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Ayodhya – ein Land haelt den Atem an

Montag, Oktober 4th, 2010

Wer jetzt an Yoga oder irgendwelche Atemuebungen denkt, ist auf dem Holzweg. Vielmehr handelt es sich dabei um ein viel weltlicheres Problem. “Ayodhya” ist der Name eines Grundstueckes in Nordindien, um das es seit nunmehr 61 jahren einen erbitterten Streit zwischen Hindus und Muslimen gibt. auf dem Grundstueck befinden sich sowohl die angebliche Geburtsstaette des Hindu-Gottes Rama als auch die Ruine einer 500 Jahre alten beruehmten Moschee. Dadurch beanspruchen beide Gruppen das Grundstueck als ihr eigentum und wichtige Pilgerstaette.

Das oberste Gericht des zugehoerigen Bundesstaates ist in der letzten Zeit vielen Fragen zu dem Fall nachgegangen, um die Situation endgueltig zu klaeren. Es ging unter anderem darum zu klaeren, ob der Ort wirklich die Geburtstaette Ramas ist (was ja unmoeglich zu beweisen ist), ob die Ruine wirklich die einer Moschee ist und wann und von wem sie gebaut wurde. Dabei mussten die 3 zustaendigen Richter sehr diplomatisch vorgehen, denn sowohl auf hinduistischer als auch auf muslimischer Seite gibt es Gruppen mit einer sehr hohen Gewaltbereitschaft.

Wie alles in Indien wurde auch das Urteil dann spater verkuendet als geplant. Tagelang lag eine Spannung in der Luft, die man selbst bei uns in Ajjanahalli gespuert hat. Letzten Donnerstag war es dann so weit: Schulfrei aus Angst vor Unruhen, Ausgangssperren an bestimmten Orten und in den Medien Aufrufe zur Maessigung von vielen Politikern und Personen des oeffentlichen Lebens. Das Urteil haette keinen Tag spater verkuendet werden koennen, denn einer der Richter ist dann gleich am naechsten Tag in Rente gegangen. Auch das mal wieder typisch indisch.

Wider Erwarten blieb alles ruhig. Allerdings bietet das Urteil auch kaum Angriffsflaeche: 2/3 des Grundstueckes geht an die Hindus, 1/3 an die Muslime. Vollstaendig zufrieden ist dennoch keine der beiden Gruppen und haben schon angekuendigt, weitere juristische Schritte vorzubereiten. Also auch nach 61 Jahren kein Ende in Sicht und kaum Aussicht auf ein friedlicheres Miteinander der beiden Religionen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber trotzdem: Die Jungs in Ajjanahalli sind eine interessante Mischung aller moeglichen Religionen. Die meisten sind natuerlich Hindus, etwa ein Viertel sind Christen und ein paar Muslime und Anhaenger einiger ausgefallener Religionen sind auch dabei. Obwohl das Projekt von den Salesianern Don Boscos, also einem katholischen Orden, geleitet wird, bemuehen sich alle darum, die Religionen der Kinder gleichberechtigt zu behandeln. So wurde zum Ende das Ramadan ein Huhn geschlachtet, am Festtag des Elefantengottes Ganesha gab es superleckere selbstgemachte Suessigkeiten und beim taeglichen Morgen- und Abendgebet beten zwar alle gemeinsam, aber dennoch jeder zu seinem Gott. 

In Indien ist einfach alles moeglich, das habe ich schon laengst gemerkt. Vielleicht koennen solche winzig kleinen Versuche ja irgendwann Groesseres ins Rollen bringen.            

An dieser Stelle moechte ich euch noch einmal darauf aufmerksam machen, dass es die Moeglichkeit gibt, direkt fuer mein Projekt zu spenden. Die Spenden werden auf einem Konto gesammelt und nach einiger Zeit werde ich dann mit Father George, dem Direktor des Projektes, besprechen, wie das Geld am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Ideen habe ich schon reichlich, aber das Projekt selbst soll das letzte Wort dabei haben, schliesslich wissen die Fathers besser, was am dringensten ist. Informationen zu meinem Konto findet ihr unter dem Punkt “Spenden” oben auf der Seite. Allen, die schon gespendet haben, ein ganz grosses Dankeschoen! Selbstverstandlich duerfen aber auch alle, die nicht spenden, weiterhin an meinen Erlebnissen hier teilhaben ;)

Ein paar stressige Tage liegen hinter mir, dadurch dass die Kinder schulfrei hatten, gab es von morgens bis abends viel zu tun. Deswegen geniessen Anna-Lena und ich jetzt unsere 2 Tage hier in Bangalore und haben auch mal wieder sehr viel eingekauft.  

Naechste Woche werden wir arbeiten, aber den Montag danach haben wir hoffentlich frei.

Eure Miri

P.S. Viel Text, wenig Bilder… wir haben ein kleines Problem mit dem Laptop, wodurch wir die Fotos nicht auf eine CD brennen koennen, um damit die Fotos in einem Internetcafe auf den Blog zu laden. Lange Rede, kurzer Sinn: im Moment leider keine Fotos von uns, aber wir arbeiten an dem Problem. In den naechsten Wochen dann hoffentlich ein bisschen mehr Farbe auf dem Blog!