Leider konnte ich erst jetzt meine Artikel zu den Osterferien hineinstellen, da ich zuvor keine richtige Internetverbindung hatte und somit keine Möglichkeit hatte die Berichte und Bilder hochzuladen. Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß am Lesen, auch wenn Ostern schon 2 Wochen zurückliegt.
Swasiland von einer ganz anderen Seite
Logbucheintrag Sebeneles Besuch am 19.04.2011
06:25 Aufstehen, duschen, frühstücken
07:55 Los geht´s zum Busbahnhof
08:07 Ankunft am Busbahnhof & Geschenke kaufen: Kartoffel, Paprika, Tomaten, Zwiebel
08:21 Suche nach richtigem Bus
08:23 Gefunden und warten…
09:05 Abfahrt nach Mzaceni
10:25 Ankunft und Suche nach Shop
10:45 Gefunden und auf SiSwati nach Oma Kanyoni fragen. Glücklicherweise kannte sie Sebeneles Großmutter und führte mich zu ihr. Begrüßung der Grußmutter auf SiSwati, da sie kein Englisch spricht. Sie führt eine kleine Farm (Maisanbau, Subsistenzwirtschaft). Anschließend Gastgeschenk geben (sie hat sich sehr gefreut).
11:30 Wanderung zusammen mit Sebenele, seinem Bruder und einem weiterem Jungen der dort wohnte zu Guava-Bäumen und anschließendes Pflücken der Guavas.
13:25 Zurück in der Farm. Gemütliches beisammensitzen und Guavas essen.
14:00 Essen: Es gab Pap mit Schweinefleisch (ich als Gast habe 3 Stücke bekommen)
15:10 Bedanken für Essen und herzlichem Empfang, Gruppenfoto und Tschüss. Sebenele, sein Bruder und sein Freund bringen mich zur Bushaltestelle. Auf dem Weg treffen wir Sebeneles Onkel in einem LKW den wir später an der Bushaltestelle wiedertreffen. Er war so freundlich und hat mich mit nach Manzini genommen.
16:20 Zurück in Manzini
Logbucheintrag Nkhosnathis Besuch am 21.04.2011
07:50 Verschlafen…
09:05 Ankunft am Busbahnhof & Geschenke kaufen (das Gleiche wie gestern). Bus während er schon losgefahren ist noch erwischt (eigentliche Abfahrt 09:00Uhr).
10:15 Ankunft in Mashibini. Zuvor im Bus interessante Unterhaltung mit Swasi College Teacher über Kultur und Schulsystem in Swasiland. In Mashibini warten auf Nkosnathi, der mich eigentlich abholen wollte, aber noch nicht da war, als ich angekommen bin. Nach 15 Minuten Warten werde ich von einem Swasi angespochen: „What is your mission“. Ich entgegne dass ich eigentlich nur einen Freund besuche, der mich abholen wollte, es bis jetzt aber nicht getan hätte. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir von seinem Leben als selbständiger Schreiner (Er hat es geschafft ein Geschäft zu eröffnen und es zu führen, auch wenn er von zu Hause wegziehen musste) Nach einer Weile, als Nkosnathi immer noch nicht aufgetaucht ist versuchen wir ihn zu finden. Wir fragen bei einigen Leuten nach, ob sie ihn eventuell kennen – leider negativ. Nach einer ¾ Stunde Suchen steht er auf einmal hinter mir. Er hatte es am Vortag nicht mehr geschafft nach Mashibini zu fahren und hat einen Bus später genommen als ich. Wir machen uns auf dem Weg zum Haus der Mutter, die leider nicht da war. Nach einem Anruf erfahren wir, dass sie auf der Arbeit ist und erst um halb sechs abends nach Hause kommen würde. Eigentlich hätte ich um 16 Uhr den letzten Bus nach Manzini genommen, habe mich aber dann dazu entschieden länger zu bleiben und dann am Abend einen Combie zu nehmen.
12:10 Nach einer kalten Cola habe wir uns dafür entschieden einen Berg in der Nähe zu besteigen. Also kaufen wir noch ein Brot zur Verpflegung und füllen 2 Flaschen mit Wasser. Zum Berg nimmt uns eine nette Swasi mit. Am Berg wissen wir allerdings nicht, wie wir ihn besteigen können. Der Weg, der hineinführte, ist wegen eines Tores nicht zugänglich. Wir erfahren, dass der Mann, der sein Haus in der Nähe des Berges hat und auch für den Berg „verantwortlich“ ist bald zurückkommen wird. Wir warten ca. 20 Minuten und endlich kommt der weiße Mann mit seinem Auto angefahren. Also frage ich ihn, ob wir hinein dürften da wir würden gerne den Berg besteigen würden. Nach dem er Nkosnathi sieht meint er: „Also er würde mich ja rein lassen, aber der Einheimische muss draußen bleiben.“ Ich frage ihn warum, worauf er antwortet: „Ich weiß, er ist noch ein Kind, aber auch er könnte sich ein Bild von der Umgebung machen und später über das Tor klettern und pflanzen klauen oder jagen gehen. Aber… was machst du denn eigentlich hier?“
„Ich arbeite für die Salesianer, kennen sie die diese?“
„Ja, uns was genau ist deine Arbeit?“
„Morgens unterrichte ich in einer Primary School.“
„Was?“
„Naturwissenschaften und Mathe.“
„Auch Religion?“
„Nein“
„Okay, dann ist gut, ihr könnt rein.
Er hat noch irgendwas gemurmelt, was ich nicht verstehen kann, ist losgefahren und hat uns das Tor aufgelassen. Nach dem eigenartigen Gespräch machen wir uns auf und nach eineinhalb Stunden sind wir fast an der Spitze angekommen. Das letzte Stück ist nur noch Felsen. Nach der Hälfte des letzten Stückes meint Nkosnathi es sei vielleicht doch besser, wieder herunter zu steigen. Wieder runter war jedoch schwieriger als gedacht. Wir haben es dann aber doch geschafft und waren nach einer Stunde wieder unten. Während der Wanderung hat Nkosnathi ab und zu Pause und ganz begeistert hinunter ins Tal geschaut. Für ihn war es das erste Mal, dass er auf einen Berg geklettert ist.
16:15 Treffen der Mutter (ca. 34 Jahre). Sie hat Fatcakes (eine Art Mutzen) und ein anderes Gebäck mitgebracht. Wir kaufen noch Cola, da sie mir ein „good drink“ anbieten wollte. Wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Unteranderem warum Nkhosnathi zu Manzini Youth Care gekommen ist. Bevor er zu MYC gekommen ist hat er bei seinem Vater gelebt, da sie damals schon kein Geld hatte ihn und seine Schwester zu versorgen. Sein Vater hat ihn aber fast jeden Tag mit einer Art Peitsche auf dem Rücken geschlagen, wovon er auch noch Striemen hat. Sie hat von MYC gehört und ihn seinem Vater weggenommen. Des Weiteren hat sie mir erzählt, dass sie seit einer Woche wieder arbeiten geht, zuvor war sie krank gewesen. Sie arbeitet in einer chinesischen Fabrik als Schneiderin. Leider verdient sie umgerechnet nur ca. 40 € im Monat und muss täglich für den Bus 1,60 €. Am Ende des Monats bleib eigentlich nichts übrig. Sie mache es nur als Zeitvertreib – 11 Stunden am Tag nähen mit einer halben Stunde Mittagspause. Wie sie überlebt und seine Tochter ernährt weiß ich nicht.
Zum Schluss hat sie mich noch gefragt, ob ich denke, dass ihr Sohn es auf die High School schaffen würde. Ich muss leicht lächeln: „Er ist Klassenbester, in allen Fächern zusammen hat 649 von 700 Punkten. Wenn er so weiter macht, wird es kein Problem sein ihn auf die Salesian High School zu bekommen. MYC wird auch dafür zahlen.“ Sie wirkt erleichtert
18:25 Ich verabschiede mich, übergebe meine Gastgeschenke, worüber sie sich sehr freut.
19:35 Ankunft mit Combie in Manzini. 10 Minuten später zu Hause bei den Salesians.
Die Zwei Tage waren wirklich ein Erlebnis. Sie haben alle Erwartungen übertroffen. Die Familien haben sich wirklich gefreut, nur weil ich sie besucht habe. Sebeneles Oma hat mir zum Abschied noch eine volle Tüte Erdnüsse mitgegeben und Nkhosnathis Mutter hat zu Essen und eine Cola für mich gekauft, obwohl sie eigentlich kein Geld besitzt. Das Leben außerhalb von Manzini ist wirklich komplett anders. Manchmal habe ich mich echt wie in einem Film gefühlt. Man geht durch die Vietel und wird von allen Menschen angeschaut als wär man etwas Besonderes. Kinder kommen angerannt und halten sich an meiner Hand fest, strahlen übers ganze Gesicht und wollen meine Hand nicht mehr loslassen. Gerade in den zwei Tagen ist mir der krasse Gegensatz in Swasiland noch ein Mal bewusst geworden. Sobald man die Stadt verlässt begegnet einem Armut überall. Von Einkaufzentren kein Spur mehr. Subsistenzwirtschaft. Baracken. Felder. Endlose Weiten. Ausbeutung.
Es waren Erfahrungen, die ich zuvor nicht gemacht habe. Ich bin wirklich froh die Möglichkeit gehabt zu haben, swasische Familien zu besuchen und ganz andere Eindrücke mit nach Hause nehmen zu können. Nkhosnathis Mutter hat mich gefragt ob ich noch mal wiederkommen könnte. Da keine Ferien mehr sein werden, bevor ich schon wieder nach Hause fliege, werde ich wahrscheinlich mit Nkhosnathi seine Mutter an einem Wochenende noch ein Mal besuchen.
Ostern in Swasiland
In der Woche vor Ostern stand Eier auspusten und eier Färben auf dem Plan. Jedes Kind bekam ein Ei, eine Nadel und ein Pinsel für Wasserfarbe. Und dann ging es los: Ei an beiden Seiten einstechen, kräftig pusten bis endlich Eigelb und Eiweiß raus flutschen, das Ei ist hohl. Pinsel in die Wasserfarbe und das Ei so anmalen, wie es einem gefällt. Trocknen lassen und zuletzt ein Pfaden durch das Loch, aufhängen und fertig. Nachdem jeder sein eigenes angemaltes Ei auf gehangen hatte wurde zu guter Letzt Eigelb und Eiweiß in einen großen Topf mit Öl frittiert und dann gegessen.
An Ostersamstag war ich in der Osternachtsmesse der Gemeinde in der Kathedrale. Ich hätte auch in die Messer der Salesianer gehen können habe mich dann aber doch für die Gemeinde entschieden, da ich eine afrikanische Osternacht erleben wollte. Sie fing um 21 Uhr vor der Kathedrale am Osterfeuer an. Nachdem dem die Osterkerze angezündet wurde, wurde das Licht an alle Leute weitergegeben, sodass die ganze Gemeinde mit Kerzen und lautem Gesang in die dunkle Kirche einzog – sehr beeindruckend. Danach wurden 9 Lesungen in SiSwati und Englisch vorgelesen und zu jeder Lesung auf Siswati eine Erklärung gegeben, was ich leider nicht verstehen konnte. Nach 2 Stunden Lesungen wurden ca. 40 Swasis im Alter von 25-35 getauft. Später empfingen sie die 1. Hl. Kommunion und wurden dann auch noch gefirmt. Auch ein Swasi Freund war dabei, der im Sommer auch zum WJT fährt. Ich habe ihn gefragt, warum er denn erst jetzt getauft wird. „Als ich klein war sind meine Eltern nicht zur römisch katholische Kirche gegangen. Später fand ich Kirche langweilig und konnte nichts damit anfangen. Erst seit einem Jahr gehe ich regelmäßig zur Kirche und bin gläubig geworden. Jetzt fühle ich mich bereit dafür!“ Nach ca. 5 Stunden war die Messe vorbei. Jetzt weiß ich auch, warum alle Weißen zur Messe der Salesianer gegangen sind. Für mich war es jedoch eine Erfahrung.
An Ostersonntag habe ich mit einer anderen Volontärin Eier gefärbt und bin später mit ihr und noch einem Volontär nach Sikhunyana und Fairview gefahren um mit den Kids ein Ostern zu feiern. Im Garten der Homes haben wir die Eier mehr oder weniger gut bis sehr gut versteckt. „One, two, three, four, go!“ und alle rannten los, da sie als Erster ihr Ei finden wollten. Nicht nur die Jüngeren in Sikhunyana hatten Spaß am Suchen, auch die Älteren (bis 22 Jahre). Nach dem Suchen haben wir noch ein paar lustige Spiele gespielt und zum Schluss hat jeder noch ein kleines Geschenk bekommen. Ich hatte noch Haifisch-Gummibärchen aus Deutschland und Hanna hatte Esspapiergrass und kleine Süßigkeiten in Form von Eiern geschickt bekommen die wir in Papier in Form eines Eies (es sollte ein Ei sein) verpackt haben.
Die Osterferien waren eine ganz neue Erfahrung. Zum einen habe ich Swasiland von einer ganz anderen Seite kennengelernt, ich habe versucht den Kids zu vermitteln, wie man Ostern bei uns in Deutschland feiert und ich habe auch erfahren wie man Ostern in Afrika feiert.
Hier die Bilder:
Erste Spalte: Besuch Sebenele
Zweite Spalte: Besuch Nkosnathi
Dritte Spalte (Bild 1-3): Eierbemalen
Vierte Spalte (+Bild 4 aus Spalte 3) : Eiersuchen