Mein Projekt
Ich arbeite zusammen mit Paul, drei Einheimischen Lehrern und einer einheimischen Sozialarbeiterin unter der Leitung von Br. Ricky (SDB, Schulleiter) und Br. Michael (SDB) als Lehrer im ‚Dominic Savio Center‘ in Tema New Town – Bankuman. Dabei handelt es sich aber nicht (wie selbst viele der Einheimischen im Viertel dort glauben) um eine private Schule, sondern um ein Alphabetisierungsprogramm beziehungsweise ein Programm, in dem die Kinder darauf vorbereitet werden sollen, (wieder) auf eine öffentliche Schule zu gehen. Ich schreibe wieder, da es sich bei den meisten unserer Schüler um sogenannte ‚drop-outs‘ handelt. Kinder, die bereits (teilweise sogar zwei oder drei Jahre lang) zur Schule gingen, diese sich dann allerdings nicht mehr leisten konnte. Meist aus Gründen, die in folgendes Schema passen: Mutter starb, Vater ist Alkoholiker / arbeitslos und interessiert sich nicht ein Stück für seine Kinder, Tante (es sind fast immer Tanten..) nimmt es auf, hat aber selbst sechs eigene Kinder und lebt von nur ein paar Euros in der Woche. Deshalb müssen viele dieser ‚drop-outs‘ dann auch arbeiten: Mädchen verkaufen gefiltertes Trinkwasser und Jungs schieben schwer (meist mit Fisch) beladene Lastenwägen von A nach B.
Ich weiß so viel über die Geschichten der Kinder, da wir in der letzten Woche einige Besprechungen hatten. Denn nachdem im September (Beginn des neuen Schuljahres) viele aus unserem Center auf Schulen wechseln konnten mussten wir entscheiden, wen der neuen Bewerber wir aufnehmen sollen. Diese wurden vorher alle sorgfältig überprüft (Hausbesuche, Befragung der Eltern und Nachbarn, etc.) ob sie auch wirklich mittelos sind. Während einer dieser Sitzungen fiel auch folgender Satz: „Diese Tanten sollten wirklich einen Nobelpreis bekommen.“
Unterrichtet werden die Fächer Englisch, Mathe und ‚science‘. Der Schwerpunkt (mit 8 von 14 Wochenstunden) liegt auf Englisch – hauptsächlich schreiben und lesen. Danach kommt Mathe mit vier Wochenstunden und dann ‚science‘. 14 Wochenstunden sind vielleicht nicht besonders viel, aber mehr ist wirklich nicht drin. Dafür sind die Konzentrationsspannen der Kinder zu kurz. Verhaltensauffällig sind die meisten sowie so auch noch. Neben den drei Stunden (am Freitag nur zwei) Unterricht pro Tag stehen aber noch weitere Punkte auf dem Stundenplan: eine lange Mittagspause in der es auch etwas Warmes zu essen gibt (für viele oft die einzige richtige Mahlzeit am Tag), eine Zeit zum Abschreiben und Erklären der Hausaufgabe und immer zum Schluss noch Zeit für ‚activities‘: malen, basteln, spielen, … . Hier können wir uns kreativtastisch austoben
Am Freitag helfen auch noch alle zusammen das Haus und Grundstück auf Vordermann zu bringen: Gras mähen (das wird hier in Afrika mit Macheten gemacht), Klassenzimmer fegen, Toiletten putzen. Da es hier auch ziemlich staubig ist, muss auch unser Auto immer mal wieder gewaschen werden. Das klingt aus europäischer Sicht vielleicht etwas komisch, aber für die Kinder ist das alles ganz normale Arbeit. Außerdem gäbe es eh nicht genug Geld, dafür extra jemanden anzustellen.



