Dev* aus Indien

Weil sein Vater ihn schlug, lief Dev von Zuhause weg. Seitdem lebt er am Bahnhof von Neu-Delhi. Ein Leben ohne die "Freiheit der Straße" kann er sich nicht vorstellen.

Ein Leben auf Bahngleis 6

Devs* Mutter starb, als er noch sehr klein war. An sie erinnern kann er sich nicht. Dev wuchs bei seinem Vater auf, der ihn oft geschlagen hat. Er lief von Zuhause weg und landete am Bahnhof von Neu Delhi. Es dauerte nicht lange bis die Mitarbeiter von Don Bosco ihn aufmerksam wurden. Sie brachten ihn in ein Don Bosco Zentrum für Straßenkinder, das Ashalayam  - Haus der Hoffnung – heißt.

Gewöhnt an ein Leben auf der Straße

Dev war dort nur sehr kurze Zeit. Er konnte sich nicht an die Regeln und den Tagesablauf gewöhnen. Dev ging zurück zum Bahnhof und ist dort geblieben. Gemeinsam mit anderen Jungen lebt er auf Bahnsteig 6. Manchmal auch auf Bahnsteig 9, wenn sie den Ort wechseln müssen. Für Dev sind die anderen Jungen seine Clique.

An guten Tagen verdient Dev vier Euro

Gemeinsam mit seinem Freund Anil* sammelt er leere Flaschen. Wenn ein Zug in den Bahnhof kommt und alle Reisenden ausgestiegen sind, suchen sie im Zug nach Flaschen. Manchmal fragen sie auch Reisende oder suchen im Müll. Die Flaschen verkaufen sie dann an Geschäfte. An guten Tagen verdient Dev auf diese Weise 200 bis 300 Rupien (zwei bis vier Euro). 

Dev braucht "die Freiheit der Straße"

Essen und Getränke bekommen Dev und seine Freunde von einer Organisation am Bahnhof. Hier geht er auch manchmal hin, um bei den angebotenen Unterrichtsstunden zu zuhören. Ab und an kommt Dev auch nochmal im Ashalayam vorbei. Er fühlt sich hier zwar sehr wohl, kann sich ein Leben ohne die „Freiheit der Straße“ aber nicht vorstellen.

 *Name von Redaktion geändert

 

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße