Archive for Dezember, 2010

Der Weihnachtsmann kommt mit dem Motorrad

Montag, Dezember 20th, 2010

Zumindest, was Annas und meine Weihnachtspost betrifft. Mittlerweile haben wir ein gutes Gespür dafür, ob in der Post etwas für uns dabei ist oder nicht. Deutsche Post hat der Postbote auf seinem Motorrad nämlich immer an einer anderen Stelle als indische;)

Mittlerweile haben nicht nur wir, sondern auch die Inder angefangen, das Haus für Weihnachten vorzubereiten. Auf dem Dach ist nun ein schön großer leuchtender Stern und im Innenhof arbeiten alle ganz fleißig daran, die große Krippe fertigzustellen. Mit Wasserfall und beleuchtetem Sternenhimmel. Wir sind schon sehr gespannt auf das Endergebnis. Die Halle inklusiv Weihnachtsbaum trifft dafuer nicht ganz den deutschen Geschmack: ein bunter Haufen aus Plastiksonnenblumen, knallbunten Sternen, Glitzer, Glitzer und nochmals Glitzer. 

Reisepläne zu schmieden ist im Moment unsere große Leidenschaft. Wir freuen uns darauf, nun nach vier Monaten einmal so richtig rauszukommen und vor allem mehr von Indien zu sehen. Ich bin mir sicher, dass wir danach mit neuer Energie und neuen Ideen hier im Projekt voll durchstarten können.

 In Goa werden natürlich das Arabische Meer und all die anderen deutschen Voluntäre im Vordergrund stehen. Das wird sicherlich eine sehr interessante Zeit werden, denn Anna und ich haben schon oft festgestellt, dass man bei einer Begegnung mit Deutschen hier in Indien, auch wenn man sie vorher noch nie gesehen hat, von der ersten Sekunde an ein absolut offenes und tiefgründiges Gespräch führt. Man redet dann über wirklich alles und das auf einer Ebene, auf der man sonst nur mit besten Freunden reden würde.  Sei es irgendeine tropische Krankheit (auch wenn es nur der „Delhi Belly“, also Durchfall, ist), die Familie zu Hause, seine Erlebnisse hier in Indien oder so vieles mehr. Indien hinterlässt bei jedem seine Spuren und wenn man dann die Chance hat, das   alles mit jemandem in seiner eigenen Sprache und mit dem gleichen kulturellen Hintergrund teilen zu können, dann nutzt man sie natürlich. Da es ausnahmslos allen so geht, haben sich schon viele hochinteressante Gespräche ergeben.

Von daher wird es in Goa sehr viel zu besprechen geben und sicherlich die eine oder andere Nacht philosophierend am Strand verbracht werden. An alle Voluntäre (besonders an Daniel /Tobias sowie Elias/Jonas), die das hier lesen: wir freuen uns auf euch, wüssten aber gerne, wo wir überhaupt hin müssen. Wäre super, wenn ihr uns informiert ;)

 In Mumbai wollen wir auf jeden Fall in das Mahatma Gandhi Museum, das sich in dessen alter Wohnung befindet. Außerdem werden wir sicherlich den einen oder anderen Bollywoodstar an der Strandpromenade entlangspazieren sehen. Es werden wohl auch oft westliche Traveller gesucht, die als Statisten in Bollywoodfilmen mitspielen sollen. Die werden dann aber meist nur dafür benutzt, Kleidung vorzuführen, bei der sich die indischen Schauspieler/innen weigern, sie zu tragen. Indien bleibt einfach Indien, selbst in seiner glitzernsten Metropole.

Ich wünsche euch allen frohe und besinnliche Weihnachten. Oder wie man auf Kannada sagt: Christmas shubasheigalu!

Eure Miri

Spaeter brannten nicht nur die Kerzen

Montag, Dezember 13th, 2010

Unglaublich, aber wahr: auch wenn das Thermometer Temperaturen jenseits der 20 Grad anzeigt, kommt hier dennoch Weihnachtsstimmung auf. Und ebenso typisch fuer diese Jahreszeit hat uns auch der Stress eingeholt. Statt jedoch stundenlang in der Stadt nach Geschenken zu suchen, besteht hier der Stress zum groessten Teil aus riesigen Bastelaktionen und langen Uebungseinheiten fuer den grossen Tag.

