Be prepared – Allzeit bereit!
25.08.2010: Unsere ersten Stunden in Ajjanahalli. Auf einem großen Schild am Eingang fällt mir ein Schriftzug auf: „Pfadfinder“. Als ich unseren Chef darauf anspreche, erzählt er mir, dass es die Pfadfinder in Ajjanahalli seit ein paar Jahren nicht mehr gibt, aber versucht wird, das Pfadfinderprogramm wieder aufleben zu lassen. Begeistert erzähle ich ihm, dass ich Pfadfinderin bin… seine Antwort: „ Dann fangen wir auf jeden Fall wieder damit an!“
September, Oktober, November, Dezember: Alles ist so neu, stressig, anders. Bei unseren ganzen Aktivitäten bleibt keine Zeit, auch nur einen kleinen Gedanken an das Pfadfinderprogramm zu wagen. Nur wenn wir die Kleidung unserer Bandjungen aus dem Schrank kramen, werfe ich einen sehnsüchtigen Blick auf die darüber liegenden verstaubten Pfadfinderkluften.
Januar: Meine Tante und mein Onkel wollen wissen, was sie mir aus Deutschland mitbringen sollen. Na, was wohl? Meine Pfadfinderkluft!
Februar: Ein Meeting mit unserem Chef. Ich erzähle ihm von meinen Plänen mit den Pfadfindern. Er hört interessiert zu, bringt mir aber schonend bei, dass die Jungs so kurz vor den Sommerferien vor allem eines machen sollen: für ihre Abschlussprüfungen lernen.
März: Irgendwelche komischen Insekten finden heraus, dass man an meiner Pfadfinderkluft hervorragende Nester bauen kann. Ich verteidige die Kluft mit allen Mitteln. Trotzdem hat sie jetzt immer noch komische braune Flecken.
April: Die Sommerferien fangen an. Ich spreche mit meinem Chef ab, dass wir während des Summercamps ein paar Pfadfinderaktionen für alle Jungs anbieten und nach den Sommerferien mit einer festen Gruppe richtig durchstarten. Aber es kommt natürlich mal wieder alles anders als man denkt: der fürs Summercamp zuständige Brother findet Pfadfinder ziemlich uncool und lässt meine Programmpunkte wie durch Zufall wegfallen.
Mai: So langsam gebe ich die Hoffnung auf, sobald ich das Thema anspreche, habe ich das Gefühl, dass alle meine Vorschläge kategorisch abgelehnt werden.
Juni: Das jährliche Treffen aller Mitarbeiter findet statt. Und ganz plötzlich wird dort in meiner Abwesenheit beschlossen, dass das Pfadfinderprogramm so schnell wie möglich aufgenommen werden soll. Bis Ende Juli werde ich die Gruppe leiten, in dieser Zeit werde ich auch Brother Sanjay ein wenig einweisen. Der wird die Leitung dann nach meiner Abreise übernehmen. Innerhalb von 3 Tagen muss ich alles vorbereiten, schließlich darf ich jetzt keine Zeit mehr verlieren.
19.06.2011: Die erste Gruppenstunde findet mit 16 Jungen statt. In einer Mischung aus Kannada und Englisch erzählen wir den Jungen, dass es überall auf der Welt Pfadfinder gibt und dass bei den Pfadfindern vor allem eines wichtig ist: Freundschaft. 
Ihren Teamgeist müssen sie daraufhin bei einem Spiel unter Beweis stellen, bevor sie dann ihre Pfadfinderkluften überreicht bekommen. Dass sie dabei auch gleich den Freundschaftsknoten lernen müssen, steht natürlich außer Frage. Nach dieser ersten Gruppenstunde findet abends eine Eröffnung des neuen Schuljahres und unseres Pfadfinderprogramms statt. Unser Chef hält eine Rede, die Lampe (die darf bei keiner Eröffnung fehlen) wird angezündet, unsere Scouts treten nach vorne und zwei von ihnen halten eine kleine Rede. Einfach nur schön!
Gut Pfad!
Eure Miri
P.S. Gerade sind wir in der Endplanung was die Verwendung der Spenden angeht. Wenn die endgültige Entscheidung gefallen ist, werdet ihr natürlich als Erste davon erfahren! Das wird allerdings nach unserer letzten indischen Reise sein: wir besichtigen den Kaiserpalast in Mysore, wandeln auf Mutter Teresas Spuren in Kolkata, besuchen Hannah, Michael und Ferdinand in Vijayawada und Olli und Maurits in Hospet. Spätestens am 11.7. dann ein weiterer Blogartikel!
