Mojo* aus Ghana

Eine Kuh gegen vier Jahre von Mojos Lebenszeit – so war der Deal. Mojo war 10, als er mit dem Spielen aufhörte und mit dem Schuften begann.

Als Kinderarbeiter in einer Fischerei

„Ein Mann kam und versprach mir: Wenn ich vier Jahre lang für ihn arbeite, bekommen meine Eltern und ich eine Kuh“, erinnert sich der heute 16-Jährige Mojo*. Der Mann war Fischer auf dem Volta-See. Mojo musste tagein tagaus paddeln, Wasser aus dem Boot schöpfen und nach Netzen tauchen.

Kinder riskieren ihre Gesundheit und ihr Leben

An kurzen Tagen ging die Arbeit morgens um fünf oder sechs Uhr los. An langen Tagen begann die Arbeit schon um drei. Feierabend war immer nach 20 Uhr. „Wir waren immer hungrig“, erzählt Mojo. Er bekam nur zweimal am Tag etwas zu essen. „Und wenn du einen Fehler gemacht hast, gab es Schläge.“ Auf dem Grundstück der Salesianer Don Boscos finden überwiegend Jungen Zuflucht. Mehrheitlich sind sie es, die in Ghana arbeiten müssen.

Kinderarbeit hat ganz unterschiedliche Gesichter

Die Aufgaben von Kinderarbeitern variieren weltweit je nach Land und Region.  Am Volta-See riskieren zahlreiche Jungs ihr Leben und ihre Gesundheit bei der Fischerei. Sie tauchen ohne Schutzausrüstung und mit teils mäßigen Schwimmkenntnissen nach verfangenen Netzen. Oft sind sie stundenlang im Wasser. In anderen Regionen Ghanas schuften Kinder in illegalen Goldminen, auf Kakao-Plantagen oder als Träger. Manche Mädchen werden sogar in die Prostitution oder als Haussklavin verkauft.

Mojo möchte Elektriker werden

Heute lebt Mojo im Boys Home der Salesianer in Sunyani, einem Wohnheim für Straßenkinder und Waisen. 40 bis 50 Jungen erhalten hier die Möglichkeit, ihren Schulabschluss oder eine Ausbildung zu machen. Mojo möchte gerne Elektriker werden, um Menschen Strom in ihre Häuser zu bringen.

*Namen von Redaktion geändert; Text: Simone Utler

 

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße