…oder hier auch einfach keiner zu finden ist.
Mitte November hielt ich bereits einen Adventskalender in der Hand. Eingeflogen! Es stellte sich als schon fast ausweglos dar, in meinem Zimmer einen geeigneten Platz für dieses westliche Kulturgut zu finden. Nicht, dass ich für dieses Problemchen anstrebte, die Tine Wittler 24h Notrufnummer zu wählen. Vielmehr plagten mich in der Vorweihnachtszeit die Ameisen, denen die zarte Lindt Schokolade nicht entgangen war. Fast so, als würde ich sie vor meiner Nichte und meinen Neffen zu Hause verstecken müssen.
Wer annahm, am Thomas geht Weihnachten dieses Jahr völlig vorbei, tappte im dunkeln. Schon in den letzten November- und später umso intensiver in den Dezemberwochen, kam hier ein Stern, dort die roten Schleifchen, Tannengruen und Weihnachtsbaum (ok, heyyy Kunststoff) hinzu. Die Schule schmiss große Teile ihres Unterrichts und überall wo man hinschaute oder die Ohrmuschel auf Empfang stellte, wurde für das Weihnach
tsfest geprobt.
Ich sah Proben für ein Krippenspiel, Tänze und vernahm ‚Stille Nacht‘ in Khmai. Dies lies doch bereits auf ein abweschlungsreiches Weihnachtsfest schliessen.
Gleich zur ersten Dezemberwoche folgten wir einer Einladung, zum Weihnachtsspiel einer Don Bosco Schwesternschule in PP – Touel Kork. Bis zu diesem Tag, war ich noch nicht im „Christkindfieber“. Trotz oder gerade wegen der permanent 30 Grad, war statt “happy christmas”, mein “feeling” noch eher im Bereich unterkuehlt angeseiedelt.
Nach einer bezaubernden Show und dem anschliessenden Tanz auf dem Parkett, der mich richtig ins schwitzen brachte, änderte sich das nachhaltig. Auf dem Heimweg, bekam ich mein elmex-aronal grinsen, nicht mehr aus dem Gesicht.
Eine Woche später, machte ich mich mit einer Handvoll Schülern, auf einen 90 Minütigen Fussmarsch, um die Schule der Schwestern fuer einen Weihnachtsbasar erneut zu erreichen. Bevor wir allerdings die ersten Schritte am Mittag taten, schautern mich die Jungs ungläubig an. Als ich sie fragte, ob wir gemeinsam losziehen, dachten sie ich wuerde scherzen! Solche Entfernungen legen sie gaaaanz selten zu Fusse zurück.
Angekommen sind wir ohne Blasen oder schlimme Schwellungen an den Füssen. Letztenendes, so hatte ich das Gefühl, hatte ihnen der Spaziergang sogar gefallen.
Wir verbrachten einen schönen nachmittag. Mehrere unserer Schüler selbst, hatten mit einem unserer Brother Spiele vorbereitet und waren schon seit den frühen Morgenstunden vor Ort. Pfeil-Ballonwerfen, Glücksrad und (alle aktiven Tierschützer mögen es verzeihen) so eine Art Hamsterrennen.
Von 3 Versuchen diese Ballonwürstchen zu treffen, konnte ich es einmal knallen lassen und gewann ein ganzes Stück Seife. Der Hamster konnte sich zwischen 4 Nästern entscheiden und ich wettete, umgerechnet 10 cent, auf das richtige! Ich kam aus dem Jubel gar nicht mehr raus. Setzte zur Luftgitarre an doch dann sah ich schon entsetzte Gesichter im Augenwinkel. So verzichtete ich auf ein Solo alá AC\DC und nahm lediglich meinen Preis entgegen: Ein kleiner, plüschiger Urang-Utan ![]()
Danach wurden alle Besucher wieder auf die Tanzfläche gebeten und irgendwie haben sie es dabei auch immer ganz besonders auf mich abgesehen.
Nachdem wir am am Ende beim zusammenpacken halfen, war ich so grosszügig und organisierte für den Rueckweg etwas motorisiertes- die Ladeflaeche unseres Pickups
Heiligabend, war ganz ueberraschend, an einem sonnigen, nahezu wolkenlosen 24. Dezember. Fuer die feierliche Messe am morgen, holte ich mein eingestaubtes, langes weisses Hemd und die Jeans aus dem Spint. Die ganze Schule war geladen und als ich den grossen Saal betrat, schien bereits alles seit Wochen ausgebucht zu sein. Doch ich fand noch einen kleinen Zipfel und reihte mich, auf einem der grossen Gebetsteppichboeden, zwischen den Schuelern ein.
Nach dem Gottesdienst, hatten die Schüler und auch wir, besondere Momente auf der Buehne. Das eigens inszeniertes Krippenspiel, traditionelle Tanzgruppen, aktuelle, selbstgesungene Popsongs, sowie unser dreistimmiges „Holy Night“, liessen die Zuschauer kaum noch auf den Stuehlen sitzen.
Ein grosses Buffet, gespickt mit Spezialtitäten des Gourmetpalastes ‚KFC‘ erwartete uns, die Mitglieder der Community, bei Tisch. Der ein oder andere Wein und weitere edle, schwere Tropfen wurden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt (für einige kam dieser Tag zu spaet..) und wir gingen gut gelaunt ins “Wichteln” ueber. Ich erhielt ein Geschenk (einen goldenen Cambodia Teller) welches die Grenze des guten Geschmacks, wenn nicht uebertrat, zumnindest in einen Koinflikt brachte. Es war einfach witzig und wir hatten alle was zu lachen.
Als alle bereits in ihren Betten schlummerten, hielt ich noch bis 4 Uhr in der Früh durch und lies mich via skype, nach Deutschland, ins heimisch, Bergisch Gladbacher, Wohnzimmer meiner Eltern schalten. Dies ist, 22:00 Uhr Abends, für gewönlich Geschenke „Primetime“ in unserem Haus.
Da saßen sie nun alle beisammen. Schluerften Weisswein- pfirsischbowle, mueffelten Lebkuchen, selbst gebackenen Nussecken und der Baum erschien mir dieses mal festlicher und prunkvoller als je zuvor.
Nunja, ich glaub dieses Jahr hab ich auf dem Tisch, zwischen Tannengrün und Marzipanauslese, einen Platz in der Runde gefunden. Also ich fühlte mich schon etwas beobachtet.. ![]()
Glücklicherweise stand die Leitung zu dieser Zeit ausserordentlich gut und so konnte ich meiner lieben Familie auch ihre Geschenke “überreichen”. Denn die, hatte meine letzter Besuch, Horst (big buddah oder i.d. Fall Weihnachtsmann), freundlicherweise als Überepäck mit in den Flieger gepackt.
Der große Reissack aus Südostasien fand seinen Platz unter dem Baum, bei den übrigen, in klassischem Papier gehüllten Geschenken. Doch jetzt war es Zeit, den Kleber zu lösen und den Beutel zu leeren. Ich hatte für alle etwas reingepackt und so hatte nach kurzer Zeit jeder eine neue, zweifelsfrei, hochwertige, digitale Amrbanduhr ums Handgelenk und ein Touri- Cambodia- Shirt übergestreift. Es gab noch weitere Kleinigkeiten und für meinen ältesten Bruder, Dennis, der diese Mal mein Wichtel war, hatte ich noch ein seperates Päckchen zusammengezurrt. Gefüllt mit Klamotten, Sonnenbrille, Flip-Flops und all solche Dinge die ICH hier…äähmm, die Er, sicherlich auch bald gut in der Heimat gebrauchen kann.
Nach über 2 Stunden Schaltung, war ich schon fast mit Fleisch, Haaren und einem Kölsch in der Hand im tief verschneiten Deutschland doch ein einziger Klick brachte mich wieder in die Bibliothek unserer Schule, der DB Tech in Phnom Penh.
Danke Familie für dieses ganz besondere Weihnachtsfest. Im nächsten Jahr bevorzuge ich aber wieder einen Platz auf unserem Sofa und beweg mich nur um mir Spekulatius aus der Schale zu stebitzen.
Bevor ich dann am 27.12. das Land, zum erste Mal seit meiner Ankunft, verließ, feierten wir in der Oratory ein unvergessliches Weihnachtsfest.Am 2. Weihnachtstag kamen bis zu 300 Kinder, um sich von morgens früh um 7 bis in den späten nachmittag hinein, an den vielen Spielstationen zu erfreuen. Insgesamt gab es 16 von ihnen und vorallem „Fischen“, Dosen werfen oder „Torfahrradfelgenschiessen“ lies längere Warteschlangen entstehen.
Die Schüler, die in der Oratory eine „Leader“ Position eingenommen haben, bereiteten diesen Tag zu grossen Teilen selbst vor und ich war sehr froh ihnen an diesem Tag helfen zu dürfen. Es war bezaubernd und diese Energie hatte scheinbar besondere Kräfte. Es kribbelte von den Fuss- bis in die Haarspitzen und ich glaubte an diesem Tag grösser zu sein. Einen kurzen Moment den Atem anhalten-Augen schließen-vergessen-ausatmen und dann mit der Gewissheit seine Lieder zu öffnen, dass sich diese Bilder unauslöschlich in mein Bewusstsein gebrannt haben.
Unbezahlbar- Dankeschön!


