Ja, wenn es den hier gibt, versucht er gerade einzutreten. Aber anklopfen wird er zunächst schon noch müssen. Da würden mir stets höfliche Khmai recht geben.
Nein, er kann ruhig noch etwas vor der Tür weilen und darauf warten das ich ihn hinein bitte. Denn, bis es soweit ist, möchte ich mich all denen widmen, die „tick-tick“ (Khmai: ein wenig) Interesse an Kambodscha und meinen Erlebnissen haben.
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Die Schulklingel, die selbst in den Ferien ihren Rhythmus stur einhielt, gibt bereits in der 2. Woche, für die Students der Don Bosco „Tech“ in Phnom Penh, Signal. Das erste erklingt bereits für die „Boarder“ um 5:30 Uhr in der Frühe.
Um diese, gar christliche Zeit, reißt es auch „bong thomas“ (höflichkeitsform der Ansprache für jemand älteren oder in der Hierarchie vorstehenden) aus dem Schlaf. Gut, zumeist dreh ich mich dann nochmal aber eine Viertelstunde später steh ich unter der permanent, wohl temperierten, kalten Dusche.
Es ist bereits kurz vor 6:00 Uhr und von da an bin ich entweder mit 87 „Boardern“ (ähnlich Internatsschülern) im Gottesdienst oder in der “Studyhall”. Nachdem jeder an seinem Tisch, mit eigenem Namenssschild, platz genommen hat, haben sie die Möglichkeit sich auf den Unterricht vorzubereiten, Hausaufgaben zu erledigen oder einfach den gelernten Stoff zu vertiefen. Ich bin mehrmals die Woche als direkter Ansprechpartner mit von der Partie. Die erste Woche starten wir uns eigentlich nur an und ich hatte viele ungläubig, dreinblickende Schüler vor mir sitzen.
Seit ein paar Tagen jedoch sind wir über diesen Schritt hinaus und sie bitten um Rat und Hilfe, wenn sie bspw. in Englisch grad nicht weiterkommen. Eine Stunde später knurrt der Magen wir freuen uns alle auf das nun anstehende Frühstück. Welches nicht ausschließlich aus Reis und Suppe besteht. Denn sie sind bereits wählerische Frühstücks-Volontäre erprobt und so stehen Weißbrot, Käse, Spiegelei und Marmelade ebenfalls jeden morgen auf dem Tisch. Ich muss sagen, dass ich mich auf alles eingestellt hab aber Kaffe, Ei und Weißbrot sind schon eine feine Sache.
Der Unterricht beginnt für alle „Students“ um 7:45 Uhr doch da ich nicht in der Schule unterrichte, habe ich zunächst etwas Zeit für mich. Am Vormittag verbringe ich Zeit mit Kindern und Jugendlichen, die erst zur Mittagszeit eine vergleichbare Schule, wie die, der Sekundarstufe 2 besuchen.
Mit dieser Gruppe, derzeit 36, werde ich versuchen Interessengruppen zu initiieren und sie außerdem in ihrem Umweltbewusstsein schulen. Denn Verschmutzung und der unzureichende Umgang mit Abfällen und Ressourcen entsteht nicht einfach durch Gedankenlosigkeit, sondern auch Unwissen. Ein schwieriges Unterfangen in einem Land das keine geregelte Abfallversorgung kennt und ihren Hausmüll vor der eigenen Tür verbrennt. Doch wenn ich sehe das ein und dass selbe Rinnsal zum waschen oder für Kochwasser genutzt wird, indem sie auch ihren Abfall werfen, ist Prävention um die daraus möglichen Gesundheitsrisiken so gering wie möglich zu halten, notwendig. Das hat dann nichts mehr mit „Abhärtung“, wie ich es hier schon einmal hörte, zu tun. Vielmehr bringt dies ihre Ohnmacht und die, eben genannte, Unkenntnis zum Ausdruck.
Es ist halb zwölf auf meiner Uhr und ich sehe mehrere hundert Menschenin Richtung Kantine eilen. Nicht viel mehr als fünf Minuten vergehen zwischen der Ausgabe der Mahlzeit und dem Gang zum Teller waschen.Hunger und Durst sind für das erste gestillt. Anschließend können sie rasten oder auf dem Sportplatz ihrem angestauten Bewegungsdrang nachgehen. Ich habe zu diesem Zeitpunkt so etwas wie die Pausenaufsicht und animiere außerdem müde Students aktiv zu werden. Meine mitgebrachten Kartenspiele kommen bei ihnen gut an und führen in eine lockere „Konversation“. Die mit Verlaub, durch sehr beschränktes Vokabular, in Khmai meinerseits und ebenso Englisch meines Gegenübers, geprägt ist. Doch, so wie man es immer wieder schon gehört hat- es funktioniert. Hin und wieder treffe ich auf junge Leute die ein sehr gutes Englisch sprechen. Einer von ihnen erzählte mir, dass er mit weiteren Kindern aus unterschiedlichen Asiatischen Nationen bei Pflegeeltern aufwuchs und sich Englisch als Basis durchsetzte. Die gilt, allein in Kambodscha, schon als Schüsselvoraussetzung für eine gesicherte Zukunft.
Die Pause ist noch nicht zu Ende und ich bitte ein paar Schüler mich auf dem Basketballplatz zu begleiten. Wir werfen gepflegte Körbe und lassen das Netz diesen netten Sound spielen, den es nur preis gibt wenn‘s genau passt- swooosh*
Kurz darauf geht es für alle Students weiter. Sie haben jetzt noch von 13:00 Uhr bis 16:30 Uhr Unterricht. Um diese Zeit esse ich am liebsten zu Mittag. Danach geht es für mich und zwei weitere Volontäre aus Indien, dreimal die Woche für 2 Stunden, zum Khmai- Unterricht.
Erst um 17:00 Uhr sind alle 85 Boarder wieder unter sich. Zu dieser Zeit stellen sie sich in Reih und Glied unterm Schuldach auf. Mo, Mi, und Freitag erledigen sie dann, unter Anleitung von drei Boarder- Verantwortlichen, einen bekleide ich, arbeiten in und um die Schulgebäude herum. Das reicht u.a. von der Toilettenreinigung, Fußwege kehren, Kantine wischen bis hin zum anpacken in der eigenen Farm. Wie mich jeder kennt, schau ich nicht gerne anderen beim malochen zu und mache mir ebenso die Finger dreckig.
An den weiteren, späten Nachmittagen in der Woche, gehen wir geschlossen auf die Sportplätze. Zuletzt regnete es meist um diese Zeit, so dass wir immer auf einen überdachten Basketball- und einen Volleyballcourt ausweichen müssen und uns der große Fußballplatz verwehrt bleibt. Dadurch ist es nicht immer einfach allen gerecht zu werden, denn Sportbegeistert sind nahezu alle hier.
Haben wir es geschafft, uns auf geringe Regeln zu einigen, wird bspw. Basketball in einer Mischung aus Ringen und Volleyball gespielt. Sie grabschen und reißen nach dem Ball und nur die Minderheit kann den Ball kontrollieren. Da fast jeder, einen oder mehrere, lange Fingernägel zum reinigen von Nase und Ohr besitzt, muss man besonders vorsichtig sein. Noch nicht zu spüren bekommen aber ich denke, das könnte schmerzhaft werden. Hat ein Team als erstes 5 Körbe erzielt, bedeutet dies für die Gegner, je nachdem wie vorher ausgemacht, 5-15 Liegestütze. Da viele bereits seit ihrer Kindheit um Geld spielen, was an der Schule verboten ist,wu rde dies als alternative gefunden. Ich interpretierte die Liegestütze zunächst als etwas demütigendes doch es wird sportlich gesehen und niemand fühlt sich erniedrigt. Kommt es allerdings dazu, dass ich, viermal hintereinander, dem Asphalt auf diese Art meine Zuneigung erweise, bin ich geneigt die Sportlichkeit zu vergessen
Ganz gleich ob wir vorher gearbeitet oder uns auf dem Sportplatz verausgabt haben, es ist um 18:00 Uhr Zeit für eine Dusche. Denn von 18:30 bis 19:10 Uhr geht es mit Pisey (einer der Assistenten) oder mir, ein zweitesmal an diesem Tag, in die Studyhall. Nach dem Abendessen ist nach einer kurzen Verdauungspause ein letztes mal büffeln angesagt. Study as usual!
Um 21:00 Uhr lass ich das Glöckchen von meinem Pult erklingen und gebe damit die Aufforderung sich zu erheben, das Abendgebet zu sprechen und sich dann auf den Weg in den Schlafsaal zu machen. Das letzte Lichtlein wird um halb zehn gelöscht und ein langer Tag Schultag findet sein Ende.
Für mich ist dann in der Regel noch nicht Schluss. Wobei ich in letzter Zeit, meine gewohnt Nachtaktivephase, nicht mehr aufrechterhalten kann. Wenn sich die beiden Zeiger, auf meiner Armbanduhr gefährlich nahe kommen, habe ich das himmelblaue Moskitonetz bereits über mein Bett gestülpt, erledige die restlichen, summenden Plagegeister und schlafe nach kurzer Zeit ein.
Die Wochenenden sind mir nicht freigestellt. Auch hier gibt es, neben längeren Phasen in denen die „Boarder“ ihrer eigenen Freizeitgestaltung nachkommen können, einen Tagesplan, gespickt mit Arbeiten, Lernen und gemeinsamen Sportaktivitäten. Jenes wird delegiert, kontrolliert und nur wenig dem Zufall überlassen.
Wenn am Sonntagmorgen, Lautsprecher heimische Klänge über das Schulgelände, in die umliegenden Häuser und Hütten schallen. Die Musik, Kinderohren nervös zucken lässt und ihnen ein breites Lächeln ins Gesicht malt, wissen alle schon längst Bescheid –
die Oratory öffnet ihre Pforten!
Letzten Sonntag war nach mehrwöchiger Pause, die mit den Schulferien zusammenhing, wieder Eröffnung. Schon am ersten Tag kamen rund 140 Kinder und man sagte mir, dass es den kommenden Sonntag gut das Doppelte werden kann.
Der Clou an der ganzen Sache ist, dass gesamte Programm wird mit vielen „Boardern“ der Schule verwirklicht. Das Prinzip, Wissen erlangen um es anschließend auch mit anderen zu teilen, haben sie tief verinnerlicht. So haben sich von den nunmehr 87 Schülern die hier leben, mehr als fünfzig dazu bereit erklärt die Kinder zu lehren und zu begleiten. Ich war völlig beeindruckt von einem Engagement in diesem Maße und dachte nur daran, wie viele Finger gen Himmel empor stiegen, würde in Deutschland eine Gruppe von jungen Erwachsenen dazu gebeten. Das ganze ehrenamtlich versteht sich.
Die Kinder können sich in unterschiedliche Klassen einteilen und sollen jeweils zwei, von diesen Klassen wählen: Khmai, Englisch, Mathematik, Malen, Gitarre, Tanz, Gesang, Sport und für die älteren steht noch die Computer- Klasse zur Verfügung. All diese Klassen werden dann noch einmal, grob, nach ihrem Leistungsniveau angepasst und wenn nötig aufgeteilt. Eine Art Volkshochschule für die Kinder in Phnom Penh – Thmey (Provinz).
Mit einem weiteren Assistenten, bin ich neben der Allgemeinen Umsetzung des Angebots auch für den Bereich „Sport“ beauftragt worden. Diesen werden wir, an diesem Wochenende mit den weiteren freiwilligen Helfern, gestalten und umsetzen.
Eine Herzensangelegenheit sind mir auch die wenig gut behandelten Kickertische aus Deutschland. Sie verharrten bei Wind und feuchter L uft stets draußen und sind nun schwer gezeichnet. Doch mit dem ein oder anderen Ersatzteil, Sandpapier, Rostentferner, Schmiere und ganz viel Liebe werden sie wieder (Kreisklassen-)Meisterreif.
Die Oratory ist hier also nicht, wie ich zunächst annahm, in gewisser Weise Vergleichbar mit einem Kinder- und Jugendzentrum wie wir es kennen. Hier steht vielmehr die formale Bildung, wie eben in Schulen, im Vordergrund.
Dies ist allerdings an die Lebensumstände der vorwiegend armen und Bildungsfernen Kinder, die bei uns einkehren, angepasst. Denn sie besuchen nicht alle eine Schule. Eher müssen sie unter der Woche viel Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen, indem sie bspw. ihre Geschwister hüten oder Flaschen sammeln gehen.
Wenn die Kinderschar uns wieder verlässt, ist es gerade einmal 11:00 Uhr mittags. Mir ist allerdings nicht entgangen, dass nach nunmehr 4 Stunden Programm, die sonst so aufgeweckten Kinderaugen, immer wieder zu fallen. Sie machen sich auf den Heimweg.
Ich weiß nicht wie es dort aussieht doch ich hoffe sehr, dass sie dort einen Platz haben um sich ein
wenig auszuruhen.
Zur selben Zeit, nur einen Steinwurf entfernt, ziehen wie jeden Sonntag um die 150 Katholiken ihre Schuhe und Sandalen, auf der Schwelle zur „Chapel“ aus. Es ist in Asien so üblich und ich interpretiere, dass neben der Reinlichkeit auch der Kontakt zu Erde (Boden), ein Gefühl stärkeren Bewusstseins darstellt.
Der Gottesdienst, der sonntags in Englisch gepredigt wird, ist stets zu großen
Teilen von Philippinischen oder Vietnamesischen Gemeinden besucht. Die, wie auch die Franzosen zu ihrer Kolonialzeit bis 1953, das Christentum ins Land gebracht und verbreitet haben. Die „Boarder“ bleiben dem meist fern, von ihnen ist ohnehin nur eine Handvoll katholisch und sie besuchen, wenn sie möchten, den Khmai-Gottesdienst am morgen.
Seit dem vergangenen Wochenende, bitte ich, auf Anfrage eines engagierten Schülers, Samstag- und Sonntagmittag zu einer freiwilligen Englischstunde. Da ca. 20 Schüler mit ihren Englischkenntnissen unzufrieden sind und befürchten nach der Ausbildung, aufgrund dessen keinen Job zu bekommen, möchten sie auch das Wochenende nicht unversucht lassen. Der Unterricht wird allerdings nicht von mir allein, sondern auch von einem der Schüler, durchgeführt. WIr machen das gemeinsam. Er ist „Khmai“, welches ungemein wichtig ist um die Schüler ebenfalls, mit ihren äußerst begrenzten Englischkenntnissen, in ihrer Landessprache zu erreichen. In der ersten Einheit, letzten Sonntag, baten wir „unsere“ Schüler sich einmal vorzustellen. Dabei stellten sich größere Niveauunterschiede heraus aber sie sind alle gewillt und möchten eben auch untereinander niemand hängen lassen.
Die Vermittlung von Grammatik macht in diesem Falle mein „Kollege“ und ich bin für die Praktischen Übungen, vor allem Aussprache und Betonung, vorne am Pult.
Dies und vieles weitere ist neu für mich oder ich tue es zumindest zum ersten Mal. Danke für diese Erfahrung!
Dieser Beitrag sollte euch (einfach) einen kleinen Einblick über meinen Wochenrythmus als Volontär, brav nach Tagesplan, hier an der Tech in Phnom Penh geben. Das hier vielmehr passiert, womit ich euch heute noch verschonen möchte, soll daraus ebenfalls hervorgehen. Kommt aber in den folgenden Schriftstücken
Doch so viel sei vorweg genommen. Einen wirklichen Alltag, so wie man ihn aus der Heimat kennt, den gibt es hier nicht. Für mich zumindest. Es ist eine einmalige Sache und dass bekannte „sich selbst kneifen“ folgt immer wieder.
Ja, es ist vielmehr , ein sich wiederholender Rythmus in dieser besonderen Situation. Das bunte, facettenreichen Treiben, die Überraschungen, eine solche Vielzahl von netten, aufgeschlossenen Menschen und die Möglichkeit all das hautnah zu erleben.
Was für eine Glückseligkeit!
Danke fürs lesen,
euer thomasch aus etc. pp

