Arun* aus Indien

Als kleiner Junge kam Arun zu einem Verwandten. Weil er dort verprügellt wurde, wollte er nach Hause fahren. Er nahm den falschen Zug und landete alleine in Neu-Delhi.

Vom Weg abgekommen

Als Arun* ein kleiner Junge war, wurde seine Mutter schwer krank und musste ins Krankenhaus. Sein Vater brachte ihn zu einem Verwandten im Bundesstaat Punjab. Der hat ihn oft verprügelt. Arun hielt es dort keine zwei Monate aus. Er beschloss, nach Hause zu fahren. Er nahm den falschen Zug und landete in Neu-Delhi.

Allein an einem fremden Ort

Arun lebte eine Zeit lang auf einem Bahnsteig. Er hatte weder etwas zu trinken, noch etwas zu essen. Irgendwann fiel Arun der Polizei auf. Sie verständigten die Mitarbeiter von Don Bosco. Diese boten ihm an, im Don Bosco Heim „Ashalayam“ unterzukommen. „Ich werde nie den Abend vergessen, als wir hier im Heim ankamen. Der Flughafen ist in der Nähe und plötzlich sah ich über den Dächern ein Flugzeug. Ganz nah, ganz groß“, erinnert sich Arun.

Das Ashalayam in Neu-Delhi

Wiedersehen mit der Familie

Arun dachte jeden Tag an seine Familie. Er erzählte den Salesianern, dass er nach Hause wolle. Die Mitarbeiter Don Boscos konnten seine Familie ausfindig machen und Aruns Eltern kamen nach Delhi. Sie fragten die Salesianer, ob Arun bleiben und zur Schule gehen könne. Arun blieb. Inzwischen hat er die zwölfte Klasse abgeschlossen, ist drei Jahre zum College gegangen und hat ein Diplom in Fotografie.

Heute arbeitet Arun als Fotograf

Arun lebt nun im Hostel, hat gute Freunde gefunden, mit denen er abends gerne Filme auf einem Laptop guckt. Er ist in einem Unternehmen als Fotograf angestellt und nimmt Schmuck, Kleidung und Dekorationsgegenstände auf. Manchmal arbeitet er auch als selbstständiger Fotograf auf Hochzeiten. Die vergangenen Jahre hat er gespart und konnte sich endlich eine gute Spiegelreflexkamera kaufen.

 *Name von Redaktion geändert

 

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße