Angefangen hat der 28-taegige Monat mit dem “Nationalen Jugendorchestertreffen Paraguays” in Ayolas. Das heisst: 4 Tage treffen sich 1500 junge Musiker mit Professoren zum Musizieren, man schlaeft inKlassenreumen, wartet 1 Stunde in der Sonne aufs Mittagessen, lernt lauter lustige Menschen kennen, der Dirigent gibt mit Mikro Anweisungen und wenn man auf dem Klo ist, hoert man wie sich andere deutsche Volontaerinnen ueber ihr Durchfall-Verhalten unterhalten.. Ayolas liegt im Sueden des Landes, sehr nah an der argentinischen Grenze und so fuhren wir also am Mittwoch, de 3.2. um die Mittagszeit los (wir hatten nur eine 1h 15minuetigeVerspaetung, das ist rekordverdaechtig!). Es war heiss, der Bus hatte keine Klimaanlage und was das Verhalten von maennlichen Heranwachsenden angeht.. es scheint egal zu sein, welche Nationalitaet sie besitzen.. ich fuehlt mich leicht an die Big Band Fahrt erinnert.. Es wurde sehr viel musiziert und sich amuesiert. 07:00 Fruehstueck, 08:00-11:30 Uebung in deiner Instrumentengruppe (unter 8 Posaunen war ich natuerlich das einzige Maedel, wir hatten auch keinen Professor (die Veranwtrotlichen dachte ich waere es.. “Profe, profe..”)), 12:00 Mittagessen, bis 17:00 haben wir Siesta, Wasserschlacht, Terere-Runden praktiziert, 17:00-19:30 Probe des mega Orchesters, 20:00 Abendessen. In den Abendstunden spielten dann alle Orchester einmal vor, wobei meine Gruppe keine Lust hatte, die anderen Orchester zu hoeren. Also bin ich alleine mit unserer japanischen Volontaerin und einer Brasilianerin lauschen gegangen.. die ganzen Paraguayer sind zu Hause geblieben. Sonntagabend spielten wir dann auf einem Fussballplatz das Konzert mit einem Orchester von 1500 Mitgliedern (hauptsaechlich Streicher, 50 Harfen!,200 Gitarren!). Direkt danach fuhren alle auch nach Hause, nur ich blieb noch ein Weilchen bei Freunden des Dirigenten bis halb 2, um mich dann in den Bus Richtung Encarnacion zu setzen.. Also machte ich das, was ich mir eigentlich geschworen hatte, NIE zu tun: alleine nachts in Suedamerika unterwegs zu sein.. gegen 04:00 kam ich in Encarnacion an und es galt nicht einzuschlafen.. schliesslich musste ich ja auf einen grossen Rucksack, einen kleinen, eine Handtasche und meinen gliebten Thermo aufpassen. Um 04:30 ging’s dann weiter nach Posadas,06:00 angekommen und erstmal in ein Cafe zum Fruehstuecken gsetzt. Dort bin ich dann prompt mit dem Kopf auf dem Tisch eingeschlafen. Um 11:30 kam dann mein Bus nach Parana (bei Santa Fe, Rosario). Diese Reise nahm ich zum einen auf mich auf, um wieder mein Visum zu erneuern, zum anderen um Cordula Frey, eine Freundin, die gerade aus Dtld gekommen ist, um 5 Monate bei einer Gastfamilie zu wohnen (der Platz und die Zeit reicht nicht, um alles naeher zu erklaeren), zu besuchen. Ich stieg also um 11:30 in den Bus in Posadas und um 02:30 in Parana wieder aus. Unglaublich, aber wahr: ich hab diese 15 Stunden komplett durchgeschlafen, nichts von meinem leckeren Proviant vernascht, gar nichts. Da ich Angst hatte, auch Parana zu verschlafen, bat ich meinen Nachbarn mich um 02:00 zu wecken.. Einer von meinen Nachbarn (ka, ich habe ja geschlafen), hat dann leider den Moment genutzt und meinen geliebten Thermo mitgehen lassen. Die Tage in Parana mit Lolle habe ich sehr genossen, die Familie ist unglaublich herzlich und das Ufer des Rio Parana in Parana ist auch sehenswert. Leider musste ich mich Donnerstagabend auch schon wieder in den Bus zurueck setzen, um enstprechend den Vereinbarungen nach Hause zu kommen. Das war in dem Sinne wirklich besonders schade, weil einen Tage spaeter feierte Lolles Gastschwester ihren 15. und das aehnelt hier ja an Hochzeitsfeiern.. kann man nichts machen. Eine Sache muss ich hier allerdings noch erwaehnen, vllt kann man sie mir ja irgendwer erklaeren: fat alle Autos fahren dort mit Gas und an der Tankstelle muessen alle aussteigen, weil es sein koennte, dass das Auto explodiert.. Warum hat man diese Angst nur beim Tanken und nicht generell??
Waehrend all die Jecken trotz des Eis-Wetters unterwegs waren, habe ich mich samstags auch auf eine Karnevalsparty getraut. Karneval heisst hier naemlich nass machen.. und mit Schaum einspruehen. Leider habe ich es nicht geschafft, nach Caacupe zu dem richtig grossen Strassenfeste mit Tanz- Umzug etc., zu fahren, in Asunciòn war leider gar nichts los.
(Rosen-) Montag fragte mich Padre Denis, ob ich ihn nicht zu einer Totensegnung in der Nachbarschaft einladen will, eine 93-jaehrige Frau war gestorben. Hier wird auch getrauert und nicht gefeiert, Traidtion ist es 24 Stunden bei dem Toten zu bleiben und zu beten. Wegen der Hitze bestattet man dann auch innerhalb von ein paar Tagen. Ich traute mich irgendwie nicht so wirklich an die Tote ran, war das erste Mal fuer mich und irgendwie komisch (zumal ich die ganze Zeit dachte, dass es ein Mann waere).
Am (Veilchen-) Dienstag verliess uns leider Paolo, einer von den Albergue-Jungs. Erstens hatte er eine andere Hintergrundsgeschichte als die restlichen Jungs (nicht von der Strasse geholt, sondern von seinem grossen Bruder nach Weihnachten mitgebracht worden) und zweitens fuehlte er sich zwar wohl, aber vermisste sehr das Elternhaus und seine Freunde. Dazu kommt dass er 15 Stunden von Asunción mitten im Chaco wohnt und somit das Stadtleben sehr fremd fuer ihn war. Als Abschied bereitete ich mit dem Geld von Walter ein kleines Fotoalben mit Foto seiner Kameraden und der Erzieher vor. Als die restlichen das gesehen haben, fingen sie an mich uebelst zu beschimpfen (und keine harmlosen Saxhen).. diese Momente tun einfach weh, dass sie direkt eifersuechtig werden und man dann beschimpft wird. Man baut zwar mit der Zeit eine Mauer in sich auf, aber die broeckelt auch manchmal. Wieso koennen sie sich nicht fuer ihn freuen, dass er etwas hat, um sich an sie zu erinnern und die Foto seinen Freunden dort zeigen kann?! Sie haben so etwas halt nie von jemandem bekommen und schauen dann immer genau, was der andere bekommt.. Eine andere Situation ist folgende: meine Grosseltern haben mir zu Weihnachten Haribo geschickt und ich wollte es mit vielen teilen. Statt sich zu bedanken, beschmipfen sie mich, warum ich ihnen nicht mehr gebracht haette..