Am 1. Advent haben Anna und ich mit ein paar Jungen einen riesigen Adventskranz aus Bambus gebaut. Der haengt jetzt im Essensraum der Kinder und wie beliebt er bei ihnen ist, merkt man daran, wie erbittert darum gekaempft wird, wer unter ihm sitzen darf. Allerdings mussten wir den Kindern verbieten, sich darunter aufzuhalten, wenn die Kerzen brennen. Am 2. Advent hatten wir naemlich einen kleinen Zwischenfall und jetzt ist der Kranz zu ¾ gruen und zu ¼ schwarz. Bambus brennt einfach tausendmal schneller als Tanne.

Aber davon lassen wir uns natuerlich nicht die Laune verderben. Unsere naechste Aktion war dann der Adventskalender fuer die Jungs. Jeden Tag darf ein Kind ein Paeckchen oeffnen. In dem Paeckchen befinden sich dann Zettel mit den Namen von 3-5 Jungs, die an diesem Tag ein Geschenk von uns bekommen. Die kleinen Geschenke direkt in das Paeckchen zu tun, waere zu riskant gewesen, schliesslich sind unsere Kinder Profis im Stehlen. So aber steigt jeden Morgen die Spannung ins unermessliche und wenn die Namen dann endlich verkuendet werden, gibt es regelrechte Begeisterungsstuerme.  Vor allem, wenn die groesseren Kinder Geschenke bekommen. Wir haben naemlich am Anfang nur Namen von kleineren Kindern ziehen lassen, sodass die Groesseren schon davon ausgegangen waren, dass sie nichts bekommen. Dafuer ist die Freude jetzt um so groesser.

Als Geschenk bekommen die Jungs von uns unterschiedliche Arten von Stiften. Entgegen all unsere Erwartungen sind die Glitzerstifte dabei am beliebtesten. Die Jungs schminken sich damit, peppen ihre T-Shirts auf und lackieren sich damit sogar die Fingernaegel. Es macht also kaum einen Unterschied, ob man in einem Maedchen- oder Jungenprojekt ist;).

Mit der Band ueben wir ein Stueck fuer Weihnachten ein. Dafuer habe ich mir das letzte Mal in Bangalore fuer umgerechnet 2,50 € eine Blockfloete geleistet und jetzt bin ich wieder zu meinen Blockfloetewurzeln aus der Grundschulzeit zurueckgekehrt.

Mit den ersten Spenden auf unseren Spendenkonten finanzieren Anna und ich das Weihnachtsessen fuer die Jungs und deren Geschenke. Jeder Junge wird ein T-Shirt und eine Hose erhalten.  Ein grosses Dankeschoen dafuer!!

Heute haben Anna und ich uns einen Cafétag in Bangalore verordnet. Ihr koennt euch nicht vorstellen, wie toll es ist, ein Café zu betreten und darin westliche Musik zu hoeren. Und dazu dann noch ein Croissant und einen Cappuccino.

Der absolute Kracher kommt dann aber heute Abend: ei n Kaesebrot! Anna hat ein ganzes Paeckchen voll mit Brot geschickt bekommen und dazu leisten wir uns den suendhaft teuren Importkaese, ein heisser Tip von Daniel, der gerade in Taiwan lebt.

Naechste Woche bin ich nochmal im Internet, dann geht es in den Urlaub. Ich versuche mich aber zwischendurch mal melden und euch mit Strand- und Cocktailgeschichten neidisch machen.

Liebe Gruesse

Eure Miri

P.S. Weihnachten feiere ich uebrigens in einem Sari. Der wird gerade genaeht und dann muss ich ueben, ueben, ueben wie man ihn wickelt. Also Daumen druecken, dass dann nicht doch alles auseinander faellt;)

P.P.S. ein kleiner Nachtrag zu meinem Geburtstag, der dann noch sehr viel schoener wurde als erwartet: