Ein voller Dezember und Weihnachten auf Siswati!
Ein Frohes Neues Jahr wünsche ich allen Bloglesern. Es ist nun eine Weile her, dass ich mich gemeldet habe. Das liegt wahrscheinlich an dem „Vollen Dezember“ sowie an der Tatsache, dass ich gerade frisch aus dem Urlaub aus Südafrika zurückgekommen bin.
Nun war der Dezember wirklich ein Monat hier mit vielen neuen Eindrücken, Erfahrungen und Veranstaltungen. Ich möchte mich jedoch auf zwei Ereignisse beschränken. Einmal eine Marimba Party und zum Anderen mein etwas anderes Weihnachtsfest in Swasiland.
Nachdem ich mich in den ersten drei Monaten gut einarbeiten konnte, wurde natürlich schon das ein oder andere deutlich, dass man verändern möchte, oder zumindest in eine gewisse Richtung lenken will. Die Marimbaband, eine meiner Hauptaufgaben, steht da natürlich im Fokus. Die Band bekommt für jeden Auftritt Geld. Damit die die für dieses Geld verantwortlich sind, also die Jungs, auch merken können, dass sie den wichtigsten Anteil daran haben, habe ich eine Jahresparty organisiert. Die Party wurde von einem Teil des Geldes aus der Marimbakasse finanziert. Eine Dame aus dem Office unseres Projektes hatte mir den wichtigen Tipp gegeben, dass es im Lowvield von Swasiland ein Nationalpark gibt in dem man sehr günstig in einer Art Jugendherberge übernachten könnte. Das war dann auch der Plan. Am vierzehnten Dezember ging es dann mit zwei Pickups und der gesamten Marimbacrew in den Nationalpark Mlawula. Zuvor hatte ich mit meinem Helfer einem 23 Jährigen Volontär aus den Staaten, Ryan, alles für ein schönes Grillfest und Frühstück eingekauft. Somit ging es dann um punkt zwölf auf ins neue Abenteuer.
Da sich Swasiland auf der Südhalbkugel befindet haben wir ja gerade Sommer. Sommer in Afrika stellt sich jeder in Europa sehr heiß und schwitzig vor. Viele vergessen jedoch die Stunden der Regenzeit. Es passiert sogar, dass Menschen die schon immer hier leben sie manchmal vergessen. Somit sind wir auf der Fahrt schön in das Regengebiet geraten und erst mal alle mit ordentlich nass geworden. Die Straßen waren so überflutet, dass es besonders Spaß gemacht hat die Jungs hinten auf dem Pickup durch scharfe Manöver in Pfützen nass zu machen. Im Nationalpark angekommen wurde sofort der in der Nähe gelegene Fußballplatz ausfindig gemacht. Nun musste wir zunächst eine Schildkrötenfamilie von dem Feld entfernen um das Geschehen selber in die Hand nehmen zu können. Nach dem Fußballspiel fing es selbstverständlich wieder an zu schütten. Zu allem Überfluss ist die Wasserleitung auch ausgefallen, sodass die Regenrinne als Dusche dienen musste. Der sportliche Part war also abgedeckt und die Jungs widmeten sich somit ihrer weiteren Begabung der Musik, oder suchten eifrig Feuerholz für das geplante Lagerfeuer. Der Regen lies nach einiger Zeit zum Glück nach, so dass ich mit der Kochcrew das Abendessen vorbereiten konnte. Auf dem Speiseplan stand Pap der hier traditionell beliebte Maisbrei, Salat und Würstchen. Da die Jungs in den Häusern sonst kein Fleisch bekommen bildete das gemeinsame Essen natürlich eine Art Höhepunkt. Wir ließen den Tag dann noch gemütlich am Lagerfeuer ausklingen. Ich erkannte schnell das sich eine perfekte Runde bot um ein pädagogisches Mittel Don Boscos einzubringen. Daher beendete ich den Tag mit einer Guten Nacht. Ich reflektierte ein wenig mit den Jungs über die Stärken und Schwächen der Gemeinschaft in der Marimbaband und schloss den Abend mit einer Geschichte. Die Geschichte handelt von fünf Blinden die auf einen Elefanten treffen und anfangen durch betasten herauszufinden um welches Tier es sich handelt. Sie betasten jedoch alle ein anderes Körperteil und interpretieren es das Tier auch unterschiedlich. Alles endet in einem großen Streit. In der Gesprächsrunde nach meiner Geschichte wurde ich absolut überrascht. Die Jungs kamen mit ein paar kleinen Tips selber darauf, dass die Blinden zusammen arbeiten müssen um es zu schaffen. Und wir waren uns alle einig, dass das auch auf unser Zusammenleben zutrifft. Zu sehen wie es jeder einzelne langsam verstanden hat, war ein einzigartiges Erlebnis.
Am nächsten Morgen wurde ich von den Jungs, die anscheinend zu gut in den schönen Einzelbetten geschlafen haben, um fünf Uhr morgens geweckt, da eine Gruppe von Affen uns einen Besuch abstattete. Wir frühstückten und unternahmen noch eine Wanderung zu einem wunderschönen Aussichtspunkt bevor dann alle geschafft die Rückreise antraten.
Dieser Ausflug hat mir einmal mehr gezeigt, dass die Jungs im Projekt jeder für sich etwas ganz besonderes sind.
Am 23 Dezember wird mit der Familie der Tannenbaum geschmückt und Abends zusammen ein Film angeschaut, am 24 wird dann morgens ein Wildgehege besucht und am Nachmittag geht es dann in die Kirche. Nach der Kirche ist Bescherung und ein schönes gemeinsames Essen folgt. An einem der beiden Weihnachtstage wird dann gebruncht.
So sah mein Weihnachten ungefähr in den letzten Jahren aus. Dieses Jahr war natürlich alles anders. Der erste Unterschied lag natürlich in der Temperatur, aber auch die Tatsache das wir als Volontäre uns vorgenommen hatten eine Weihnachtsparty für die Jungs zu organisieren hatte ich um einiges mehr zu organisieren als sonst. Zu Hause beschenkt man vielleicht eine Handvoll Leute. Hier als Volontär mussten, durch Spendengelder finanziert, um die 90 Geschenke organisiert werden. Aber fangen wir von vorne an. Wie gesagt organisierten wir eine Weihnachtsparty. Gegen Mittag fanden sich die meisten Jungs in dem zentralsten Home Enjabulweni zusammen. Wir starteten mit einem bunten Nachmittag, der aus musizieren, malen, Fußball, tanzen und vielem mehr bestand. Nachdem wir uns alle ordentlich mit Weihnachtsliedern eingestimmt hatten, wurde zusammen mit dem Direktor und dem Provinzial, sozusagen der Chef aller salesianischen Direktoren in seiner Provinz, eine Weihnachtsmesse gefeiert. Weihnachtsmesse in Deutschland ist nicht mit hier zu vergleichen. Man könnte eher von einer Party mit den Strukturen einer Messe sprechen. Alle singen, klatschen und habe einfach Spaß. Während der Messe war es dann mein Job das Essen vorzubereiten. Nach der Messe hieß es dann Khisimusi Lomuhle Frohe Weihnachten auf Siswati und das Buffet mit großer Auswahl machte erstens jeden satt und die Kinder überglücklich. Nachdem wir die Kids dann wieder zu ihren Homes gefahren hatten, da es schon Dunkel war, vielen wir alle nach einem Feierabend Drink auf dem Balkon unserer Wohnung ins Bett.
Am nächsten Morgen ging es dann direkt weiter. Bei Manzini Youth Care werden traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag immer die Geschenke an die Jungs verteilt. Generell kriegt jedes Kind eine Tüte mit Zahnpasta, Zahnbürste, Seife und etwas zum Anziehen. Normalerweise bereiten die Volontäre auch noch etwas Kleines vor. Man muss jedoch immer aufpassen, dass die Kids so komisch das auch klingt nicht zu viele Geschenke bekommen, da sonst die nächsten Volontäre evtl. nicht so viele Geschenke haben und dann natürlich erst einmal vor einer riesen Diskussion stehen. Da wir viele Spendengelder für die Weihnachtsgeschenke bekommen haben, haben uns dazu entschieden allen Kids neue Paar Schuhe zu kaufen. Für alle die zur Schule gehen waren das dann Schulschuhe, und für die die unsere Ausbildungsstätte hier in Manzini besuchen Arbeitsschuhe. Bei den Schuhen muss ich etwas aushohlen. Meine Aufgabe war es, die Schuhe mit Ryan zu kaufen. Nun kennen mich ja die meisten und wissen, dass ich auch gerne mal Dinge kurz vor Ende erledige. Da Ryan ein wenig die selbe Schwäche hat, fanden wir uns am 22.12. in der Innenstadt von Manzini wieder und suchten verzweifelt nach den günstigsten Schulschuhen. Nun ist es in Deutschland schon nicht unbedingt ratsam in der letzten Woche vor Weihnachten alle Geschenke zu besorgen. Hier in Swasiland sollte man eher sagen, dass man sich nicht in die Nähe der Innenstadt wagen sollte da alles überfüllt ist und ein totales Chaos herrscht. Dennoch haben wir am Ende unseren Charme bei der Verkäuferin spielen lassen und jede einzelne Größe bekommen, so dass dem Weihnachtsfest nichts mehr im Weg stand. Zu den Geschenken bekommen die einzelnen Homes auch noch etwas Besonderes zu Essen. Dieses Jahr gab es Eiscreme, Schokotorten, Chicken und Reis.
Wir haben uns also mit allen Volontären einen Pickup geschnappt und sind morgens voll beladen von Home zu Home gefahren. Mit im Gepäck war auch ein Weihnachtsbaum. Zwar kein echter, aber die Plastikvariante tut es auch, und gibt dem ganzen Prozedere dann auch etwas Ambiente. Angekommen in den Homes wurde das Essen an die Hauseltern gegeben. Danach wurden die Schuhe verteilt. Und zu guter Letzt hat dann jedes Kind seine Geschenke bekommen. In Sikhunyana, dem Home mit den kleinsten Jungs, haben wir den Tannenbaum aufgestellt und eine richtige Bescherung gehabt. Das leuchten in den Augen der Jungs war ehrlich gesagt unbeschreiblich.
Am Ende des Tages haben wir noch ein wenig unser Weihnachten mit ein paar Freunden hier aus Swasiland gefeiert. Mir ist im Laufe dieses Weihnachtsfestes klar geworden, dass es eine der schönsten und bereichernsten Dinge ist Kindern eine Freude zu machen. Zudem ist es trotz des ganzen Stresses auch sehr einfach diese Aufgaben im Projekt zu bewältigen, bei denen man geben darf und nicht auf Disziplin und andere Details achten muss. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mein Weihnachten hier in Swasiland eine unvergessliche Erfahrung war, wobei ich mich auch schon wieder auf ein kaltes Weihnachten 2012 freue.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Start in das neue Jahr und melde mich so schnell es wieder Artikelanlässe gibt.
Bis dahin
Marius





































































