April und Mai sind die Monate, die grundsätzlich von badem im Schweiß geprägt sind- richtig heiß! Bereits morgens, um 8:00 Uhr, erklomm das Thermometer die 30 Grad Celsius und lies sich regelmäßig auf 10 weitere bis mittag hinreißen. Zu dieser Zeit wurde ich wieder zum Flaschenkind. Fünf Liter Wasser am Tag waren Pflicht und wenn dann doch mal leichtsinnig ein Kaffe dazwischen kam, glich das einem Dampfbad.
Der Fluss „Tonle Sap“, ein Arm des Mekong, der sich auch durch Phnom Penh schlängelt, schien nur noch für Paddelboote durchquerbar zu sein. Flora und Fauna begannen den Kampf ums überleben aufzunehmen und ich versuchte mein Zimmer stets abzudunkeln. Nachts stabile 28 Grad lassen den Ventilator an der Decke ganz schön klein erscheinen…
Die 2. Woche im April, in der Kambodscha über 3 Tage Neujahr feiert, machte ich mich zunächst mit Schülern auf den Weg in den Norden. Ziel war das rund 350 km entfernte Preah Vihear, welches die Heimat eines unserer Boarder ist. Hört sich auf mitteleuropäischen Autobahnen nach guten 4 Stunden an. Allerdings sind die Strassenverhältnisse, gerade in Richtung Norden und Osten noch in einem häufig losen Zustand. Auf dem Weg besuchten wir weitere Schüler oder sammelten sie ein und waren letztendlich den ganzen Tag unterwegs.
Im Haus von Nathan, der zum Elektriker ausgebildet wird, und seiner Familie duften wir nächtigen. Nathan hat sein Familie das letzte mal kurz vor seinem ersten Schultag in Phnom Penh, an der Don Bosco Technical School, gesehen. Das ist nun schon mehr als 7 Monate her. Ich hatte einen Aufmarsch der ganzen Familie erwartet. Armumschlungen würde er von seinen Schwestern, Brüdern und Eltern empfangen.
Es war eher nüchtern, als sei er nur mal kurz Wasser zum kochen aus dem Flusslauf holen. Diese scheinbare Distanz ist mir auch schon früher aufgefallen.
Doch darf darin nicht ein Mangel an Zuneigung interpretiert werden. Sie wissen ihren Jungen in guten Händen und dass macht sie glücklich. Öffentliche oder gar überschwengliche Emotionen, wie zu einer Begrüßung oder einer Verabschiedung liegen nicht ihrem naturell.Wir befinden uns in einem Dorf namens Slang (Bezirk Chey Seng). Kinder spielen Fußball mit selbst geflochtenen Bällen aus Bambus, Mangobäume legen uns ihre leuchtend, grüne Frucht in den Mund und das Vieh läuft vergnügt, ohne jedes Gatter, um uns herum. Als seien wir gar nicht da.
Bevor die Sonne untergeht, möchten wir uns den Staub und Schweiß eines langen Tages von der Haut spülen.
Etwa hundert meter hinter ihrem Haus ,befindet sich ein Flussbett, welches an einigen Stellen mit einem Schacht versehen ist. Darin sammelt sich klares Grundwasser. Klamotten aus und die Kelle über den Kopf- halt! So einfach ist das nicht. Man reicht mir ein Kromaa (traditionelles Stoffstück, Art Schal, Handtuch, welches sehr vielseitig eingesetzt wird) der mir als Lendenschürze dienen soll. Anschließend darf sich ein weniger genußvolles, denn nützliches Bad nehmen. Da ich noch nicht ganz so geschickt mit dem Stoff bin
, hier und da schon mal das rutschen beginnt, hab ich die Lacher auf meiner Seite.
Schon vor dem eigentlichen „khmai new year“ gibt es Anlass zu feiern und so vernehmen wir, während wir uns das Essen im Haus schmecken lassen, von der nicht allzuweit entfernt liegenden Pagoda, Musik aus dröhnenden Lautsprechern. Generell sind sie in Kambodscha sehr schmerzfrei was die höheren Frequenzen betrifft. Ein Fest für jeden HNO
Klar, dass wir dem Ruf folgen…
Die ganze Gemeinde scheint heut Abend zu gegen. Der eine Teil der Jugend tantzt vor einer Wand von Boxen (die scheint es wirklich überall zu geben) oder schaut gespannt zu und andere versuchen sich im Glücksspiel. Diese Art von Zeitvertreib ist leider sehr verbreitet und beginnt schon im Vorschulalter. Sie sin da sehr Variationsreich.
Ob klassisch mit Karten, Würfeln, Glücksrädern oder einer Art Boccia, bei dem sie ihre Sandalen über Lang kicken – sie haben einen Hang zum Zocken. Sie tun das selbst in unserer Schule. Nun seltener, da strenger kontrolliert und sanktioniert, jedoch schwierig nachzuvollziehen und daher wird Volleyball, weiterhin nicht ausnahmslos als Zeitvertreib, in den Pausen gespielt. Auch ich versuche mich an einem sehr beliebten Stand, bei dem ich Pfeile auf Reihen von bunten Luftballons jage. Das kenn ich doch irgendwoher.
Nach dem wir gemeinsam ein paar Songs auf der Tanzfläche interpretierten, schien alles in einem Umkreis von 50m, in einer Wolke aus Staub gehüllt zu sein und wir machten uns aus dem selbigen…
Die Nacht ist deutlich angenehmer als in Phnom Penh und so können wir uns ale über eine ordentliche Mütze schlaf freuen. Dieser, so wie sich herausstellen sollte, auch mehr als unserer Schönheit dienen sollte.
Am nächsten Tag verlassen wir Früh das Haus unserer Gastgeber. Wir machen uns auf den Weg zu einem, bereits seit Generationen strittigen und seit ein paar Monaten wieder mit Schusswechseln und Todesopfern, umkämpften Teil zwischen Kambodscha und Thailand. Es ist die Tempelanlage „Prasat Preah Vihear“ die einst innerhalb thailändischer Grenzen lag. Erbaut, zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert und der Hindu Gottheit Shiva gewidmet.
…die ersten Schritte am Fuß des Hanges zum Tempel genommen, waren wir auch fest entschlossen, einen Blick von oben und eine Antwort, auf den Grund der besorgniserregenden Entwicklungen zu riskieren.
Der Aufstieg war Steil, gesäumt mit Patrouillien und Stützpunkten die Richtung thailändische Felsseiten zeigten. Wir konnten ebenfalls die gegenüberliegenden Aussichtsplattformen und die, jeweils auf beiden Seiten, aufgetürmten Sandsäcke erkennen. Unzählige Einschüsse, die aussahen als hätten sie vor nicht allzu langer Zeit ihr Ziel verfehlt, ließen mich einen Soldaten nach dem letzten Schusswechsel fragen. Gerade einmal 2 Tage sei es her, dass ihm und seinen Kollegen die Kugeln um die Ohren flogen. Eingeschüchtert blickte ich auf die frischen spuren entlang der Felsen, die mich mitten in einem militärisch, umkämpften Schauplatz ablichteten. Mit einem gequälten lächeln brachte er über die Lippen, das es in 2 Tagen, nach „khmai new year“, welches wohl respektiert wird, wieder losgeht. Es ist das erste mal, das ich mit einer solchen, nationalen Gewalt konfrontiert werde.
Wir ließen uns aber nicht vom Weg abbringen und so passierten wir hunderte, grüßende Soldaten, die sich ausruhten, Karten spielten, Essen über offenem Feuer zubereiteten und ihre Geschütze stets in greifbarer nähe wußten. Einige Tage später laß ich in der Tageszeitung „Phnom Penh Daily“ das es auf beiden Seiten weitere Opfer zu berichten gibt und eine Lösung noch nicht abzusehen ist.
Grund für diese Auseinadersetzug:
Kambodscha war Französiche Kolonialmacht (1863 – 1953) und Thailand gab 1907, die Nordwestprovinzen, die sie seit 1794 unter ihrer Kontrolle waren, an Kambodscha unter Druck der Franzosen, um militärischen Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen, zurück.
Darunter auch das Gebiet um den Tempel „Prasat Preah Vehar“. Dieser gilt als ebenso bedeutsam wie die Anlagen in Angkor. Thailand, der konservative Flügel des Landes, fordert es zurück oder zumindest die Ablehnung des Eintrages „UNESCO Weltkulturerbe“. Dies sah der Nachbar Kombadschas als Staatsbeleidigung und in Anbetracht, ihrer Auslegung der Historie, als nicht hinnehmbar.
Meines erachtens geht es Thailand um politisches Prestige, Einnahmen des Tourismus und die einstige, einflussreiche Nation Kambodscha, dies sie vor dem Überfall der „roten khmer“ war, nicht weiter an Gehör und Macht, tilhaben zu lassen. Doch wieder einmal wird Kultur, Kulturerbe, als vorgeschobener Grund von Macht und Ignorantz benutzt. Um die 25.000 Menschen mussten auf beiden Seiten evakuiert werden und mindestens 10 Soldaten verloren in den letzten Monaten ihr Leben. Ende April einigten sie sich auf eine Wafferuhe.
Unser Domizil bis zum nächsten Tag, ist ein Haus der Gemeindehelferin in „Kulen“, eine gute Autostunde vom Kriesenherd entfernt. Wir sitzen lange auf dem kühlen Boden des Hausflures. Essen, erzählen und fallen irgendwann in die Betten. Eine friedliche Nacht.
Ich werde am nächsten morgen zurückgelassen. Meine Jungs reisen, eine halbe Stunde vor mir, wieder Richtung Phnom Penh ab. Ich war entschlossen nach Siem Reap und anschließend nach Battambang zu fahren.
Dies hier soll kein Reisebericht werden, jedoch möchte ich nicht unterschlagen das Siem Reap auch neben Angkor viel zu bieten hat. Vor allem westichen Standard und eine recht unbekümmerte Atmosphäre. Einfach anders.
Das Motorboot sollte 2 Dutzend Reisende und mich von Siem Reap nach Battambang bringen. Es führte vorbei an schwimmenden Dörfern, die ausschließlich von Vietnamesen bevölkert sind. Scheinbar völlig Isoliert, haben sie sich dem Element Wasser angepasst und „Water World“ ist mehr als treffend. Diese Gemeinschaften sind jedoch nicht aus freien Stücken entstanden. Als Flüchtlinge kamen sie nach Kambodscha. Jedoch dürfen sie nicht auf dem Festland leben und sahen sich daher gezwungen aufs Wasser zu ziehen.
Diese Umständel, bieten allerdings für jeden Außenstehenden, ein unglaubliches Schauspiel. Du kommst aus dem Staunen nicht mehr raus. Kirchen, Märkte, Wäschereien, Tankstellen, Restaurants- alles auf Brettern, die einen halben Meter über den Fluss reichen. Sprachlos und beeindruckt verfolge ich, vom Dach unseres Bootes, das bunte treiben von Menschen im Einklang mit der Natur.
Die Einheimischen zieht es, während der Feierlichkeiten an „khmai new year“ , raus zu ihren Familien aufs Land. Daher war Battambang, so wie jede größere Stadt, leergefegt. Der Betrieb der Geschäfte und der Märkte wird auf schätzungswesie 25% runter gefahren. Doch Eines der Toursiten – Highlights, welches ich mir nicht entgehen lassen konnte, ist der „bamboo train“ und der rollte
Die Schienen schläääängeln sich über Feld und Wiesen. Wir passieren Feldarbeiter beim Säen, Straßen, Brücken und haben bei einer weitaus rasanteren Fahrt wie ich glaubte, auch noch Gegenverkehr auf unserer Bambus- Linie. Mit ein paar Handgriffen werden zwei Achsen, Bambusboden, Motor und ein Lokführer, von den Schienen getragen. Nachdem die andere “Bambusmatte” passiert hat, stecken wir alles
wieder zusammen und rollen wieder los. Wie lange , diese einfache Transportmöglichkeit, die neben Personen regelmäßig weitere Güter bspw. Lebensmittel oder Vieh befördert, noch in Betrieb bleibt scheint absehbar. Die Stadt will es aufgrund von Plänen, der landesweiten Erschließung des Regionalen Zugverkehrs, stilllegen. Doch davon wird schon seit vielen Jahren gesprochen. Dabei wäre ein Personen- Zugverkehr ein Segen für das aktuelle Strassenverkehrsaufkommen. Es wäre Schade um den einmaligen „bamboo train“ doch ihn dafür zu Opfern, ließe sich für das allgemeinwohl verschmerzen.
Wünsch euch Sonne, ganz viel blau und Eis am Stil!!
Ich bin raus,
euer thomas



