Archive for Juni, 2011

Be prepared – Allzeit bereit!

Montag, Juni 20th, 2011

25.08.2010: Unsere ersten Stunden in Ajjanahalli. Auf einem großen Schild am Eingang fällt mir ein  Schriftzug auf: „Pfadfinder“. Als ich unseren Chef darauf anspreche, erzählt er mir, dass es die Pfadfinder in Ajjanahalli seit ein paar Jahren nicht mehr gibt, aber versucht wird, das Pfadfinderprogramm wieder aufleben zu lassen. Begeistert erzähle ich ihm, dass ich Pfadfinderin bin… seine Antwort: „ Dann fangen wir auf jeden Fall wieder damit an!“

September, Oktober, November, Dezember: Alles ist so neu, stressig, anders. Bei unseren ganzen Aktivitäten bleibt keine Zeit, auch nur einen kleinen Gedanken an das Pfadfinderprogramm zu wagen. Nur wenn wir die Kleidung unserer Bandjungen aus dem Schrank kramen, werfe ich einen sehnsüchtigen Blick auf die darüber liegenden verstaubten Pfadfinderkluften.

Januar: Meine Tante und mein Onkel wollen wissen, was sie mir aus Deutschland mitbringen sollen. Na, was wohl? Meine Pfadfinderkluft!

Februar: Ein Meeting mit unserem Chef. Ich erzähle ihm von meinen Plänen mit den Pfadfindern. Er hört interessiert zu, bringt mir aber schonend bei, dass die Jungs so kurz vor den Sommerferien vor allem eines machen sollen: für ihre Abschlussprüfungen lernen.

März: Irgendwelche komischen Insekten finden heraus, dass man an meiner Pfadfinderkluft hervorragende Nester bauen kann. Ich verteidige die Kluft mit allen Mitteln. Trotzdem hat sie jetzt immer noch komische braune Flecken.

April: Die Sommerferien fangen an. Ich spreche mit meinem Chef ab, dass wir während des Summercamps ein paar Pfadfinderaktionen für alle Jungs anbieten und nach den Sommerferien mit einer festen Gruppe richtig durchstarten. Aber es kommt natürlich mal wieder alles anders als man denkt: der fürs Summercamp zuständige Brother findet Pfadfinder ziemlich uncool und lässt meine Programmpunkte wie durch Zufall wegfallen.

Mai: So langsam gebe ich die Hoffnung auf, sobald ich das Thema anspreche, habe ich das Gefühl, dass alle meine Vorschläge kategorisch abgelehnt werden.

Juni: Das jährliche Treffen aller Mitarbeiter findet statt. Und ganz plötzlich wird dort in meiner Abwesenheit beschlossen, dass das Pfadfinderprogramm so schnell wie möglich aufgenommen werden soll. Bis Ende Juli werde ich die Gruppe leiten, in dieser Zeit werde ich auch Brother Sanjay ein wenig einweisen. Der wird die Leitung dann nach meiner Abreise übernehmen. Innerhalb von 3 Tagen muss ich alles vorbereiten, schließlich darf ich jetzt keine Zeit mehr verlieren.

19.06.2011: Die erste Gruppenstunde findet mit 16 Jungen statt. In einer Mischung aus Kannada und Englisch erzählen wir den Jungen, dass es überall auf der Welt Pfadfinder gibt und dass bei den Pfadfindern vor allem eines wichtig ist: Freundschaft.

Ihren Teamgeist müssen sie daraufhin bei einem Spiel unter Beweis stellen, bevor sie dann ihre Pfadfinderkluften überreicht bekommen. Dass sie dabei auch gleich den Freundschaftsknoten lernen müssen, steht natürlich außer Frage. Nach dieser ersten Gruppenstunde findet abends eine Eröffnung des neuen Schuljahres und unseres Pfadfinderprogramms statt. Unser Chef hält eine Rede, die Lampe (die darf bei keiner Eröffnung fehlen) wird angezündet, unsere Scouts treten nach vorne und zwei von ihnen halten eine kleine Rede. Einfach nur schön!

Gut Pfad!

Eure Miri

P.S. Gerade sind wir in der Endplanung was die Verwendung der Spenden angeht. Wenn die endgültige Entscheidung gefallen ist, werdet ihr natürlich als Erste davon erfahren! Das wird allerdings nach unserer letzten indischen Reise sein: wir besichtigen den Kaiserpalast in Mysore, wandeln auf Mutter Teresas Spuren in Kolkata, besuchen Hannah, Michael und Ferdinand in Vijayawada und Olli und Maurits in Hospet. Spätestens am 11.7. dann ein weiterer Blogartikel!

Frischer Wind

Montag, Juni 6th, 2011

In der letzten Woche wurden wir ganz schön durchgepustet und unser riesiges Haus ist ordentlich ins Schwanken geraten.

Der Monsun hat seine ersten Ausläufer zu uns geschickt und mit kühlem Wind, grauen Wolken und Gewittern dafür gesorgt, dass sich der Sommer in Luft aufgelöst hat. Wir waren überrascht wie schnell sich das Wetter und die Natur umgestellt haben. Jetzt müssen wir in Windeseile die Mangos pflücken, sonst fallen sie dem Regen zum Opfer. Dafür sind wir alle nun von einer absolut lästigen Aufgabe befreit: monatelang sämtliche Pflanzen auf unserem großen Gelände vor dem Vertrocknen zu bewahren.

Doch mit dem Monsun ist Anna und mir auch schmerzlich bewusst geworden, dass wir uns jetzt wieder in der gleichen Jahreszeit befinden, in der wir angekommen sind. Unser Indienkalender besitzt nur noch 2 leere Seiten, in 9 Wochen werden wir  im Flieger nach Deutschland sitzen.

Obwohl sich bei Anna und mir langsam aber sicher eine leise Abschiedsstimmung in den Alltag schleicht, ist das restliche Haus auf Neuanfang eingestellt. Unsere Schulkinder gehen seit einer Woche wieder in die Schule und unsere ehemaligen Centerboys dürfen jetzt auch das Projektgelände Richtung Schule verlassen. Man merkt ihnen an, wie gut es ihnen tut, jetzt zu den Großen dazu zu gehören. Man könnte fast eine kleine Glücksträne vergießen, wenn man sie voller neuer Energie zurück kommen sieht.

Und trotzdem kommt das Haus tagsüber nicht zur Ruhe, vielmehr wird es aus allen Angeln gehoben. Grund dafür sind die rund 15 neuen Jungen (und noch viele weitere dürften folgen), die von unseren Regeln hier im Haus meist noch nicht ganz so viel halten. So probieren sie alles aus, ärgern unsere Tiere, kämpfen um die Bälle oder weigern sich, ihre Kleidung zu wechseln. Gleichzeitig kommen aber fast alle von ihnen regelmäßig zu uns in den Medicine-Raum, um sich eine Extraportion Aufmerksamkeit abzuholen. Komischerweise klagen sie alle über Schmerzen im Oberschenkel, eine bei den anderen Jungen überhaupt nicht verbreitete Krankheit.

Wir werden also diese Jungen in ihren ersten Wochen hier begleiten und hoffentlich die ersten Erfolge der Arbeit der Salesianer und der Mitarbeiter miterleben dürfen.

Mit dem nächsten Windstoß sende ich euch einen kühlen Gruß in die Anfänge des deutschen Sommers.

Eure Miri

P.S. Nächsten Montag arbeiten wir durch – also keine Neuigkeiten aus dem indischen Wald. Die Woche danach dann aber hoffentlich wieder ein Lebenszeichen.