Ende der Woche stiegen dann 3/4 (Angel, José und Victor) der Albergue auf und wurden fest im Heim aufgenommen. das war fuer uns Erzieher der Albergue auch ein wenig traurig, weil wir doch sehr viel Zeit mit ihnen verbracht haben. Zurueck blieb Cristhian, der zum einen sehr darunter litt, aber es auch sehr genoss so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Dies wurde wiederum zum Problem, als eine Woche spaeter seine neuen Kollegen auftauchten und man sich nicht mehr nur um ihn kuemmerte.. er startete dann Aktionen wie Puzzleteileessen und danach Saft trinken, um auf sich aufmerksam zu machen. Seit neustem toben also Sergio, Blas und Emiliano in der Albergue rum. Sie pruegeln sich nicht ganz so viel wie die anderen am Anfang, aber ich soll ja nicht aus der Uebung kommen.. Ansonsten nervt es mich halt sehr, dass sie dauernd mein Spanisch nachaeffen und sich darueber lustig machen, sie hatten eben noch nie naeheren Kontakt mit Auslaendern. Sie duerfen mich gerne korrigieren, aber bitte im entsprechenden Ton. Sergio, der kleinste und juengste mit zehn Jahren ist besonders anhaenglich und verteidigt mich, wo er kann und freut sich immer, wenn ich komme. Solche Momente machen einen dann wiederum gluecklich bis zum Monatsende
Was einen nicht so gleucklich und gerade zu verrueckt macht, ist die Mueckenplage zurZeit. In der Zeitung liest man von Dengue und die Viecher stechen dich durch die Jeans. Dengue.. das wuerde mir gerade noch fehlen.. meine Anti-Muecken-Cremes/Sprays-Sammlung zeigt, dass ich noch am Suchen bin nach einem effektiven Produkt.
Seit dem 24.02. bin ich offizielle Lehrerin und Assistentin in der EBB (escuela basica bilingue) fuer die Faecher Mathematik und Informatik (ja, ICH!). Die EBB ist eine Abendschule, die sowohl einige Jungs des Heims, Maedchen aus einem anderem Heim und jeder von ausserhalb, der will, besuchen. Sie findet von montags bis freitags von 18 bis 20 Uhr statt, beinhaltet die Faecher Spanisch, Guarani, Mathe, Informatik, Sozial- und Naturwissenschaften, Gesundheit, dreimal im Jahr gibt es staatliche Pruefungen und die Lehrer arbeiten alle freiwillig ohne Gehalt. Im Informatikteil bin ich vor allem Dingen fuer die richtige Aussprache der englischen Begriffe zustaendig (Katastrophe!) und ganz nebenbei lerne ich noch etwas ueber den Computer.
Was den schulischen Bereich angeht, wartet im April noch etwas anderes auf mich: Musikunterricht im Refuerzo Escolar. Da die Kinder entweder morgens oder nachmittags Unterricht haben, ist der Refuerzo Escolar als Unterstuetzung gedacht. Es wird nicht nur gelernt und die Hausaufgaben gemacht, sondern man macht auch ganz viele Spiele. Die Idee ist, dass die Kinder nicht auf der Strasse rumhaengen, sondern beschaeftigt werden. Ich wurde gefragt, ob ich Lust haette, Posaune von Anfang an im Refuerzo Escolar zu unterrichten. Da die Schueler aber erstens noch recht klein sind, die Arme vermutlich zu kurz sind und Posaune nicht so als Primaerinstrument geeigent ist, werden mir jetzt 4 Blockfloeten gekauft und ich werde Floetenunterricht geben. Heisst konkret: zweimal zwei Stunden morgens und zweimal zwei Stunden nachmittags. Meine Floete bringt mir mein Vater mit, der DIESEN Freitag am 05.03. kommt. Ich freu mich wie ein Fuchs, auch wenn ich es noch gar nicht glauben kann.. ist irgendwie auch komisch, aber nicht negativ. Davor heisst es jetzt, alles soweit wie moeglich zu organisieren und vorher noch das Zimmer zu putzen
Ich gruesse euch ganz lieb von der anderen Haelfte der Welt, eure Judith