Francis* aus Ghana

Francis ist in einem rauen Umfeld groß geworden. Das prägt ihn noch heute. Er war gerade mal sechs Jahre alt, als die Salesianer ihn von der Straße holten.

Als Kleinkind auf den Straßen Ghanas

Francis* verrät auf den ersten Blick, dass er aus einem rauen Umfeld kommt. Mit seinen neun Jahren steht er wie ein Großer: die Beine breit, die Arme vom Körper gespreizt, den Kopf zur Seite gelegt. Doch wenn er zu sprechen beginnt, kommt der kleine Junge durch, der so gerne Tischtennis spielt.

Ein neues Zuhause für Francis

Francis war noch nicht mal sechs, als die Salesianer auf ihn aufmerksam wurden und ihn ins Boys Home holten. Das Wohnheim für Straßenkinder und Waisen liegt in der Stadt Sunyani in Ghana. 40 bis 50 Jungen im Alter zwischen 8 und 20 Jahren können hier ihren Schulabschluss oder eine Ausbildung machen.

Dass jemand für ihn kocht, ist etwas Besonderes für Francis

Francis Vater war nicht da, die Mutter mit der Situation überfordert. Die Hütte der Familie versank im Chaos. Es gab kein Bett, keine Matratze, Francis schlief auf dem Lehmboden. Tagsüber hing er auf der Straße ab und ging mit Freunden mit, wenn er Hunger hatte. „Das Beste an dem Boys Home ist, dass sie für mich kochen“, sagt Francis. Reis und Fleischeintopf isst er am liebsten. Zuhause hat niemand für ihn gekocht.

*Name von Redaktion geändert; Text: Simone Utler

 

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße