Im Wandel der Zeit…

Hallo Welt,

t’as duré, eh? Ja, ich hab auf mich warten lassen seit dem letzten Artikel. Eigentlich wollte ich Ende März schon wieder was über meine Arbeit schreiben, aber es war wie die beiden Male zuvor: Erst eine Reise macht mir Druck auch wieder die Feder in die Hand zu schreiben. Anonsten habe ich häufig keine Motivation, von meinem 12h Tag ausgelaugt, einfach nur seinen Ideen nachgehen, dies und das im Internet anschauen, vor Allem aber auch einen geeigneten Studiengang für mich finden!

Ich schiele gerade auf die Datumsanzeige meines Handys und sehe, dass mir heute noch exakt 4 Monate hier bleiben. Obwohl dies eigentlich ein langer Zeitraum ist, bin ich mental irgendwie schon in der Endphase meines Aufenthaltes angelangt. Positiv, wie negativ, beleuchtet  – es bleibt nur noch wenig Zeit und all die Ideen, die ich am Anfang des Jahres im Kopf hatte müssen jetzt langsam gestalt annehmen, wenn ich sie noch umsetzten will.

Der Umgang mit den Jungen hat sich in vielem normalisiert. Was ich schon im Januar und März geschrieben habe, hat sich noch einmal verstärkt. Die Probleme sind da, aber ich bin routinierter, manche stören mich nicht mehr, manche lassen sich jetzt leichter lösen. Ich fühle mich sicherer vor der Meute. Tatsächlich leite ich jetzt auch mehr Aktivitäten und obwohl es bei mir nie so still ist, wie bei dem alten Hasen Michel, läuft es. Die Jungen habe sich an mich gewöhnt, ich mich an die Jungen.

Mit einigen Jungen bin ich inzwischen auch sehr vertraut, was es mir erlaubt Dinge mit ihnen zu machen, auch Arbeiten erledigen lassen, die ich mit den ferneren Kindern nicht so einfach durchkriege. Manchmal tun sie auch so, als könnten sie mich gar nicht leiden, bleiben aber gleichzeitig immer in meiner Nähe. Besonders lieben sie es, wenn ich abends im Dunkeln Gitarre spiele.

Dazu kommt, dass einige der Jüngsten sich von mir wirklich eine Menge Zuneigung holen. So gibt es mindestens drei die immer wieder sagen “tu es mon papa” und mich dabei umarmen. Genauer gesagt meinen Bauch, entsprechend dem Größenunterschied :P Ich hatte am Anfang ein unheimliches Problem damit zuzustimmen, dass ich der Papa von einenem 9jährigen ivorischem Jungen bin. Nachdem ich mir aber klargemacht habe, dass dies in der Kultur eine gänige Methode ist selbst einem fremden Passanten auf diese Weise Respekt und Zuneigung auszudrücken, grinse ich nun immer und und sage in etwa “ja ja…”

Darüber hinaus schafft mich die Woche. Inzwischen habe ich ab Samstag Mittag Wochenende – ohne diese Freizeit würde ich die Zeit hier nicht durchhalten – aber die ca. 60h Woche macht mich bis dahin auch genug fertig.

Beim nächsten Mal gibt es dann auch einen Bericht über die Ideen, die ich angefangen habe umzusetzen.

Liebe Grüße

Simon

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Halbzeit

Hallo Welt,

ich muss mal wieder mit dem bekannten Thema anfangen. Die Zeit verfliegt. Es ist kaum zu glauben, dass ich jetzt schon über ein halbes Jahr hier bin. Diese 6 Monate sind rückblickend einfach nicht so vergangen, wie ich es gewohnt bin. Viel erschreckender, merkwürdiger ist allerdings die Tatsache, dass nun weniger vor mir, als hinter, mir liegt. Ich bin quasi schon die ersten paar Meter vom Gipfel heruntergestiegen. Sich das klarzumachen ist… ja… hmmm… sehr schwer? Seltsam auf jeden Fall. Allerdings musste dieser Zeitpunkt ja auch irgendwann kommen. Nach meiner ersten Reise Anfang Januar hatte ich schon das Gefühl, die Eingewöhnugsphase hinter mir gelassen zu haben. Nach meinen zwei Wochen in Ghana, fühle ich mich nun wirklich angekommen. Die Jungen sind zwar die selben, einige wollen immer noch nicht ihre Arbeit sorgfältig machen, andere wollen einfach nicht ins Bett, wenn es Schlafenszeit ist, aber all das nehme ich anders auf. Es ist halt normaler. Ich reg mich auch noch manchmal über ihre Provokationen auf, aber es ist anders. Ich bin da.

Ich fände es jetzt interessant zu wissen, wie vielen direkt das neuerwähnte Thema ins Auge gesprungen ist.  Ghana. Ende Januar ging es für mich zum ersten Mal über eine reisepasskontrollierte Grenze, um an einem Zwischenseminar teilzunehmen. So ein einwöchiges Seminar ist verpflichtender Bestandteil des Weltwärtsprogramms, was für mich das Angenehme mit dem Nützlichen verband. Ich musste also gezwungenderweise ein neues Land kennenlernen :P Also mal wieder eine Tagestour in einem, diesmal sogar einem klimatisierten und bequemen, Bus. Diesmal nach Accra, der ghanaischen Hauptstadt.

Überschreitet man eine europäische, z.B. die holländische, Grenze, so merkt man das auf einmal die Straße anders wird, die Häuser kleiner, die Landschaftsgestaltung ändert sich einfach, ach ja… let op! drempels! Die Straßenschilder zeigen an, das auch die Sprache sich geändert hat.

Hier war ich im ersten Moment etwas verwirrter. Das Beamte meinen Reisepass kontrollieren, kenne ich schon vom Flughafen, dass man mit ihnen Englisch redet ist auch noch nicht außergewöhnlich. Dann musste ich aber erstmal realisieren, dass jetzt neben den ganzen ivorischen Verkäufern an der Grenze natürlich auch Ghanaer sind. Als ich bei denen dann nach l’alloco fragten, schauten die mich nur ratlos an, murmelten dann was von french zu ihrem Nachbarn und dann noch fried platanes – auf einmal war alles in Englisch.

Die “Church of Jesus Christ” bekräftigt in jedem Kaff, dass “visitors welcome” sind, die Polizei lässt ihre Straßensperren durch Mobilfunkanbieter sponsorn, um nicht wie in der Côte d’Ivoire auf Ölfesser zurückgreifen zu müssen, aber ansonsten schien erstmal alles gleich zu bleiben.  Neben dem Teerstreifen gab es nicht auf einmal rotgrundierte Fahrradwege. Die hölzernen Verkaufsbuden sind nicht auf einmal kleiner geworden, sie sind in der selben bunten Weise beschriftet wie die Ivorischen. Nur jetzt halt auf einmal alles auf Englisch.

Am Abend machte ich dann auch dann die ersten wirklichen Erfahrungen mit ghanaischem Englisch. Bzw. musste ich erstmal realisieren, wann es gesprochen wird. In Abidjan höre ich auf der Straße nur Französisch. Ganz selten sieht man vielleicht mal zwei Mütter zusammen auf Dioula quatschen. Die Ghanaeren sprechen untereinander eigentlich immer Twi. Da sie dabei aber einen Haufen englischer Begriffe, vor allem Geldangaben, untermischen, hat es mich echt eine gewisse Zeit gekostet, bis ich verstanden habe, dass ich sie nicht verstehen kann. Als sie dann wirklich Englisch gesprochen haben, verstand ich zwar stellenweise genauso wenig, aber mit etwas Geduld und Nachfragen, kam ich super durch. Später hat mich eine ghanaische Volontärin übrigens mal gefragt, ob ich den Händler gerade wirklich nicht verstanden habe…ne, habe ich nicht. Alles Übung halt.

Am nächsten Morgen ging es dann inzwischen zu sechst auf nach Abetifi, einem sehr kleinen Kaff in den Bergen, wo unser Seminar stattfand. Und was wäre eine Reise in Ghana gewesen, hätten wir kein Tro-Tro genommen. Tro-Tros sind nämlich allgegenwertig und niemand, der nicht zu viel Geld hat, kann auf sie verzichten. Diese Sammeltaxibusse kosten besonders im Stadtverkehr nur einen Bruchteil eines personal Taxi und fahren auch eigentlich überallhin. Man wartet am Startpunkt, bis die 12 oder 19 Plätze voll sind, oder hat das Glück in einem vorbeifahrenden noch einen Platz zu finden. Die Reiseziele werden vom officer, der Begleitperson, immer lauthals angekündigt. ‘krakrakra, will man z.B. nach Accra, gmassigmassigmassi, will man nach Kumasi. Als Vehikel werden übrigens im Stadtverkehr und in nahe liegende Städte Kleinbusse, etwa in der Größe des VW  T3s benutzt, allerdings von asiatischen Marken.

Für längere Touren kommen dann auch größere, äußerlich auch busslicher anmutende Untersätze zum Einsatz. Allerdings würden bei dieser Rumpfgröße in Europa vielleicht 30 Plätz veranschlagt. Hier werden die Sitzreihen etwas gestaucht, in den Gang noch ein Klappsitz reingesetzt, selbst über die Einstiegsluke noch eine Klappbank gebaut und voilà, es passen um die 50 Leute rein. Dazu kommt noch das teilweise meterhoch beladene Dach und schon wird uns mal wieder vorgeführt, was Kapazitätenauslastung wirklich bedeutet.

Nach ca. 3h Tro-Trofahrt nach Nkawkaw und noch ner halben Stunde kamen wir in Abetifi an. Die nun folgende Woche kann ich  in einem Blogartikel nicht beschreiben. Es gab zu viele Dinge, die sehr wichtig waren und die Worte fallen mir jetzt schon schwer, wo ich doch nur über die Bedeutung dieses Seminares für mich, für meine jetztige Situation, schreiben will. Am markantesten bringe ich es vielleicht auf den Punkt, wenn ich sage, dass ich nicht weiß, was ich ohne das Seminar gemacht hätte. Ich kann es wirklich nicht sagen, ich will mir auch nicht vorstellen, wie es sonst weitergegangen wäre. Um euch eine Vorstellung geben zu können, muss ich weit ausholen:

[...]

An dieser Stelle habe ich den Text gelöscht, weil er zu tief ging und nicht mehr dazu angebracht hier zu stehen. Ihr seht – es fällt mir schwer. Ich versuche es nun in möglichst knapper Form zu beschreiben:

Ich war sehr ausgelaugt und auf dem Seminar habe ich das erste Mal seit meiner Ankunft wieder unbeschwert leben können. Obwohl wir nicht allzuviel geschlafen haben konnte ich meine Ressoursen wieder auffüllen. Die bestehen eben nicht nur aus Schlaf…

In den Gruppenarbeiten war es wichtig, mal wirklich über die Probleme reden zu können, mit Leuten, die in ähnlichen Situationen sind und außerdem mal zu hören, wie es den anderen Leuten so geht. Und da ist echt alles dabei.

Neben den vielen Freundschaften die ich dort geschlossen habe, gibt es zwei Personen, die besonders erwähnenswert sind.

Der erste war einer der Teamer, ein noch relativ junger Entwicklungshelfer. Tobias arbeitet  in einem ehemaligen Don Bosco Kinderheim, in dem er vor ein paar Jahren wie ich seinen Zivildienst geleistet hat. Er konnte mir viele Tipps zum Umgang mit den Jungen geben und ermutigte mich, mehr auf meine Freizeit zu achten. So verdanke ich es auch seiner geistigen Unterstützung, dass ich nach dem Seminar noch eine Woche Urlaub raushauen konnte.

Der zweite ist ein Volontär aus Freiburg, der mit den “Freunden” in einem Projekt an der ghanaischen Küste ist. Obwohl wir glaube ich in Vielem auch sehr unterschiedlich sind und uns vielleicht unter normalen Umständen nie so kennegelernt, angefreundet, hätten, bedeutet er mir viel. Denn – wir haben einiges gemeinsam in unserer Entwicklung, in den Charakterzügen und Einstellungen. Besonders das Gespräch über die Selbstfreflexion, dass in Paaren durchgeführt wurde, hat mir viel gegeben. David hat ein beachtliches Ausdrucksvermögen und eine gute Analysefähigkeit, außerdem kennt er einige meiner Probleme die ich nun zum ersten Mal in dieser für dieses Seminar so typischen reflektierenden, offenen Art erzählt und damit auch besser verstanden habe. Die Begegnung mit ihm war sehr facettenreich, auf jeden Fall etwas, was ich nicht schnell vergessen werde.

Und damit bin ich schon bei einer der auffälligsten Sachen des Seminars: Die Offenheit.

Noch nie, wirklich nie, habe ich Menschen, mich, so offen über ihre Gefühle, Meinungen und Gedanken reden hören wie in dieser Woche. So Intimes war ich bis jetzt immer für engste Vertraute reserviert. Unsere Bereitschaft, quasi wildfremde Menschen, Menschen eines vollkommen anderen Types, nun in diesen kleinen Kreis aufzunehmen, hat glaube ich Jeden überrascht. Dies ist einer Punkt, der das Seminar zu einem so unbeschreiblichen Erlebniss gemacht haben.

Meine Seminartruppe – ein wirklich bunter Haufen!

Während die Tage vorbeiflogen, bekam ich das Bedürfniss noch ein Bisschen weiter durchs Land zu reisen und den merkbaren Erholungsprozess in Form vom unbeschwertem Leben, fortzusetzen. Zwar war die Essenz der Antwortmail meines Verantwortlichen Salesianers zwar, dass er will, dass ich direkt zurückkomme, aber nachdem ich mir bei Tobias geistigen Rückhalt für meine Sache geholt hatte, konnte ich Père Javier dann doch dazu bekommen, mir sein OK zu geben.

So bin ich dann am Tag des Abschiedes mit 4 nun befreundeten Volontären in den Norden gefahren, wo wir uns den Mole National Park ansehen wollten und auf ein reiches Wildleben hofften. Der Plan war eigentlich am Nachmittag nach 3h Fahrt in Kumasi anzukommen, von dort dann weiter 6-7h nach Tamale, wo wir gehen 21.00, 22.00 ankommen gedachten. Der Fakt war: Nach einer entspannten Fahr in einem 10er Tro-Tro, dass wir mit uns Volontären füllten, kamen wir am späten Nachmittag in Kumasi an. Dort suchten und suchten wir dann, bis wir endlich ein Tro-Tro gefunden hatten, dass nach Tamale fährt. Da war es schon fast 19.00.

Schon bevor dieses 50iger Tro-Tro losfuhr, fing der Spaß an. Wir quetschen die Rucksäcke in die letzte Reihe, wie der eine Fahrer gesagt hatte, fülllten die Reihe mit unseren drei Mädels auf und wir beiden Jungs setzen uns davor (Alex ist 1.96m). Dann verpetzte uns aber eine Frau und der Fahrer konnte nicht anders, als uns die Rucksäcke durchs Fenster abzunehmen. Also quetschen wir Jungs uns jetzt zu den Mädels. Irgendwann nach 8 ging es dann los. Die Knie fest in den Fordersitz gedrückt, zu beiden Seiten eng an den Schultern der Freunde. Ab spätestens 22.00 taten uns Allen mindestens die Beine weh. Ich versuchte mehrfach mich aufzustellen und dabei den Oberkörper nach vorne zu klappen, was aber durch die unzählbaren Schlaglöcher und Bodenwellen dazu führte, dass ich mehrfach mit der Stirn auf den Hinterkopf der Frau vor uns haute - sie tat mir nachher schon Leid. Allerdings bemitleideten wir uns selber noch mehr. Irgendwann vor Mitternacht, hielten wir es nicht mehr aus und setzten uns quer, als Bob zusammengebaut hin. Das war sogar eine Zeit lang sehr spannend, aber jetzt fing der Hintern an höllisch weh zu tun. Das ganze wurde noch durch die Hitze, den engen Körperkontakt, Schweiß, den Lärm der klappernden Scheiben und einem einstündigen, charismatisch, spiritistischen Geplänkel aus dem Radio ergänzt. Als wir nach noch mehrfachem Rumgerücke und etwas unsicherem Schlaf endlich in Tamale ankamen, waren etwa 9h vergangen, war es ca. 05.00 morgens und die Nachteile aller mir bisher bekannten Transportmittel hatten sich erheblich relativiert. Es ist unvermeidlich nach einer solchen Reise nicht gelassener zu sein, wenn du nicht durchgedreht bist… ;)

Blick ins leere Tro-Tro nach der Ankunft, der Müll auf dem Boden ist nicht sichtbar…

Zu unser aller Freude boten sich nun im Alhassan Motel noch einige Stunden Schlaf bis Mittag in einem günstigen Doppelzimmer für 7€ an. Für uns alle 5!

Am Abend waren wir dann auch endlich im Park, sodass wir in der Frühe einen kleinen Fußmarsch durch das Gelände unternehmen konnten, wo wir auch tatsächlich 3 wilde Elefanten sahen. Das war beeindruckend, komisch, aber auch irgendwie enttäuschend zugleich. Ich meine, dann steht dann halt so ein Elefant ein paar Meter vor dir im Busch, oder du siehst zwei einige dutzend Meter vor dir vorbeilaufen, aber irgendwie ist man wegen der Tatsache, jetzt endlich einen Wildelefanten zu sehen faszinierter, als vom Tier selbst.

Simon in der Savanne und darunter unsere Truppe im Wasser aalend: Kaddi, Jana, Alex, Teresa und ich

Den Nachmittag verbrannten wir uns dann ganz touristisch am Pool, was wir aber am Abend wieder dadurch kompensierten, dass wir aus diesem “viel zu teurem und touristischem” Mole Hotel raus sind und zur eher unsern Vorstellungen entsprechenden Savannah Lodge gewechselt sind. Dort war eine kleine Hütte, mit zwei Zimmern, mit je drei Betten (vollständige Möbelierung). Das Klo und die Eimerdusche waren draußen und für das Essen sind wir zu einer Frau hingegangen, die vor einer weiteren kleinen Hütte mit ihren Töpfen rumhantierte. Wir fragten, was es gibt und ob sie für uns mitkochen könnte. Ja, Reis mit Tomatensoße, sie sagt uns bescheid.

Bisher habe ich aber total verschwiegen, was dieses Ökotourismusprojekt eigentlich ist. Hauptsächlich nämlich Grundschulträger und auch ein kleines Weisenhaus. Dazu kommen noch etliche Sachen, die entwickelt werden sollen, wie Wasseraufbereitung. Träger des ganzen sind die beiden sympatischen “Salia Brothers” von denen einer in Larabanga das Guesthouse betreibt und sein Zwillingsbruder die Savannah Lodge weiter außerhalb., Richtung Mole Park. Ich habe selbst nicht alle Pläne verstanden, aber die Leute scheinen mir sehr natürlich und wirklich am Vorankommen interessiert, weswegen, ich den Abend dort, der auch mit Lagerfeuer, Trommeln und Tanz gefüllt war, sehr genossen habe. Das ambiente ist halt eher was für meine alternative Art, als eine Hotelanlage mit “Massentourismus”.

Klassenzimmer für ca. 60 Kinder aus der Nähe der Lodge und Larabanga

Die restliche Zeit verbrachte ich in Küstennähe, u.A. bei David. Als ich sein idyllisches Projekt mit runden, bunt bemalten Strohdachhütten im Grünen sah, fühlte ich noch einmal wie fehlplaziert ich in der Großstadt bin. Zwar gibt es dort weder Strom noch fließendes Wasser, aber die Atmosphäre ist anders, ruhiger, einfacher. Ich bin echt nur ein bedingter Großstadtmensch.

Blick auf Davids Hütte. Wirklich liebevolle Malerein überall und jede Menge Grün. Sebi, ein echter Bayer, steht mit seinem 1860er Trickot in der Tür.

Die Zeit verging dann auch total schnell und schon ging es wieder über die Grenze, nun in bekannter Prozedur. Die Zeit in Ghana habe ich in äußerst positiver Erinnerung. Gerne würde ich noch einmal zurückfahren, gäbe es nicht noch so vielfältige Möglichkeiten Neues zu sehen ;)

Ich wollte eigentlich jetzt noch über meine Zeit hier schreiben, aber ich merke, dass ich müde bin, diesen Artikel noch zu verlängern. Also nur ganz kurz, die erste Woche nach meiner Rückkehr war eine der schönsten, die ich hier im Projekt hatte ;)

Liebe Grüße

Simon

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Reisefieber

(Dieser Artikelanfang wartet seit Anfang Januar auf seine Veröffentlichung, da ich noch so viel Neues zu berichten habe, euch aber dennoch den Bericht nicht unterschlagen möchte, werde ich ihn so schnell es geht abschließen)

Hallo Welt,

als Erstes wünsche ich dir zum noch frischen Jahr das Beste, Gesundheit (*hust* davon kann man in Afrika ein Lied singen) und vor allem Frohsinn. Das schöne am Leben sehen.

Simon el Viajero hat hier inzwischen wieder zugeschlagen. Anfang Januar habe ich meinen Rucksack gepackt und bin für eine Woche aus Abidjan verschwunden, um, wie man auf französisch so schön sagt, changer de l’air, mal eine andere Luft schnuppern.

Mit dem Bus ging es zuerst in den Norden, nach Korhogo, wo die Salesianer eine Niederlassung haben. Nach einer Stunde verspäteter Abfahrt, etlichen Personenkontrollen durch die ivorische Polizei, einer Reifenpanne und unzähligen Straßensperren von den Rebellen im Norden, bei denen der Bus natürlich immer zahlen muss, bin ich dann nach 10h Fahrt verschwitzt angekommen.

Mein erster Eindruck war, dass Korhogo viel afrikanischer ist, als Abidjan. Warum ist leicht zu sagen. Es ist eine Kleinstadt. Alles ist gemütlicher, die Wege nicht lang, es gibt keine großen Gebäude und neben dem roten Staub, der überall ist, hört man auch überall die lokale Sprache Senoufo. So konnte ich am Morgen nach meiner Ankunft gleich den ryhtmischen und melodiereichen, somit für mich Europäer sehr afrikanischen Gesang der Senoufo-Messe hören. Da Französisch als Amtssprache in der Schule gelernt wird, gibt es im ländlichen Bereich immer noch sehr viele Menschen, die nur ihre lokalen Sprachen sprechen. Deswegen hält Père Carlos die zweite Sonntagsmesse auf Französisch wird aber gleich von einem Einheimischen übersetzt. Und diese betörende Musik wird halt vom Chor direkt in Senoufo gesungen. Hier ein Bild von der Chorprobe am Nachmittag.

Chorprobe Senoufo

Das meine Vorurteile Afrika genauso haben wollen, wie in “Der König der Löwen” ist schon irgendwie erschreckend. Im Grunde genommen fühle ich  mich damit nämlich auf dem Niveau eines usamerikanischen, oder japanischen Touristen, der sich “Heidölbörg” und “Oktöäubörffesst” unter dem Begriff Deutschland vorstellt und bei seinem Besuch auch ja Weißwurscht und Brezen essen will. Quasi auf einer eindimensionalen Stufe, die ich eigentlich bis jetzt immer belächelt habe. Afrika ist eben neben genauso Abidjan, eine laute, überfüllte Großstadt, die sehr westlich orientiert ist. Der Kontinent ist eben kein Nationalpark.

College Catholique Don Bosco Korhogo

Neben der Pfarre gibt es in Korhogo das College Catholique Don Bosco. Ein riesiges Gelände mit Sportanlagen und viel Grün zwischen den einzelnen Gebäuden. Die Schule funktioniert quasi wie jede Privatschule, jedoch erlässt sie Bedürftigen die Beiträge, bietet für Schüler aus weit entfernten Dörfern ein Wohnheim und verfügt über den höchsten Lehrstandart der Region.

Im Norden ist im Moment übrigens der harmattan. Ein äußerst trockener Wind, der mir innerhalb von  anderthalb Tagen die Haut bis zu leichten Schmerzen ausgetrocknet hat.

Kaum angekommen ging es dann nach 3 Tagen auch schon weiter in die Hauptstadt Yamoussoukro. Die hatte ich schon auf der Hinfahrt durchfahren. Yamoussoukro ist seit etlichen Jahren theoretisch Hauptstadt der Côte d’Ivoire, praktisch allerdings ein Nichts. Die andauernde Krise hat den Umsiedlungsprozess von Parlament und Verwaltung auch zum erliegen gebracht. Es gibt ein Riesennetz von dreispurigen Boulevards, dass allerdings nur im Zentrum der Stadt ausgelastet ist. Ich habe ca. 2 Minuten Fahrt von diesem Zentrum geschlafen und dort sah man einfach niemanden auf der Straße, nie mehr als ein Auto in eine Richtung. Der Plan eine neue Hauptstadt zu bauen ist also nicht aufgegangen, zumal neben diesen Straßen auch nicht viel da ist. Ein paar große Gebäude, den Wohnsitz des ehemaligen Präsidenten, bzw. jetzt nur noch seiner Familie und dessen Prestigeprojekt die Basilika Notre Dame de la Paix

Petersdom reloaded

Diese Riesenkuppel ist schon von weitem zu sehen und einfach nur abartig gewaltig. Ich bin viel zu spät dort angekommen und bin nur dadurch, dass ich als religieux, also Priester, interpretiert wurde, noch für eine halbe Stunde auf das inzwischen schon fast menschlenleere Gelände gekommen.

Einsam und allein

Gerade durch diese Leere kam es mir noch abschäulicher vor so einen monumentalen Bau in einem Land zu stehen, in dem Grundschulklassen zwischen 60 und 110 Schüler stark sind, Straßen mehr aus Schlaglöchern als aus Teer bestehen und Haufen von Frauen und Kindern einem haltenden Bus hinterher rennen, um mit minimalem Gewinn irgendetwas verkaufen zu können. Aber der Präsident hat die Kirche ja aus seiner eigenen Tasche bezahlt… was das an dem krassen Gegensatz ändert verstehen selbst viele Ivoren nicht… Hätte dieser Bau etwas Historisches könnte ich ihn interessant finden, da er aber keine 30 Jahre alt ist, kann man ihn überhaut nicht mit einer Besichtigung z.B. des kölner Doms vergleichen, wo ich auch über die Größe und die Pracht  staunen kann.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Duékoué, zur dritten ivorischen Niederlassung der Salesianer. Diese wird in der Stadt einfach nur la mission genannt, was mich zuerst sehr belustigt hat. Als mir allerdings erklärt wurde, dass es die einzige Pfarre im Umkreis von 30km ist und um die 40 Dörfer umfasst, konnte ich mehr mit dem Namen anfangen.

Außer dieser Monsterpfarre gibt es noch ein Technikcollege, was übrigens beim Ausbruch der Krise von den Franzosen als Stützpunkt beschlagnahmt wurde. Zeugen davon tut noch ein Haufen zurückgelassener Stacheldraht und ein ivorischer LKW von dem niemand weiß, wem er gehört…

Centre Professionel Artisenal et Rural

Nach anderthalb Tagen dort ging es auch schon zurück nach Abidjan. Mein Fazit ist, dass ich die afrikanischen Kleinstädte viel lieber mag als die zubetonierte und volle Großstadt…

Liebe Grüße

Simon

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Weihnachten

Hallo Welt,

ich hoffe du hattest ein frohes Fest. Ich hoffe es war weihnachtlich! Nachdem mein letzter Eintrag schon wieder etwas her ist möchte ich jetzt die Gelegenheit nutzen, über meine etwas andere Erfahrung der Weihnacht zu schreiben.

Dass bei über 30° und dem selben Klima, das mich schon im August begrüßt hat die Vorweihnachtszeit ziemlich unbemerkt an mir vorbei ging, ist glaube ich ein Problem der Europäer in den Tropen. Das hatte ich in Ecuador auch schon so erlebt.

09-12-24 Abdoulaye und der BaumAm 22. fing dann das Dekorieren an, erstmal wurde die große Krippe aufgestellt und ich malte ein ebenso großes Plakat, das noch mal klar machen soll, dass man nicht die Geschenke feiert, sondern die Geburt Jesu, dem Erlöser. Alleluia.

Dann wurde ein Weihnachtsbaumersatz gesucht und aufgestellt. Mit meiner Meinung nach hässlichem Plastikgedöns (Lametta) behängt und jede Menge Luftballons und Girlanden aufgehängt. Nicht nur im Speisesaal, wo auch gefeiert wurde, sondern auch im Büro und sogar in der Küche. Irgendwie soll ja der Unterschied im ansonsten spärlich bemöbelten Foyer für die Feier hergestellt werden.

Selbst am Heiligvormittag wurde noch gewerkelt und es hat wirklich bis 12.00 gedauert bis ich mit dem Speisesaal fertig war und auch alle Luftballons mit neuem Thesafilm auf den gestrichenen Putz der Saaldecke zurückgebracht hatte. Weihnachtlich habe ich mich dabei auch nicht gefühlt. Luftballons und Plastikglitzergirlanden vs. Tannenzweige und Kersen… ich hätte genauso gut für jedes andere Fest auf die Leiter steigen können. Hier ist das aber normal. Die Dekoration ist halt etwas üppiger als sonst und man schneidet ein paar bunte Buchstaben Joyeux Noël aus. C’est ça.

Ein bisschen kam ich vielleicht in Weihnachtsstimmung, als ich um 18.00 die Jungen zur Dusche schickte und danach rausgeputzt (eben nicht in der Alltagsgammelkleidung) nach unten kommen sah. Ich selbst hatte mir auch ein kleines Geschenk gemacht und zog nun den neuen complet, lokal auch boubou genannt an. Den hatte ich mir die Tage zuvor beim Schneider aus einem dieser lustig afrikanisch bunten Stoffe, leider wie der Großteil hier aus China stammend, fertigen lassen. Außerdem hatte Marie, eine Studentin, die in der paroisse, der Pfarrgemeinde, aktiv ist und gelegentlich beim Kochen hilft, mir die Haare geflochten.

Das Esssen lief dann aber enttäuschend unspektakulär und bis auf ein kurzes Singen von “Stille Nacht Heilige Nacht” und “Gloria in excelsis deo” beim Auf-das-Essen-warten, ziemlich unweihnachtlich ab. Die Kinder schienen nicht mal besonders gut gelaunt zu sein, noch hatte ich das Gefühl, dass sich dieses Essen von irgendeinem Standartabend unterscheidet. Lediglich das Hasenfleisch war etwas besonderes, aber fritiert, wie es war, hätte ich lieber guten Fisch, oder Hähnchen gegessen. Im selben Moment musste ich natürlich an Deutschland, meine Familie und Freunde denken, die entweder zusammen in der Messe waren, oder schon gemeinsam am festlich gedeckten Weihnachtstisch schmausten.

09-12-24 La paroisse

Um kurz vor neun Uhr sind wir dann zur paroisse, wo ein Krippenspiel angeschaut werden sollte. Das ganze Pfarrgelände war auch bis zum Brechen gefüllt, noch krasser, als ich es aus St. Marien kenne. Dort hatte ich nun endlich das Gefühl, dass Weihnachten sei. Das war bis auf die Hitze und der kurzzeitige Stromausfall, der das ganze Stadtviertel ins Dunkel legte, eine sehr bekannt Situation.

Zurück im Foyer lief dann Musik, ich tanzte auch mit den Jungen ein bisschen. Die Luft war aber schnell raus. Viele Jungs liefen schon wieder mit ihren Gammelklamotten rum, oder liefen gar nicht mehr, sondern lagen oder saßen irgendwo rum. Man wartete auf die Bescherung nach Mitternacht. Diese wurde aber noch ein bisschen herausgezögert, weil die Geschenke erst für jeden einzeln in eine Tüte getan wurden.

Nach entsätzlich stimmungstötender Zeit, gab es dann zur Auffrischung um Mitternacht Erbsensuppe im Baguette und dazu bizap, eine Art Holundersaft.

09-12-24 GeschenkverteilungRechts oben Père Javier, Erzieherin Mireille mit der Tüte in der Hand, Hilfsköchin Marie im Vordergrund

Das Auspacken der Geschenke, bestehend aus neuen Flip-Flops, einer Hose, einem T-Shirt und einer Mütze für jeden, verlief dann relativ schnell und erinnert mich rückblickend an eine Massenabfertigung. Allerdings weiß ich auch nicht, wie man es mit 25 Kindern sonst machen soll.

09-12-24 Roland freut sichRoland freut sich über seine neue Kleidung

Das gemütliche Beisammensein, was ich aus meiner Familie kenne, bei dem erstmal jedes Geschenk ein bisschen erklärt, bestaunt, gewürdigt wird, bevor man dann einem Anderen ein Geschenkt reicht, zwischendurch noch von einem Lied unterbrochen so die Bescherung zelebriert. Ist in einem Foyer einfach nicht möglich.

09-12-24 Simon mit den JungsAli, Simon und Kevin vor der Krippe

Nachdem dann alle gegen 01.15 im Bett waren, bin ich noch mit Blanchard, dem Erzieher im Mamam Marguerite, und dessen Freunden von der Lektorengruppe ein paar Bier trinken gegangen. Javier, Mireille und Marie waren auch noch da.

Um 4.30 bin ich dann angetrunken und müde ins Bett gegangen. Weihnachten mal anders. Weihnachten ohne Weihnachtsstimmung. Weihnachts ohne Familie, die selbst im heißen Ecuador für mich dieses Fest zu dem gemacht hat, das es für mich einfach sein muss. Das Fest der Liebe ist, ohne das ich davon in besonderm Maße was bemerkt hätte, vorbei. Schlecht war es hier nicht, nur halt nicht das, was ich 20 mal schon erlebt habe.

Euch allen ein neues Jahr voller Frohsinn und guter Dinge, kommt gut über.

Simon

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Hundertägiges

Hallo Welt,

man kann es einfach nur immer und immer wieder wiederholen: Die Zeit verfliegt. Die letzte Woche, den letzten Monat, habe ich so gut wie gar nicht wargenommen und schon ist der Dezember angebrochen und Weihnachten steht vor der Tür. Bin ich nicht Ende August gekommen? Heute verbringe ich den einhundertsten Tag hier in der Côte d’Ivoire. Das sind über drei Monate und schon ein viertel Jahr – unglaublich! 25% meines Aufenthaltes sind um. Da bleibt natürlich schon noch eine großer Happen übrig, aber irgendwie habe ich gar nicht wahrgenommen, dass quasi eine gesamte Jahreszeit vergangen ist, seitdem ich angekommen bin.

Warum das Ganze? Dreht sich die Erde am Äquator schneller, was sich auf die Zeit auswirkt? Ich glaube, dass sich nicht nur die vielen neuen,  andersartigen Erfahrungen auf mein Zeitgefühl auswirken, sondern dass mein mitteleuropäisches Zeitverständnis auch durch das sich nicht wesentlich wechselhafte Klima gestört wird. Der Tag hat einfach immer seine zwölf Stunden Helligkeit und seine zwölf Stunden Nacht. Ob ich jetzt im T-Shirt sehr schwitze, oder nur schwitze, ist jetzt auch nicht sehr abwechslungsreich. Zuletzt kommt noch dazu, dass ich allgemein sehr eingespannt bin, was mich gedanklich auch nicht weit ausschweifen lässt. Also bin ich ohne den Jahreszeitenwandel, als unverkennbaren Indikator der Zeit, ziemlich aufgeschmissen, was deren Wahrnehmung angeht ;)

Wo wir gerade schon bei Wiederholungen sind: Hier passiert echt viel, über das ich euch gerne berichtete, aber durch meine relativ begrenzte Zeit am PC  und das Fehlen eines Laptops, auf dem ich zwischendurch schon mal Texte vorfertigen könnte, ist es schon immer ein Opfer quasi eine ganze Tagesportion Internetzeit in einen Blogartikel zu stecken. Ich bitte daher um ein bisschen Verständnis für meine unregelmäße Berichterstattung ;)

Ja, wo ich schon die ganze Zeit über selbige spreche kann ich diesen Artikel auch gleich mal nutzen, um so ein bisschen über mein allgmeines Befinden zu plaudern, ohne direkten Bezug zu einem Event.

Es ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Das muss ich ganz klar sagen. Aber was ich mir wirklich vorgestellt habe, weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Obwohl ich die Zeit der Vorbereitung sehr genossen und seitens Don Bosco Volunteers auch als kompetent und erfahren erlebt habe, war ich, glaube ich, irgendwie mental etwas zu sehr in der Euphorie gefangen jetzt endlich wieder in eine fremde Welt eintauchen zu können. Zurückblickend kann ich nicht von mir behaupten mal wirklich versucht zu haben mir die Situation real vorzustellen – fraglich aber auch, ob mir das geholfen hätte. Klar, ich war im Thema drin: Die Jungs im Foyer haben Probleme mit den Familien, haben eine harte Zeit auf der Straße erlebt und brauchen nun Zeit, Zuneigung und eine Orientierung von liebevollen Betreuern. Ich fliege nach Afrika, um ihnen das nach meinem besten Können zu bieten. Alles schön und gut. Friede, Freude, Eierkuchen.

Ne, so einfach ist das nicht Simon! Das Aufwachen kam nicht erst jetzt, eigentlich schon nach den ersten zwei Wochen, als ich anfing erste Aufgaben zu übernehmen. Morgens ist das z.B. der Hausputz. Die Jungs sind in Gruppen aufgeteilt, den Gruppen sind Bereiche des Foyers zugeteilt, um 5.45 wird geweckt, um 7.00 gibts Frühstück. Soweit so gut, aber habe ich in der Vorbereitung jemals darüber nachgedacht, dass ein Junge einfach mal keinen Bock auf die Arbeit haben kann? Habe ich nicht viel mehr das Bild der lächelnden, motivierten Horden von Kindern – besonders aus den Indienerzählungen der Ehemaligen – im Kopf gehabt? Ich glaube schon. Da steht dann nun einer der Jungen. Ich gebe ihm jetzt, wegen der besseren Lesbarkeit, einen Namen. Es sind zwar immer Verschiedene, aber ich möchte jetzt nicht im Gedächtnis nach einer Geschichte für jeden suchen.

Ich frage Roland also, welche Arbeit er heute machen soll. Keine Antwort. Hey, ich rede mit dir! Wenn du mich ansprichst, höre ich dir auch zu und gebe Antwort. Keine Reaktion. Roland ich rede mit dir. Keine Reaktion. ROLAND ich rede mit dir. Keine Reaktion. ROLAND ICH REDE MIT DIR. Dabei packe ich ihn am Arm, um meine Absicht zu verdeutlichen.

Wenn es gut läuft bekomme ich nun eine genuschelte Antwort, nach dreimal nachfragen habe ich verstanden, was er machen soll. Wenn es schlecht läuft muss mir jemand aus seiner Gruppe sagen, welche Arbeit er gerade nicht machen will.

Nächster Schritt: Roland, jeder hier macht seine Arbeit, auch du musst das tun und das weißt du ganz genau. “Ich bin müde.” Gut, das bin ich auch, aber siehst du das ich schlafe, oder habe ich euch geweckt und muss mich jetzt damit abrackern, dass DU deine Pflicht tust. “Das ist nicht von mir.” Roland, es sind auch nicht die beiden, die gerade den Innenhof fegen und wischen, die ihn so dreckig gemacht haben. Es ist nicht der allein, der die Treppe jetzt fegt, der sie so dreckig gemacht hat. Auch sie fegen und wischen, was du mitdreckig gemacht hast.

Wenn es gut läuft, kann ich ihn nun allein lassen und nach kurzer Zeit fängt er dann auch an. Wenn es schlecht läuft, muss ich ihm klarmachen, dass er nichts machen wird – weder frühstücken, noch spielen – bis er seine Arbeit gründlich verrichtet hat. Meistens fängt er dann an, wenn die Anderen schon frühstücken. Oder er hat es zwischendurch schon gemacht, allerdings nur äußerst sporalisch und nachdem ich drei Mal hochgegangen bin, um zu kontrollieren, ob er gefegt hat, aber immer wieder die selbe unerledigte Arbeit sehe und er merkt, dass ich keine Anstalten mache, ihm sein Baguette zu geben, macht er es dann eigentlich immer richtig. Manchmal muss ich aber noch warten, bis Michel, der eine Erzieher, kommt und mit ihm schimpft.

Um 7.30 bin ich also schon des Öfteren müde – wenn ich es wegen des zu frühen Aufstehens nicht schon die ganze Zeit war – gestresst und/oder genervt. Ein echt toller Start in den Tag.

Das war jetzt der Versuch grob eine der vielen Sachen zu schildern, die ich hier so gut wie täglich erlebe. Dementsprechend frage ich mich, ob ich dafür gekommen bin. Habt ihr schonmal mit bloßen Händen versucht einen Bullen von der Stelle zu bekommen? So fühle ich mich hier manchmal. Diesen Wiederwillen, auch den Stolz, den die Jungs hier – wahrscheinlich durch die harte Zeit auf der Straße – an den Tag legen, kenne ich aus Deutschland nicht. Ist mir im ND, meiner Jugendgruppe, nie begegnet. Etwas für mich schwer Verständliches. Besonders wenn man bedenkt, was so ein Foyer den Jungs bietet.

Wenn ich also gerade wieder auf solche Situationen stoße, muss ich vorher schon echt gut gelaunt sein, damit mich das nicht irgendwie runterzieht. Ich unterliege deswegen enormen Stimmungsschwankungen, die mich manchmal euphorisch und zuversichtlich, manchmal aber auch traurig und lustlos auf die verbleibende Zeit schauen lassen. Letzte Woche hatte ich mal sechs postitive Tage in Folge, die hatten aber alle vermindertes Konfliktpotenzial. Meine Stimmung ist also in einem \/\/\/\/\/ Zickzack sehr gut beschrieben.

Bereuen dieses Jahr in Angriff genommen zu haben, tu ich aber nicht. Selbst wenn es manchmal sehr bitter ist, haben mir bisherigen Erfahrungen,  auf pädagogischer und menschlicher Ebene, auf politischer, gesellschaftlicher und internationaler Ebene, schon viel gegeben. Sie bedeuten mir viel und beschäftigen meine Gedanken sehr.

Dennoch merke ich, dass ich mich nicht nur positiv entwickle. Ich muss aufpassen, dass sich mein Wertesystem, mein Idealismus nicht an der Realität zerreibt. Dass ich Manchem gleichgültig werde, Manches aus Bequemlichkeit nicht tu, was ich bei meiner Ankunft ohne Zögern getan hätte.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich finde bis jetzt noch kein Argument gegen diese Redensart. Warum bin ich nach Afrika gekommen? Warum habe ich keine “touristische” Weltreise auf eigene Faust gestartet? Es war bestimmt nicht nur, weil ich den ja so armen afrikanischen Kindern helfen wollte und garantiert nicht, weil ich meinte das ich dieser Arbeit besser als jeder Andere nachgehen könnte. Ich wollte selbst Erfahrungen machen, wollte mich weiterentwickeln, wollte Neues entdecken, mal eine andere Perspektive kennenlernen. Das mache ich, das tu ich. Diesem Teil meiner Erwartungen komme ich also voll nach.

Jede Menge Spaß wollte ich dabei natürlich auch haben – hatte ich auch schon. Nur wird dieser halt zu oft von Stress und Frustration gestört, als das  sich ein eindeutiges Gefühl des Wohlbefindes  einstellen könnte. Ich bin also extrem gespannt, was die Zeit so mit sich bringen wird.

Euch Allen eine schöne Adventszeit!

Liebe Grüße

Simon

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Mythenjäger

Hallo Welt,

Wiege der Menschheit, Kontinent der Wüste und der wilden Tiere. Kontinent der Armut, der Unterentwicklung,  der ungehemmten Bereicherung einiger weniger Eliten. Kontinent der Bürgerkriege, des AIDS, der Hungersnöte. Afrika ist im “fernen” Europa ein mannigfaltiger Mythos über den man, wenn so recht bedenkt, eigentlich sehr wenig weiß. Wer in der BRD kennt schon das Gefühl, nirgends gefährlicher aufgehoben zu sein, als in der Hand des Staates? Vorurteile über Vorurteile, Mythen über Mythen.  Als ich mich entschieden habe hier her zu kommen, wollte ich mit denen mal gehörig aufräumen. Mit einem dieser Mythen habe ich jetzt eine äußerst unangenehme Erfahrung gemacht. Mit dem Mythos Malaria.

Also zurück zum Sonntag den 8. November. Eigentlich mein freier Tag, den ich normalerweise nutze, um die Stadt mit jemandem zu erkunden. Ich fühle mich aber lustlos und schlapp, weswegen ich nicht losziehe. Am Abend kommen die Jungs wieder ins Foyer und ich fühle mich leicht fiebrig. Das hatte ich schonmal und konnte es mit einem Vormittag voll Schlaf kurieren, denke ich.

Am Montag morgen geht es mir echt dreckig. Während ich den Hausputz der Jungs überwache fühle ich mich einfach nur krank. Nach dem Frühstück lege ich mich hin, den Nachmittag bleibe ich auch im Bett, schlafe, lese etwas. Am Abend versuche ich noch mal mein Bestes, merke aber, dass ich eindeutig Fieber habe.

Trotzdem wecke ich am Dienstag wieder, der Schlaf hat nicht geholfen und so begleitet mich Père Innocent zum centre medical, wo der Arzt mir anhand der Symptome Malaria prognostiziert. Ich denke an den Stress, den ich bei der Blutspende mit dem DRK hatte, nur weil ich schon einmal in einem Malariagebiet in Ecuador war – OHNE Erkrankung. Ich will also eine Blutanalyse machen, um Gewissheit zu haben. Also verbringe ich noch zwei Stunden wartend auf einer Bank, total übermüdet und fiebrig. Ein paar Mal kurz vorm einschlafen. Um Kurz nach zwölf, nach knapp dreieinhalb Stunden im centre fahre ich dann mit Innocent zurück. Das Ergebnis: Der Virus “Plasmodium falciparum”, auch Malaria tropica genannt und als schwerste der verschiedenen Malariaformen gehandelt. Also fange ich an das mitgebrachte Lariam zu nehmen. In der Packungsbeilage wird sogar extra darauf hingewiesen, dass das Medikament besonders gut gegen dieses Virus wirkt. Ich schlafe also den ganzen Nachmittag, liege aber nach dem Abendessen bis 3.00 morgens wach. Erste Nebenwirkung von Lariam: Schlafstörung

Am Mittwoch Morgen wache ich, mit dem Lärm der putzenden Jungs und der Hitze,  schon um 7.00 auf, kann nicht mehr weiterschlafen. Zweite Nebenwirkung von Lariam: abstruse Träume. Den gesamten Tag verbringe ich im Bett, lese durchgehend. Ich fühle mich auch nicht krank. Nur sobald ich aufstehe, habe ich die dritte und vierte Nebenwirkung vom Lariam: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Auf der toilette dann die Fünfte: Durchfall

So ging es dann bis Sonntag weiter, im Bett fühlte ich mich eigentlich gesund, auf den Beinen aber benommen und wie nüchtern besofffen, so wie ich getorkelt bin. Gegen das Fieber nehme ich Paracetamol. Am Sonntag abend fühle ich mich dann eigentlich fit genug wieder meine Aufgaben zu übernehmen, kläre also mit Père Xavier, der mich vertritt, dass ich am Montag wieder wecke.

In der Tat fühle ich mich auch im Augenblick des Weckens fit und außerdem befreit, da nach sieben Tagen nur im Bett liegen und lesen, oder schlafen, auch die spannenste lecture nur noch langweilen kann und eintönig wird. Nach dem Frühstück muss ich mich aber auf Grund des wiedergekehrten Fiebers wieder in mein inzwischen schon ungeliebtes Bett verkriechen.

Am Dienstag fahre ich mit Innocent wieder zum centre medical, wo der Arzt mir die Vermutung der Salesianer bestätigt, dass es wahrscheinlich noch die Nach- bzw. Nebenwirkungen meiner ersten paludisme und der ersten Behandlung mit Lariam sind. Er gibt mir noch zwei, drei Tage, wenn das Fieber dann immer noch wiederkommt, wird ein Bluttest auf fièvre typhoïde,  gemacht (erst jetzt, beim Artikelschreiben merke ich, dass das Typhus ist, gegen den ich geimpft bin). Den Nachmittag verbringe ich schlafend, da das Fieber wieder da ist.

Mittwoch und Donnerstag laufen eigentlich gleich ab: Ich stehe auf und fühle mich fit, eine halbe Stunde später aber wieder fiebrig und so verkrieche ich mich wieder, schweren Herzens, ins Bett.  Wo ich ein bisschen schlafe, aber danach wieder nur lese. Sechste Nebenwirkung: Fieber

Am Freitag morgen dann der Durchbruch, nach dem Frühstück fühle ich habe ich kein Fieber. Bin aber, wie die ganze letzte Zeit, sehr schlapp – ich muss sogar absichtlich langsam laufen und treppensteigen! Zu schlapp, um mit den Jungs zum palais de la culture zu fahren, wo anlässlich des Tages der Kinderrechte eine große Veranstaltung organisiert ist. Das ist sehr schade, weil ich mich wirklich darauf gefreut habe, aber die sechs Stunden Ausflug hätte ich einfach nicht durchgestanden, weswegen ich dann also wie immer wieder ins Bett musste. Am Nachmittag fühle ich mich dann wieder etwas bei Kräften. Dieses Gefühl kannte ich bis dahin nicht. Wenn ich in Deutschland Fieber hatte, dann habe ich hauptsächlich geschlafen, wenig gegessen und viel geschwitzt. Wenn das Fieber weg war, war ich gesund. Hier habe ich das erste Mal die Erfahrung gemacht einfach nur langsam gehen zu können, die Treppen nur Stufe für Stufe, wie ein alter Mann. Ich hatte einfach keine Kraft. Erfreulicherweise bin ich aber zum Rosenkranz um 18.00 noch fit, sodass ich wieder meine Aufgabe – mit den Jungs zu essen und sie danach beim Fernsehen zu beaufsichtigen- übernehmen kann.

Am Samstag wecke ich, das geht gut. Nach dem Frühstück bin ich aber erschöpft. Kein Fieber, einfach nur erschöpft, weswegen ich bis zum Mittag im Bett bleibe und döse, schlafe. Damit endet meine Krankengeschichte. Seit dem Mittagessen geht es mir wieder gut, vielleicht bin ich noch müde, vielleicht noch nicht wieder bei vollen Kräften, aber ich kann wieder normal meinen Tätigkeiten – die zugegeben noch nicht viel waren, aber immerhin – nachgehen. Die Erleichterung ist echt riesig, nach zwölf Tagen Bettlägerichkeit, endlich wieder in der Lage zu sein, sich normal zu bewegen und mit den Jungs zu sein.

Eine Gute Seite hatte die lange Zeit im Bett auch: Ich habe so viel gelesen, wie schon seit Jahren nicht mehr und nicht nur Unterhaltungsromane, sondern auch Bildungslektüre, die mich ermuntert haben weiter zu machen. Die mir Kraft gegeben haben, jetzt wieder mit dem Elan, mit dem ich hergekommen bin, auf die Jungs loszugehen und mich auf sie einzulassen.

Rückblickend war es vielleicht eher eine Lariamerfahrung, statt eine Malariaerfahrung ;)

Liebe Grüße

Simon

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Salam Aleikoum

Hallo Welt,

seit dem das, worüber ich hier berichten möchte ist schon so unglaublich viel passiert, dass ich mich echt anstrengen muss meine damalige Situation zu rekonsturieren:

Wir schreiben also den 13. Oktober 2009. Meine Gefühlslage ist sehr durchmischt, weil das Schulprogramm immer noch nicht angefangen hat und ich irgendwie meinen Platz noch nicht richtig gefunden habe. Zwar verbringe ich täglich zehn bis elf Stunden mit den Jungs, einige davon auch als alleinige Aufsichtsperson, aber irgendwie fehlt noch richtig was. Dazu kommt, dass ich durch meine äußerst zeitaufwändige Stelle hier noch kaum rumgekommen bin und eigentlich nur das Gebiet zwischen Village, der Kirche und den Foyers kenne. An diesem Dienstag Morgen kommt Blanchard, der tonton (hier: Onkel=Erzieher/Aufsichtsperson) vom Mamam Maguerite, zu mir und sagt, er habe im Fernsehen gesehen, dass heute Nachmittag im “Village Rasta” und morgen Abend im Goethe Institut ein deutscher Reggaekünstler auftritt. Auf der Botschaft war ich zuvor gefragt worde, ob ich vom Goethe über kulturelle Veranstaltungen informiert werden will. Naja, anscheinend haben die mein “Ja” dort nicht weitergeleitet, denn ich war sehr überrascht das von Blanchard zu hören und fragte nur ungläubig, ob der zufällig Jahcoustix heißt. Er meinte, dass er den Namen nicht mehr wüsste. Das wäre halt so ein Rastatyp. Also habe ich beim Goethe angerufen und siehe da, der ivorische Mitarbeiter Doudou antwortet mir tatsächlich, dass es mein deutscher Lieblingsreggaemusiker ist! Unglaublich! Euphorie, ich muss unbedingt dahin. Wie oft macht eine Band schon eine Afrikatournée und man hat das Glück gerade nicht nur im Land, sonder sogar in der Stadt zu sein. Also habe ich um Erlaubnis gefragt, diese bekommen und bin dann nach dem Mittagessen los, habe zum ersten Mal alleine ein Taxi genommen und bin in den Stadteil Vridi, zum Village Rasta. Dort angekommen, führte mich ein kleiner Junge an rot-gelb-grün und mit Löwen und Rastaleuten bemalten Wände, unter Palmen und auf Sand zu einem kleinen Gelände, dass von Strohdachhütten begrenzt war. Als ich dort eintrat, war ich überwältigt. Vom Strand nur durch einen Palmenstammzaun getrennt sah ich die Bühne, schon fertig bestückt mit den Instrumenten und davor die im Sand stehenden Sitzgelegenheiten unter Palmen. Ich ließ meinen Blick schweifen und entdeckte einen weißen Rastamann unter den vielen Schwarzen. Unsere Blicke kreuzten sich, ich hob zum Gruß die Hand und er winkte mich herbei. So kam ich dann mit Dominik, alias Jahcoustix ins Gespräch:

Jahcoustix 001

Dieser ist übrigens, wie man auf seiner Seite nachlesen kann u.A. hier nebenan in Liberia aufgewachsen. Ich war echt hammer überfordert, drei Wochen bevor ich hier her gekommen bin habe ich ihn noch von Weitem auf dem Reggae Jam gesehen und jetzt sitzt der Typ, dessen Musik ich seit Zweieinhalb Jahren mag auf einam neben mir und fordert mich auf sich neben ihn zu setzen. Xas darauf folgte waren einige unglaubliche Stunden, in denen ich nicht nur seine jetztige Band und den Mischer kennen lernte, sondern auch auch einen Konzert sah, dass neben ein paar von seinen normalen Liedern, sehr sehr viel Improvisation auf Basis von Dominiks arabischem “Salam Aleikoum” enthielt und dutzende Lokale Reggaesänger zu Wort kommen ließ. Alles in Allem war dieser Nachmittag dort eine einmalige Sache, die ich so schnell nicht vergessen können werde. Für den weiteren Kontakt zu den Leuten hier und der Reggaeszene habe ich mich auch gleich mit Ebenkoya angefreundet.

Ein Paradies mit "good vibrations"

So werde ich diese Szene hier wahrscheinlich nicht zum letzten Mal sehen.

Am Donnerstag war dann abends um 19.00 das richtige Konzert im Goethe angesagt. Allerdings hatte der Organisator schon großzügig zur Radiosendung um 15.00 bei RTI (Radiodiffusion Télevision Ivoirienne) eingeladen. Auch das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Um 14.47 kam ich dann dort an und war erstmal überrascht. Kaum jemand sonst zu sehen, noch keine Mikrofone. Es schien einfach noch nichts vorbereitet. Letztendlich sind Dominik und CO auch erst ein paar Minuten vor Sendebeginn aufgetaucht.

Jahcoustix 003

Voher hätten sie aber wie gesagt auch nichts sagen können. Um 15.00 ging auch erstmal die Musik los, bis alle auf der Bühne waren und der Moderator (gleichzeitig auch der Organisator vom Goethe) das erste Mal ins Mikro sprach wars bestimmt schon 10 nach. Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Sendung sich hauptsächlich um Jahcoustix dreht und warum ein deutscher Musiker hier in der Côte d’Ivoire ist und so. Pustekuchen, das Thema war die Gemeinsamkeit von Reggae und HipHop, was zur Folge hatte, dass ein Haufen verschiedener Leute playback ihre Lieder vorgestellt haben, dabei dann immer aufgestanden und getanzt wurde und im Anschluss wieder gelabert. Wieder Musik, wieder gelaber. Das war zwar für “uns Deutsche” irgendwie sehr lustig, weil keiner von uns sowas schonmal erlebt hatte, aber nach über zwei Stunden war es echt langezogen und langweilig. Es war auch nicht jedes Lied unbedingt der Bringer.

Jahcoustix 004

Danach ging es dann zum Glück recht schnell: Ich bin mit der Band nach draußen gegangen und habe mich weiter mit ihnen unterhalten, bis der VW Bus uns abgeholt hat. Ja, uns. Ich habe, alleine wie ich in dem fremden Stadtteil war, dreist gefragt, ob ich mit kann. Die konnten mir das zwar auch nicht sagen, aber ich wurde dann vom Fahrer einfach mit reinbuxiert. Es ist halt irgendwie schon praktisch, wenn alle irgendwie denken, dass man mit zur Band gehört. So bin ich dann auch ohne Einladung ins Goethe reingekommen. Dort ging dann natürlich verspätet das Konzert los. Zuerst ein paar der Musiker, die auch

Jahcoustix 005

schon am Vortag mit dabei waren und dann kam das richtige Programm. Mensch hatte ich einen Spaß. Ich bin natürlich die ganze Zeit wie verrückt rumgelaufen und habe versucht möglichst viele Fotos und Videos zu machen, gleichzeitig aber auch die Musik voll genießen – ich kann euch sagen; das geht nicht, dennoch will ich jetzt auch nichts rückgängig machen, weil ich einerseits einige echt geile Bilder machen konnte und auf der anderen Seite auch ziemlich schweißtreibend getanzt habe. Bei den sommerlichen Temperaturen hier ist Schwitzen aber auch nicht unbedingt eine Leistung ;)

Ich habe also zwei Tage absoluten Ausnahmezustand mitgemacht, die mir einen Haufen Freude, neue Freunde, viel Musik und auch Kraft für den Alltag im Foyer gegeben haben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich jetzt, weil ich mit den Jungs ins Village – Village DON BOSCO – gehe, um dort erst etwas Musik und dann Sport zu machen.

Liebe Grüße

Simon

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Die ivorische Schule…

Hallo Welt,

seit dem 14. September ist wieder Schulzeit in der Côte d’Ivoire. Viel gemerkt habe ich davon aber noch nicht. Obwohl jetzt schon in der dritten Woche, gibt es immer noch keinen regulären Unterricht, keine Hausaufgaben – man denke daran, dass wir  in Deutschland nach drei bis vier  Wochen schon die ersten Klaursuren schreiben. Weil die Jungs also nur zur Schule gehen, um dort rumzuhängen und zu quatschen, läuft bei uns auch immer noch das Ferienprogramm weiter.

Gestern habe ich dann mit Père Javier, dem verantwortlichen Salesianer für die Foyers, über meine momentanen Aufgaben und  generell  über die  Erwahrtungen an mich geredet.  Ich habe ihm erklärt, dass ich noch nicht den Drang verspüre, selber Aktionen zu leiten, zu organisieren, sondern im Moment mit meiner “Assistenz” (Bei Don Bosco der Begriff für die Begleitung der Freizeit durch die Erzieher) ganz zufrieden bin. Also quasi noch ein bisschen weiter reinkommen, die Aktionen begleiten, mit den Jungs spielen und nebenbei meine vielfältige Lektüre über Afrika fortführen und Französisch lernen. Bald, habe ich ihm versichert, würde ich aber unbedingt auch selbstständig arbeiten wollen. Z.B. morgens den Matheunterricht vom Erzieher Michel  übernehmen und nachmittags irgendwelche “außerschulischen” Aktivitäten.

Prompt habe ich dann am Nachmittag aber schon die Leitung des Basketballspiels übernommen, weil der eigentliche “Trainer” Kevin, ein junger ivorischer Jurastudent, nicht gekommen ist. Das hieß dann für mich alle Jungs erstmal zum aufwärmen Runden im Hof rennen zu lassen. Das war schon ein Kraft- und Nervenakt. Im Mamam Maguerite ist seit ein paar Tagen eine richtige Meute von 16 Jungs, sodass ich insgesammt dann etwa 30 im Auge behalten und animieren musste – und das läuft nicht so leicht wie im deutschen Sportunterricht ab, könnt ihr mir glauben. Dazu kommt, dass sie  bei mir noch nicht so spuren, wie bei Kevin, weil ich dass jetzt zum ersten Mal wirklich gemacht habe und sie mich sonst halt nicht so stark als  “instructeur” kennen, wie die anderen Erwachsenen hier. Danach dehnen, die ganze Zeit über Jungs ermahen, dass sie mitmachen müssen, wenn sie mitspielen wollen. Anschließend habe ich dann versucht die Spiele zu pfeifen – was auch echt hart war. Ich habe bestimmt 1000 Schrittfehler übersehen, aber das liegt nicht nur an mir und daran, dass ich das noch nie vorher gemacht habe, sondern daran, dass die Jungs einfach so Viele machen, dass ich echt alle Konzentration  auf Füße und Ball richten musste. So war ich mir dann auch nicht immer sicher, ob jemand wirklich gefoult hat…

Heute habe ich dann mit dem Michel “génie en herbe” geleitet, ein Spiel, bei dem die Kinder in drei bis vier Manschaften aufgeteilt werden und simultan Fragen zu verschiedenen Themen (Mathe, Musik, Politik, Sport., etc.) beantworten müssen, die dann, richtig beantwortet, Punkte geben. Dabei fühlte ich mich fast wie beim ND! Man muss sehr laut sprechen,  um über das allgemeine Murmeln hinwegzu kommen und ein paar Mal ein lautes “Ey!” hören lassen, damit wieder Alle still sind und ich ich weiter im Programm machen kann. Aber es hat viel Spaß gemacht, weswegen ich dieses Spiel jetzt öfter  leiten, oder sogar übernehmen will. Ich habe den Drang dazu ;)

Liebe Grüße

Simon

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Die 1 steht…

Hallo Welt,

ja – womit fang ich denn nun an? Es ist seit dem letzten Eintrag total viel passiert und irgendwie könnte ich bestimmt einen Roman hier schreiben, aber dazu fehlt mir die Zeit. An der liegt es auch, dass ich nicht häufiger etwas schreibe, was die Informationsflut dann ja aus den einzelnen Artikeln nehmen würde. Ein Teufelskreis also! Aber naja es ist so, wie es ist, deswegen fang ich jetzt einfach mal an:

Die Zeit vergeht immernoch unlogischerweise schnell und langsam zugleich. Was zur Folge hat, dass ich mich hier inzwischen ziemlich wohl und heimisch fühle, zugleich mich aber wundere, dass schon 1/12 des Jahres um ist. Das ist nämlich schon eine beachtliche Hausnummer.

Mein Französisch hat, obwohl ich zwischenzeitlich nicht sehr viel gelernt habe – aber für die nächste Zeit ausgiebig geplant habe, ein ansehnliches Niveau erreicht, auf dem ich mich mit den Leuten relativ gut verständigen kann. Damit bin ich echt zufrieden, hatte ich doch nie richtigen Französischunterricht.

Mein Aufgabenfeld hat sich noch nicht verändert, obwohl die Schule bereits angefangen hat. Aber weil dort jetzt schon seit 2 Wochen nur gelabert wird und nichts gelernt/-lehrt, ist das Programm im Foyer auch noch auf Ferien eingestellt. Ein ziemlich armes Bild des ivorischen Schulsystems, wie ich finde. Die Salesianer meinen aber auch einfach nur, dass das in dem Land hier einfach so ist und sind da ganz gechillt. Also beaufsichtige ich immer noch hauptsächlich morgens den Hausputz und das Frühstück und abends wieder das Essen und danach bis zum Schlafengehen das Spiel der Jungs bzw. das Fernsehen. Darüber hinaus spiele ich halt zwischendurch immer mit ihnen Karten, usw  und nachmittags  “Basket”.

Da wir 2-3 mal wöchentlich im Village sind, habe ich dort auch schon meinen “kleinen” Anhang gefunden, mit denen ich inzwischen auch Sitz- und Stehkreisspiele mache. Dabei ist lustig zu beobachten wie die Kleinen aus dem Foyer dann mit unser Bekanntschaft vor den Kindern aus dem Viertel prollen ;)

Letzten Freitag gab es auf Anregung einer abidjaner ONG (organisation non gouvernementale) im Village eine Aufführung von spanischen Clowns, die ich dokumentiert habe:

Le Spectacle 001

Oben im Bild sind noch die Reste vom Dach zu sehen, das wurde allerdings abgenommen, da der Bau einsturzgefährdet war. Das Village liegt direkt am Kanal, weswegen der Boden sehr feucht ist und auch schon das alte Provinzhaus aufgegeben werden musste. Die Bühne ist aber, wie hier zu sehen, immer noch gut nutzbar.

Le Spectacle 002

Erfreulicherweise kam das Programm bei den Kindern gut an, wie man an diesen Emotionsausbrüchen sehen kann ;)

Le Spectacle 003

Allerdings gab es auch jedemange Jonglage, die mit Spannung verfolgt wurde. Ich kann leider nicht von allen Sachen etxas hochladen, weswegen ihr euch jetzt den Jongleur denken müsst.

Le Spectacle 004

Der Zauberer hat natürlich den obligatorischen Ringtrick gemacht, aber als er ein leeres Heft, zugeklappt, mit der Hand beschrieb und es am Ende voller Bilder war, musste auch ich arg staunen.

Le Spectacle 005 Als Gastkünstler ist auch ein Ivore aufgetreten, der Mit einem Feuerstab jongliert hat, das Feuer geschluckt hat, aber wie man sieht auch ein Könner des Einrades war. Insgesamt wurde uns also eigentlich ein gesamtes Zirkusprogramm geboten – die Tiere jetzt einmal ausgenommen. Danach wollte ich eigentlich nur ein paar Bilder von den Mengen der spielenden Kinder und Jugendlichen machen, aber da ich die Kamera für alle sichtbar noch in der Hand hatte, wurde ich auf dem Weg von der Bûhne zu den Plätzen abgefangen und schon beinah dazu genötigt jede Menge, hauptsächlich uninteressante, Bilder zu machen. Die Leute fahren hier ja wie schon berichtet, ebenso wie in Ecuador, total darauf ab, dass man sie fotografiert. Das ist echt immer wieder sehr ungewohnt, da es ja eigentlich genau den Kontrast zu Deutschland bildet. Naja, ich habe die Gelegenheit dann aber beim Schopf ergriffen und Père Innocent gebeten ein Foto von uns zu machen. Der Vorteil an diesem Schnappschuss ist, dass man im Hintergrund den Fußballplatz, dahinter das Basketballfeld mit dem daneben liegenden verbliebenden Erdgeschoss des alten Provinzhauses und ganz hinten noch die neue “Basketballhalle” sehen kann.

Le Spectacle 006

ImÜbrigen ist mir in den letzten beiden Wochen auch so richtig klar geworden, dass ich für die Kleinen hier bin. Die größeren Jungs im Foyer nehmen mich als Erzieher und Aufsichtsperson wahr, für die Kleinen bin ich zusätzlich auch ein Freund und Spielkamerad. Besonders letzteres ist Don Bosco immer äußerst wichtig gewesen: Schon früh forderte er seine Mitstreiter auf “Allen alles” zu sein. Denn nur, wenn der Jugendliche eine persönliche Beziehung -Liebe- zum Erzieher aufbauen kann, ist  der Boden für eine positive Beinflussung bereitet. Denkt mal an unser Schulsystem!

So dass waren wieder eine Menge Fotos und etwas Bericht, ich hoffe, dass ich damit euren Bedürfnissen nahe komme.

Liebe Grüße

Simon

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Der Alltag kehrt ein

Hallo Welt,

hier melde ich mich wieder und es kommt mir vor als lägen Ewigkeiten zwischen diesem und dem letzten Artikel! Ich kann es im Moment noch nicht glauben, dass ich schon ber 3 Wochen hier bin… das ist ja schon fast ein Monat und ein Monat, dass ist ja schon ordentlich was.

Bei mir kehrt nämlich nun langsam der Alltag ein. Die Schule hat zwar schon angefangen, aber bis jetzt gebe ich noch keinen eigenen Unterricht. Viele, die letztes Jahr noch in der dritten Alphabetisierungsstufe waren, sind jetzt nicht mehr da, sodass sich das Ferienprogramm für mich nur dadurch geändert hat, dass jetzt morgens viele in die Schule gehen und nur ein paar Jungs im Foyer bleiben.

Gestern ist auch der Erzieher Michel, mit dem ich mich übrigens sehr gut verstehe, aus dem Urlaub wiedergekommen und ernimmt jetzt wieder viel in die Hand. Heute hat er zum Beispiel mit den Jungs ein Ständchen für Frère Magloire einstudiert, der am Montag Geburtstag hat. Außer ihm gibt es im Foyer noch die Erzieherin Mireille, die während der Ferien schon immer die “MiniAlpha” mit den Kleinen gemacht hat und zussätzlich auch noch in der Küche einspringt, wenn unsere Köchin Marie nicht da ist, oder wie heute die Zubereitung sehr aufwendig ist.

Heute möchte ich euch außerdem meine Bleibe ein bisschen weiter vorstellen:

Wie ich ja schon gesagt habe, wohne ich mit den Jungs und Magloire im Foyer Magone. (Auf dem Bild könnt ihr übrigens mein Fenster ganz links etwas abgeschnitten sehen)

Das hier ist der Blick aus der Tür auf mein Bett, vor das sich Severin gestellt hat. Da ich keine Lust habe meine Sachen immer auf der Wäscheleine auf dem Dach aufzuhängen, müssen halt Bett und Stühle herhalten. Auf der rechten Seite kann man noch im Dunkeln das Bad erkennen.

09-09-18 Ma chambre 010

Nun die Konteransicht. Gut zu sehen sind die Metalllamellen, die das Fenster bilden, dahinter ist noch ein Mückennetz, aber Abends habe ich trotzdem immer Mücken im Zimmer, weswegen das Mückennetz über dem Bett eine wirklich praktische Sache ist.

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Nun einen Blick in mein Bad, man kann gut sehen, dass jede Dusche eine Überschwemmung des ganzen Bodens zur Folge hat, aber da kann man sich dran gewöhnen, ich bin froh, dass ich fließend Wasser habe. Das wird seit Kurzem von einer Pumpe aus zwei 1000L Tanks unter der Treppe in drei 1000L Tanks auf dem Dach gepumpt, sodass das Problem des unzureichenden Wasserdrucks überwunden wird. Man kann überall im Haus auch noch die alten Anschlüsse sehen, die aus der Wand kommen. Auf dem Bild sieht man aber auch das neue Rohrsystem, was auf der Wand verläuft. Da bei mir noch die alten Rohre offen sind(werden jetzt zu gemacht), habe ich schon des öfteren Nachts ein überschwemmtes Bad gehabt, weil, wenn alle schlafen, der Wasserdruck wieder so hoch wird, dass das konventionelle System funktioniert. Das ist immer etwas abenteuerlich, wenn man mitten in der Nacht aufwacht und ein Plätschern hört ;)

09-09-18 Ma chambre 001

Zum Abschluss gibt es noch ein Foto von mir uns Severin, der übrigens auch einer meiner Liebsten hier ist. Ganz einfach aus dem Grund, das er unkompliziert ist, freundlich und sich nicht den ganzen Tag mit den Anderen streitet, prügelt oder sonst irgendeinen Nerv tötet.

09-09-18 Ma chambre 007

Das war es für heute von mir, ich gehe jetzt wieder ins Village und spiele Basketball. Entweder mit den Kleinen, oder wie die letzten beiden Male auch mit Älteren, die auch richtig spielen können, und ich deswegen auch mal 100 Prozent geben kann!

Liebe Grüße

Simon

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