Sonia aus Rumänien

Sonia war neun, als die Kanalschächte zu ihrem Zuhause wurden. Gemeinsam mit ihrem Bruder Vasile war sie vor ihrem Stiefvater auf der Flucht und lebte auf der Straße.

Ein Kanalschacht als Zuhause

Sonia war neun, als die Kanalschächte zu ihrem Zuhause wurden. Ein zartes Mädchen mit kurzen, blonden Haaren. Zusammen mit ihrem älteren Bruder Vasile lebte sie auf der Straße. Die Mutter war gestorben, der Stiefvater froh, dass die Kinder wegliefen. Die Flasche war ihm näher als die Kinder seiner Frau. Kinder, die auf der Straße Zuflucht suchen, weil keiner für sie Verantwortung übernimmt.

Sonia kann die Erinnerung nicht löschen, nur damit leben.

Heute ist Sonia erwachsen und Mutter einer Tochter. Sie will ihr ein besseres Leben bieten. Ihre Wohnung gleicht einem Schuhkarton, aber die Größe ist ihr egal. Sie muss nicht auf der Straße leben und nachts in einen Kanal kriechen. Sonia kann die Erinnerung an den dunklen, schmutzigen Schacht nicht löschen, aber sie kann damit leben. „Das Leben auf der Straße ist hart - für Mädchen noch härter. Wir wurden viel verprügelt. Niemand hat uns geholfen. Die Angst war immer da“, erzählt sie. 

Video: Kanalkinder in Rumänien

Ihre Tochter muss Sonia alleine großziehen

In Sonias Wohnung ist alles sauber und aufgeräumt. An den Wänden hängen Fotos: von ihr, der Tochter und ihrem Mann. Er ist mit Anfang zwanzig an einem Tumor im Bauch gestorben. Deshalb muss sie die Tochter alleine großziehen. Monatlich erhält die 26-Jährige eine kleine Rente von rund 100 Euro. Das Apartment kostet 30 Euro. Große Sprünge können Mutter und Tochter nicht machen.

Sonia hat es geschafft, in Würde zu leben

„Ich hätte gerne einen festen Job. Sobald man aber hört, aus welchem Viertel ich komme, findet man eine Ausrede und lehnt mich ab“, sagt Sonia. Doch sie bleibt zuversichtlich. „Sonia hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ihre Tochter ist für sie das schönste Geschenk! Beide haben es geschafft, in Würde zu leben. Das macht mich glücklich!“, sagt Don Sergio, der damals auf die junge Sonia aufmerksam wurde und sie und ihren Bruder zu Don Bosco holte.

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße