Ob sich ein Weg lohnt, erkennst du erst, wenn du losgegangen bist
August 1st, 2011Gerade komme ich vom Fußball mit unseren Kleinen, da Anna heute mit Medicine dran ist, habe ich noch ein wenig Zeit bis die Computer Class anfängt. Draußen regnet es mal wieder, der Strom lässt noch auf sich warten und das Wasser ist wie immer einen Tuck zu kalt.
Das ist er, mein indischer Alltag. Unvorstellbar, dass ich in ein paar Tagen wieder in Deutschland sein werde. Ein Land, in dem auf einmal wieder alle Menschen größer sein werden als ich, in dem man seine Wäsche einfach so in die Waschmaschine steckt und in dem man problemlos auf die Straße gehen kann, ohne groß angestarrt zu werden. So sehr ich mich auf meine Familie und Freunde freue, der Abschied von den Jungen und den Salesianern wird mir sehr schwer fallen. Ein Jahr lang durften Anna und ich ganz selbstverständlich Teil dieser großen Familie sein und wunderbare Erfahrungen machen. Ob ich diese mir sehr lieb gewordenen Menschen allerdings wiedersehen werde, weiß ich nicht. Schließlich werden die Kinder irgendwann das Center verlassen und auch die Salesianer wechseln regelmäßig die Projekte.
An dieser Stelle möchte ich, obwohl es vielleicht etwas ausgelatscht klingen mag, mehrere Danksagungen aussprechen.
Da wären die Salesianer in Indien, die eine so unglaublich schwierige und aufopfernde Arbeit leisten und trotzdem noch die Geduld hatten, uns mal wieder irgendwas zu erklären. Dabei nicht zu vergessen die Salesianer in Deutschland und Don Bosco Volunteers in Bonn, die uns diesen Dienst überhaupt ermöglicht, uns darauf vorbereitet und aus der Ferne begleitet haben. Wo wir schon in Deutschland sind: ein herzliches Dankeschön allen Menschen, die meine Erlebnisse geteilt haben, aufmunternde E-Mails oder haufenweise Briefe und Pakete geschickt haben. Sich einer so großen Unterstützung sicher sein zu können, macht Mut und gibt Zuversicht.
Das größte Dankeschön allerdings geht an Anna. Ein Jahr lang haben wir wirklich alles geteilt, waren niemals weiter voneinander entfernt als ein paar hundert Meter und haben uns gemeinsam durch indische Wälder, Städte oder Bürokratie gekämpft. Tapfer hat sie meine Schimpftiraden ertragen, wenn mich mal wieder irgendetwas aufgeregt hat, stundenlang haben wir über Gott und die Welt geredet, sodass sie mich wahrscheinlich jetzt besser kennt als ich mich selbst. Ohne ihre Unterstützung und manchmal sehr nötigen Tritt in den Allerwertesten hätte ich diesen Freiwilligendienst wohl nicht so reibungslos über die Bühne bringen können. Anna-Aunty, tumba chennagide matthe tumba thanks!
Heute haben unsere Pfadfinder gezeigt, was in ihnen steckt und hunderte von Pfannkuchen (die hier absolut keiner kennt…) für alle Jungen gebacken. Auch in den nächsten Tagen läuft alles auf Hochtouren weiter: das von euren Spenden ermöglichte Medical Camp werden wir am Donnerstag durchführen und noch viele Programmpunkte für den Unabhängigkeitstag vorbereiten. Am Unabhängigkeitstag selbst allerdings werde ich wieder in Deutschland sein und unseren Jungs aus der Ferne die Daumen drücken.
Bis Bald!
Eure Miri
P.S. Von nun an werde ich euch Neues aus meinem Leben wieder persönlich mitteilen können. Daher hole ich nun den imaginären Schlüssel heraus und schließe meinen Blog endgültig. Vielen, vielen Dank an alle meine fleißigen Leser!





