Archive for März, 2011

Don Bosco Familie

Montag, März 28th, 2011

Diese Woche hielt mal wieder einige Überraschungen für uns bereit. Leider eher weniger gute. Einer unserer Jungs hat Masern und Anna und ich versuchen, ihn wieder gesund zu pflegen und gleichzeitig zu verhindern, dass sich die anderen Jungs anstecken. Gar nicht so leicht, denn sobald die Jungs sehen, dass wir auf dem Weg ins Krankenzimmer sind, heften sie sich an unsere Fersen und sind kaum noch loszuwerden. In 10 bis 14 Tagen werden wir dann wissen, ob wir die anderen Jungs schützen konnten. Unser Patient ist ganz langsam auf dem Wege der Besserung, er hat es aber geschafft, uns einen großen Schrecken einzujagen. Über Masern wussten wir gerade einmal, dass man Kinder in Deutschland dagegen impft, von daher war unser Buch aus Deutschland wieder einmal Gold wert. Und da es auf Englisch ist, konnten wir es auch unserem Chef unter die Nase halten und damit bewirken, dass der Junge zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde.

Außerdem habe ich es geschafft, mir einen Bienenstich am Fuß einzufangen, und zu guter Letzt hat es gestern Nacht zum ersten Mal seit Monaten mal wieder geregnet. Für die Planzen, vor allem die Mangobäume, natürlich gut, für unser Zimmer eher weniger. Das liegt nämlich an so einer ungünstigen Stelle im Haus, dass es bei uns immer zuerst rein regnet. Mit  indischer Gelassenheit haben wir aber erstmal weitergeschlafen und am nächsten Morgen den See begutachtet. Der war dann aber schon auf dem Weg ins Zimmer unter uns, wodurch wir uns das Aufwischen gespart haben;).

Zur Aufheiterung nun also ein paar Fotos der letzten Wochen und Monate:

Unsere große Familie. Alle Jungen, Betreuer und Salesianer vor dem großen Eingang.

Das Projekt inmitten dieser wunderschönen Natur.

Unsere Band nach einer sehr intensiven Probe. Einigen Jungen sieht man die Erschöpfung deutlich an.

Mit meiner Tante und meinem Onkel auf unserem „Hausberg“.

5 deutsche Mädchen am Strand von Goa.

Die deutschen Don Bosco Voluntäre beim Zwischenseminar.

Eure Miri

„Das öffne ich gleich morgen früh“

Montag, März 21st, 2011

Wahrscheinlich kein Freiwilligendienst ohne eine Krankenhausgeschichte. Und nachdem Anna und ich bis jetzt super ohne ärztlichen Beistand ausgekommen sind und beim Zwischenseminar in Goa zum Glück im Gegensatz zu manchen anderen nichts über eine Fischvergiftung, einen heftigen Sonnenstich oder Denguefieber zu berichten hatten, hat Anna sich heimlich überlegt, unserer Erfolgsstory ein Ende zu setzen.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Vor ein paar Wochen hat sie an ihrem Kinn eine Anschwellung festgestellt, die wir erst für einen Moskitostich gehalten haben. Ganz langsam ist die Stelle dann immer größer und härter geworden, bis es sogar den Jungs aufgefallen ist. Die haben Anna dann nämlich vorgeworfen, ständig ein Bonbon zu lutschen und ihnen nichts abzugeben.

Schwester Theresa war zu dem Zeitpunkt noch hier in Ajjanahalli und fand das Ganze auch ziemlich merkwürdig. Geraten hat sie Anna dann ein Antibiotika zu nehmen, was wir aber nicht ganz so lustig fanden und deshalb gelassen haben. Also verging noch etwas Zeit, Anna hat mit ihren Ärzten in Deutschland Kontakt aufgenommen, Schwester Theresa hat Abschied von Ajjanahalli genommen und Annas „Bonbon“ wurde immer größer.

 Und an dieser Stelle kommt dann das berühmt-berüchtigte Schicksal ins Spiel. Denn als wir vor zwei Wochen Schwester Theresa in Bangalore besucht haben, waren wir sofort in den allerbesten Händen. Denn wo könnte man besser aufgehoben sein, als zu Gast in einem Haus voller Krankenschwestern und deutscher Schokolade und mit einem Krankenhaus auf der anderen Straßenseite? Die Chance haben wir dann gleich genutzt und einen Arzt um Rat gefragt. Der hat dann gleich für den nächsten Tag eine kleine OP angeordnet. Damit wurde aus unserem 2-tägigen Aufenthalt bei  Schwester Theresa ein 4-tägiger.  Sie hat uns wirklich selbstlos umsorgt und uns sogar deutsche Schokolade in den Kühlschrank gelegt, obwohl Aschermittwoch war und alle anderen gefastet haben.

