Manchmal reicht ein „Danke“ nicht aus

Die letzten Wochen haben wir alle uns ordentlich den Kopf zerbrochen, geht es doch nun darum, das gespendete Geld möglichst effektiv einzusetzen. Dabei waren vor allem Anna und ich häufig am Grübeln, Abwägen von Kosten und Nutzen und auf der Suche nach weiteren Ideen. Schließlich kennen wir die vielen berührenden Geschichten hinter den Spendengeldern und wollen daher das Geld bestmöglich und zur Zufriedenheit aller einsetzen.

Wir sind einfach sprachlos angesichts einer Summe von über 6000 Euro, die hunderte (ungelogen!) Freunde, Bekannte und Verwandte von Anna und mir für Ajjanahalli gespendet haben – und immer noch gibt es Hoffnung auf weitere Spenden. Ein ganz großes, von tiefstem Herzen kommendes Dankeschön dafür an euch alle!

Anna und mir ist es wichtig, dass mit dem Geld nicht nur ein Bereich des Projektes unterstützt wird, sondern an möglichst vielen Stellen etwas vorangebracht werden kann. Über allem steht natürlich das Ziel, dass das Geld direkt den Jungen zugute kommt.

1.       Gesundheit

In den nächsten Wochen werden wir hier in Ajjanahalli ein „Medical Camp“ veranstalten. Das bedeutet, dass Ärzte und Krankenschwestern einen Tag lang zu uns kommen, einige Unterrichtsstunden über Hygiene und Erste Hilfe halten und alle Jungen einzeln untersuchen. Für sehr wichtig halten wir, dass die Jungen auch zahnärztlich untersucht werden und dass gegebenenfalls Bluttests durchgeführt werden können. Inklusiv eventueller Nachbehandlungen wird dieses „Medical Camp“ etwa 425 Euro kosten.

2.       Spiel, Spaß und Freizeit

Auf dem Gelände befindet sich ein Spielplatz. Dieser wird nicht nur von unseren Jungen benutzt, sondern auch von Kindern aus dem Dorf, für die dieser Ort wohl der einzige ist, an dem sie einfach nur Kind sein dürfen. Die Spielgeräte sind allerdings schon ziemlich abgenutzt und bei manchen grenzt es schon fast an ein Wunder, dass sie noch keine Kinder unter sich begraben haben. Deswegen werden wir die alten Spielgeräte reparieren und neu streichen sowie ein neues Spielgerät konstruieren und aufstellen lassen.

Was wäre eine Kindheit in Indien ohne indische Filme? Filme sind das Gesprächsthema Nr.1 auf dem Pausenhof, der Soundtrack immer hitverdächtig und die Tänze werden fleißig kopiert. Jeden Samstagabend dürfen unsere Jungen einen Film sehen-das absolute Highlight der Woche. Dafür steht ein kleiner Fernseher zur Verfügung, um den sich alle Jungen drängen müssen, um etwas sehen zu können. Außerdem ist dieser mittlerweile etwas mitgenommen, denn auf der rechten Seite befindet sich ein breiter Farbstreifen, weswegen die Jungen immer nur die Hälfte des Bildes sehen. Um den Jungen wieder „ganze“ Filme und die abendlichen Nachrichten zeigen zu können, werden wir einen neuen, größeren Fernseher sowie einen passenden (abschließbaren) Fernsehschrank kaufen.

Zusammengerechnet werden wir für den Bereich „Spiel, Spaß und Freizeit“ etwa 2000 Euro zur Verfügung stellen.

3.       Lebensqualität

Ein Leben in der indischen Einsamkeit bringt vor allem einen Nachteil mit sich – man weiß nie, wann man mal wieder Strom hat und wie lange er bleibt. Das ist vor allem dann problematisch, wenn die Jungen im Dunkeln ihre Hausaufgaben machen müssen. Die Schule hört erst am späten Nachmittag auf und die Sonne geht pünktlich um kurz nach 6 unter. Auf dem Dach sind kleine Solarzellen angebracht, die jeweils eine Batterie aufladen, von der aus dann jeweils eine Lampe mit Strom versorgt werden kann. Diese Batterien halten 5 Jahre, dann müssen sie ausgetauscht werden. Seit wir hier sind, haben wir diese Lampen nie leuchten sehen, es war nie Geld für die Wartung und neue Batterien da. Wir wollen das Solarsystem wieder in Gang setzen, damit die Klassenräume, der Essensraum und andere Gemeinschaftsräume zuverlässig mit Licht versorgt sind. Außerdem werden wir im Badezimmer der kleinen Jungen ein neues System einrichten. Die Kleinen haben sich nachts im Dunkeln nämlich nicht auf Toilette getraut und lieber ins Bett gemacht. Bei 60 Kindern in einem Raum nicht ganz so lecker. Für die nächsten 5 Jahre wird das hoffentlich kein Problem mehr sein. Diese große Maßnahme wird ca. 2100 Euro kosten.

4.       Bildung

Nicht nur die Jungen, die momentan im Projekt leben und hier zur Schule gehen, brauchen Bücher, Schulgebühren und Uniformen,  sondern auch viele ehemalige Jungen, die nun an anderen Orten auf ein College gehen. Wir werden den Rest der Spendengelder auf ein „Bildungskonto“  einzahlen. Für die jährliche Anschaffung von Schulmaterialien für unsere Jungen dürfen die Patres von diesem Konto Geld abheben. Auch wenn ehemalige Jungen Collegegebühren, bestimmte Bücher oder andere Dinge brauchen, die sie nicht sofort selbst finanzieren können, so können die Patres ihnen mit diesem Geld aushelfen. Hat der Junge seine Ausbildung beendet und verdient eigenes Geld, so soll er diese Summe dann zurückzahlen.

So schnell wie möglich werden wir diese Dinge nun in Gang bringen, damit wir erste Ergebnisse sehen, bevor wir Ajjanahalli im August wieder verlassen.  Wir hoffen, dass euch unsere Auswahl gefällt!

Viele Grüße aus unserem letzten indischen Monat,

Eure Miri

One Response to “Manchmal reicht ein „Danke“ nicht aus”

  1. ulla9 Says:

    Hallo Mirijam,
    Wow, 6000 Euro sind wirklich eine tolle Summe! Genießt Eure letzen Tage…