Auf nach God’s own country!

Mein gepackter Rucksack steht neben mir, es geht endlich wieder raus auf die Suche nach einem weiteren Gesicht Indiens. Und dieses Mal erwarten wir ein ausgesprochen hübsches, denn Indiens Vorzeigestaat Kerala wird hier nur schlicht und ergreifend „God’s own country“, also Gottes eigenes Land, genannt.

Versuchen wir uns dem Ganzen aber erst einmal etwas objektiver zu nähern. Kerala ist wahrscheinlich  weltweit der einzige Staat, in dem sich Demokratie und Kommunismus wunderbar zu verstehen scheinen. Seit 1957 aus freien Wahlen eine kommunistische Regierung hervorging, wurde diese immer schön abwechselnd mit der Congress-Partei wiedergewählt. Eine Landreform und der Schwerpunkte auf Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen trug zu Keralas Erfolgen bei. Die Alphabetisierungsquote von 91% ist weltweit die höchste in einem Entwicklungsland , die Kindersterblichkeitsrate beträgt ein Fünftel des Landesdurchschnitts, die durchschnittliche Lebenserwartung von 73 Jahren liegt damit 10 Jahre über der des übrigen Landes.

Doch auch Kerala hat seine Probleme. Es gibt keinerlei industrielle Entwicklung, wodurch viele gut ausgebildete junge Menschen keine Beschäftigung finden. Kerala hat die höchste Suizidrate und dort wird mehr Alkohol konsumiert als sonstwo in Indien. Hoffnung legt die Wirtschaft in den Tourismusboom – wir werden unser Bestes geben.

Wir können uns dem Ganzen aber auch etwas subjektiver nähern, schließlich kommen von unseren gegenwärtig 7 Priestern und –anwärtern 6 aus Kerala. Und die erzählen uns beinahe täglich, dass in Kerala sowieso alles besser ist. Die Landschaft ist schöner, die Menschen christlicher, das Essen besser. Fährt einer unserer Mitbewohner zu seiner Familie nach Kerala, scheut er keine Mühen und kommt schwer bepackt mit vielen Köstlichkeiten wieder. 17 kg Bananen plus 4 kg Honig auf einer 15-stündigen Reise mitzuschleppen kann man für bescheuert halten, ist bei den Fathers und Brothers aber keine Seltenheit. Schließlich werden sie für ihre Anstrengungen dann ein paar Tage lang mit einem richtigen „Kerala-Frühstück“ belohnt.

Wir freuen uns also auf unsere kleine Auszeit, aber vor allem wohl darauf, danach endlich so richtig mitreden zu können. Und als kleines Sahnehäubchen begleiten uns Annas Geschwister auf dieser Reise. Wir sind schon sehr gespannt, wie sie Indien erleben werden.

In zwei Wochen dann hoffentlich ein Blogartikel mit der Wahrheit über Kerala.

Ich bin dann mal weg!

Eure Miri

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