Die Wunde haben wir nach 2 Tagen dann aber doch lieber selbstständig in Ajjanahalli versorgt, denn den Krankenschwestern in dem Krankenhaus haben wir nicht so ganz über den Weg getraut. Dafür war der Arzt sehr kompetent. Mittlerweile ist die Wunde gut verheilt, der super Ausstattung unseres Medicine-Rooms sei Dank.

Die ganze Geschichte hinterlässt außer einer großen Dankbarkeit aber auch noch einen anderen Nachgeschmack. Denn die Flure des Krankenhauses waren gepflastert mit Preislisten für die jeweiligen Behandlungen. Was für uns dank Auslandskrankenversicherung kein großer Grund zur Besorgnis ist, treibt eine indische Familie nicht selten in den finanziellen Ruin. Einen Tag in einem Krankenhauszimmer kostet 400 Rupien (ca. 7€), dazu kommen dann noch die Kosten für  Essen, die Behandlung durch den Arzt 200 Rupien (ca. 3,50€) und natürlich die Medikamente, Verbände und sonstige Dienstleistungen. Und das Ganze jeden Tag wieder von neuem. Eine 24-stündige künstliche Beatmung schlägt mit rund 17€ zu Buche. Hört sich ja eigentlich alles nicht so schlimm an. Wenn man aber bedenkt, dass die indische Durchschnittsfamilie meist nicht mehr als 100€ im Monat zur Verfügung hat, dann fragt man sich ernsthaft, wer sich die Behandlung  einer Krankheit wie z.B. Krebs denn überhaupt leisten kann. Nur fragt die Krankheit ja leider vorher nicht kurz nach, ob man dann auch genug Geld für die Behandlung hat.

Eure Miri

Cricket World Cup-Wer will denn so etwas sehen?

Montag, März 7th, 2011

Ganz Indien ist mit dem  Cricketfieber infiziert. Ganz Indien? Nein, zwei Voluntaerinnen in einem kleinen Dorf im Sueden Karnatakas leisten unermuedlich Widerstand gegen diese schreckliche Seuche.

Cricket ist Indiens Nationalsport. Und zu allem Ueberfluss wird der World Cup auch noch in Indien, Bangladesh und Sri Lanka ausgetragen.

Nach Schach und Golf ist Cricket wohl die langweiligste Sportart fuer den Zuschauer. Es bewegen sich selten mehr als 2 Spieler auf dem Spielfeld, der Rest steht einfach nur regungslos in der Gegend herum. Der Ball ist so klein, dass man ihn auf dem Fernsehbildschirm kaum erkennen kann und die Fernsehmoderatoren geben pausenlos irgendwelche Zahlenkolonnen a la ” noch 54928364029  Runs  mit 928542 Balls” von sich. Okay, ich gebe zu, dass die Zahlen ein wenig uebertrieben sind, aber manche Werte kommen dem schon sehr nahe;) Und als ob das alles nicht schon genug waere, dauert ein einziges Spiel dann auch noch locker 5 Stunden.

Die Fathers und die Jungs im Projekt versuchen unermuetlich, uns das Spiel zu erklaeren und uns dafuer zu begeistern, aber es ist einfach hoffnungslos. Die erste halbe Stunde halten wir den Jungs zuliebe aus und dann verschwinden wir ganz heimlich vom Fernseher. Dafuer haben wir jetzt mehr Zeit, den Medicineraum sauber zu halten, und Unterricht und Spiele vorzubereiten;)

Heute und morgen folgen wir der Einladung Schwester Theresas und besuchen sie hier in Bangalore. Sie ist zwar die wahrscheinlich groesste Cricketfanatikerin Indiens (man braucht ihr nur ein Stichwort zu geben und sie rattert alle Zahlenkolonnen jedes einzelnen Cricketspiels der letzten Jahrzehnte auswendig herunter), aber wir haben sie waehrend ihrer Zeit in Ajjanahalli wirklich lieb gewonnen und ausserdem hat sie ihre Einladung wie folgt formuliert: Kommt mich besuchen und dann backen wir richtiges braunes Brot. Wer kann da schon nein sagen?

Wir werden uns jetzt also auf den Weg zu ihr machen und dabei versuchen, allen Cricketfans in der Stadt auszuweichen.

Naechste Woche arbeiten wir, aber in 2 Wochen gibt es wieder Neues vom Ende der Welt.

Eure Miri

P.S.Einen Gruss in den Karneval!