unglaubliches Indien

Ihr Lieben! Ich hab so viel erlebt, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten der Reihe nach, es wird sowieso alles ein bisschen komplizierter.

Nachdem ich gestern den Artikel geschrieben habe, bin ich sofort ins Bett gegangen. Wir haben so ungefaehr 4 Stunden felsenfest geschlafen und damit das Mittagessen verpasst. Nachdem wir dann aufgestanden sind und uns wie geraedert gefuehlt haben, hat Father Joy uns ein kleines Mittagessen bereitet: Toast mit Marmelade. Das scharfe Essen ist uns naemlich immer noch strengstens untersagt, wir essen also immer nur Reis und dann ein bisschen Mohrrueben und Bohnen. Das ist mir im Moment aber total Recht, schliesslich wird unser Magen noch frueh genug strapaziert werden und das Essen ist trotzdem lecker. Zum Nachtisch gibt es immer kleine Bananen und andere Fruechte und  manchmal auch irgendeinen suessen indischen Brei. Ich kann mich also wirklich nicht beklagen.

Nach dem Mittagessen haben wir uns dann wieder ein bisschen ausgeruht und dabei die erste Lektion gelernt: lass niemals deine Taschen offen im Zimmer stehen. Mein Rucksack wurde von merkwuerdig aussehenden riesigen Kaefern in Besitz genommen. Nachdem ich die dann endlich wieder los war, halten wir uns jetzt streng daran, alles immer wieder gut zu verschliessen und auch sonst nicht so viel rumliegen zu lassen. 

Direkt nach dem Abendessen ging es dann auch schon wieder ins Bett. Haette der Wecker nicht geklingelt, waeren wir wohl erst mittags wieder aufgestanden, aber so mussten wir uns um 7, also um halb 4 deutscher Zeit, aus dem Bett quaelen. Nach der Dusche (natuerlich kalt) ging es dann gleich zur Messe. Die Messe war ein reiner Wortgottesdienst und wir haben uns mit den ganzen Gebeten auf Englisch ziemlich schwer getan. Ich denke, dass es noch ein bisschen dauern wird, bis wir komplett mitsprechen koennen, vor allem weil die Fathers und Brothers die Texte so undeutlich sprechen. Theoretisch kann man hier jeden Morgen zur Messe gehen, was auch sehr gern gesehen wird, aber wir muessen mal sehen, ob wir uns immer um kurz vor 6 aus dem Bett quaelen koennen. Mal sehen, wie das in Ajjanahalli wird.

Heute Vormittag sind wir dann mit Father Joseph, dem Direktor von BREADS, zum Seminary gefahren. Das ist ein riesiges College, an dem die zukuenftigen Priester Theologie studieren und ausgebildet werden. Das Gebaeude war sehr schoen, aber das eigentlich interessante war die Fahrt. Zum ersten Mal haben wir ein bisschen was von Bangalore gesehen und man wusste nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Ueberall gab es fremde Dinge zu entdecken. Der Verkehr ist hier das reinste Chaos, ueberall ist es dreckig, die Frauen tragen alle kunstvolle Kleidung und und und. Gegen das, was wir am Nachmittag erlebt haben, war das aber der reinste Spaziergang.

Am Nachmittag stand naemlich ein Ausflug mit den Schuelern hier an. Wir wollten zum Botanischen Garten in Bangalore. Wir, die wir uns gerade mal trauen, die mittlerweile bekannte Strecke zwischen dem BREADS-Buero und dem Provincial House zu gehen, mussten auf einmal in diesem ganzen indischen Chaos Anschluss an unsere Gruppe halten, in den richtigen Bus steigen, das richtige Tickt kaufen, an der richtigen Haltestelle aussteigen und so weiter. Zum Glueck haben sich die Maedchen um uns gekuemmert, uns  an die Hand genommen und ueber die Strasse gezogen und uns das richtige Ticket besorgt.

Unterwegs gab es wieder mal so viel zu sehen. Wahnsinnig viele Menschen, aber auch Tiere leben hier. Die beruehmten indischen Kuehe (die sich ausschliesslich von Muell, also Plastik und Papier, ernaehren), Esel, Huehner, Schweine und natuerlich Hunde. Die naechste Lektion, die wir gelernt haben, war, sich ueber absolut nichts zu wundern und auf alles vorbereitet zu sein. Hier ist einfach alles moeglich, man kann gar nicht alles erfassen.

Der botanische Garten war sehr schoen, nur sind Anna-Lena und ich mit unseren blonden Haaren total aufgefallen. Wir sollten einmal sogar ein Foto mit einer Familie machen, die meisten Inder haben aber einfach ihre Handykamera gezueckt und uns mehr oder weniger heimlich fotografiert. Es waren zwar noch ein paar andere Europaeer im Garten, aber wir waren die einzigen, die mit Indern unterwegs waren. Das scheint scheinbar nicht so oft zu passieren. Wir halten uns im Moment einfach an den guten Rat, einfach alles zu ignorieren, aendern koennen wir das sowieso nicht. Ich denke auch, dass das in Ajjanahalli anders sein wird. Und wenn wir erst indisch gekleidet sind, erkennt uns keiner mehr ;)

Wir waren auf jeden Fall froh, als wir endlich wieder bei BREADS waren. Wir muessen alle Eindruecke erstmal verdauen. Trotzdem war der Ausflug schoen und wir haben die Maedchen und Jungen ein bisschen kennenlernen koennen. Fuer die ganzen Bustickets und den Eintritt in den Garden haben wir uebrigens umgerechnet je ca. 1Euro bezahlt! 

Der Masterplan fuer unseren naechsten Tage sieht so aus: Mittwoch werden wir nach Ajjanahalli gebracht, am Dienstag werden wir mit Father Joseph ein bisschen “orientation” machen, also ueber unsere Rolle im Projekt sprechen. Morgen werden wir uns scheinbar noch ein wenig ausruhen koennen. Aber mal sehen was wird, hier aendern sich die Plaene schnell. Ich bin aber beruhigt, dass wir nach Ajjanahalli gebracht werden und nicht mit dem Bus fahren muessen.       

So, ich glaube, jetzt seid ihr auf dem neuesten Stand der Dinge. Es ist ein ziemlich langer Text geworden, aber wir muessen das Internet nutzen, so lange wir es noch regelmaessig zur Verfuegung haben.

Ach ja, das allerwichtigste am Schluss: trotz Anti-Brumm, heller Klamotten und Moskitonetz hab ich mittlerweile schon 5 Moskitostiche… fuehlt sich nicht anders an, als Mueckenstiche, ist aber trotzdem bloed. Sich mit irgendwelchen Krankheiten anzustecken, waere schliesslich auch nicht so toll.

Vielen Dank fuer eure lieben Kommentare. Das tut gut!

Eure Miri

7 Responses to “unglaubliches Indien”

  1. Friederike Jendrysik Says:

    Heeey:)
    wow, klingt doch alles richtig gut bei euch :)
    und in Ville Regina gibt es wohl sogar mehr als zwei Projekte, aber wir werden zusammen wohnen, aber arbeiten tun wir getrennt.
    liebe grüße :-**

  2. Miriam Jonscher Says:

    Hallo Miri,
    wir freuen uns alle sehr, dass es Dir gut geht und Du die Zeit genießt.
    Heute waren wir zusammen und haben Omas Geburtstag gefeiert und über Dich erzählt. Es lassen Dich alle herzlich grüßen.
    Alles Liebe
    Berni, david und der Rest der Familie

  3. Frank, Katja, Laura und Larissa Says:

    Gute Fahrt am Mittwoch, vielen Dank für deine ausführlichen Berichte – Wir freuen uns über die vielen Informationen, wünschen Dir weiterhin alles Gute – Bleib Gesund und munter :)

  4. Mama Says:

    Danke für deinen ausführlichen Bericht,pass gut auf dich auf. Uns geht es gut, vermissen dich. Clara ist auch gut in Stockholm angekommen. Ausführlicher berichten wir, wenn wir deine E-mailAdresse haben. Viele Küsse, gruß m

  5. Jana Says:

    Liebe Miri :)

    heute habe ich das erste mal deinen blog besucht und ich muss sagen, dass deine berichte unglaublich spannend klingen. man kann sich das fast alles gar nicht vorstellen. hast du dein kameraproblem gelöst?
    vielen dank auch noch mal für den schönen abschiedsabend :)
    alles liebe, weiterhin nur gute erfahrungen und eine gute fahrt am mittwoch wünscht dir deine jana

  6. Miriam Jonscher Says:

    Mein Kameraproblem ist geloest… Fotos hab ich aber leider noch keine, es war mir bis jetzt immer zu unsicher, die Kamera mitzunehmen… aber das wird noch!
    Alles liebe!

  7. Tilman Says:

    Nur einmal ein rasches Gewunk aus Braunschweig und ‘ne große Tüte Toi, toi, toi an die Kinderstall-Asienbeauftragte von den Resten der Kinderstall-Skandinavienbeauftragtenfamilie!
    Silke & Tilman & Leander