfall, der wie Bindfäden vom Himmel kam, glücklicher Weise nichts. Seit dem hat der Regen zwar noch nicht nachgelassen und man kann sich schwer fortbegen, da sich die „Straßen“ in die reinste Schlammlandschaft verwandelt hat und man so gut wie nirgendwo trocken ankommt. Alles ist voller rutschigem Schlamm und großen Pfützen, bei dem schlechten Durchkommen bleibt einem manchmal nur Schuhe aus und durch. Der nächste Zyklon soll jetzt auch schon wieder auf dem Weg sein. Ich hatte jedoch meine Freude, da so die Schulen geschlossen blieben und ich endlich die Zeit fand einfach den ganzen Tag gemütlich im Bett zu bleiben und ein Busch zu „verschlingen“, während der Regen aufs Dach prasselte…

Wie fängt man madagassische Diebe?

Die Rate an Diebstählen in Ambanja ist so hoch, dass die Polizei entschieden hat nachts Patrouille zu laufen und so die Diebe festzunehmen. Das Prinzip ist ganz einfach: wenn man einen Dieb in Verdacht hat, schreibt man seinen Namen und den seiner Eltern auf ein Papier und wirft es bei der Polizei in eine Kiste. Die Polizei macht sich dann in der Nacht auf den Weg, um den Überltäer dingfest zu machen. Ob die Beschuldigung gerechtfertigt ist, ist Nebensache…

Zauberer gibt es wirklich!

(Zumindest nach madagassischem Glauben).

Viele Madagassen, die wirklich tief gläubig sind und regelmäßig beten und zur Kirche gehen, glauben zur gleichen Zeit an Zauberer. Dies ist vorallem fatal, wenn es um Krankheiten geht. Zunächst einmal geht man dann zum „Zauberer seines Vetrauens“ und bezahlt dort schon einmal eine ganz schöne Menge. Wenn sich der Zustand dennoch immer weiter verschlechtert (oftmals auf Grund der Pulver, die der Patient vom Zauberer verabreicht bekommen hat) bleibt irgendwann doch nur noch der Weg ins Krankenhaus. Oftmals ist es dann für Heilung aber schon zu spät und die Pulver des Zauberers haben oftmals noch mehr Schaden angerichtet und wirklich unheilbare Schäden angerichtet (ofmals sind die Pulver Pflanzengifte). Wird dem Patienten jedoch gesagt, dass Heilung nicht in Sicht ist und der Patient kurze Zeit darauf stirbt, sind natürlich die Mediziner Schuld, da sie die letzte Anlaufstelle waren.

So glauben die Menschen im Ernst, dass in unserer Nachbarschaft eine Zauberin wohnt (weil sie einen Buckel hat, man fühlt sich wirklich wie im Mittelalter). Immerhin werden Zauberer als etwas Gutes gesehen und die „Hexenprobe“ bleibt ihnen erspart. Doch ein Fortschritt!

Eine Madagassin erzählt mir in einem sehr interessanten Gespräch voller Überzeugung, dass ihr Mann verhext worden sei und sie nur knapp einer Verhexung davon gekommen sei. Die Geschichte dahinter war, dass sie einen Italiener geheiratet hatte und mit ihm in Italien lebte. Plötzlich wollte er nach Madagaskar ziehen. Die beiden bauten ein Hotel auf und siedelten nach Madagaskar um. Nach kurzer Zeit betrog der Mann seine Frau mit einer jungen Madagassin, baute ihr sogar ein Haus und wollte seine Frau verlassen. Seine Frau glaubte im Ernst, dass die junge Madagassin wohl einen Zauberer um Rat gefragt haben musste und ihrem Ehemann ein Pulver ins Essen getan hätte, um sie zu betrügen. Auch sie entdeckte eines morgens in ihrer Milch ein rötliches Pulver. Beweis genug, dass die junge Madagassin versucht habe sie für die Beziehung der beiden blind zu machen.

Darauf hin ging die betrogene Frau zur Polizei und in der Tat wurde die junge Madagassin festgenommen und der „bösen Zauberei“ beschuldigt. Die junge Madagassin gab alles zu (dass sie Pulvers ins Essen des Italieners und seiner madagassischen Ehefrau gemischt hätte und den Mann so für sich gewinnen konnte). Der Italiener kaufte dann die junge Frau aus dem Gefängnis frei, trennte sich von seiner „alten“ madagassischen Frau und blieb bei der jungen Frau, musste jedoch auf die Reunion auswandern, weil er kein Visum mehr für Madagaskar hatte und wartet dort darauf, dass er nach Madagaskar zurückkehren könne. Seine madagassische Ex-Frau kehrte jedoch nach Italien zurück und stimmte einer Scheidung bis heute (seit 4 Jahren) nicht zu.

Interessant dieses Madagaskar!

In diesem Sinne, veloma ê und alles erdenklich Gute in die Ferne,


Louisa

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One Response to “Halbzeit”

  1. ulla9 sagt:

    Liebe Louisa, Danke! die Zyklonfrage aus meinem anderen Kommentar hat sich erledigt… Ich habe nicht gesehen, dass du so kurz zuvor auch geschrieben hast…

    Danke und liebe Grüße aus Bonn
    Ulla

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