“Aunty, house going!”

“Aunty” (=Tantchen), damit sind je nach Situatuion Anna-Lena oder ich gemeint. Zum Glueck aber nicht, weil wir uns den Spitznamen in irgendeiner Weise verdient haben, sondern einfach weil Kinder hier alle Frauen so ansprechen. Das fuehrt dann auch schon mal zu lustigen Verwechslungen, schliesslich kann man nie genau wissen, wer jetzt eigentlich angesprochen ist.

“house going” habe ich vor gut einer Woche haefig hoeren duerfen. Die Halbjahresferien haben angefangen und die Jungs, die Kontakt zu ihrer Familie oder entfernten Verwandten haben, durften fuer 2 Wochen nach Hause. Die betroffenen Kinder waren deswegen natuerlich total aufgeregt und haben mir meistens mehr mehrmals mit leuchtenden Augen mitgeteilt, dass sie nach Hause duerfen, in schoenstem indischen Englisch also “house going”. Trotzdem hat man den Kindern angemerkt, dass ihnen der Abschied von Ajjanahalli ein wenig schwer fiel. Das zu erleben war unglaublich wichtig fuer mich, schliesslich bestaetigt das die Arbeit des Projekts.

Aber auch den restlichen 60 Kindern werden die Ferien in schoener Erinnerung bleiben. Letzten Montag wurde das “Dasara Camp” eroeffnet. Waehrend des Camps gibt es ein besonderes Programm mit Aktionen wie Picknick, schwimmen oder tanzen. Auch wenn den Kindern die Zeit des Camps als purer Spass erscheinen mag, hat das Ganze durchaus einen weiteren Zweck. Waehrend der beiden Wochen sind die Jungs permanent in 4 Teams eingeteilt. Die Teams sammeln fleissig Punkte, um am Ende als Sieger aus dem Camp hervorzugehen. Punkte gibt es auf alles. Wie gut die Gruppe ihre Aufgaben erledigt, ob alle Kinder sauber sind und ordentliche Kleidung tragen, ob sie puenktlich sind und natuerlich wie sie in den einzelnen Spielen abschneiden. Die Kinder sind mit Feuereifer dabei und merken gar nicht, dass ihnen so spielerisch beigebracht wird, wie sie sich hier zu verhalten haben.  Vormittags gibt es ausserdem immer 3 Unterrichtsstunden. Die letzte Stunde fuer alle gemeinsam zu Themen des Allgemeinwissens. Eine sehr gute Idee und sehr wichtig, denn mir scheint der Unterricht in der Dorfschule ziemlich oberflaechlich.

Wegen des geanderten Programms haben sich auch Anna-Lenas und meine Aufgaben etwas erweitert. Wir geben den Kleinsten jetzt regelmaessig Englischunterricht und morgens Fussballtraining (wer haette gedacht, dass ausgerechnet ich das mal tun wuerde…). Ausserdem bin ich dabei,meine Haarschneidekuenste zu verfeinern und in Sachen “Medicine” hat sich auch einiges getan. Anna-Lena und ich sind jetzt die Verantwortlichen dafuer und haben jeden Abend eine Menge Patienten. Wir achten verstaerkt darauf, dass alles so hygienisch wie hier eben moeglich ablaeuft. Wir sind ganz gut dabei und ich wage zu behaupten, dass sich weniger Wunden entzuenden als vorher. Allerdings ist das nur meine persoenliche Einschaetzung und wir muessen nach einem laengeren Zeitraum nochmal schauen, was sich wirklich veraendert hat. Fuer die naechste Zeit haben wir uns vorgenommen, den ganzen Raum auf den Kopf zu stellen, die Medikamente durchzugehen und alles zu putzen.

Im Moment ist also einiges in Bewegung. Es ist schoen, sich in so vielen verschiedenen Dingen eingringen  und mittlerweile sogar veraendern zu koennen. Nach erst 2 Monaten hier in Indien eine gute Bilanz!

Wir starten jetzt mit voller Power  in die letzte Woche des Camps. Naechste Woche wieder mehr Neuigkeiten aus dem Vegetarier-Paradies!

Eure Miri

4 Responses to ““Aunty, house going!””

  1. Lukas Says:

    Hey!
    Können die armen Inder so wenig Fussball, dass du denen was im Fussball beibringen kannst;-) ?
    Aber das hoert sich ja alles abwechslungsreich an und so, dass du da was aendern kannst!
    Liebe Grüße aus dem kalten und verregneten Deutschland

    Lukas

  2. Miriam Jonscher Says:

    Du hast es erkannt:) Ausserdem spiele ich mit Schuhen und die Kinder barfuss… ich schummle mich also ein bisschen durch :D

  3. Lydia Ciesluk Says:

    Hallo ihr zwei,

    vielen lieben Dank für diese tollen Einblicke aus Indien. Ich arbeite als Volontärin für Don Bosco und kümmere mich um http://www.strassenkinder.de. Wir freuen uns sehr über eure Geschichten. Also macht fleißig weiter so!

    Liebe Grüße aus Bonn,

    Lydia

  4. Daniela Kramer Says:

    Hey Miri,

    das hört sich ja alles sehr interresant an. Es freut mich das es dir so gut in Indien gefällt. Und es ist schön zu hören, dass du dich wirklich im Rahmen deines Projektes sehr gut einbringen kannst und sogar Sachen verändern kannst.
    Ganz viele liebe Grüße von mir und meinen Eltern.

    PS: Dein Blog ist wirklich sehr gut..und ich verfolge so deine Erlebnisse regelmäßig :-)