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Auf die Gastfreundschaft!

Montag, Februar 14th, 2011

Die Haelfte unseres Freiwilligendienstes ist vorbei. Seit knapp einem halben Jahr sind Anna und ich zu Gast in Indien, einem faszinierenden, verwirrenden, schrecklich-schoenen Land.

Mit jeder Faser meines Koerpers spuere ich, dass ich “a foreigner”, ein Auslaender, bin , schliesslich kann man sich als weisse und blonde Frau in Indien kaum verstecken. Und trotzdem kann man sich aufgrund der Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Inder hier wie zu Hause fuehlen.

Mein Direktor Fr. CV George hat das einmal sehr treffend zusammengefasst: “Wenn du einen Inder nach dem Weg fragst, dann wird er dich kilometerweit dorthin bringen, nur um sicherzugehen, dass du gut dort ankommst.”

So unrealistisch das klingt, es stimmt wirklich. Ich erinnere mich nur zu gerne an eine Situation ganz am Anfang unserer Zeit in Ajjanahalli. Damals hat sogar ein staatlicher Bus fuer uns seine Route geaendert, nur um uns sicher nach Ajjanahalli zu bringen.

Das Interesse an unserer Person und an unserer Herkunft faellt immer wieder auf. Egal ob Kind oder Erwachsener, immer wieder kommen Inder laechelnd auf uns zu und fragen uns nach unseren Namen, unserem Heimatland, unseren Eltern und last but not least, ob wir verheiratet sind. Eine sehr wichtige Frage in Indien, die wir auf den Rat unserer Fathers immer damit beantworten, dass wir verlobt sind. Das ist dann gerade noch akzeptabel, schliesslich muessten wir nach indischer Lebensplanung schon verheiratet mit Kind zu Hause sitzen. Auf diese Art lernt man hochinteressante Menschen kennen, von einfachen indischen Dorfbewohner bis zum weitgereisten Geschaeftsmann ist alles dabei.

So sehr es mich freut, hier ueberall mit offenen Armen empfangen zu werden, muss ich dabei doch oft an die Situation in Deutschland denken. Wie oft habe ich aufrichtiges Interesse an der Herkunft einer Person gehabt, wie oft habe ich Auslaender laechelnd angesprochen und sie nach ihrem Namen gefragt?

In Deutschland fast unvorstellbar, aber wer sagt denn, dass es dort keine Menschen gibt, die sich fremd fuehlen, die vielleicht sogar unfreiwillig ihre Heimat verlassen mussten, die sich nichts sehnlicher wuenschen, als dass jemand ihre Hand nimmt und ihnen den Weg zeigt in dieser fremden und vielleicht sogar beaengstigenden Situation?

Es muss ja nicht gleich der kilometerlange Umweg sein, aber vielleicht ist ein kleines Laecheln fuer den Anfang ja schon genug. Ausserdem besagt ein indisches Sprichwort: Das Laecheln, das du aussendest kehrt zu dir zurueck.

Ich sende euch jetzt also ein von Herzen kommendes Laecheln, in der Hoffnung, dass ihr es in Deutschland an den naechsten Einsamen weitergebt, den ihr trefft. Ganz egal welche Hautfarbe, welche Haarfarbe oder welche Kleidung er traegt.

Eure weisse und blonde Miri

P.S. 6 Monate, 25 Blogartikel, ein ganz grosses Dankeschoen an euch alle! Ich haette nie gedacht, dass so viele Menschen ueber einen so langen Zeitraum meinen Blog verfolgen und so meine Erlebnisse hier in Indien teilen.