Yaema* aus Sierra Leone

Yaema wurde über Nacht zur Vollwaise. Ihre Eltern kamen bei einem Erdrutsch ums Leben. Seitdem kümmert sie sich die 14-Jährige alleine um ihre kleine Schwester.

Über Nacht zur Waise

In der Nacht zum 15. August 2017 ereignete sich in Sierra Leone eine der schlimmsten Naturkatastrophen des Landes. Der Erdrutsch am Sugar Loaf Mountain unweit der Hauptstadt Freetown löste eine verheerende Schlammlawine aus. An die 1.000 Häuser stürzten ein, ebenso viele Menschen verloren ihr Leben. Unter den Toten waren auch die Eltern der 14-jährigen Yaema* und ihrer kleinen Schwester Fatu*.

Zuflucht bei Don Bosco Fambul

„Ich war auf dem Weg von meiner Großmutter zurück nach Hause, als ich sah was passiert ist“, berichtet Yaema, die mit ihrer dreijährigen Schwester bei Don Bosco Fambul in Freetown Zuflucht gefunden hatte. Unter normalen Umständen leben hier um die 60 Menschen - hauptsächlich Straßenkinder. An den blau gestrichenen Mauern des Hofes stehen kleine Fußballtore, aus der Küche daneben strömt der Geruch von Essen. Die Luft ist stickig. Der Geräuschpegel hoch.

Yaema trotzt ihrem schweren Schicksal

Wie im Kontrast dazu bleibt Yaemas Blick ruhig und ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Trotzdem wirkt die junge Frau, die erst wenige Monate zuvor über Nacht zur Vollwaise wurde, erstaunlich gefasst. Selbstbewusst erzählt sie von den Plänen für ihr Leben. Yaema geht auf die Junior Secondary School, eine weiterführende Schule. Später will sie die Universität besuchen. "Meine Lieblingsfächer sind Mathematik und Wirtschaft, ich möchte gerne Buchhalterin werden", sagt sie.

Es geht um Familie, Verlust und Gemeinschaft

Yaema erzählt von ihrem Tagesablauf bei Don Bosco Fambul. Nach der Schule wäscht sie ihre Schuluniform, macht Hausaufgaben und kümmert sich um ihre Schwester Fatu. Yaema singt und liest gern. Ihr Lieblingsbuch ist der feministische Episodenroman "So long a letter". Erzählt wird die Geschichte einer selbstbewussten jungen Frau. Es geht um Familie, um Verlust und das Leben in der Gemeinschaft.

Verantwortung für die kleine Schwester

Auch für Yaema hält das Leben nach dem Tod ihrer Eltern eine neue Aufgabe bereit. "Sie wird natürlich mehr in die Rolle einer Mutter mit mehr Verantwortung für Fatu schlüpfen", sagt Pater Jorge M. Crisafulli, Direktor von Don Bosco Fambul. "Ich habe auch Muttergefühle", bestätigt Yaema. "Aber Fatu bleibt meine Schwester!" Das ist ihr wichtig.  Yaema und Fatu leben jetzt bei ihrer Großmutter. Etwa eine Autostunde entfernt von ihrem alten Zuhause. Yaema ist seit dem Unglück nie wieder dort gewesen.

 *Name von Redaktion geändert, Text: York Schaefer, Bilder: Jonas Völpel

 

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße